Symptome – Beschwerden
Synkope und Kollaps

Folgende Symptome und Beschwerden können auf Synkopen hinweisen:

Leitsymptom

  • Kurzfristige Bewusstlosigkeit mit/ohne Hinstürzen

Beachte: typische Auslöser, Prodromi (uncharakteristische Vorzeichen oder auch Frühsymptome einer Erkrankung), kurze Reorientierung

Kanadischer Synkopen-Risiko-Score [1]

Faktoren Punkte
Prädisposition für vasovagale Symptome* -1
Bekannte Herzerkrankung** 1
Jeder systolische Wert < 90 oder > 180 mmHg 2
Erhöhte Troponinwerte (> 99. Perzentile der Allgemeinbevölkerung) 2
Abnorme QRS-Achse (< –30° oder > 100°) 1
QRS-Zeit > 130 ms 1
Korrigiertes QT-Intervall > 480 ms 2
Diagnose einer vasovagalen Synkope -2
Diagnose einer kardialen Synkope 2
Gesamtscore (–3 bis 11)  

* Trigger sind warme, enge Räumlichkeiten, langes Stehen, Angst, starke Emotionen oder Schmerz

** Dazu zählen Herzinsuffizienz, KHK, Herzklappenerkrankungen, Non-Sinus-Rhythmus

Risikobewertung

Gesamtscore 30-Tagesrisiko für gravierende Ereignisse (%) Risikokategorie
-3 0,4 sehr niedrig
-2 0,7 sehr niedrig
-1 1,2 niedrig
0 1,9 niedrig
1 3,1 moderat
2 5,1 moderat
3 8,1 moderat
4 12,9 hoch
5 19,7 hoch
6 28,9 sehr hoch
7 40,3 sehr hoch
8 52,8 sehr hoch
9 65,0 sehr hoch
10 75,5 sehr hoch
11 86,3 sehr hoch

Warnzeichen (red flags)

  • Es kann nicht von einer harmlosen Kreislaufreaktion ausgegangen werden, wenn in der Anamnese (Krankengeschichte) folgende Hinweise bzw. Krankheiten vorliegen:
    • Todesfall eines Familienmitglieds im Alter unter 30 Jahren
    • Herzerkrankungen
    • Synkope:
      • beim Schwimmen
      • nach Palpitationen (Herzstolpern) oder thorakalen Schmerzen (Thoraxschmerz/Brustschmerzen)
      • nach lauten Geräuschen, nach starker emotionaler Belastung (Hinweis auf Long QT-Syndrom)
      • während körperlicher Belastung (Hinweis auf Herzrhythmusstörungen, Koronararterienanomalie/Anomalie der Herzkranzgefäße)
  • Bei jungen Patienten handelt es sich eher um eine vasovagale Reaktion (Kreislaufkollaps).
  • Bei Patienten mittleren Alters handelt es sich eher um eine Herzrhythmusstörung oder transitorische ischämische Attacke (TIA; plötzlich auftretende Durchblutungsstörung des Gehirns, die zu neurologische Störungen führt, die sich innerhalb von 24 Stunden zurückbilden).
  • Bei einer Synkope + Thoraxschmerz (Brustschmerzen) → denken an: Myokardinfarkt
  • Bei einer Synkope stets auch an eine schwere innere Blutung (z. B. gastrointestinale Blutung/Magen-Darm-Blutung) denken. 
  • Sieht der Patient wie tot aus und hat bei Erholung eine auffällige Gesichtsrötung, so ist dieses ein Hinweis auf einen Adams-Stokes-Anfall (über einen Beobachter/dabei Anwesenden sollten Informationen zum Ablauf eingeholt werden).
  • Die Feststellung eines Aortengeräusches sollte Anlass zur sofortigen Einweisung in ein Krankenhaus sein. Eine Aortenstenose (Herzklappenfehler, bei dem der Ausflusstrakt der linken Herzkammer verengt ist) kann zu einem plötzlichen Herztod führen.
  • Zuckungen bis hin zu bilateralen symmetrischem Myoklonien (rasche unwillkürliche Muskelzuckungen; Zeichen eines Grand-Mai-Anfalls) → denken an:
    • Hyperventilationssyndrom (gesteigerte Atmung, die über den Bedarf hinaus geht); Symptome: z. B. Muskelkrämpfe, Parästhesien (Fehlempfindungen), Pfötchenstellung der Hände
    • Synkope (s. o.): blasser Patient, nach wenigen Sekunden wieder reorientiert; berichtet häufiger von einem Auslöser; gibt Schwarzwerden vor den Augen an; ggf. bilateraler Tinnitus (beidseitige Ohrgeräusche); tonische Phase ist gering; Myoklonien sind kurz, arrhythmisch und multifokal
    • Epilepsie (Krampfanfall); zyanotischer Patient, der nach einem Grand-Mal-Anfall oft 5-45 Minuten zur Reorientierung benötigt; postiktal: Zungenbiss (ca. 30 %), Einnässen (ca. 20 %), Kopfschmerzen (ca. 40 %); Auslöser selten; tonische Phase ist ausgeprägt; Myoklonien sind heftig, rhythmisch und symmetrisch

Literatur

  1. Thiruganasambandamoorthy V et al.: Development of the Canadian Syncope Risk Score to predict serious adverse events after emergency department assessment of syncope. CMAJ 2016, online 4. Juli doi:10.1503/cmaj.151469
     
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