Medizingerätediagnostik
Synkope und Kollaps

Obligate Medizingerätediagnostik

  • Wiederholte Blutdruckmessung* an beiden Armen mit dem Armumfang angepasster Manschette.
  • Elektrokardiogramm* (EKG; Aufzeichnung der elektrischen Aktivitäten des Herzmuskels) – zur Basisdiagnostik bzw. bei Verdacht auf eine arrhythmogene Synkope (bedingt durch eine Herzrhythmusstörung)

Fakultative Medizingerätediagnostik ‒ in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese, der körperlichen Untersuchung und den obligaten Laborparametern ‒ zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • Orthostasetest (Schellong-Test) 
    • 1. Teil (Messungen in liegender Position): In minütlichem Abstand werden Blutdruck und Puls gemessen. Dauer: 5-10 Minuten.
    • 2. Teil (Messungen in stehender Position): Sofort im Anschluss an die letzte liegende Messung werden der Blutdruck und der Puls im Stehen gemessen (Sofortwert). Während der Standzeit wird in minütlichem Abstand, die Messung wiederholt. Dauer: 5-10 Minuten
    Beurteilung: Der Schellong-Test ist positiv, wenn der systolische Blutdruck anhaltend um mindestens 20 mmHg und/oder der diastolische um mindestens 10 mmHg im Stehen innerhalb von 3 Minuten nach dem Aufstehen abfällt (im Vergleich zu den Ruhewerten nach 4 Minuten Liegen) oder bei 60° Elevation auf dem Kipptisch.
    Alternativ spricht man von einer orthostatischen Hypotonie bei einem Abfall um mehr als 30 mmHg bei hypertensiven Patienten mit Blutdruck über 160 mmHg in Rückenlage.
    In diesen Fällen ist eine sogenannte orthostatische Fehlregulation sehr wahrscheinlich.
    Indikation: V. a. 
    Reflex oder orthostatische Dysregulation
    Hinweis: Die Klapptischuntersuchung hat den Empfehlungsgrad IIa.
  • Langzeit-EKG (Holter-EKG) (über 24 Stunden angelegtes EKG; zur genaueren Beurteilung der Herzfunktion innerhalb des Tages) – Indikationen [ESC-Leitlinie: Empfehlungsgrad IIa]:
    • die Klinik oder der EKG-Befund auf eine arrhythmogene Synkope hindeutet; und
    • wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es bald wieder zu einer Synkope kommt; und
    • wenn der Patient von einer spezifischen Therapie profitieren könnte, falls die Ursache gefunden wird.
  • Event-Recorder (Langzeit-EKG über einen längeren Zeitraum von meist 24 Stunden; kardiale Arrhythmien?) – bei rezidivierenden (wiederkehrenden) Synkopen und Verdacht auf kardiale (herzbedingte) Ursache [Empfehlungsgrad !a]
  • Elektrophysiologische Untersuchung (EPU) [ESC-Leitlinie] – bei Patienten mit unerklärbarer Synkope und bifaszikulärem Block (drohenden hochgradigen AV-Block) oder wenn eine Tachykardie vermutet wird.; daraus lassen sich u. a. folgende Indikationen für eine Schrittmacherimplantation (Schrittmacher-Empfehlungen) ableiten:
    • bisfaszikulärer Block (IIb-Empfehlung)
    • verlängerte Sinusknotenerholungszeit (IIa-Empfehlung)
    • HV-Intervall (Zeit zwischen der Erregung des His-Bündels (His-Spike) und der ersten Kammererregung in der Ableitung) von > 70 msec 
  • Langzeit-Blutdruckmessung (24-Stunden-Blutdruckmessungbei Verdacht auf Störungen der Blutdruckregulation
  • Echokardiographie (Echo; Herzultraschall) ‒ Verdacht auf eine kardiale Ursache der Synkope bzw. Verdacht auf eine strukturelle Herzerkrankungen (z. B. Aortenstenose)
  • Dopplersonographie (Ultraschalluntersuchung, die Flüssigkeitsströme (vor allem den Blutfluss) dynamisch darstellen kann) der Carotiden (Halsschlagadern) bei Verdacht auf Plaques (Ablagerungen) bzw. Stenosen (Gefäßverengungen) in den Carotiden; keine Carotiden-Bildgebung bei Ohnmacht bzw. Synkopen solange keine anderen neurologischen Beschwerden auftreten 
  • Koronarangiographie (radiologisches Verfahren, das mit Hilfe von Kontrastmitteln das Lumen (Innenraum) der Koronararterien (Herzkranzgefäße) sichtbar macht) – bei Verdacht auf koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Enzephalogramm (EEG; Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Gehirns) – bei neurologischen Auffälligkeiten wie Parkinson-Symptome, Ataxie oder kognitiven Störungen; bei Verdacht auf Epilepsie
  • Computertomographie/Magnetresonanztomographie des Schädels (craniales CT bzw.cCT/craniales MRT bzw. cMRT) – bei Verdacht auf neurologische Ursache wie zerebrale Ischämie
    Beachte: Nur bei 1-4 % der Fälle werden intrakranielle Ursachen ("innerhalb des Schädels") für eine Synkope identifiziert [2].
  • Computertomographie (CT) mit Angiographie (Darstellung von Blutgefäßen) der Pulmonalarterien (CTPA) – als Basisdiagnostikum bei Verdacht auf Lungenembolie [Goldstandard]
    Alternativ: Lungenszintigraphie: V/P-Szintigraphie (Ventilations-/Perfusionsszintigraphie) (Sensitivität (Prozentsatz erkrankter Patienten, bei denen die Krankheit durch die Anwendung des Tests erkannt wird, d. h. ein positives Testresultat auftritt): ca. 78 %; Spezifität (Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich Gesunde, die nicht an der betreffenden Erkrankung leiden, durch das Verfahren auch als gesund erkannt werden): 98 %)

*Siehe dazu auch unter "Symptome – Beschwerden/Kanadischer Synkopen-Risiko-Score"

Literatur

  1. Bhangu J et al.: Long-term cardiac monitoring in older adults with unexplained falls and syncope. Heart 2016;102:681-686
  2. Viau JA et al.: The Yield of Computed Tomography of the Head Among Patients Presenting With Syncope: A Systematic Review. Acad Emerg Med 2019;26:479-490. https://doi.org/10.1111/acem.13568
     
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