Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Anamnese
Leichte kognitive Beeinträchtigung

Die Anamnese (Krankengeschichte) stellt einen wichtigen Baustein in der Diagnostik der "leichten kognitiven Beeinträchtigung" dar.

Familienanamnese

  • Wie ist der allgemeine Gesundheitszustand Ihrer Angehörigen?
  • Gibt es in Ihrer Familie Erkrankungen, die häufig vorkommen?
  • Gibt es in Ihrer Familie Erbkrankheiten?

Soziale Anamnese

  • Welchen Beruf üben Sie aus?
  • Gibt es Hinweise auf psychosoziale Belastungen oder Belastungen auf Grund Ihrer familiären Situation?

Aktuelle Anamnese/Systemanamnese (somatische und psychische Beschwerden) [Eigen- bzw. Fremdanamnese]

  • Wie lange bestehen diese Veränderungen schon?
  • Haben die Einschränkungen akut begonnen oder hat es sich langsam entwickelt?
  • Wie sind die Altersaktivitäten beeinträchtigt?
    • leichte Altersaktivitäten?
    • komplexe Altersaktivitäten (z. B. Regelung der Finanzen)?
  • Wie stark sind die Alltagsaktivitäten beeinträchtigt?
  • Wer nimmt die Beeinträchtigung der Alltagsaktivitäten war?

Vegetative Anamnese inkl. Ernährungsanamnese

  • Rauchen Sie? Wenn ja, wie viele Zigaretten, Zigarren oder Pfeifen pro Tag?
  • Trinken Sie vermehrt Alkohol? Wenn ja, welches Getränk bzw. welche Getränke und wie viele Gläser davon pro Tag?
  • Nehmen Sie Drogen? Wenn ja, welche Drogen und wie häufig pro Tag bzw. pro Woche?

Eigenanamnese inkl. Medikamentenanamnese

  • Vorerkrankungen (Herz-Kreislauferkrankungen; neurologische Erkrankungen)
  • Operationen
  • Strahlentherapie
  • Impfstatus
  • Allergien
  • Umweltanamnese
  • Medikamentenanamnese

Medikamentenanamnese

  • ACE-Hemmstoffe
  • Antiarrhythmika
  • Antibiotika
    • ß-Lactam-Antibiotika
    • Fluorchinolone
    • Penicillin in hohen Dosen
  • Alphablocker
  • Anticholinergika 
  • Antidepressiva
    • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI)
    • Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
    • Trizyklische Antidepressiva
  • Antidiabetika, orale – die Hypoglykämien auslösen
  • Antiepileptika, u. a. auch Phenytoin
  • Antihypertonika 
    • Senioren, die im Alter > 85 Jahre noch Antihypertensiva einnahmen, hatten häufiger kognitive Einschränkungen und ein erhöhtes Mortalitätsrisiko; ein niedriger systolischer Blutdruck war auch mit einem beschleunigten kognitiven Abbau assoziiert [2].
  • Antikonvulsiva 
  • Antivertiginosa
  • Benzodiazepine
  • Betablocker
  • Calciumantagonisten
  • Digoxin 
  • Diuretika
  • Glucocorticoide
  • MAO-Hemmer
  • Neuroleptika (D2-Antagonisten und Serotonin-Dopamin-Antagonisten)
  • Nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAR)
  • Nitrate und andere Vasodilatatanzien
  • Lidocain
  • Opiate/Opioid-Analgetika
  • Parkinsonmittel, z. B. Bromocryptin, Amantadin
  • Psychopharmaka
  • Sedativa; dazu zählt vor allem Diazepam
  • Sedierende H1-Antihistaminika
  • Statine (Statine (Simvastatin, Atorvastatin; beide Wirkstoffe sind lipophil und überwinden die Blut-Hirn-Schranke): In einer Studie hatten Ärzte bei 3,03 % der Statin-Anwender im Verlauf der Therapie unterschiedliche Störungen des Gedächtnisses (von vereinzelten Gedächtnislücken bis hin zu einer retrograden Amnesie) angegeben. Bei 2,31 % der Nichtanwender von Statinen traten diese Störungen ebenfalls auf. Die adjustierte Odds Ratio betrug 1,23, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,18 bis 1,28 signifikant war. Dieses weist auf einen leichten Anstieg von Gedächtnisstörungen hin. Deutlicher war die Assoziation in den ersten 30 Tagen der Therapie (0,08 % der Statin-Anwender gegenüber 0,02 % der Nicht-Anwender) [1].
  • Theophyllin

Hinweis

  • Nach der Anamnese sollte ggf. ein neuropsychologischer Test (z. B. MMSE, Mini Mental State Examination) durchgeführt werden.

Literatur

  1. Strom BL et al.: Statin Therapy and Risk of Acute Memory Impairment. JAMA Intern Med. Published online June 08, 2015. doi:10.1001/jamainternmed.2015.2092
  2. Streit S et al.: Lower blood pressure during antihypertensive treatment is associated with higher all-cause mortality and accelerated cognitive decline in the oldest-old. Data from the Leiden 85-plus Study. Age and Ageing, Volume 47, Issue 4, 1 July 2018, Pages 545-550, https://doi.org/10.1093/ageing/afy072
     
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