Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Prävention
Demenz

Eine Prävention der Demenz ist nicht möglich. Jedoch kann versucht werden, Formen dementieller Veränderungen durch Ausschaltung der Risikofaktoren zu verhindern.

Verhaltensbedingte Risikofaktoren

  • Ernährung
    • Hohe Zufuhr von Süßgetränken, vor allem wenn sie mit künstlichen Süßstoffen versetzt sind [12]
    • Mikronährstoffmangel (Vitalstoffe) – siehe Prävention mit Mikronährstoffen
  • Genussmittelkonsum
    • Alkohol (Frau: > 20 g/Tag; Mann: > 30 g/Tag); risikoarm sind Dosen von maximal 20 Gramm für Männer und 10 Gramm für Frauen
      • > 24 Gramm täglich: 20 % erhöhtes Demenzrisiko [28]
      • Menschen mit hohem Alkoholkonsum (Männer > 60 g/Tag; Frauen 40/Tag) entwickeln mehr als 3-mal häufiger als andere eine Demenz; Auftreten häufig bereits im jüngeren Alter [17]
    • Tabak (Rauchen) [2, 6]
      • Rauchen im Alter über 65 Jahren: 60 % erhöhtes Risiko [28]
  • Körperliche Aktivität
    • geringe körperliche Bewegung und Tätigkeit [9]
    • körperliche Inaktivität: 40 % erhöhtes Risiko [28]
    • Fußball-Profifußballer (5-fach häufiger Demenzmedikation als Nichtsportler; darunter weniger Torhüter als Feldspieler wg. chronisch-traumatischer Hirnschädigung (engl. „concussion“) durch repetitive Kopfbälle oder -kollisionen) [26]
  • Psycho-soziale Situation
    • psychischer Stress
    • soziale Isolation [28]
  • Langer Schlaf (> 9 Stunden; Ratio der Demenz-Mortalität (Sterberate) bei Langschläfern auf 1,63 (p = 0,03)) [4]
  • Übergewicht (BMI (Body-Mass-Index) 25; Adipositas)
    • 60 % erhöhtes Demenzrisiko [28]
    • in mittleren Lebensjahren [1]
    • Frauen, die im Alter von Mitte 50 adipös sind; ab 70 Jahren ist für diese Frauen ein erhöhtes Demenzrisiko nachweisbar [25]
  • Untergewicht
    • Frauen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von unter 20 kg/m2 erkrankten 2,93-mal so häufig an einer Demenz wie normal­gewichtige Frauen [25]
      [Zeitpunkt des Auftretens der Demenz: 5 Jahre nach Rekrutierung der Frauen, die zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Studie ca. 55 Jahre alt waren]
  • Androide Körperfettverteilung, das heißt abdominales/viszerales, stammbetontes, zentrales Körperfett (Apfeltyp) – es liegt ein hoher Taillenumfang bzw. ein erhöhter Taille-Hüft-Quotient (THQ; englisch: waist-to-hip-ratio (WHR)) vor
    Bei der Messung des Taillenumfangs gemäß der Richtlinie der International Diabetes Federation (IDF, 2005) gelten folgende Normwerte [1]:
    • Männer < 94 cm
    • Frauen < 80 cm
    Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft veröffentlichte 2006 etwas moderatere Zahlen für den Taillenumfang: 102 cm bei Männern und 88 cm bei Frauen.

Medikamente

  • s. u. Ursachen
  • u. a. Reduktion von Anticholinergika ab dem mittleren Lebensalter.

Umweltbelastung – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Anoxie, z. B. durch Narkosezwischenfall
  • Blei
  • Kohlenmonoxid
  • Lösungsmittel-Enzephalopathie
  • Luftschadstoffe [28]: Feinstaub (PM2,5) und Stickoxide; am meisten gefährdet waren Senioren, die unter einer Herzinsuffizienz oder einer ischämischen Herzerkrankung litten [27]
  • Medikamenten-induzierte Hyponatriämie (Natriummangel) etwa durch Diuretika, Antiepileptika oder gelegentlich durch ACE-Hemmer – dieses kann zu einer sekundären Demenz führen
  • Perchloräthylen
  • Quecksilber
  • Schwermetallvergiftung (Arsen, Blei, Quecksilber, Thallium)

Präventionsfaktoren (Schutzfaktoren)

  • Biographische Ursachen:
    • Verheiratete hatten ein 42 Prozent geringeres Risiko, an einer Demenz zu erkranken als die lebenslangen Singles [16]
    • Bildung 
      • Personen, die mindestens einen Highschool-Abschluss [8]
      • Kognitive Reserve (basierend auf Ausbildung, Job und Angaben zu geistigen Aktivitäten über die gesamte Lebensspanne): Demenzrate war im Drittel mit der höchsten kognitiven Reserve um etwa 40 % geringer als im Drittel mit der geringsten Reserve [21]
      • Bildung: möglicherweise weil es die kognitiven Reserven im Alter erhöht und das Gesundheitsverhalten positiv beeinflusst [16]
    • Sozioökonomische Faktoren – soziale Kontakte im mittleren und späten Lebensalter [23]
  • Mediterrane Kost:
    • Risikoreduktion für leichte kognitive Störungen, MCI [3]
    • Verlangsamung der Hirnatrophie im Alter [11]
  • Genussmittelkonsum [s. u. WHO guidelines]
    • Raucherentwöhnung 
    • Alkoholreduktion
      • allerdings soll moderater Alkoholkonsum (Frau: < 20 g/Tag; Mann: < 30 g/Tag): wöchentlich 1-14 Einheiten (1 Einheit = 8 g Alkohol) protektiv sein [20]
      • regelmäßige geringe Mengen von Alkohol können eine Demenz verhindern, selbst wenn bereits erste kognitive Einschränkungen (MCI; mild cognitive impairment) vorliegen [24]:
        • geringer Konsum (1-7 Drinks pro Woche): Demenzinzidenz: -10 %
        • moderater Konsum (7 bis 14 Drinks pro Woche): Demenzinzidenz: -7 %
        • höchster Konsum (> 14 Drinks pro Woche): +72 %
  • Regelmäßige körperliche Aktivität [s. u. WHO guidelines]
    • Risikoreduktion um 22 Prozent [3]
    • Langzeitstudie über 27 Jahre konnte keine Verbindung zwischen der Aktivität und dem Demenzrisiko nachweisen; ebenso zeigte sich, dass kein Zusammenhang zwischen dem Ausmaß an körperlicher Aktivität und etwaigem kognitivem Abbau in Verlauf von 15 Jahren nachzuweisen war [13]. Der aktuelle Cochrane-Review zu diesem Thema bestätigt dieses [14].
  • Gewichtsmanagement [s. u. WHO guidelines]
  • Lebensstilinterventionen
    • Gesunde Ernährung, sportliche Übungen und kognitives Gehirntraining verbesserten bei Senioren mit einem erhöhten Demenzrisiko die kognitiven Leistungen [5].
    • Berücksichtigung von vier Faktoren wie Rauchen, körperliche Aktivität, Ernährung und Alkoholkonsum führte dazu, dass bei den ziemlich ungesund lebenden Teilnehmern die Demenzrate um rund 35 % höher war als unter denen mit gesundem Lebensstil; bei den Teilnehmern mit ungesundem Lebensstil und ungünstigen Genen war die Demenzinzidenz 3-fach höher als unter den gesund lebenden mit günstigen Genen (1,8 versus 0,6 %); ein ungesunder Lebensstil führte zusätzlich und unabhängig davon zu einer um 40-50 % erhöhten Demenzrate [22].
  • Saunagänge:  Männer, die 4-7-mal pro Woche in die Sauna gehen, verringern ihr Risiko, an Demenz zu erkranken im Vergleich zu jenen, die nur einmal wöchentlich saunierten um 66 Prozent [10].
  • Regelmäßige Blutdruckkontrolle bei Hypertonikern [s. u. WHO guidelines]
  • Behandlung von Diabetes mellitus, Dyslipidämie, Depression und Hörverlust gemäß Therapieleitlinien [s. u. WHO guidelines]
  • Medikamente:
    • Antihypertensive Therapie (blutdrucksenkende Maßnahmen): 43 Prozent geringeres Demenz-Risiko bei Studienteilnehmern, die antihypertensive Medikamente erhalten hatten im Vergleich zu unbehandelten hypertensiven Teilnehmern [19]
    • Pioglitazon (Arzneistoff aus der Gruppe der oralen Antidiabetika/Insulin-Sensitizer) verringert das Risiko einer Demenz für Diabetiker wesentlich; wenn der Wirkstoff mindestens zwei Jahre verabreicht wurde war das Erkrankungsrisiko um 47 % geringer als bei Nicht-Diabetikern [7].
    • Für Metformin (gehört zur Gruppe der Biguanide) liegen ähnliche Ergebnisse vor.
    • Antikoagulation bei Patienten mit Vorhofflimmern (VHF) führt zur Verringerung des Demenzrisikos: Inzidenzrate (Häufigkeit von Neuerkrankungen) für Demenz war in der Gruppe mit Antikoagulation niedriger als in der Gruppe ohne Antikoagulation (1,14 vs. 1,78 pro 100 Patientenjahre) [15].
      ECS-Positionspapier: Empfehlungen zur Prävention eines kognitiven Verfalls bei Patienten mit VHF [18]:
      • Patienten mit Vorhofflimmern und Apoplex-Risikofaktoren sollten zur Vermeidung kognitiver Störungen eine angemessene Antikoagulation erhalten.
      • Bevorzugung der neuen oralen Antikoagulantien (NOAK) gegenüber den Vitamin-K-Antagonisten (VKA)  
        • Falls Patienten ein VKA erhalten, sollten die Wirkstoffspiegel zu einem hohen Anteil im therapeutischen Bereich liegen ("Time in Therapeutic Range").
      • Lebensstilmaßnahmen s. o.), mit denen sich das Risiko für Vorhofflimmern-Rezidive und Apoplexe reduzieren lassen, könnten sich auch auf die kognitive Funktion positiv auswirken.
      • Bei Vorhofflimmern-Patienten, bei denen ein Verdacht auf einen kognitiven Verfall besteht, sollte ein kognitives Assessment erfolgen.

Literatur

  1. Beydoun MA, Beydoun HA, Wang Y: Obesity and central obesity as risk factors for incident dementia and its subtypes: a systematic review and meta-analysis. Obes Rev. 2008 May;9(3):204-18. Epub 2008 Mar 6.
  2. Rusanen M et al.: Heavy smoking in middle and long-term risk of Alzheimer Disease and vascular dementia. Arch Int. Med 2010; published online October 24, 2010 doi:10.1001/archinternmed.2010.393
  3. Etgen T, Sander D, Bickel H, Förstl H: Mild cogntive impairment and dementia: the importance of modifiable risk factors. Dstsch. Arztebl Int 2011:10(44): 743-50. doi: 10.3238/artebl.2011.0743
  4. Benito-León J, Louis ED, Villarejo-Galende A, Romero JP, Bermejo-Pareja F: Long sleep duration in elders without dementia increases risk of dementia mortality (NEDICES). Neurology. 2014 Sep 24. pii: 10.1212/WNL.0000000000000915.
  5. Tiia Ngandu, Jenni Lehtisalo, Alina Solomon, Esko Levälahti, Satu Ahtiluoto, Riitta Antikainen, Lars Bäckman, Tuomo Hänninen, Antti Jula, Tiina Laatikainen, Jaana Lindström, Francesca Mangialasche, Teemu Paajanen, Satu Pajala, Markku Peltonen, Rainer Rauramaa, Anna Stigsdotter-Neely, Timo Strandberg, Jaakko Tuomilehto, Hilkka Soininen, Miia Kivipelto: A 2 year multidomain intervention of diet, exercise, cognitive training, and vascular risk monitoring versus control to prevent cognitive decline in at-risk elderly people (FINGER): a randomised controlled trial. Lancet, 2015; doi: 10.1016/S0140-6736(15)60461-5
  6. Zhong G et al.: Smoking is associated with an increased risk of dementia: a meta-analysis of prospective cohort studies with investigation of potential effect modifiers. PLoS One. 2015 Mar 12;10(3):e0118333. doi: 10.1371/journal.pone.0118333. eCollection 2015.
  7. Heneka MT et al.: Effect of pioglitazone medication on the incidence of dementia. Annals of Neurology 2015, doi: 10.1002/ana.24439
  8. Satizabal CL et al.: Incidence of Dementia over Three Decades in the Framingham Heart Study. N Engl J Med 2016; 374:523-532February 11, 2016. doi: 10.1056/NEJMoa1504327
  9. Willey JZ, Gardener H, Caunca MR et al.: Leisure-time physical activity associates with cognitive decline: The Northern Manhattan Study. Neurology 2016; 86: 1897-903
  10. Laukkanen T et al.: Sauna bathing is inversely associated with dementia and Alzheimer's disease in middle-aged Finnish men. Age Ageing (2016). doi: 10.1093/ageing/afw212
  11. Luciano M et al.: Mediterranean-type diet and brain structural change from 73 to 76 years in a Scottish cohort. Neurology 2017;88:1-7 doi: http://dx.doi.org/​10.​1212/​WNL.0000000000003559
  12. Pase MP et al.: Sugar- and Artificially Sweetened Beverages and the Risks of Incident Stroke and Dementia. A Prospective Cohort Study. Stroke. 2017;STROKEAHA.116.016027 doi: https://doi.org/10.1161/STROKEAHA.116.016027
  13. Sabia S et al.: Physical activity, cognitive decline, and risk of dementia: 28 year follow-up of Whitehall II cohort study. BMJ 2017; 357: j2709
  14. Young J et al.: Aerobic exercise to improve cognitive function in older people without known cognitive impairment. First published: 22 April 2015 Editorial Group: Cochrane Dementia and Cognitive Improvement Group doi: 10.1002/14651858.CD005381.pub4 
  15. Friberg L. Rosenquist M.:  Less dementia with oral anticoagulation in atrial fibrillation. Eur Heart J 2017, online 24. Oktober. ehx579, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehx579
  16. Sommerlad A et al.: Marriage and risk of dementia: systematic review and meta-analysis of observational studies. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2017 Nov 28. pii: jnnp-2017-316274. doi: 10.1136/jnnp-2017-316274
  17. Schwarzinger M et al.: Contribution of alcohol use disorders to the burden of dementia in France 2008-13: a nationwide retrospective cohort study. Lancet Public Health doi: https://doi.org/10.1016/S2468-2667(18)30022-7 Published: 20 February 2018
  18. Dagres N, Chao TF, Fenelon G et al. European Heart RhythmAssociation (EHRA)/ Heart RhythmSociety (HRS)/Asia Pacific Heart RhythmSociety (APHRS)/LatinAmerican Heart RhythmSociety (LAHRS) expert consensus on arrhythmias and cognitive function: what is the best practice; Europace 2018; 0, 1-23; doi:10.1093/europace/euy046
  19. Murray MD et al.: Antihypertensive Medication and Dementia Risk in Older Adult African Americans with Hypertension: A Prospective Cohort Study. Send to J Gen Intern Med. 2018 Apr;33(4):455-462. doi: 10.1007/s11606-017-4281-x. Epub 2018 Jan 12.
  20. Sabia S, Fayosse A, Dumurgier J et al.: Alcohol consumption and risk of dementia: 23 year follow-up of Whitehall II cohort study. BMJ. 2018;362:k2927
  21. Xu H et al.: Association of Lifespan Cognitive Reserve Indicator With Dementia Risk in the Presence of Brain Pathologies. JAMA Neurol. Published online July 14, 2019. doi:10.1001/jamaneurol.2019.2455
  22. Lourida I et al.: Association of Lifestyle and Genetic Risk With Incidence of Dementia. JJAMA. Published online July 14, 2019. doi:10.1001/jama.2019.9879
  23. Sommerlad A et al.: Association of social contact with dementia and cognition: 28-year follow-up of the Whitehall II cohort study PLOS Medicine Published: August 2, 2019 https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1002862
  24. Koch M et al.: Alcohol Consumption and Risk of Dementia and Cognitive Decline Among Older Adults With or Without Mild Cognitive Impairment JAMA Netw Open. 2019;2(9):e1910319. doi:10.1001/jamanetworkopen.2019.10319
  25. Floud S et al.: Body mass index, diet, physical inactivity, and the incidence of dementia in 1 million UK women. Neurology December 18, 2019, doi: https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000008779
  26. Mackay DF, Russell ER, Stewart K et al.: Neurodegenerative disease mortality among former professional soccer players. New Engl J Med 2019;381:1801-08 doi: 10.1056/NEJMoa1908483
  27. Grande G et al.: Association Between Cardiovascular Disease and Long-term Exposure to Air Pollution With the Risk of Dementia. JAMA Neurol. Published online March 30, 2020. doi:10.1001/jamaneurol.2019.4914
  28. Livingston G et al.: Dementia prevention, intervention, and care: 2020 report of the Lancet Commission. Lancet 2020; https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)30367-6

Leitlinien

  1. WHO guidelines: Risk reduction of cognitive decline and dementia. World Health Organization 2019
     
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