Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Medikamentöse Therapie
Demenz

Therapieziel

  • Verlangsamung des Krankheitsprozesses

Hinweis: Bei 84 % aller an einer vaskulären Demenz (VD) Erkrankten ist auch eine Alzheimer-Pathologie nachweisbar. In diesen Fällen ist es gerechtfertigt, diese wie eine Alzheimer-Demenz (AD) mit AChE-Hemmern zu behandeln [S3-Leitlinien-Empfehlung].

Therapieempfehlungen

  • Bei der Alzheimer-Demenz kann mittels medikamentöser Therapie versucht werden, eine Verlangsamung des Krankheitsprozesses zu erreichen.
    • Bei leichter bis mittelschwerer Demenz: Acetylcholinesterasehemmer (AChE-Hemmer; z. B. Donepezil, Galantamin; verlieren nach 6-12 Monaten ihre Wirkung) [1, 2]
      • Zu einer Kombination (z. B. Donepezil) mit N-Methyl-D-Aspartat-Antagonisten liegen noch keine ausreichend evidenten Studienergebnisse vor
    • Bei mittelschwerer bis schwerer Demenz: Memantine (N-Methyl-D-Aspartat-Rezptorantagonist; Verschiebung des Krankheitsprozesses um 6-12 Monate)
  • Beachte: Für Patienten mit Parkinson-Demenz, Lewy-Körper-Demenz und verwandten Erkrankungen sind klassische und viele atypische Neuroleptika kontraindiziert, da sie ParkinsonSymptome verstärken und Somnolenzattacken auslösen können. Einsetzbare Neuroleptika bei diesen Erkrankungen sind Clozapin und mit geringerer Evidenz Quetiapin [2].
  • Bei Agitation oder Psychose im Rahmen der Demenz:Risperidon, Aripiprazol (Antipsychotika (Neuroleptika)); ggf. auch Citalopram (Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, SSRI)
  • Bei therapiebedürftiger Depression im Rahmen der Demenz: z. B. Citalopram, Escitalopram, Sertralin (SSRI)
  • Die Behandlung relevanter vaskulärer Risikofaktoren und Grunderkrankungen, die zu weiteren vaskulären Schädigungen führen, ist bei der vaskulären Demenz zu empfehlen [2].
  • Patienten mit einer gemischten Demenz sind entsprechend der Alzheimer-Demenz zu behandeln [2].
  • Es existiert keine überzeugende Evidenz zur Behandlung kognitiver Symptome oder Verhaltenssymptome bei Patienten mit frontotemporaler Demenz. Es kann keine Behandlungsempfehlung gegeben werden [2].
  • Für die antidementive Behandlung der Lewy-Körperchen-Demenz existiert keine zugelassene oder ausreichend belegte Medikation [2].

Weitere Hinweise

  • Nootropika (Arzneistoffe, die zur Behandlung einer Demenz eingesetzt werden) können nicht empfohlen werden.
  • Für Medikamente wie Glucocorticoide, NSAID, Östrogene, Sekalealkaloide, Selegelin oder HMG-CoA-Reduktasehemmer (Statine) liegen derzeit keine Empfehlungen vor.
  • Trizyklische Antidepressiva sollten bei Depression im Rahmen der Demenz nicht eingesetzt werden (wg. anticholinerger Nebenwirkungen).
  • Bei fronto-temporaler Demenz oder der Lewy-Körperchen-Demenz keine Empfehlung für antidementive Therapie.
  • In einer Studie mit mehr als 45.000 Demenzpatienten die Antipsychotika (Neuroleptika) einnahmen, wurde eine erhöhte Mortalität (im Vergleich zum Kontrollkollektiv) während einer Beobachtungszeit von 180 Tagen für folgende Medikamente festgestellt [3]:
    • Haloperidol: Mortalität 20 % mit Medikation versus 8,4 % ohne Medikation; adjustierte Risikodifferenz 3,8 %; NNH (Number Needed to Harm) 26
    • Olanzapin: 13,9 % versus 9,8 %; 2,5 %; 40
    • Quetiapin 11,8 % versus 8,2 %; 2,0 %; 50
    • Risperidon: 13,9 % versus 8,5 %; 3,7 %; 27
    • Valproinsäure: 12,2% versus 7,2 %; 4,1 %
    • Antidepressiva (ohne Trizyklika und MAO-Hemmer): 8,3 % versus 8,0 %; 0,6  %; 166
  • Wg. Antihypertonika-Reduktion (Blutdrucksenkungsmittel): in einer Studie wurden bei 385 mindestens 75-jährigen Patientin mit mildem kognitiven Defizit (MMS E 21-27 Punkte) 4 Monate die Antihypertensiva abgesetzt. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe gab es danach bei den Demenzparameter keine Unterschiede; auch in den einzelnen kognitiven Domänen (z. B. Gedächtnis, exekutive Funktionen und psychomotorische Geschwindigkeit) schnitten beide Gruppen gleich ab [4].
  • Eine Behandlung von Agitation und Aggression mit Valproat wird nicht empfohlen [2].
  • Alzheimer-Patienten mit psychotischem Verhalten, starker Agitiertheit oder Aggressionen haben nach Absetzen von Risperidon eine 80 % Rückfallrate bei halluzinierenden Patienten (3-fach erhöhte Rate); bei Patienten mit sehr ausgeprägter Reizbarkeit zum Studienbeginn erlitten unter Risperidon 4 von 21 (19 %) ein Rezidiv, aber fast alle (13 von 14) ohne das Antipsychotikum [6].

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (Folsäure, Vitamin E (Tocopherole), Cobalamin (Vitamin B12))
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Weitere Vitalstoffe (Acetyl-L-Carnitin, N-Acetyl-L-Cystein, S-Adenosyl-Methionin (SAMe))

Bei Vorliegen einer Insomnie (Schlafstörungen) infolge der Demenz s. u. Insomnie/Medikamentöse Therapie/Supplemente.

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen. 

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Literatur

  1. Jessen F: Der Internist. Therapie von Demenzerkrankungen July 2014, Volume 55, Issue 7, pp 769-774
  2. S3-Leitlinie: Demenzen. (AWMF-Registernummer:038-013), Januar 2016 Langfassung
  3. Maust DT et al.: Antipsychotics, Other Psychotropics, and the Risk of Death in Patients With Dementia. Number Needed to Harm. JAMA Psychiatry 2015, epub 18.3.2015, doi:10.1001/jamapsychiatry.2014.3018
  4. Moonen J et al.: Effect of Discontinuation of Antihypertensive Treatment in Elderly People on Cognitive Functioning – the DANTE Study Leiden; JAMA Intern Med 2015; 24. August 2015; doi: 10.1001/jamainternmed.2015.4103
  5. Schmidt R et al.: EFNS-ENS/EAN Guideline on concomitant use of cholinesterase inhibitors and memantine in moderate to severe Alzheimer's disease. Eur J Neurol. 2015 Mar 25. doi: 10.1111/ene.12707.
  6. Patel AN: Prediction of Relapse After Discontinuation of Antipsychotic Treatment in Alzheimer’s Disease: The Role of Hallucinations. American Journal of Psychiatry 2016, epub 18.11.16, http://dx.doi.org/10.1176/appi.ajp.2016.16020226

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Demenzen. (AWMF-Registernummer:038-013), Januar 2016 Langfassung

     
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