Ursachen
Scheidenjuckreiz (Pruritus vulvae)

Pathogenese (Krankheitsentstehung)

Es gibt viele unterschiedliche Ursachen für einen Pruritus vulvae. Der Pathomechanismus liegt in der Aktivierung freier Nervenendigungen im Bereich von Korium und Epidermis und dient als Schutzfunktion und Hinweis auf eine mögliche Noxe oder Erkrankung. Botenstoffe wie z. B. Histamin und Zytokine leiten die Sinneserregung ans Gehirn weiter.

Ätiologie (Ursachen)

Biographische Ursachen

  • Lebensalter – Senium
  • Hormonelle Faktoren
    • Laktationsphase (Stillphase)
    • Menopause (Wechseljahre)/Senium

Verhaltensbedingte Ursachen

  • Ernährung
    • Mikronährstoffmangel (Vitalstoffe) – siehe Mikronährstofftherapie
  • Körperliche Aktivität
    • Mechanische Belastungen z. B. enge Kleidung, Fahrradfahren, Reiten u. a.
  • Psycho-soziale Situation
    • Stress
  • Übergewicht (BMI ≥ 25; Adipositas)
  • Intimhygiene
    • falsche (Abwischen nach dem Stuhlgang von hinten nach vorne)
    • übertriebene (Deodorantien, Desinfektionsmittel, Spülungen, Waschungen etc.)
    • Unsauberkeit
  • Sexualpraktiken
    • Geschlechtsverkehr (z. B. Wechsel von vaginalem zu analem oder oralem Koitus)
    • Promiskuität (sexueller Kontakte mit relativ häufig wechselnden verschiedenen Partnern)

Krankheitsbedingte Ursachen

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel)
  • Perniziöse Anämie

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Adipositas
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Lebererkrankungen
  • Östrogenmangel (Menopause, Stillphase)
  • Schilddrüsenerkrankungen (Hyper-, Hypothyreose/Schilddrüsenüber- bzw. -unterfunktion)

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Allergische Reaktionen – wg. z. B. Arzneimittel, Detergenzien,Farbstoffe auf bedruckten Toilettenpapier, Feuchttücher mit Duftstoffen und Konservierungsmitteln,Insektizide, Intimspray, Kleidung, Kosmetika, Medikamente, Öle, Seifen,Spülungen, Wäsche, Waschmitteln etc.
  • Behçet-Krankheit (Synonym: Morbus Adamantiades-Behçet) – schubweise verlaufende Immundefekt-Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis; tritt auf in der Mundhöhle und der Genitalregion
  • Dermatitis (entzündliche Reaktion der Haut)
  • Ekzeme
  • Epidermalzyste ‒ prall-elastischer Knoten, der mit Hornmassen gefüllt ist
  • Hidradenitis (Entzündung apokriner Schweißdrüsen)
  • Hyperhidrose (übermäßige Schweißdrüsensekretion)
  • Idiopathischer Pruritus vulvae (mit nicht bekannter Ursache)
  • Kraurosis vulvae (Synonyme: Craurosis vulvae, Vulvadystrophie), d. h. degenerative Veränderung der Haut, einhergehend mit Atrophie und Hyperplasie ("übermäßige Zellbildung"). Dieses führt zu einer Schrumpfung der Vulva mit anschließender Sklerosierung (Gewebeverhärtung) des subkutanen Fettgewebes.
  • Lichen ruber/planus (Knötchenflechte)
  • Lichen sclerosus – chronisch verlaufende Erkrankung des Bindegewebes, die vermutlich zu den Autoimmunerkrankungen zu zählen ist
  • Leukoplakie ‒ Verhornungsstörung der Schleimhäute sowie Genitalien
  • Psoriasis (Schuppenflechte)
  • Urtikaria (Nesselsucht)

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Chlamydien – häufigsten bakteriellen Erreger von urogenitalen Infektionen (Infektionserkrankungen, die die Harnwege und/oder die Geschlechtsorgane betreffen)
  • Gonorrhoe (Tripper)
  • Herpes genitalis
  • Herpes zoster
  • Milben
  • Mykosen (Pilzerkrankungen) – speziell Dermatophytosen (Candia albicans); besonders häufig bei Diabetiker sowie nach systemischer Therapie mit Antibiotika oder Steroiden
  • Molluscum cotagiosum
  • Pemphigus vulgaris
  • Phthiriasis (Filzläuse)
  • Scabies (Krätze)
  • Streptokokken Gruppe A
  • Syphilis (Lues; Geschlechtskrankheit)
  • Trichomonaden
  • Varizellen (Windpocken)
  • Vulvitis plasmacellularis
  • Warzen (Condylomata acuminata; Synonyme: Feigwarzen, Feuchtwarzen und Genitalwarzen)
  • Wurmbefall
    • Nematoden (Fadenwürmer)
    • Oxyuren (Madenwürmer, Oxyuriasis); meist zu diagnostizieren bei Kindern

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99) 

  • Morbus Behçet (Synonym: Morbus Adamantiades-Behçet; Behçet-Krankheit; Behçet-Aphthen) – Multisystemerkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis, die mit einer rezidivierenden, chronischen Vaskulitis (Gefäßentzündung) der kleinen und großen Arterien sowie mit Schleimhautentzündungen einhergeht; als typisch für die Erkrankung wird in der Literatur die Trias (das Auftreten von drei Symptomen) aus Aphthen (schmerzhafte, erosive Schleimhautveränderungen) im Mund und aphthösen Genitalulzera (Geschwüre in der Genitalregion) sowie einer Uveitis (Entzündung der mittleren Augenhaut, die aus der Aderhaut (Choroidea), dem Strahlenkörper (Corpus ciliare) und der Regenbogenhaut (Iris) besteht) angegeben; man vermutet einen Defekt der zellulären Immunität

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Leukämie (Blutkrebs)
  • Klitoriskarzinom ‒ bösartige Neubildung der Klitoris (Kitzler)
  • Morbus Bowen – Hauterkrankung, die zu den Präkanzerosen (Krebsvorstufen) gehört
  • Morbus Hodgkin – maligne Neoplasie (bösartige Neubildung) des lymphatischen Systems
  • Vulväre intraepitheliale Neoplasie (VIN I, II, III) (Vorstufe eines Vulvakarzinoms)
  • Vulvakarzinom ‒ Vulvakrebs/Krebs der äußeren Genitalorgane der Frau; mediane Erkrankungsalter für Vulvakarzinome liegt bei ca. 70 Jahren

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Depressionen
  • Partnerkonflikt
  • Psychosomatische Störungen – vor allem bei sexuellen Konflikten (Sexualstörung)

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Stuhlinkontinenz – Unfähigkeit, den Stuhlgang zurückzuhalten
  • Urämie (Auftreten harnpflichtiger Substanzen im Blut oberhalb der Normwerte)

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Chronische Nierenerkrankungen
  • Harninkontinenz (Blasenschwäche)

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Traumata (Verletzungen) durch Fremdkörper, Sexualpraktiken etc.
  • Vulvahämatom ‒ Bluterguss im Bereich der Vulva

Labordiagnosen – Laborparameter, die als unabhängige Risikofaktoren gelten

  • Eisenmangel

Medikamente

  • Arzneimittelunverträglichkeiten

Autoren: Prof. Dr. med. G. Grospietsch, Dr. med. W. G. Gehring

     
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