Scheidenentzündung (Vaginitis/Kolpitis) – Medikamentöse Therapie

Therapieziel

Ätiologiespezifische Beseitigung beziehungsweise Kontrolle der Entzündung oder Dysbiose (Störung des natürlichen Keimgleichgewichts), rasche Linderung der Beschwerden, Wiederherstellung eines physiologischen Vaginalmilieus (gesunden Scheidenmilieus) sowie Vermeidung von Rezidiven (Wiederauftreten der Erkrankung), aufsteigenden Infektionen (Infektionen, die sich in höher gelegene Organe ausbreiten) und – bei sexuell übertragbaren Erregern – weiterer Transmission [LL1, LL3, LL4].

Therapieempfehlungen

  • Vor einer antiinfektiven Therapie (Behandlung gegen Krankheitserreger) soll die Ursache der Beschwerden gesichert werden. Anamnese und Symptome allein unterscheiden bakterielle Vaginose (Störung des natürlichen Scheidenmilieus; BV), Vulvovaginalkandidose (Pilzinfektion der Scheide und des äußeren Genitalbereichs; VVC), Trichomoniasis (durch Trichomonaden verursachte sexuell übertragbare Infektion), aerobe Vaginitis (durch bestimmte sauerstofftolerierende Bakterien verursachte Scheidenentzündung; AV), desquamative inflammatorische Vaginitis (stark entzündliche Scheidenerkrankung mit Abschilferung von Schleimhautzellen; DIV), genitourinäres Menopausensyndrom (Beschwerden an Scheide, Vulva, Blase und Harnwegen infolge eines Estrogenmangels) und nichtinfektiöse Dermatosen (nicht durch Krankheitserreger verursachte Hauterkrankungen) nicht zuverlässig. Je nach Fragestellung sind Untersuchung, vaginaler pH-Wert, Nativpräparat/Mikroskopie, Amintest sowie erregerspezifische Nukleinsäureamplifikation oder Kultur erforderlich [LL1, LL3, LL4].
  • Eine asymptomatische vaginale Kolonisation (Besiedlung der Scheide ohne Beschwerden) ist im Regelfall keine Behandlungsindikation. Schwangerschafts- und geburtshilfliche Sonderindikationen sind gesondert zu beachten [LL1, LL3, LL7].
  • Persistierende oder rasch rezidivierende Beschwerden erfordern eine erneute Diagnostik; eine wiederholte empirische Selbst- oder Breitbandtherapie soll vermieden werden [LL1, LL3].
  • Die nachfolgenden Angaben beziehen sich, soweit nicht anders angegeben, auf Erwachsene mit normaler Leber- und Nierenfunktion. Allergien, Schwangerschaft/Stillzeit, Begleitmedikation, Wechselwirkungen, lokale Zulassung und die aktuelle Fachinformation sind vor der Verordnung zu prüfen.

Bakterielle Vaginose

Die bakterielle Vaginose ist eine polymikrobielle Dysbiose (durch mehrere Mikroorganismen geprägte Störung des Keimgleichgewichts) mit Verdrängung der laktobazillendominierten Flora; sie ist keine Monoinfektion (Infektion durch nur einen Erreger) durch Gardnerella vaginalis. Eine symptomatische, diagnostisch bestätigte BV soll behandelt werden [LL1].

Wirkstoffe (Hauptindikation)

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Wirkstoffgruppe Wirkstoff/Applikation Besonderheiten
Nitroimidazol Metronidazol, oral Leitliniengerechte Erstlinientherapie; Interaktionen und Kontraindikationen gemäß Fachinformation beachten [LL1, LL4].
Nitroimidazol Metronidazol, vaginal (Gel 0,75 %) Lokale Alternative; konkrete Verfügbarkeit und Anwendung des Präparats prüfen [LL1, LL4].
Lincosamid Clindamycin, oral Leitliniengerechte Alternative; Risiko einer antibiotikaassoziierten Kolitis (durch Antibiotika ausgelösten Dickdarmentzündung) beachten [LL1].
Lincosamid Clindamycin, vaginal (Creme 2 %) Ölhaltige Vaginalcremes können die Reißfestigkeit von Latexkondomen und Diaphragmen während der Behandlung und noch mehrere Tage danach vermindern; Fachinformation beachten [LL1, LL4].
Quaternäre Ammoniumverbindung; Antiseptikum Dequaliniumchlorid, vaginal Zugelassene antibiotikafreie Alternative. Eine randomisierte Studie zeigte Nichtunterlegenheit gegenüber oralem Metronidazol bei der kurzfristigen klinischen Heilung [L5, L7, FI1].
  • Die Auswahl zwischen Metronidazol, Clindamycin und Dequaliniumchlorid richtet sich nach Kontraindikationen, Verträglichkeit, Vortherapie, Schwangerschaft, Adhärenz und Patientinnenpräferenz [LL1].
  • Schwangerschaft: Eine symptomatische BV soll behandelt werden. Die deutsche Leitlinie bevorzugt Clindamycin; Metronidazol ist eine Alternative. Ein generelles Screening und die Behandlung einer asymptomatischen BV zur Frühgeburtsprävention sind wegen heterogener Evidenz nicht regelhaft indiziert [LL1, LL7].
  • Rezidivierende BV: Nach erneuter diagnostischer Sicherung kann eine Suppression (längerfristige Behandlung zur Unterdrückung von Rückfällen) mit Metronidazol-Vaginalgel 0,75 % 2-mal wöchentlich über 16 Wochen erwogen werden. Anschließend können ausgewählte vaginale Laktobazillenpräparate zur Rezidivprophylaxe angeboten werden; die Evidenz ist stamm- und präparatespezifisch [LL1, LL4].
  • Partnerbehandlung: Sie ist bei einer ersten BV nicht routinemäßig angezeigt. Bei rezidivierender symptomatischer BV in einer fortbestehenden Partnerschaft kann nach gemeinsamer Entscheidungsfindung eine zeitgleiche Partnertherapie erwogen werden. Eine randomisierte Studie von 2025 zeigte hierunter weniger Rezidive; die konkrete Partnertherapie ist in Deutschland gesondert auf Zulassungsstatus und lokale Empfehlungen zu prüfen [L8, LL6].

Vulvovaginalkandidose (VVC; Candidamykose der Vagina)

Eine Behandlung ist bei typischer Symptomatik und gesichertem Pilznachweis angezeigt. Eine asymptomatische Candida-Kolonisation soll im Regelfall nicht behandelt werden. Bei komplizierter, rezidivierender oder therapieresistenter VVC sind Kultur beziehungsweise Speziesbestimmung und gegebenenfalls Resistenztestung erforderlich [LL2, LL3, LL4].

Antimykotika – Lokaltherapie

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Imidazol Clotrimazol, vaginal Mittel der Wahl bei unkomplizierter VVC; Anwendung je nach Darreichungsform und Fachinformation [LL2, LL3, FI4].
Imidazol Miconazol oder Econazol, vaginal Wirksam bei unkomplizierter VVC; lokale Azolpräparate können latexhaltige Barriere-Kontrazeptiva (Verhütungsmittel aus Latex) beeinträchtigen [LL2, LL3].
Polyen Nystatin, vaginal Alternative, insbesondere wenn Azole nicht geeignet sind; aktuelle Fachinformation des verwendeten Präparats beachten [LL2, FI5].

Antimykotika – Systemische Therapie

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Triazol Fluconazol, oral – unkomplizierte VVC Alternative zur Lokaltherapie bei nicht schwangeren Patientinnen; relevante CYP-vermittelte Interaktionen, QT-Risiko und Lebertoxizität (mögliche Schädigung der Leber) beachten [LL2, LL3, LL4].
Triazol Fluconazol, oral – schwere VVC Alternativ 7-14 Tage topische Azoltherapie [LL3, LL4].
Triazol Fluconazol, oral – rezidivierende VVC Die Erhaltungstherapie (Behandlung zur Vorbeugung weiterer Rückfälle) kontrolliert Rezidive, ist aber nicht zuverlässig kurativ; bei persistierendem Nachweis Spezies- und Resistenzdiagnostik [LL3, LL4].
  • Schwangerschaft: Empfohlen werden ausschließlich topische Azole über 7 Tage. Orales Fluconazol soll in der Schwangerschaft nicht routinemäßig angewendet werden; die regulatorischen Warnhinweise zu Fehlgeburts- und Fehlbildungsrisiken sind zu beachten. Beobachtungsstudien stützen die Sicherheit vaginal angewendeter Clotrimazol- beziehungsweise Miconazolpräparate, beweisen jedoch keine absolute Risikofreiheit [L1, L3, LL4, R2].
  • Nicht-albicans-VVC: Vor der Therapie soll die Spezies gesichert werden. Empfohlen wird zunächst eine 7-14-tägige lokale Therapie mit einem Nicht-Fluconazol-Azol oder – abhängig von Spezies und Verfügbarkeit – Nystatin. Borsäure oder magistrale Spezialtherapien sind Off-Label-Reserveoptionen in fachärztlicher Hand; Borsäure ist in der Schwangerschaft kontraindiziert [LL3, LL4].
  • Eine routinemäßige Mitbehandlung asymptomatischer Sexualpartner ist nicht erforderlich; eine symptomatische Balanitis (Entzündung der Eichel) kann lokal antimykotisch behandelt werden [LL4].
  • Dequaliniumchlorid ist in Deutschland für die bakterielle Vaginose, nicht jedoch als Standardtherapie der VVC zugelassen [FI1].

Wirkstoffe bei speziellen Indikationen

Trichomoniasis

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Nitroimidazol Metronidazol, oral – Frauen Bevorzugtes Regime; eine vaginale Metronidazoltherapie ist wegen unzureichender Gewebespiegel nicht geeignet [LL4, LL5].
Nitroimidazol Metronidazol, oral – männliche Sexualpartner Alle aktuellen Sexualpartner sollen zeitgleich behandelt werden [LL4, LL5].
  • Bis zum Abschluss der Behandlung aller Beteiligten und bis zur Beschwerdefreiheit soll auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden. Gleichzeitig sind Tests auf HIV, Syphilis, Gonorrhoe und Chlamydien anzubieten; sexuell aktive Frauen sollen etwa 3 Monate nach Therapie erneut auf Trichomonas vaginalis getestet werden [LL4].
  • Symptomatische Schwangere sollen behandelt werden. Bei Therapieversagen sind Reinfektion (erneute Ansteckung), Adhärenz und Resistenz abzuklären; wiederholte Hochdosisregime gehören in spezialisierte Behandlung [LL4, LL5].
  • Dequaliniumchlorid ersetzt die systemische Nitroimidazoltherapie nicht; Trichomonas vaginalis gilt laut Fachinformation als intrinsisch resistent [FI1].

Staphylococcus aureus und Streptokokken

  • Der alleinige vaginale Nachweis von Staphylococcus aureus oder aeroben Streptokokken rechtfertigt keine empirische Breitbandantibiose. Eine Besiedlung ist von einer klinischen AV/DIV, einer fokalen Infektion (örtlich begrenzten Infektion) und einer invasiven Erkrankung (Infektion mit Ausbreitung in normalerweise keimfreie Körperbereiche) zu unterscheiden. Bei AV/DIV richtet sich die Therapie nach Mikroskopiebefund und Entzündungskomponente; bei invasiver Infektion sind sofortige systemische, kultur- und antibiogrammgerechte Therapie sowie gegebenenfalls stationäre Behandlung (Behandlung im Krankenhaus) erforderlich [L4, L6, LL3, LL11].
  • Eine gesicherte symptomatische Streptococcus-pyogenes-Vaginitis ist selten. Sie soll nach Erregernachweis mit einem Penicillin behandelt werden; bei Rezidiven sind Reinfektion und gegebenenfalls symptomatische enge Kontaktpersonen abzuklären. Die konkrete Substanz und Dauer richten sich nach Resistenzlage, klinischem Schweregrad und infektiologischer Empfehlung [LL10].
  • Eine asymptomatische GBS-Kolonisation (Streptococcus agalactiae) ist keine Streptokokken-Kolpitis und wird außerhalb geburtshilflicher Indikationen nicht eradiziert. Bei GBS-positiver oder – im Frühgeburtsfall – unbekannter Schwangerer ist eine intrapartale Prophylaxe (vorbeugende Behandlung während der Geburt) angezeigt: Penicillin G initial 5 Mio. I. E. i. v., danach 2,5 Mio. I. E. i. v. alle 4 Stunden bis zur Geburt; Ampicillin ist eine Alternative. Bei Penicillinallergie richtet sich die Auswahl nach Anaphylaxierisiko (Risiko einer schweren allergischen Sofortreaktion) und Resistenztestung [LL7].
  • Fieber, Hypotonie, generalisiertes Exanthem oder rasche klinische Verschlechterung bei möglichem toxischem Schocksyndrom (lebensbedrohlicher Reaktion auf bakterielle Giftstoffe) sind ein medizinischer Notfall [LL11].

Herpes genitalis/vaginalis (Herpesinfektion im Genital- beziehungsweise Scheidenbereich)

Alle Patientinnen mit einer klinischen Erstmanifestation (erstmaligem Auftreten) eines genitalen Herpes sollen systemisch antiviral behandelt werden. Eine rein topische antivirale Therapie bringt nur geringen Nutzen und wird nicht empfohlen [LL4].

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Virostatikum Aciclovir, oral Bei unvollständiger Abheilung nach 10 Tagen verlängerbar; Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz (eingeschränkter Nierenfunktion) [LL4].
Virostatikum Valaciclovir, oral Alternative mit geringerer Einnahmefrequenz; Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz [LL4].
Virostatikum Famciclovir, oral Alternative; Verfügbarkeit und Fachinformation beachten [LL4].

Bei Rezidiven kommen eine früh begonnene episodische Therapie oder eine suppressive Dauertherapie (längerfristige Behandlung zur Unterdrückung neuer Ausbrüche) in Betracht. In Schwangerschaft, bei schwerem Verlauf, neurologischen Symptomen (Beschwerden des Nervensystems) oder Immunsuppression (geschwächter Immunabwehr) ist eine spezialisierte beziehungsweise stationäre Behandlung erforderlich [LL4].

Condylomata acuminata (Genitalwarzen) der Vagina

Vaginale Warzen werden ärztlich behandelt. Geeignete Verfahren sind Kryotherapie, chirurgische/ablative Entfernung oder Trichloressigsäure beziehungsweise Bichloressigsäure 80-90 % durch erfahrenes Fachpersonal. Patientinnenpräparate wie Podophyllotoxin oder Imiquimod sollen nicht intravaginal angewendet werden. In der Schwangerschaft sind Podophyllotoxin, Sinecatechine und Imiquimod zu vermeiden. Die HPV-Impfung verhindert Neuinfektionen und Genitalwarzen, behandelt jedoch keine bestehenden Läsionen [LL4].

Atrophische Kolpitis (durch Estrogenmangel verursachte Entzündung bei verdünnter Scheidenschleimhaut)/genitourinäres Menopausensyndrom

Bei leichten Beschwerden können vaginale Feuchtigkeitsmittel und Gleitmittel versucht werden. Bei persistierenden mittelgradigen bis schweren Beschwerden ist niedrig dosiertes vaginales Estrogen eine wirksame Therapie; Präparat, Dosis und Dauer werden individuell gewählt [LL8].

Wirkstoffgruppe Wirkstoff/Darreichungsform Besonderheiten
Estrogen Estriol, Vaginalcreme 1 mg/g Niedrigste wirksame Dosis; Anwendung und Kontraindikationen gemäß Fachinformation [FI2].
Estrogen Estradiol, Vaginaltablette 10 µg Sehr geringe systemische Resorption (Aufnahme des Wirkstoffs in den gesamten Körper); dennoch individuelle Nutzen-Risiko-Prüfung und Fachinformation beachten [LL8, FI3].
  • Die Aussage, Estriol habe grundsätzlich keine Endometriumwirkung (Wirkung auf die Gebärmutterschleimhaut), ist nicht haltbar. Auch bei lokaler Therapie gelten die niedrigste wirksame Dosis, produktbezogene Kontraindikationen und die Abklärung jeder postmenopausalen Blutung. Bei üblicher niedrig dosierter vaginaler Estrogentherapie ist regelhaft keine zusätzliche Gestagengabe erforderlich; bei höherer Dosierung oder Langzeitanwendung ist die Fachinformation maßgeblich [LL8, FI2, FI3].
  • Beobachtungsdaten der Women's Health Initiative zeigten bei Anwenderinnen vaginaler Estrogene keine erhöhten Raten der untersuchten Krebs- oder kardiovaskulären Ereignisse (Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems); daraus folgt jedoch kein Beweis völliger Risikofreiheit [L2].
  • Hoch dosierte Estradiol-Vaginalcremes mit 100 µg/g dürfen wegen relevanter systemischer Exposition nur für einen einzigen Behandlungszeitraum von höchstens 4 Wochen eingesetzt werden [R1].
  • Bei estrogenabhängiger Tumorerkrankung (durch Estrogene beeinflussbare Krebserkrankung) in der Anamnese soll die Entscheidung nach nicht hormonalen Maßnahmen gemeinsam mit Gynäkologie/Onkologie getroffen werden [LL8].

Aerobe Vaginitis (AV)/desquamative inflammatorische Vaginitis (DIV)

Die Diagnose stützt sich auf Nativmikroskopie mit Beurteilung von Laktobazillenflora, Leukozyten, parabasalem Epithel und toxischen Leukozyten; eine Routinekultur allein diagnostiziert AV/DIV nicht. Die Therapie richtet sich nach den Komponenten Infektion, Entzündung und Atrophie (Rückbildung und Verdünnung von Gewebe) [L4, L6, LL3].

Situation Therapieoption Besonderheiten
Moderate AV Clindamycin-Vaginalcreme 2 % In dieser Indikation in der Regel Off-Label; mikrobiologischen und klinischen Befund berücksichtigen [LL3].
Moderate AV Dequaliniumchlorid vaginal Für AV in Deutschland Off-Label, da die deutsche Zulassung auf BV lautet [L5, LL3, FI1].
DIV beziehungsweise ausgeprägte Entzündung Clindamycin-Vaginalcreme 2 % oder Hydrocortison vaginal Off-Label; Hydrocortison muss häufig magistral hergestellt werden. Bei häufigen Rezidiven kann eine 2-mal wöchentliche Erhaltung über 2-6 Monate erforderlich sein [LL3].
Begleitende Atrophie Vaginales Estriol oder Estradiol Als Zusatztherapie bei nachgewiesener Atrophie [LL3, LL8].

Vitamin D und Probiotika sind keine etablierten Ersatztherapien der aktiven AV/DIV. Bei fehlendem Ansprechen sind Diagnose, Adhärenz, Kontaktdermatitis (durch Kontaktstoffe ausgelöste Hautentzündung), Lichen planus (entzündliche Erkrankung von Haut und Schleimhaut), VVC und andere Differenzialdiagnosen (andere mögliche Ursachen der Beschwerden) erneut zu prüfen [LL3].

Hauterkrankungen

Vulväre oder vaginale Dermatosen erfordern eine morphologische Diagnose; bei unklaren, erosiven, therapieresistenten oder malignitätsverdächtigen Befunden sind spezialisierte Untersuchung und gegebenenfalls Biopsie angezeigt [LL9].

  • Erosiver Lichen planus: Hochpotente topische Glucocorticoide sind die Therapie der ersten Wahl; bei vaginaler Beteiligung sind individuelle Applikationsformen, Infektionsprophylaxe und Verlaufskontrollen erforderlich [LL9].
  • Genitale Psoriasis (Schuppenflechte im Genitalbereich): Kurzzeitig niedrig bis mittelstark potente topische Glucocorticoide; Calcineurininhibitoren können im sensiblen Genitalbereich steroid-sparend eingesetzt werden. Systemtherapien richten sich nach der gesamten Krankheitslast und gehören nicht zur empirischen Vaginitistherapie [LL9].
  • Morbus Behçet (entzündliche Erkrankung der Blutgefäße): Genitale Ulzera können lokal mit Glucocorticoiden behandelt werden; rezidivierende oder organübergreifende Erkrankungen bedürfen einer rheumatologisch-dermatologischen Systemtherapie [LL9].

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Mineralstoffe (Calcium)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (Probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien) [gelten als alternative Therapieansätze]

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungen

  • AUGS – American Urogynecologic Society
  • AUA – American Urological Association
  • AV – aerobe Vaginitis
  • AWMF – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • BASHH – British Association for Sexual Health and HIV
  • BfArM – Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
  • BV – bakterielle Vaginose
  • CMDh – Koordinierungsgruppe für Verfahren der gegenseitigen Anerkennung und dezentralisierte Verfahren – Humanarzneimittel
  • CYP – Cytochrom-P450-Enzymsystem
  • DGGG – Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
  • DIV – desquamative inflammatorische Vaginitis
  • FI – Fachinformation
  • GBS – Gruppe-B-Streptokokken
  • HIV – humanes Immundefizienzvirus
  • HPV – humane Papillomviren
  • I. E. – Internationale Einheiten
  • i. v. – intravenös
  • LL – Leitlinie beziehungsweise Empfehlung
  • MRSA – Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus
  • OEGGG – Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
  • R – regulatorische Quelle
  • RKI – Robert Koch-Institut
  • SGGG – Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
  • SUFU – Society of Urodynamics, Female Pelvic Medicine and Urogenital Reconstruction
  • VVC – Vulvovaginalkandidose

Literatur

  1. Mølgaard-Nielsen D, Svanström H, Melbye M, Hviid A: Association Between Use of Oral Fluconazole During Pregnancy and Risk of Spontaneous Abortion and Stillbirth. JAMA. 2016;315(1):58-67. doi:10.1001/jama.2015.17844 [L1]
  2. Crandall CJ, Hovey KM, Andrews CA et al.: Breast cancer, endometrial cancer, and cardiovascular events in participants who used vaginal estrogen in the Women's Health Initiative Observational Study. Menopause. 2018;25(1):11-20. doi:10.1097/GME.0000000000000956 [L2]
  3. Daniel S, Rotem R, Koren G, Lunenfeld E, Levy A: Vaginal antimycotics and the risk for spontaneous abortions. Am J Obstet Gynecol. 2018;218(6):601.e1-601.e7. doi:10.1016/j.ajog.2018.02.013 [L3]
  4. Donders GGG, Bellen G, Grinceviciene S, Ruban K, Vieira-Baptista P: Aerobic vaginitis: no longer a stranger. Res Microbiol. 2017;168(9-10):845-858. doi:10.1016/j.resmic.2017.04.004 [L4]
  5. Mendling W, Weissenbacher ER, Gerber S, Prasauskas V, Grob P: Use of locally delivered dequalinium chloride in the treatment of vaginal infections: a review. Arch Gynecol Obstet. 2016;293(3):469-484. doi:10.1007/s00404-015-3914-8 [L5]
  6. Mendling W: Gynäkologische Infektionen. Frauenheilkunde up2date. 2019;13(2):123-141. doi:10.1055/a-0820-9192 [L6]
  7. Raba G, Durkech A, Malík T et al.: Efficacy of Dequalinium Chloride vs Metronidazole for the Treatment of Bacterial Vaginosis: A Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2024;7(5):e248661. doi:10.1001/jamanetworkopen.2024.8661 [L7]
  8. Vodstrcil LA, Plummer EL, Fairley CK et al.; StepUp Team: Male-Partner Treatment to Prevent Recurrence of Bacterial Vaginosis. N Engl J Med. 2025;392(10):947-957. doi:10.1056/NEJMoa2405404 [L8]

Leitlinien und Empfehlungen

  1. S2k-Leitlinie: Bakterielle Vaginose (AWMF-Registernummer 015-028), Stand Juni 2023, Version 5.0; Langversion [LL1]
  2. S2k-Leitlinie: Vulvovaginalkandidose (ausgenommen chronisch mukokutane Kandidose) (AWMF-Registernummer 015-072), Stand September 2020, gültig bis 31.08.2025; Aktualisierung seit Dezember 2025 angemeldet; Langversion [LL2]
  3. Vieira-Baptista P, Stockdale CK, Sobel J, eds.: International Society for the Study of Vulvovaginal Disease Recommendations for the Diagnosis and Treatment of Vaginitis. Lisbon: Admedic; 2023. doi:10.59153/adm.rdtv.001 [LL3]
  4. Workowski KA, Bachmann LH, Chan PA et al.: Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines, 2021. MMWR Recomm Rep. 2021;70(4):1-187. doi:10.15585/mmwr.rr7004a1 [LL4]
  5. Sherrard J, Pitt R, Hobbs S, Maynard M: British Association for Sexual Health and HIV (BASHH) United Kingdom national guideline on the management of Trichomonas vaginalis 2021. Int J STD AIDS. 2022;33(8):740-750. doi:10.1177/09564624221103035 [LL5]
  6. American College of Obstetricians and Gynecologists: Concurrent Sexual Partner Therapy to Prevent Bacterial Vaginosis Recurrence. Obstet Gynecol. 2025;146(6):e111-e114. doi:10.1097/AOG.0000000000006102 [LL6]
  7. S2k-Leitlinie: Prävention und Therapie der Frühgeburt (AWMF-Registernummer 015-025), Stand September 2022; verlängerte Fassung März 2025; Langversion [LL7]
  8. Kaufman MR, Ackerman AL, Amin KA et al.: The AUA/SUFU/AUGS Guideline on Genitourinary Syndrome of Menopause. J Urol. 2025;214(3):242-250. doi:10.1097/JU.0000000000004589 [LL8]
  9. van der Meijden WI, Boffa MJ, ter Harmsel B et al.: 2021 European guideline for the management of vulval conditions. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2022;36(7):952-972. doi:10.1111/jdv.18102 [LL9]
  10. Robert Koch-Institut: Streptococcus-pyogenes-Infektionen. RKI-Ratgeber. Stand 01.02.2024 [LL10]
  11. Robert Koch-Institut: Staphylokokken-Erkrankungen, insbesondere Infektionen durch MRSA. RKI-Ratgeber. Stand 17.01.2025 [LL11]

Fachinformationen und regulatorische Quellen

  1. PIERRE FABRE PHARMA GmbH: Fachinformation Fluomizin® 10 mg Vaginaltabletten (Dequaliniumchlorid). Stand Juli 2022 [FI1]
  2. Besins Healthcare Germany GmbH: Fachinformation OeKolp®-Creme 1 mg/g (Estriol). Aktuelle Fachinformation [FI2]
  3. Exeltis Germany GmbH: Fachinformation Vagirux 10 Mikrogramm Vaginaltabletten (Estradiol). Stand April 2022 [FI3]
  4. mibe GmbH Arzneimittel: Fachinformation Mykofungin® 3, 200 mg Vaginaltabletten (Clotrimazol). Aktuelle Fachinformation [FI4]
  5. Dr. Pfleger Arzneimittel GmbH: Fachinformation Biofanal® bei Scheidenpilz, Vaginaltabletten 100.000 I. E. (Nystatin). Stand August 2024 [FI5]
  6. European Medicines Agency: Four-week limit for use of high-strength estradiol creams. 16.05.2020 [R1]
  7. BfArM/CMDh: Fluconazol – wissenschaftliche Schlussfolgerungen und Änderungen der Produktinformation (PSUSA/00001404/202303). 2023 [R2]