Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Medikamentöse Therapie
Scheidenentzündung (Vaginitis/Kolpitis)

Therapieziel

Wiederherstellung der normalen Schleimhautflora und somit Vermeidung von Komplikationen.

Therapieempfehlungen

  • Antibiose (Antibiotika: oral, Vaginaltabletten, Vaginalgel) bei bakterieller Vaginose
  • Antimykotika bei Candidamykose der Vagina (Scheide)
  • Wirkstoffe bei speziellen Infektion (s. u.)
  • Hinweise zu Hauterkrankungen (s. u.)
  • Siehe auch unter "Weitere Therapie".

Wirkstoffe (Hauptindikation) der bakteriellen Vaginose (Gardnerella vaginalis, Bacteroides, Mykoplasmen, Peptokokken)

Antibiotika

Wirkstoffgruppen
Wirkstoffe
Nitromidazole Metronidazol
  Metronidazol
Vaginalgel
Lincosamide
Clindamycin

Vaginales Antiseptikum

Wirkstoffgruppe Wirkstoffe
Quarternäre
 Amoniumverbindungen
Dequalinium

Wirkstoffe (Hauptindikation) der Candidamykose der Vagina

Antimykotika – Lokaltherapie

Wirkstoffgruppe
Wirkstoffe
Imidazole
Clotrimazol
  Econazol
  Miconazol
  • Bei der vaginalen Anwendung von Clotrimazol und Miconazol im ersten Trimenon scheint das Risiko für einen Spontanabort nicht erhöht zu sein [3].


Antimykotika – Systemische Therapie bei rezidivierender, chronischer Vaginitis

Wirkstoffgruppe
Wirkstoffe
Triazole Fluconazol
  Itraconazol
  • Warnhinweis für Schwangere: Fluconazol (Antimykotikum aus der Gruppe der Triazolderivate), oral; Reproduktionstoxizität (48 % ↑) [1]

Wirkstoffe bei speziellen Indikationen

Trichomonaden

Wirkstoffgruppe
Wirkstoffe
Nitromidazole Metronidazol


Kolpitis Plasmacellularis

Es handelt sich um eine Erkrankung,die anamnestisch mit chronischem Fluor (Ausluss) und vielen verschiedenen Behandlungsversuchen mit Antibiotika und Antimykotika (Arzneimittel zur Behandlung von Pilzinfektionen (Mykosen)) einhergeht. Auch ähnelt es häufig einer Trichomonadenkolpitis. Wahrscheinlich sind die Ursachen unterschiedlich. Es gibt bisher keinen nachweisbaren Erreger. Deshalb wird die Diagnose allein durch den Therapieerfolg (etwa 90 %) mit Clindamycin gestellt, das bei Verdacht indiziert ist. Auch gibt es keinen typischen histologischen Befund.

Wirkstoffgruppe
Wirkstoffe
Lincosamide
Clindamycin
Vaginalgel

Staphylococcus aureus

Eine Kolonisation ("Besiedlung") der Scheide mit Staphylococcus aureus ist normalerweise klinisch unproblematisch, kann jedoch im Falle einer Operation oder anderen Verletzungen zu massiven Wundheilungsstörungen führen. Da die meisten Staphylokokken Betalaktamase produzieren müssen Antibiotika eingesetzt werden, die pencillinasefest sind. Mittel der Wahl sind Dicloxacillin, Flucloxacillin, Oxacillin, Cephalosporine, Erythromycin und Clindamycin. Auf die sehr seltene Sonderform, das Toxische Schocksyndrom (TSS; Synonym: Tamponkrankheit), das durch Toxine ("Gifte") zum Kreislaufkollaps und potentiell zum Tode führt, soll in diesem Rahmen nicht eingegangen werden.

Wirkstoffgruppe
Wirkstoffe
Staphylokokkenpenicilline
(penicillinasefestes β-Lactam-Antibiotikum)
Dicloxacillin
  Flucloxacillin
  Oxacillin
Cephalosporine
Cefazolin
  Cefadroxil
  Cefotiam
  Cefotaxim
  Ceftriaxon
  Ceftazidim
  Cefuroxim
Makrolide Erythromycin
Lincosamide
Clindamycin

Streptokokken-Kolpitis

Streptokokken gehören auch im Genitalbereich zu den gefährlichsten Bakterien mit septischen Krankheitsbildern und dem Toxischen Schocksyndrom (TSS). Deshalb muss auch bei Beschwerdefreiheit eine Antibiotikatherapie durchgeführt werden.

Wirkstoffgruppe
Wirkstoffe
Benzylpenicillin Penicillin G
Aminopenicilline Amoxicillin
Cephalosporine
Cefuroxim
  • Bei Kolonisation der Vagina mit betahämolysierenden Streptokokken der Serogruppe B sollte bei der Schwangeren bei Beginn der Wehen oder nach einem Blasensprung eine Prophylaxe mit Penicillin G bzw. Ampicillin i. v. gegeben werden

Herpes vaginalis

Wirkstoffgruppe
Wirkstoffe
Virostatika   
Aciclovir
  Aciclovir

Condylomata acuminata 

Ein solitärer Befall der Vagina (Scheide) ist sicherlich extrem selten, da für einen solchen Fall eine Wunde in der Vagina als Eintrittspforte Voraussetzung ist. Allerdings sind bei einem ausgeprägten Befall der Vulva (Gesamtheit der äußeren primären Geschlechtsorgane) auch häufig auch die Vagina und die Cervix (Gebärmutterhals) mitbetroffen.
Eine sichere Prävention gegen HPV 6 + 11 ist durch Impfung möglich.
Mittel der Wahl sind topische Applikationen (
Anwendung von medizinischen Wirkstoffen dort, wo sie therapeutisch wirken sollen) vor einer chirurgischen Abtragung (z. B. mit scharfem Löffel, elektrischer Schlinge, CO2-Laser, Kryochirurgie/Chirurgie mittels Vereisung).

Weiteres siehe unter HPV-Infektion/Pharmakotherapie 

Atrophische Kolpitis

Die Therapie besteht in erster Linie aus lokaler selten aus systemischer Östrogengabe (Wirkung nicht oder nicht nur am Ort der Resorption (Aufnahme) auftritt, sondern an irgendeinem anderen Ort/Organ (hier: Scheide) im System/Körper). Hier soll nur auf die lokale ("örtliche") Therapie eingegangen werden.

Mittel der Wahl ist Estriol (E3). Es hat im Gegensatz zu Estradiol (E2) keine Endometriumwirkung (Gebärmutterschleimhautwirkung).

Wirkstoffgruppe
Wirkstoffe
Östrogene    
 Östriol (E3)
 Östrogen-Vaginalcreme
   Östrogen-Vaginalovulum/-tablette/-zäpfchen
   
 Östradiol (E2)
Estradiol-Vaginaltablette

Hinweis: Die vaginale Östrogentherapie führte bei Anwenderinnen mit intaktem Uterus zu keinem erhöhten Risiko für Mammakarzinom(Brustkrebs), kolorektale Karzinome (Karzinome des Kolons (Darm) bzw. Rektum (Mastdarm)) und Endometriumkarzinome (Gebärmutterschleimhautkrebs); ebenso war das Risiko für Apoplex (Schlaganfall) sowie Lungen- und Thrombosen der tiefen Beinvenen nicht erhöht [2].
Unabhängig davon empfiehlt die europäische Arzneimittel-Agentur nach erneuter Prüfung der Risiken, hochdosierte Estradiol-haltige Vaginalcremes (mit 100 Mikrogramm Estradiol pro Gramm Creme (0,01 %)) nur einmalig und maximal 4 Wochen zu verwenden. Die Arzneimittelagentur verweist dabei auf Nebenwirkungen wie eine Hormonersatztherapie, d. h. Endometriumkarzinome, Mammakarzinome, venöse Thromboembolien und Schlaganfälle [4].

Hauterkrankungen

Einzelheiten s. bei den Erkrankungen; nachfolgend nur kurze Informationen:

  • Morbus Behçet: Die Behandlung erfolgt im akuten Stadium mit Corticosteroiden, in schweren Fällen und bei häufigen Rezidiven ("Wiederauftreten") mit Immunsuppressiva (Azathioprin, Ciclosporin (Cyclosporin A), Chlorambucil, Cyclophosphamid). Wenn das auch nicht zum gewünschten Erfolg führt, können eine Infliximab- oder Thalidomid-Therapie verordnet werden.
  • Lichen ruber/ planus erosivus: Therapie: Cortisonpräparate in Form von Salben, Cremes oder Haftpasten 
  • Psoriasis: Grundsätzlich kommen eine systemische und topische Therapie in Frage:
    • Topische Therapie: Calcineurin-Inhibitoren, Dithranol, Glucocorticosteroide, Steinkohlenteer, Tazaroten, Vitamin D und Analoga
    • Systemische Therapie: Adalimumab, Ciclosporin (Cyclosporin A), Etanercept, Fumarsäureester, Infliximab, Methotrexat, Retinoide**, Ustekinumab*

 Für den Vaginalbereich sind Glucocorticoide Mittel der Wahl.

*Rote-Hand-Brief (22.11.2014) zu Ustekinumab: Auftreten einer exfoliativen Dermatitis (Erythrodermie) und Exfoliation der Haut
**Orale Retinoide Acitretin, Alitretinoin und Isotretinoin dürfen bei Frauen im gebärfähigen Alter nur unter Einhaltung eines Schwangerschaftsverhütungsprogramms angewendet werden.

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die natürliche Abwehr sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2 B3, B5, B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Omega-3-Fettsäuren (Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (z. B. Beta-Carotin, Flavonoide, Lycopin, Polyphenole)
  • Probiotika

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen. 

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Autoren: Prof. Dr. med. G. Grospietsch, Dr. med. W. G. Gehring

Literatur

  1. Mølgaard-Nielsen D et al.: Association Between Use of Oral Fluconazole During Pregnancy and Risk of Spontaneous Abortion and Stillbirth. JAMA. 2016;315(1):58-67. doi:10.1001/jama.2015.17844
  2. Crandall CJ et al.: Breast cancer, endometrial cancer, and cardiovascular events in participants who used vaginal estrogen in the Women's Health Initiative Observational Study.. Menopause: Post Author Corrections: August 14, 2017 doi: 10.1097/GME.0000000000000956
  3. Daniel S et al.: Vaginal antimycotics and the risk for spontaneous abortions. Am J Obstetrics Gynecol 2018, online 3. März doi: https://doi.org/10.1016/j.ajog.2018.02.013
  4. EMA-Pressemitteilung: PRAC confirms four-week limit for use of high-strength estradiol creams. 17.01.2020.

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: Candida-Infektionen, Diagnostik und Therapie. (AWMF-Registernummer: 082 - 005), Juli 2016 Langfassung

     
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