Entzündung des äußeren Genitales (Vulvitis) – Medikamentöse Therapie

Therapieziel

  • Beschwerden und Entzündung lindern, die zugrunde liegende Ursache behandeln, die vulväre Hautbarriere erhalten und Rezidive (erneutes Auftreten der Erkrankung) sowie Komplikationen vermeiden.

Therapieempfehlungen

Vulvitis (Entzündung der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane) bezeichnet eine Entzündung der Vulva und ist keine eigenständige Erregerdiagnose. Vor der Arzneimittelwahl sind Lokalbefund, vaginale Beteiligung, Kontaktstoffe, Schwangerschaft, Alter, Sexualanamnese und gegebenenfalls pH-Wert, Mikroskopie, Erregernachweis oder Biopsie zu berücksichtigen. Eine bakterielle Vaginose (Störung der Scheidenflora mit Überwiegen bestimmter Bakterien) ist primär eine vaginale Dysbiose (Ungleichgewicht der Scheidenflora); eine Candida-Besiedlung ohne Beschwerden erfordert im Regelfall keine Behandlung. Bei persistierenden, therapieresistenten oder suspekten Läsionen (Haut- oder Schleimhautveränderungen) ist eine histologische Abklärung erforderlich [LL1, LL2, LL4].

  • Allgemein: Reizende Intimprodukte und nicht indizierte Lokaltherapien absetzen; milde Reinigung, hautschützende unparfümierte Pflege und Schonung der betroffenen Haut. Bei Kindern spezifische Ursachen einschließlich Fremdkörper, Streptokokken und Enterobius vermicularis abklären.
  • Infektiöse Ursachen: Bakterielle Vaginose, Trichomoniasis (Infektion mit Trichomonaden), Candida-Vulvovaginitis (Pilzinfektion von Scheide und Vulva), bakterielle Hautinfektionen, Herpes genitalis (Genitalherpes) und Condylomata acuminata (Feigwarzen) erfordern unterschiedliche Therapien. Oxyuren und Trichomonaden sind unterschiedliche Erreger; ein vaginales Antiseptikum ersetzt bei Trichomoniasis keine systemische Nitroimidazoltherapie [LL1, LL2, LL4].
  • Nichtinfektiöse Ursachen: Beim genitourinären Menopausensyndrom (Beschwerden an Vulva, Scheide und Harnwegen nach den Wechseljahren) kommen lokale Östrogene infrage. Bei Lichen sclerosus (chronische entzündliche Hauterkrankung im Genitalbereich) sind hochpotente topische Glukokortikoide Standard. Vestibulodynie (Schmerzen am Scheideneingang ohne ausreichend erklärende Ursache) und plasmazelluläre Vulvitis (seltene chronische Entzündung der Vulva mit Ansammlung bestimmter Abwehrzellen) werden nach Ausschluss anderer Ursachen getrennt behandelt [3, 4, LL3, LL5].

Bakterielle Vaginose mit vulvärer Reizung

Die Behandlung richtet sich gegen die nachgewiesene symptomatische vaginale Dysbiose. Metronidazol und Clindamycin sind Standardoptionen; Dequaliniumchlorid ist eine lokale antiseptische Alternative. In der Schwangerschaft empfiehlt die deutsche S2k-Leitlinie vornehmlich vaginales Clindamycin oder Antiseptika; Auswahl und Nutzen werden individuell beurteilt [LL1, LL4].

Nitroimidazole

Wirkstoff Besonderheiten
Metronidazol oral Bei symptomatischer bakterieller Vaginose; Interaktionen, Leberfunktion und Schwangerschaftssituation prüfen [LL1, LL4].
Metronidazol 0,75 % Vaginalgel Lokale Alternative; Präparatverfügbarkeit und Fachinformation beachten [LL4].
  • Wirkweise: Reduktion empfindlicher anaerober Bakterien durch Schädigung der DNA.
  • Indikation: Symptomatische bakterielle Vaginose mit oder ohne begleitende vulväre Reizung.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; bei schwerer Lebererkrankung und relevanten Wechselwirkungen individuelle Prüfung.
  • Nebenwirkungen: Oral insbesondere Übelkeit, metallischer Geschmack, selten periphere Neuropathie (Erkrankung der peripheren Nerven); vaginal lokale Reizung.

Lincosamide

Wirkstoff Besonderheiten
Clindamycin 2 % Vaginalcreme Geeignete lokale Option, auch bei symptomatischer bakterieller Vaginose in der Schwangerschaft nach individueller Abwägung; ölhaltige Creme kann Latexprodukte vorübergehend schwächen [LL1, LL4].
Clindamycin oral Alternative, wenn lokal nicht geeignet; höhere systemische Belastung [LL4].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese.
  • Indikation: Symptomatische bakterielle Vaginose, besonders bei Eignung einer Lokaltherapie.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; Vorsicht bei vorausgegangener antibiotikaassoziierter Kolitis (Darmentzündung).
  • Nebenwirkungen: Lokale Irritation oder Candidiasis (Pilzinfektion), oral Diarrhö (Durchfall) einschließlich seltener Clostridioides-difficile-Kolitis (durch ein bestimmtes Bakterium verursachte Darmentzündung).

Quartäre Ammoniumverbindungen

Wirkstoff Besonderheiten
Dequaliniumchlorid Lokales Antiseptikum für bakterielle Vaginose; keine Ersatztherapie für Trichomoniasis [LL1, FI1].
  • Wirkweise: Breite lokale antiseptische Wirkung durch Schädigung mikrobieller Zellstrukturen.
  • Indikation: Symptomatische bakterielle Vaginose als lokale Therapieoption.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit und ulzerierte Vaginal- oder Zervixepithelien gemäß Fachinformation [FI1].
  • Nebenwirkungen: Vaginales Brennen, Juckreiz oder Ausfluss.

Bei mehrfach rezidivierender bakterieller Vaginose kann eine suppressive intravaginale Metronidazoltherapie erwogen werden; die optimale Strategie ist individuell festzulegen. Eine routinemäßige Partnertherapie empfiehlt die S2k-Leitlinie von 2023 nicht. Eine randomisierte Studie von 2025 fand dagegen bei festen männlichen Partnern unter kombinierter oraler und lokaler Partnerbehandlung weniger Rezidive innerhalb von 12 Wochen; dies begründet eine erneute individuelle Diskussion, jedoch noch keine pauschale Partnerverordnung nach deutschem Leitlinienstandard [2, LL1, LL4].

Bakterielle Hautinfektionen der Vulva

Follikulitis (Entzündung eines Haarfollikels), Impetigo (ansteckende oberflächliche Hautinfektion), Furunkel (eitrige Entzündung eines Haarfollikels), Abszess (abgekapselte Eiteransammlung) und Erysipel (Wundrose) unterscheiden sich in Erregerbild und Behandlungsbedarf. Kleine Furunkel und Abszesse benötigen vorrangig lokale beziehungsweise chirurgische Maßnahmen; systemische Antibiotika bei ausgedehnter Entzündung, systemischen Zeichen, Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) oder kompliziertem Verlauf. Erreger- und Resistenzlage sowie regionale Fachinformationen sind maßgeblich [LL6].

Penicilline

Wirkstoff Besonderheiten
Flucloxacillin oral Bei behandlungsbedürftiger Infektion durch methicillinsensiblen Staphylococcus aureus; Leberrisiko und lokale Zulassung beachten [LL6].
Phenoxymethylpenicillin oral Bei gesichertem Streptokokkenbefall, etwa Erysipel; Dosis und Dauer dem Befund anpassen [LL6].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese; Flucloxacillin wirkt gegen methicillinsensible Staphylokokken, Penicillin V gegen empfindliche Streptokokken.
  • Indikation: Klinisch relevante bakterielle Hautinfektion mit passendem Erregerspektrum, nicht unspezifischer vulvärer Juckreiz.
  • Kontraindikationen: Penicillinüberempfindlichkeit; bei Flucloxacillin frühere arzneibedingte Leberschädigung berücksichtigen.
  • Nebenwirkungen: Exanthem (Hautausschlag), Übelkeit, Diarrhö; unter Flucloxacillin selten cholestatische Hepatitis (Leberentzündung mit gestörtem Galleabfluss).

Cephalosporine der ersten Generation

Wirkstoff Besonderheiten
Cefalexin oral Alternative bei geeigneter Erregerlage und individueller Allergieanamnese; Nierenfunktion berücksichtigen [LL6].
  • Wirkweise: Bakterizide Hemmung der Zellwandsynthese.
  • Indikation: Ausgewählte nicht komplizierte Streptokokken- oder MSSA-Hautinfektionen.
  • Kontraindikationen: Cephalosporinüberempfindlichkeit; bei schwerer Soforttypreaktion auf Betalaktame gesonderte Prüfung.
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Exanthem, selten antibiotikaassoziierte Kolitis.

Bei begrenzter Impetigo kann eine lokale antibiotische Therapie nach regionaler Resistenzlage ausreichen. Ausgedehnte Läsionen, Fieber, rasche Ausbreitung oder disproportionale Schmerzen erfordern zeitnahe erneute Beurteilung; bei Abszess ist die Drainage (Ableitung von Eiter) entscheidend [LL6]. Die frühere Liste mit breiten Cephalosporinen der dritten Generation, Ceftazidim und genereller Clindamycintherapie ist für unkomplizierte vulväre Hautinfektionen nicht sachgerecht.

Trichomoniasis und Enterobiasis (Madenwurmbefall)

Nitroimidazole bei Trichomoniasis

Wirkstoff Besonderheiten
Metronidazol oral Bevorzugtes Schema für Frauen; Sexualpartner gleichzeitig behandeln und erneute Testung nach etwa 3 Monaten anbieten. Vaginales Metronidazolgel oder Dequalinium allein sind nicht ausreichend [LL4].
  • Wirkweise: Nitroimidazol mit Wirkung gegen Trichomonas vaginalis.
  • Indikation: Nachgewiesene urogenitale Trichomoniasis.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; schwere Leberfunktionsstörung und relevante Arzneimittelinteraktionen individuell prüfen.
  • Nebenwirkungen: Übelkeit, metallischer Geschmack, selten neurologische Beschwerden.

Benzimidazole bei Enterobiasis

Wirkstoff Besonderheiten
Mebendazol oral Bei nachgewiesener oder klinisch plausibler Oxyuriasis (Madenwurmbefall); gleichzeitige Behandlung enger Haushaltskontakte und Hygienemaßnahmen erwägen. Alter, Schwangerschaft und Zulassung prüfen [LL7].
  • Wirkweise: Hemmung der Mikrotubuli und Energieversorgung des Wurms.
  • Indikation: Enterobius-vermicularis-Infektion mit perianalem und gegebenenfalls vulvärem Juckreiz.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; in Schwangerschaft und bei kleinen Kindern nur nach individueller fachlicher Prüfung.
  • Nebenwirkungen: Bauchbeschwerden, Diarrhö, selten Exanthem.

Bei Skabies (Krätze) oder Filzläusen erfolgt die spezifische Behandlung nach der jeweiligen Erregerdiagnose; eine empirische Metronidazolgabe ist dafür ungeeignet [LL4].

Vulvovaginalkandidose (Pilzinfektion von Scheide und Vulva)

Die Diagnose stützt sich auf Symptome und den Nachweis von Hefen beziehungsweise Pseudohyphen. Bei Rezidiven, persistierenden Beschwerden oder Therapieversagen sind Kultur, Speziesbestimmung und gegebenenfalls Resistenzprüfung wichtig. In der Schwangerschaft lokale Azole für 7 Tage verwenden; orale Fluconazoltherapie vermeiden. Die S2k-Leitlinie 015-072 ist seit August 2025 abgelaufen und derzeit in Überarbeitung [1, LL2, LL4].

Topische Imidazole

Wirkstoff Besonderheiten
Clotrimazol vaginal und vulvär Vaginale Infektion und vulvären Befall bei Bedarf gemeinsam behandeln; in der Schwangerschaft stattdessen ein zugelassenes 7-tägiges lokales Azolschema wählen [LL2, LL4, FI4].
  • Wirkweise: Hemmung der Ergosterolsynthese und Schädigung der Pilzzellmembran.
  • Indikation: Symptomatische, klinisch und mykologisch passende Candida-Vulvovaginitis.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; individuelle Unverträglichkeit von Hilfsstoffen.
  • Nebenwirkungen: Lokales Brennen, Rötung oder Irritation; manche Vaginalpräparate beeinträchtigen Latexbarrieren.

Systemische Triazole

Wirkstoff Besonderheiten
Fluconazol oral Nur außerhalb der Schwangerschaft; Interaktionen, Leberwerte und Nierenfunktion berücksichtigen. Bei Candida glabrata nicht unkritisch das gleiche Schema anwenden [LL2, LL4].
  • Wirkweise: Hemmung der fungalen Ergosterolsynthese.
  • Indikation: Geeignete nicht schwangere Patientinnen mit symptomatischer Candidose (Pilzinfektion); Erhaltungsschema nur bei gesicherter rezidivierender Erkrankung.
  • Kontraindikationen: Schwangerschaft, Überempfindlichkeit und relevante Interaktions- oder QT-Risiken; schwere Lebererkrankung individuell bewerten.
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Transaminasenanstieg, selten schwere Lebertoxizität oder QT-Verlängerung.

Die im Ausgangstext erhaltene Beobachtungsstudie berichtete eine Assoziation zwischen oralem Fluconazol in der Schwangerschaft und Spontanabort (Fehlgeburt); aus dieser Studie allein folgt keine Kausalitätsaussage. Die pauschale Angabe einer „48 %“ erhöhten Reproduktionstoxizität ist deshalb zu vermeiden [1]. Eine routinemäßige Nachbehandlung mit einem bestimmten kommerziellen Probiotikum ist nicht als gesicherter Ersatz für die antimykotische Therapie belegt [LL2, LL4].

Condylomata acuminata der Vulva

Behandelt werden sichtbare Warzen, nicht eine asymptomatische HPV-Infektion (Infektion mit humanen Papillomviren). Auswahl nach Zahl, Größe und Ort der Läsionen, Schwangerschaft und Wunsch der Patientin. Bei atypischen, pigmentierten, blutenden oder therapieresistenten Veränderungen Biopsie erwägen. Kryotherapie (Vereisungsbehandlung) und Abtragung sind gleichwertige verfahrensbezogene Optionen; Interferon beta, topisches 5-Fluorouracil und Kaliumhydroxid sind keine etablierten Standardtherapien [LL4].

Immunmodulatoren

Wirkstoff Besonderheiten
Imiquimod 5 % Creme Nur extern; keine intravaginale Anwendung; Schwangerschaft mangels ausreichender Daten zurückhaltend beurteilen [LL4].
  • Wirkweise: Aktivierung der lokalen Immunantwort.
  • Indikation: Geeignete äußere anogenitale Warzen.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; Anwendung auf offene entzündete Läsionen vermeiden.
  • Nebenwirkungen: Erythem (Hautrötung), Erosionen (oberflächliche Gewebeschäden), Brennen und lokale Schwellung.

Antimitotische Wirkstoffe

Wirkstoff Besonderheiten
Podophyllotoxin 0,15 % Creme oder 0,5 % Lösung gemäß jeweiliger Zulassung Auf äußere Warzen begrenzen; Lösung und Creme nur entsprechend deutscher Produktzulassung und Körperstelle einsetzen [LL4].
  • Wirkweise: Mitosehemmung und Nekrose (Absterben von Gewebe) der behandelten Warzen.
  • Indikation: Kleine, zugängliche äußere anogenitale Warzen.
  • Kontraindikationen: Schwangerschaft, Behandlung großer Flächen, Schleimhaut oder offener Wunden.
  • Nebenwirkungen: Lokale Schmerzen, Erosionen und Brennen.

Pflanzliche Polyphenole

Wirkstoff Besonderheiten
Sinecatechine 10 % oder 15 % Salbe je nach zugelassenem Präparat Nicht intravaginal; konkrete Konzentration und Verfügbarkeit anhand der Fachinformation prüfen [LL4].
  • Wirkweise: Polyphenolhaltiger Grünteeextrakt mit lokaler Wirkung auf die Warzen.
  • Indikation: Ausgewählte äußere anogenitale Warzen.
  • Kontraindikationen: Schwangerschaft wegen unzureichender Daten; nicht auf Schleimhäute auftragen.
  • Nebenwirkungen: Erythem, Brennen, Erosionen und Juckreiz.

Trichloressigsäure 80 bis 90 % kann durch erfahrene Behandelnde punktuell appliziert werden; sie gehört nicht zur Selbstmedikation. Die HPV-Impfung dient der Prävention und ist keine Therapie bestehender Warzen [LL4].

Herpes genitalis

Nukleosidanaloga

Wirkstoff Besonderheiten
Aciclovir oral Bei unvollständiger Abheilung Erstepisode verlängern; Nierenfunktion berücksichtigen [LL4].
Valaciclovir oral Alternative mit geringerer Einnahmehäufigkeit; Rezidivtherapie möglichst innerhalb eines Tages nach Beginn starten [LL4].
  • Wirkweise: Hemmung der viralen DNA-Replikation.
  • Indikation: Klinischer Erstbefall, belastende Rezidive oder individuell begründete Suppression.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz (eingeschränkte Nierenfunktion).
  • Nebenwirkungen: Übelkeit, Kopfschmerzen, selten neuropsychiatrische oder renale unerwünschte Wirkungen.

Bei Schwangerschaft, schwerer Immunsuppression oder ausgedehntem Befall gelten gesonderte Behandlungs- und Geburtsmanagementregeln [LL4].

Genitourinäres Menopausensyndrom mit vulvärer Atrophie (Gewebeschwund an den äußeren Geschlechtsorganen)

Bei persistierenden Beschwerden nach geeigneter nicht hormoneller Pflege kann niedrig dosiertes vaginales Östrogen angeboten werden. Estriol und niedrig dosiertes Estradiol sind Optionen; die Behauptung, vaginales Estriol habe grundsätzlich keinerlei Endometrium- oder systemische Wirkung, ist unzutreffend. Ungeklärte Blutungen sind abzuklären, und bei langer Anwendung ist regelmäßige Neubewertung nötig [FI2, LL8].

Lokale Östrogene

Wirkstoff Besonderheiten
Estriol 0,5 mg Vaginalovulum Präparatgerechtes Schema; niedrig dosierte Erhaltung benötigt üblicherweise kein zusätzliches Gestagen, Langzeitsicherheit regelmäßig prüfen [FI2].
Estradiol 10 µg Vaginaltablette Alternative in niedriger Dosis; produktspezifische Fachinformation maßgeblich [LL8].
  • Wirkweise: Lokale Östrogenwirkung mit Verbesserung von Epithel und Schleimhautbeschwerden.
  • Indikation: Symptomatisches genitourinäres Menopausensyndrom.
  • Kontraindikationen: Ungeklärte Genitalblutung, bekannte oder vermutete östrogenabhängige Malignität (bösartige Erkrankung) und weitere produktspezifische Gegenanzeigen; nach Mammakarzinom (Brustkrebs) interdisziplinär entscheiden [FI2].
  • Nebenwirkungen: Lokales Brennen, Ausfluss oder Schmierblutung; jede unerwartete Blutung abklären.

Plasmazelluläre Vulvitis

Diese seltene entzündliche Dermatose ist nicht durch Therapieerfolg mit Clindamycin definiert. Bei verdächtigen, persistierenden roten oder erosiven Arealen sind klinische Differenzialdiagnosen und eine Biopsie wichtig; die verfügbare Therapieevidenz beruht vor allem auf kleinen Serien [3].

Hochpotente topische Glukokortikoide

Wirkstoff Besonderheiten
Clobetasolpropionat 0,05 % Salbe Spezialisierte Behandlung bei histologisch gesicherter Erkrankung; vulväre Anwendung gegebenenfalls Off-Label-Use [3, FI3].
Tacrolimus 0,1 % Salbe Alternative bei unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit; Off-Label-Use [3].
  • Wirkweise: Clobetasol unterdrückt Entzündung; Tacrolimus hemmt Calcineurin und T-Zell-Aktivierung.
  • Indikation: Histologisch gestützte plasmazelluläre Vulvitis nach Ausschluss infektiöser und neoplastischer Ursachen.
  • Kontraindikationen: Unbehandelte Infektion, Überempfindlichkeit; nicht ohne erneute Prüfung auf suspekten Läsionen anwenden.
  • Nebenwirkungen: Lokale Irritation; unter falsch angewendeten Glukokortikoiden Hautatrophie (Verdünnung der Haut), unter Tacrolimus initiales Brennen.

Vulvodynie (anhaltende Schmerzen der Vulva ohne ausreichend erklärende Ursache) und provozierte Vestibulodynie (durch Berührung ausgelöste Schmerzen am Scheideneingang)

Bei chronischem vulvärem Schmerz ohne hinreichend erklärende Läsion stehen sorgfältige Differenzialdiagnostik, Beckenbodenphysiotherapie und gegebenenfalls psychosexuelle Unterstützung im Vordergrund. In einer randomisierten Studie wirkte multimodale Physiotherapie besser als nächtlich appliziertes Lidocain. Clindamycin, Amitriptylin, Gabapentin, Pregabalin oder eine Vestibulektomie (operative Entfernung schmerzhafter Bereiche am Scheideneingang) sind keine pauschale Erstlinientherapie; Gabapentin war in einer Studie hinsichtlich Schmerz nicht besser als Placebo [4, LL5].

Lokalanästhetika

Wirkstoff Besonderheiten
Lidocain 5 % Salbe Individueller symptomatischer Versuch und Off-Label-Use; langfristige tägliche Anwendung hat keine gesicherte Überlegenheit gegenüber Placebo [LL5].
  • Wirkweise: Vorübergehende Blockade spannungsabhängiger Natriumkanäle und lokale Analgesie.
  • Indikation: Situationsbezogene Linderung provozierter vestibulärer Schmerzen nach gesicherter Diagnose.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegenüber Lokalanästhetika vom Amidtyp; nicht großflächig auf verletzter Schleimhaut anwenden.
  • Nebenwirkungen: Brennen, Kontaktreaktionen und bei Überdosierung selten systemische Toxizität.

Vulvitis bei entzündlichen Dermatosen (Hauterkrankungen)

Bei Lichen sclerosus ist Estriol keine kausale Therapie. Die S3-Leitlinie empfiehlt hochpotente topische Glukokortikoide als Erstlinie mit langfristiger Erhaltung nach Krankheitsaktivität. Lichen planus (entzündliche Erkrankung von Haut und Schleimhaut), Ekzem (entzündliche Hauterkrankung) und inverse Psoriasis (Schuppenflechte) benötigen jeweils eine eigene Diagnostik und angepasste Lokaltherapie. Systemische Immunsuppressiva bei Morbus Behçet (entzündliche Erkrankung der Blutgefäße) oder ausgedehnter Psoriasis gehören in krankheitsspezifische, interdisziplinäre Behandlung [LL3, LL5].

Hochpotente topische Glukokortikoide

Wirkstoff Besonderheiten
Clobetasolpropionat 0,05 % Salbe Regelmäßige klinische Kontrolle und Pflege mit Emollientien; bei Persistenz oder suspekter Veränderung Biopsie [LL3, FI3].
Mometasonfuroat 0,1 % Salbe Leitliniengestützte Alternative bei Lichen sclerosus; Erhaltung individuell [LL3].
  • Wirkweise: Starke lokale Hemmung der Entzündung und Symptomkontrolle.
  • Indikation: Vulvärer Lichen sclerosus; nach Diagnoseabgleich auch ausgewählte andere entzündliche Dermatosen mit angepasster Wirkstärke.
  • Kontraindikationen: Unbehandelte Infektionen und Überempfindlichkeit; verdächtige Neoplasien (Gewebeneubildungen) zunächst abklären.
  • Nebenwirkungen: Brennen und bei unsachgemäßer Langzeitanwendung Hautatrophie, Teleangiektasien (sichtbar erweiterte kleine Blutgefäße) oder Superinfektion (zusätzliche Infektion).

Topische Calcineurininhibitoren

Wirkstoff Besonderheiten
Tacrolimus 0,1 % Salbe Zweitlinienoption bei steroidresistentem oder unverträglichem vulvärem Lichen sclerosus; Off-Label-Use und fachärztliche Betreuung [LL3].
  • Wirkweise: Hemmung der Calcineurin-vermittelten T-Zell-Aktivierung.
  • Indikation: Ausgewählte refraktäre vulväre Entzündungsdermatosen nach gesicherter Diagnose.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit, unbehandelte lokale Infektionen und ungeklärte maligne Läsionen.
  • Nebenwirkungen: Initiales Brennen, Juckreiz und lokale Infektionen.

Beachte

  • Red Flags: Schnell progrediente Rötung mit Fieber, starke Schmerzen, Nekrose, Abszess, Ulzera (Geschwüre), Blutung, fokale persistierende oder pigmentierte Läsionen und fehlendes Ansprechen trotz gesicherter Diagnose erfordern zeitnahe fachärztliche Abklärung beziehungsweise Notfallbeurteilung.
  • Schwangerschaft: Die Therapie bei Candidose, Trichomoniasis, Herpes, bakterieller Vaginose und Genitalwarzen ist indikations- und schwangerschaftsspezifisch. Systemische Azole bei Candidose vermeiden; Podophyllotoxin nicht anwenden [1, LL1, LL4].
  • Arzneimittelwahl: Dosierungen gelten für Erwachsene mit üblicher Organfunktion, sofern nicht anders vermerkt. Zulassung, Interaktionen, Allergien, Nieren- und Leberfunktion sowie lokale Verfügbarkeit vor Verordnung prüfen.

Abkürzungsverzeichnis

  • AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • AUA: American Urological Association
  • AUGS: American Urogynecologic Society
  • CDC: Centers for Disease Control and Prevention
  • DNA: Desoxyribonukleinsäure
  • doi: Digital Object Identifier
  • FI: Fachinformation
  • HPV: Humane Papillomviren
  • IDSA: Infectious Diseases Society of America
  • LL: Leitlinie
  • MSSA: Methicillin-sensibler Staphylococcus aureus
  • pH: Maß für den Säuregrad
  • QT: Zeitintervall zwischen Q-Zacke und Ende der T-Welle im Elektrokardiogramm
  • S2k: strukturiertes Konsensverfahren der Leitlinienentwicklung
  • S3: evidenz- und konsensbasierte Leitlinienentwicklung
  • SUFU: Society of Urodynamics, Female Pelvic Medicine and Urogenital Reconstruction

Literatur

  1. Mølgaard-Nielsen D et al.: Association Between Use of Oral Fluconazole During Pregnancy and Risk of Spontaneous Abortion and Stillbirth. JAMA. 2016;315:58-67. doi:10.1001/jama.2015.17844.
  2. Vodstrcil LA et al.: Male-Partner Treatment to Prevent Recurrence of Bacterial Vaginosis. N Engl J Med. 2025;392:947-957. doi:10.1056/NEJMoa2405404.
  3. Sattler S et al.: Plasma cell vulvitis: A systematic review. Int J Womens Dermatol. 2021;7:756-762. doi:10.1016/j.ijwd.2021.04.005.
  4. Morin M et al.: Multimodal physical therapy versus topical lidocaine for provoked vestibulodynia: a multicenter, randomized trial. Am J Obstet Gynecol. 2021;224:189.e1-189.e12. doi:10.1016/j.ajog.2020.08.038.

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Bakterielle Vaginose. (AWMF-Registernummer: 015-028), Version 5.0, Juni 2023. Langfassung [LL1].
  2. S2k-Leitlinie: Vulvovaginalkandidose. (AWMF-Registernummer: 015-072), Version 2.1, September 2020; seit August 2025 abgelaufen, in Überarbeitung. Langfassung [LL2].
  3. S3-Leitlinie: Lichen sclerosus. (AWMF-Registernummer: 013-105), Version 1.0, Juni 2025. Langfassung [LL3].
  4. Centers for Disease Control and Prevention: Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines, 2021; Kapitel Bacterial Vaginosis, Vulvovaginal Candidiasis, Trichomoniasis, Genital Herpes und Anogenital Warts. Leitlinienübersicht [LL4].
  5. van der Meijden WI et al.: 2021 European guideline for the management of vulval conditions. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2022. doi:10.1111/jdv.18102 [LL5].
  6. Infectious Diseases Society of America: Practice Guidelines for the Diagnosis and Management of Skin and Soft Tissue Infections: 2014 Update. Leitlinie [LL6].
  7. Centers for Disease Control and Prevention: Clinical Overview of Pinworm Infection, 2024. Klinische Empfehlungen [LL7].
  8. American Urological Association et al.: Genitourinary Syndrome of Menopause Guideline, 2025. Leitlinie [LL8].

Fachinformationen

  1. Fluomizin 10 mg Vaginaltabletten, Dequaliniumchlorid. Fachinformation [FI1].
  2. Ovestin 0,5 mg Ovula, Estriol. Fachinformation [FI2].
  3. Clobetasol acis Salbe, Clobetasolpropionat 0,05 %. Fachinformation [FI3].
  4. Mykofungin 3, 2 % Vaginalcreme, Clotrimazol. Fachinformation [FI4].