Leukoplakie der Mundschleimhaut – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Leukoplakie der Mundschleimhaut (weiße, nicht abwischbare Schleimhautveränderung im Mund) mitbedingt sein können:

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Candida-assoziierte Leukoplakie bzw. Candida-Superinfektion (zusätzliche Pilzbesiedlung durch Candida) – keine obligate Folgeerkrankung, aber eine klinisch relevante Begleit- bzw. Superinfektionskonstellation; Candida-Infektion (Pilzinfektion durch Candida) ist mit epithelialer Dysplasie (Zellveränderung der Schleimhautdeckschicht) und maligner Transformation (bösartiger Umwandlung) assoziiert, wobei eine chronisch-hyperplastische Candidiasis (dauerhafte verdickende Pilzinfektion durch Candida) differentialdiagnostisch abzugrenzen ist [5]

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Erythroleukoplakie (weiß-rote Schleimhautveränderung) – inhomogene weiß-rote klinische Verlaufsform innerhalb des Spektrums oraler potenziell maligner Erkrankungen (möglicher Krebs-Vorstufen der Mundschleimhaut); wegen des höheren Risikos für epitheliale Dysplasie und maligne Transformation klinisch besonders abklärungsbedürftig [1, 2, 4, LL1]
  • Orale epitheliale Dysplasie – histopathologischer Progressionsmarker (feingeweblicher Hinweis auf ein Fortschreiten) innerhalb einer Leukoplakie; der Dysplasiegrad (Schweregrad der Zellveränderung) ist einer der wichtigsten Prädiktoren (Vorhersagefaktoren) für eine maligne Transformation [1, 2, 6, LL1]
  • Proliferative verruköse Leukoplakie (fortschreitende warzenartige Leukoplakie) – seltene, multifokale, progressive und häufig therapieresistente Verlaufsform mit hoher Rezidivneigung (Neigung zum Wiederauftreten) und hohem Risiko für maligne Transformation, insbesondere zu verrukösem Karzinom (warzenartig wachsendem Krebs) oder oralem Plattenepithelkarzinom (Mundschleimhautkrebs aus Plattenepithelzellen) [4, 8, 9]
  • Rezidivierende Leukoplakie nach Therapie – nach Exzision (operativer Entfernung), Lasertherapie (Behandlung mit Laser), Kryotherapie (Kältebehandlung) oder photodynamischer Therapie (lichtaktivierter Behandlung) möglich; metaanalytisch lag die gepoolte Rezidivrate (zusammengefasste Häufigkeit des Wiederauftretens) nach chirurgischen/ablativen Verfahren (operativen/abtragenden Behandlungsverfahren) bei etwa 22 %, und rezidivierende Leukoplakien waren mit einem erhöhten Risiko für maligne Transformation assoziiert [3]

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Carcinoma in situ (Krebsvorstufe ohne Einwachsen in das umgebende Gewebe) innerhalb der Leukoplakie – insbesondere bei schwerer epithelialer Dysplasie bzw. high-grade oraler intraepithelialer Neoplasie (hochgradiger Zellneubildung innerhalb der Schleimhautdeckschicht); Übergang in ein invasives Karzinom (in umliegendes Gewebe einwachsender Krebs) möglich [1, 2, LL1]
  • Orales Plattenepithelkarzinom – wichtigste klinische Komplikation; die Leukoplakie der Mundschleimhaut ist die häufigste orale potenziell maligne Erkrankung und kann Ausgangsläsion (ursprüngliche Gewebeveränderung) eines invasiven oralen Plattenepithelkarzinoms sein [1, 2, 4, LL1]
  • Verruköses Karzinom – vor allem im Spektrum der proliferativen verrukösen Leukoplakie beschrieben; histopathologische Abgrenzung gegenüber verruköser Hyperplasie (warzenartiger Gewebevermehrung) und konventionellem Plattenepithelkarzinom erforderlich [8, 9]
  • Synchrone oder metachrone orale Plattenepithelkarzinome (gleichzeitig oder zeitlich versetzt auftretende Mundschleimhautkrebse aus Plattenepithelzellen) – insbesondere bei multifokaler/proliferativer Leukoplakie und im Rahmen einer Feldkanzerisierung (großflächig krebsgefährdeten Schleimhautveränderung) möglich; relevant für langfristige Nachsorge und wiederholte Biopsie (Gewebeprobe) suspekter Areale [4, 8, 9]

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Peri-/postoperative Blutung (Blutung während oder nach einem Eingriff) – mögliche lokale Komplikation der diagnostischen oder therapeutischen Intervention (untersuchender oder behandelnder Eingriff) bei Leukoplakie, insbesondere nach Probeexzision (Entnahme einer Gewebeprobe), Skalpellresektion (operativer Entfernung mit Skalpell), Laserexzision (Ausschneiden mit Laser) oder Laserablation (Abtragung mit Laser); Risiko abhängig von Lokalisation, Ausdehnung, Gefäßnähe, Gerinnungsstatus (Blutgerinnungszustand) und Verfahren [3, 11]
  • Peri-/postoperative Infektion bzw. Wundheilungsstörung (gestörte Wundheilung) – mögliche lokale Komplikation nach invasiver Diagnostik (eingreifender Untersuchung) oder Therapie; klinisch von Candida-Superinfektion und sekundärer bakterieller Infektion (zusätzlicher Entzündung durch Bakterien) abzugrenzen [3, 11]
  • Schädigung von Nachbarstrukturen – mögliche interventionelle Komplikation bei Läsionen an Zunge, Mundboden, Gingiva (Zahnfleisch), Alveolarmukosa (Schleimhaut über dem Kieferknochen) oder in Nähe von Ausführungsgängen (Ableitungsgängen von Drüsen) und Nerven; abhängig von Lokalisation, Resektionstiefe (Tiefe der operativen Entfernung) und Verfahren [11]
  • Postoperative Schmerzen, Schwellung und funktionelle Einschränkung (Einschränkung der Funktion) – mögliche Folge ausgedehnter Exzisionen oder thermischer Verfahren (Verfahren mit Hitze oder Kälte); klinisch relevant bei Läsionen an Zunge, Mundboden, Vestibulum (Mundvorhof), Gingiva und Alveolarmukosa [11]
  • Postoperativ ungünstige Narbenbildung, Fibrose (Bindegewebsvermehrung) oder Schleimhautkontraktur (schrumpfende Schleimhautverziehung) – möglich nach größeren Defekten, wiederholten Eingriffen oder ungünstiger Lokalisation; relevant für Zungenbeweglichkeit, Prothesenlager (Auflagefläche für Zahnersatz), Mundbodenfunktion und Vestibulumtiefe [11]

Prognosefaktoren

Erhöhtes Transformationsrisiko

  • Inhomogene Leukoplakie, insbesondere speckled Leukoplakie (gefleckte Leukoplakie), noduläre Leukoplakie (knotige Leukoplakie), verruköse Leukoplakie und Erythroleukoplakie [1, 2, 4]
  • Große Läsionsausdehnung (Ausdehnung der Gewebeveränderung), insbesondere ausgedehnte oder multifokale Befunde [1, 2, 6]
  • Lokalisation an lateralem Zungenrand (seitlichem Zungenrand), Zungenunterseite, Mundboden und nicht keratinisierter Mukosa (nicht verhornter Schleimhaut) [1, 2, 6]
  • Persistenz (Fortbestehen) trotz Ausschaltung lokaler Irritationsfaktoren (örtlicher Reizfaktoren) und trotz Tabak-/Alkoholkarenz (Verzicht auf Tabak/Alkohol) [LL1, LL2]
  • Rezidiv nach Therapie; rezidivierende Leukoplakien zeigen metaanalytisch ein höheres Risiko für maligne Transformation als nicht rezidivierende Läsionen [3]
  • Proliferative verruköse Leukoplakie, insbesondere bei multifokalem, progressivem und therapieresistentem Verlauf [8, 9]
  • Höheres Lebensalter und weibliches Geschlecht; in mehreren Kohorten (Patientengruppen in Studien) und Metaanalysen (zusammenfassenden Auswertungen mehrerer Studien) mit erhöhtem Risiko assoziiert, jedoch nicht in allen Studien konsistent [1-3]
  • Vorangegangenes Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich bzw. klinische Feldkanzerisierung [4, LL3]
  • Rauchen und Alkoholkonsum; in aktuellen Metaanalysen als Risikofaktoren relevant, wobei insbesondere proliferative verruköse Leukoplakien auch bei Nichtrauchern auftreten und transformieren können [1, 2, 8, 9]
  • Betelquid-/Arekanuss-Konsum (Kauen von Betel-/Arekanuss-Produkten); global relevanter Risikofaktor, in europäischen Kollektiven abhängig von Expositionsanamnese (Erfassung von Belastungen/Risikokontakten) [1, 2]

Histopathologische Prognosefaktoren

  • Orale epitheliale Dysplasie – stärkster etablierter histopathologischer Risikofaktor; Risikoanstieg mit höherem Dysplasiegrad, insbesondere bei moderater bis schwerer Dysplasie bzw. high-grade Dysplasie [1, 2, 6, LL1]
  • Differenzierte Dysplasie (besondere Form der Zellveränderung mit reifem Zellbild) – zunehmend als zusätzliches Risikomuster diskutiert; kann insbesondere bei klinisch suspekten Leukoplakien ohne klassische hochgradige Dysplasie relevant sein [6, 7]
  • Verruköse Hyperplasie bzw. verrukös-papilläre Architektur (warzenartig-zapfenförmiger Gewebeaufbau) – besonders im Spektrum der proliferativen verrukösen Leukoplakie kritisch, da Progression zu verrukösem Karzinom oder konventionellem Plattenepithelkarzinom möglich ist [8, 9]

Molekulare und zytometrische Prognosefaktoren

  • DNA-Aneuploidie (abweichender Chromosomensatz der Erbsubstanz) – mit erhöhtem Transformationsrisiko assoziiert; kann die Risikostratifikation (Risikoeinteilung) ergänzen, ist aber allein kein ausreichend validierter Individualprädiktor (Vorhersagefaktor für den einzelnen Patienten) für die Routineentscheidung [6, 7, 10]
  • DNA-Diploidie (normaler doppelter Chromosomensatz der Erbsubstanz) ohne orale epitheliale Dysplasie – in prospektiven Daten mit niedrigem Transformationsrisiko assoziiert; nicht als alleiniger Ausschlussmarker zu verwenden [6]
  • Verlust der Heterozygosität (Verlust unterschiedlicher Genvarianten), insbesondere an 3p und 9p – prognostisch untersuchter Marker der oralen Karzinogenese (Krebsentstehung); klinisch weiterhin ergänzend und nicht als alleinige Routinegrundlage zu bewerten [7, 10]
  • Biomarkerprofile (Muster messbarer biologischer Marker) – zahlreiche Marker wurden untersucht; die Evidenz reicht derzeit nicht aus, um einzelne Biomarker unabhängig von Klinik, Histopathologie und Verlauf als allgemein verbindliche Routineprädiktoren zu verwenden [7, 10]

Literatur

  1. Pimenta-Barros LA, Ramos-García P, González-Moles MÁ, Aguirre-Urizar JM, Warnakulasuriya S: Malignant transformation of oral leukoplakia: Systematic review and comprehensive meta-analysis. Oral Diseases. 2025;31(1):69-80. https://doi.org/10.1111/odi.15140
  2. Aguirre-Urizar JM, Lafuente-Ibáñez de Mendoza I, Warnakulasuriya S: Malignant transformation of oral leukoplakia: Systematic review and meta-analysis of the last 5 years. Oral Diseases. 2021;27(8):1881-1895. https://doi.org/10.1111/odi.13810
  3. Bhattarai BP, Singh AK, Singh RP et al.: Recurrence in Oral Leukoplakia: A Systematic Review and Meta-analysis. Journal of Dental Research. 2024;103(11):1066-1075. https://doi.org/10.1177/00220345241266519
  4. Warnakulasuriya S, Kujan O, Aguirre-Urizar JM et al.: Oral potentially malignant disorders: A consensus report from an international seminar on nomenclature and classification, convened by the WHO Collaborating Centre for Oral Cancer. Oral Diseases. 2021;27(8):1862-1880. https://doi.org/10.1111/odi.13704
  5. Shukla K, Vun I, Lov I et al.: Role of Candida infection in the malignant transformation of oral leukoplakia: A systematic review of observational studies. Translational Research in Oral Oncology. 2019;4. https://doi.org/10.1177/2057178X19828229
  6. Pentenero M, Castagnola P, Victoria Castillo F et al.: Predictors of malignant transformation in oral leukoplakia and proliferative verrucous leukoplakia: An observational prospective study including the DNA ploidy status. Head & Neck. 2023;45(10):2589-2604. https://doi.org/10.1002/hed.27483
  7. Celentano A, Glurich I, Borgnakke WS, Farah CS: World Workshop on Oral Medicine VII: Prognostic biomarkers in oral leukoplakia and proliferative verrucous leukoplakia-A systematic review of retrospective studies. Oral Diseases. 2021;27(4):848-880. https://doi.org/10.1111/odi.13363
  8. Iocca O, Sollecito TP, Alawi F et al.: Potentially malignant disorders of the oral cavity and oral dysplasia: A systematic review and meta-analysis of malignant transformation rate by subtype. Head & Neck. 2020;42(3):539-555. https://doi.org/10.1002/hed.26006
  9. Palaia G, Bellisario A, Pampena R, Pippi R, Romeo U: Oral Proliferative Verrucous Leukoplakia: Progression to Malignancy and Clinical Implications. Systematic Review and Meta-Analysis. Cancers. 2021;13(16):4085. https://doi.org/10.3390/cancers13164085
  10. Odell EW: Aneuploidy and loss of heterozygosity as risk markers for malignant transformation in oral mucosa. Oral Diseases. 2021;27(8):1993-2007. https://doi.org/10.1111/odi.13797
  11. Gates JC, Abouyared M, Shnayder Y et al.: Clinical Management Update of Oral Leukoplakia: A Review From the American Head and Neck Society Cancer Prevention Service. Head & Neck. 2025;47(2):733-741. https://doi.org/10.1002/hed.28013

Leitlinien

  1. Lingen MW, Abt E, Agrawal N et al.: Evidence-based clinical practice guideline for the evaluation of potentially malignant disorders in the oral cavity: A report of the American Dental Association. Journal of the American Dental Association. 2017;148(10):712-727.e10. https://doi.org/10.1016/j.adaj.2017.07.032
  2. S2k-Leitlinie: Diagnostik und Management von Vorläuferläsionen des oralen Plattenepithelkarzinoms in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. (AWMF-Registernummer 007-092) September 2019 Langfassung
  3. S3-Leitlinie: Diagnostik und Therapie des Mundhöhlenkarzinoms. (AWMF-Registernummer 007/100OL) März 2021 Langfassung