Krafttraining oder Ausdauertraining – welche Trainingsform den Fettabbau stärker fördert
Beim Abnehmen stellt sich häufig die Frage, welche Trainingsform den Fettabbau effektiver unterstützt: Krafttraining oder Ausdauertraining. Beide Bewegungsformen beeinflussen den Energiestoffwechsel, die Hormonregulation und die Körperzusammensetzung, jedoch über unterschiedliche physiologische Mechanismen. Für eine evidenzbasierte Einordnung ist es entscheidend, zwischen kurzfristigem Kalorienverbrauch und langfristigen metabolischen Anpassungen zu unterscheiden.
Fettabbau und Stoffwechsel – physiologische Grundlagen
Fettabbau setzt eine negative Energiebilanz voraus, bei der mehr Energie verbraucht als zugeführt wird. Auf zellulärer Ebene erfolgt dies über die Lipolyse (Spaltung von Fett in freie Fettsäuren) und deren anschließende Oxidation in den Mitochondrien. Reguliert wird dieser Prozess durch hormonelle Faktoren wie Insulin, Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin) und Myokine (muskeleigene Botenstoffe).
Körperliches Training beeinflusst den Fettstoffwechsel dabei auf zwei Ebenen:
- akut während der Belastung durch erhöhten Energieverbrauch
- langfristig durch strukturelle und hormonelle Anpassungen
Ausdauertraining – effektiver Kalorienverbrauch und Fettverbrennung
Ausdauertraining wie zügiges Gehen, Joggen, Radfahren oder Schwimmen erhöht den Energieverbrauch unmittelbar während der Aktivität. Bei moderater Intensität stammt ein größerer Anteil der Energie aus Fettsäuren, während bei hoher Intensität Kohlenhydrate dominieren. Für den Fettabbau ist jedoch weniger der prozentuale Fettanteil als vielmehr der absolute Kalorienverbrauch entscheidend.
Regelmäßiges Ausdauertraining führt zu mehreren stoffwechselrelevanten Anpassungen:
- verbesserte Insulinsensitivität und geringere Insulinausschüttung
- erhöhte mitochondriale Dichte in der Muskulatur
- gesteigerte Kapazität zur Fettoxidation
Der sogenannte Nachbrenneffekt (erhöhter Energieverbrauch nach Trainingsende) ist beim klassischen Ausdauertraining jedoch meist moderat ausgeprägt.
Krafttraining – Muskelmasse als metabolischer Schlüsselfaktor
Krafttraining wirkt primär über den Aufbau und Erhalt von Skelettmuskulatur. Muskelgewebe ist metabolisch aktiv und trägt wesentlich zum Grundumsatz (Energieverbrauch in Ruhe) bei. Eine ausreichende Muskelmasse wirkt einem diätbedingten Absinken des Grundumsatzes entgegen, was für den langfristigen Fettabbau von zentraler Bedeutung ist.
Zusätzlich ergeben sich durch Krafttraining mehrere fettabbaufördernde Effekte:
- erhöhter Grundumsatz durch mehr stoffwechselaktives Gewebe
- ausgeprägter Excess Post-Exercise Oxygen Consumption (EPOC)
- vermehrte Ausschüttung lipolytischer Hormone wie Wachstumshormon und Katecholamine
Studien zeigen zudem, dass Krafttraining besonders effektiv viszerales Fett (Bauchfett) reduzieren kann, auch wenn sich das Körpergewicht nur geringfügig verändert.
Krafttraining vs. Ausdauertraining – was zeigt die Studienlage
Vergleichende Studien zeigen, dass Ausdauertraining häufig zu einem stärkeren kurzfristigen Gewichtsverlust führt, während Krafttraining den Fettabbau bei gleichzeitigem Erhalt oder Aufbau der fettfreien Masse unterstützt. Wird ausschließlich das Körpergewicht beurteilt, kann der Effekt des Krafttrainings daher unterschätzt werden.
Besonders günstig schneiden kombinierte Trainingsprogramme ab, da sie mehrere Zielgrößen gleichzeitig adressieren:
- Reduktion des Körperfettanteils
- Erhalt der Muskelmasse
- Verbesserung der Insulinsensitivität
- positive Effekte auf kardiometabolische Risikofaktoren
Gerade bei Übergewicht und Adipositas gilt die Verbesserung der Körperzusammensetzung als relevanteres Therapieziel als eine reine Gewichtsabnahme.
Welche Trainingsform ist für den Fettabbau sinnvoll
Aus physiologischer Sicht ist keine Trainingsform grundsätzlich überlegen. Ausdauertraining steigert effizient den Kalorienverbrauch und fördert die aerobe Fettverbrennung, während Krafttraining den Grundumsatz stabilisiert und langfristige hormonelle Anpassungen begünstigt. Entscheidend für den nachhaltigen Fettabbau sind Trainingsregelmäßigkeit, Progression, individuelle Belastbarkeit und die Kombination mit einer angepassten Ernährung.
Fazit
Krafttraining und Ausdauertraining fördern den Fettabbau über unterschiedliche, sich ergänzende Mechanismen. Ausdauertraining wirkt primär über den akuten Energieverbrauch, Krafttraining über den Erhalt der Muskelmasse und langfristige metabolische Effekte. Die wissenschaftliche Evidenz spricht klar für eine Kombination beider Trainingsformen als effektivste Strategie für nachhaltigen Fettabbau und eine günstige Körperzusammensetzung.
Literatur
- Donnelly JE, Blair SN, Jakicic JM, Manore MM, Rankin JW, Smith BK; American College of Sports Medicine. American College of Sports Medicine Position Stand. Appropriate physical activity intervention strategies for weight loss and prevention of weight regain for adults. Med Sci Sports Exerc. 2009 Feb;41(2):459-71. doi: 10.1249/MSS.0b013e3181949333
- Willis LH, Slentz CA, Bateman LA, Shields AT, Piner LW, Bales CW, Houmard JA, Kraus WE. Effects of aerobic and/or resistance training on body mass and fat mass in overweight or obese adults. J Appl Physiol (1985). 2012 Dec 15;113(12):1831-7. doi: 10.1152/japplphysiol.01370.2011
- Lopez P, Taaffe DR, Galvão DA, Newton RU, Nonemacher ER, Wendt VM, Bassanesi RN, Turella DJP, Rech A. Resistance training effectiveness on body composition and body weight outcomes in individuals with overweight and obesity across the lifespan: A systematic review and meta-analysis. Obes Rev. 2022 May;23(5):e13428. doi: 10.1111/obr.13428
- Hawley JA, Holloszy JO. Exercise: it's the real thing! Nutr Rev. 2009 Mar;67(3):172-8. doi: 10.1111/j.1753-4887.2009.00185.x