Inhalationstherapie

Therapieziele

  • Optimierung der inhalativen Wirkstoffapplikation (Verabreichung eines Wirkstoffs über die Einatmung) durch Auswahl eines geeigneten Inhalationssystems (Einatmungsgerätesystems), korrekte Inhalationstechnik (Einatmungstechnik) und wiederholte Schulung.
  • Verbesserung der lokalen Wirkstoffdeposition (Ablagerung des Wirkstoffs am Wirkort) in den Atemwegen (Luftwegen) bei möglichst geringer systemischer Exposition (Belastung des gesamten Körpers).
  • Verbesserung von Symptomkontrolle (Beschwerdekontrolle), Exazerbationsprävention (Vorbeugung von Krankheitsschüben), Adhärenz (Therapietreue) und Lebensqualität bei obstruktiven Atemwegserkrankungen (Atemwegserkrankungen mit Verengung), insbesondere Asthma bronchiale (Asthma) und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) (chronisch verengende Lungenerkrankung) [Leitlinie: GINA 2025; Leitlinie: GOLD 2026 Report; Leitlinie: Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma 2024].
  • Unterstützung des Sekretmanagements (Umgang mit Schleim) bei ausgewählten Erkrankungen mit gestörter mukoziliärer Clearance (Selbstreinigung der Atemwege), z. B. Mukoviszidose (zystische Fibrose), Bronchiektasen (dauerhafte Erweiterungen der Bronchien) oder relevanter Sekretretention (Schleimverhalt).
  • Vermeidung vermeidbarer Therapiefehler durch falsches Atemmanöver (Atemtechnik), ungeeignete Geräteauswahl, fehlende Mundspülung nach inhalativen Glucocorticosteroiden und ungeschulte Gerätewechsel [1, 2; Leitlinie: Deutsche Atemwegsliga Richtig inhalieren].

Therapieempfehlungen

  • Die Inhalationstherapie (Behandlung durch Einatmung) ist eine Applikationsform (Anwendungsform) für definierte inhalative Substanzen, keine eigenständige kausale Therapie (ursächliche Behandlung).
  • Vor jeder Eskalation (Steigerung) einer inhalativen Pharmakotherapie (Arzneimittelbehandlung) sollen Inhalationstechnik, Adhärenz, Geräteeignung, Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) und Auslöser überprüft werden [Leitlinie: GINA 2025; Leitlinie: GOLD 2026 Report; Leitlinie: Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma 2024].
  • Die Geräteauswahl soll patientenindividuell erfolgen.
    • Zu berücksichtigen sind inspiratorischer Atemfluss (Luftstrom beim Einatmen), Koordinationsfähigkeit, Kognition (geistige Leistungsfähigkeit), Sehvermögen, Handkraft, Feinmotorik (Geschicklichkeit der Hände), Tremor (Zittern), Arthrose (Gelenkverschleiß), Alter, Präferenz, Adhärenz und Anzahl der gleichzeitig verwendeten Geräte [2].
    • Kein Inhalationssystem ist für alle Patienten grundsätzlich überlegen; entscheidend ist die korrekte, reproduzierbare Anwendung [2].
    • Ein Gerätewechsel darf nur mit erneuter Schulung und praktischer Technikprüfung erfolgen [1, 2; Leitlinie: Deutsche Atemwegsliga Richtig inhalieren].
  • Bei Asthma bronchiale ist die inhalative Therapie leitliniengerecht zentraler Bestandteil der medikamentösen Behandlung.
    • Inhalative Glucocorticosteroide sind die Grundlage der antiinflammatorischen (entzündungshemmenden) Dauertherapie (Langzeitbehandlung) [Leitlinie: GINA 2025; Leitlinie: Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma 2024].
    • Die Inhalationstechnik soll regelmäßig überprüft werden, insbesondere bei unzureichender Symptomkontrolle oder vor Therapieeskalation [Leitlinie: GINA 2025; Leitlinie: Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma 2024].
  • Bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) richtet sich die inhalative Therapie nach Symptomlast (Beschwerdeausmaß), Exazerbationsrisiko (Risiko für Krankheitsschübe), Blut-Eosinophilen (bestimmten weißen Blutkörperchen), Komorbiditäten und Ansprechen auf die Therapie [Leitlinie: GOLD 2026 Report; Leitlinie: GOLD 2026 Pocket Guide].
    • Lang wirksame Bronchodilatatoren sind die Grundlage der inhalativen Dauertherapie.
    • Inhalative Glucocorticosteroide sind nicht generell Basistherapie der COPD, sondern bei geeigneter Indikation (Anwendungsgrund) einzusetzen, insbesondere bei Exazerbationsrisiko und eosinophilem Entzündungsprofil (Entzündungsmuster) [Leitlinie: GOLD 2026 Report; Leitlinie: GOLD 2026 Pocket Guide].
  • Bei akuter Bronchitis (Entzündung der Bronchien) und akutem Husten ist eine routinemäßige Inhalation mit Kochsalzlösung, ätherischen Ölen oder inhalativen Arzneimitteln ohne bronchiale Obstruktion (Verengung der Bronchien) nicht evidenzbasiert.
    • Eine bronchodilatatorische Inhalation kann bei Giemen (pfeifendem Atemgeräusch), nachweisbarer bronchialer Obstruktion oder bekanntem Asthma bronchiale beziehungsweise COPD im Einzelfall sinnvoll sein.
    • Inhalative Antibiotika sind bei unkomplizierter akuter Bronchitis nicht indiziert.
  • Bei Pneumonie (Lungenentzündung) ist eine unspezifische Inhalationstherapie keine Standardtherapie.
    • Eine inhalative Zusatztherapie kann bei bronchialer Obstruktion, relevanter Sekretretention oder vorbestehender chronischer Atemwegserkrankung symptomorientiert erwogen werden.
    • Die antiinfektive Standardtherapie (gegen Infektionen gerichtete Standardbehandlung) der Pneumonie erfolgt systemisch und leitliniengerecht.
  • Bei Bronchiektasen und Mukoviszidose kann eine inhalative Therapie Bestandteil eines spezialärztlich gesteuerten Sekretmanagements oder antiinfektiven Behandlungskonzepts sein.
    • Inhalative Antibiotika kommen nur bei klarer Spezialindikation, mikrobiologischer Befundgrundlage (auf Erregerdiagnostik beruhender Befundgrundlage) und strukturierter Verlaufskontrolle in Betracht.
    • Hypertone Kochsalzlösung kann bei ausgewählten Patienten zur Sekretmobilisation (Schleimlösung) eingesetzt werden; Verträglichkeit und klinischer Nutzen sind individuell zu prüfen.
  • Ätherische Öle sind keine leitlinienbasierte Standardtherapie bei Asthma bronchiale, COPD, akuter Bronchitis oder Pneumonie.
    • Sie können Schleimhautreizungen, Bronchospasmus (Verkrampfung der Bronchien) und allergische Reaktionen auslösen.
    • Bei Säuglingen, Kleinkindern, Asthma bronchiale, bronchialer Hyperreagibilität (bronchialer Überempfindlichkeit) oder bekannter Allergieneigung sollen ätherische Öle nicht inhaliert werden.

Indikationen

  • Obstruktive Atemwegserkrankungen
    • Asthma bronchiale
    • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
    • Asthma-COPD-Overlap, sofern klinisch zutreffend
  • Erkrankungen mit Sekretretention oder gestörter mukoziliärer Clearance
    • Bronchiektasen
    • Mukoviszidose
    • Chronische Bronchitis mit relevanter Sekretretention
    • Neuromuskuläre Erkrankungen (Erkrankungen von Nerven und Muskeln) mit insuffizientem Sekretmanagement, nur im Gesamtkonzept der Atemphysiotherapie (krankengymnastische Atembehandlung)
  • Spezialindikationen
    • Inhalative Antibiotikatherapie bei chronischer Atemwegsinfektion (Infektion der Luftwege) in spezialärztlicher Indikationsstellung
    • Inhalative Bronchodilatation (Erweiterung der Bronchien) bei akuter bronchialer Obstruktion
    • Inhalative Glucocorticosteroide bei Asthma bronchiale und bei ausgewählten Patienten mit COPD gemäß Leitlinie
  • Keine Standardindikation
    • Unkomplizierter viraler Infekt (durch Viren verursachter Infekt) der oberen Atemwege
    • Unkomplizierte akute Bronchitis ohne bronchiale Obstruktion
    • Unspezifische „Erkältungsinhalation“ mit ätherischen Ölen
    • Pneumonie ohne Obstruktion, ohne relevante Sekretretention und ohne spezielle inhalative Indikation

Kontraindikationen

  • Allgemeine Kontraindikationen (Gegenanzeigen) beziehungsweise Abbruchkriterien
    • Akute Unverträglichkeit der inhalativen Substanz
    • Ausgelöster oder verstärkter Bronchospasmus
    • Schwere Dyspnoe (Atemnot) mit fehlender Fähigkeit zur koordinierten Inhalation
    • Bewusstseinsstörung oder fehlende Schutzreflexe bei nicht gesicherter Applikation
    • Relevante Aspirationsgefahr (Gefahr des Einatmens von Fremdstoffen)
    • Nicht beherrschbare Hämoptyse (Bluthusten)
    • Fehlende hygienische Aufbereitungsmöglichkeit bei Verneblertherapie
  • Substanzspezifische Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen
    • Bronchodilatatoren: Vorsicht bei tachykarden Rhythmusstörungen (Herzrhythmusstörungen mit zu schnellem Herzschlag), instabiler kardialer Situation (das Herz betreffende instabile Situation) und ausgeprägter Tremorneigung.
    • Inhalative Glucocorticosteroide: Mundspülung nach Anwendung erforderlich; bei rezidivierender oropharyngealer Candidose (wiederkehrender Pilzinfektion im Mund-Rachen-Raum) Technik, Dosis, Spacer-Nutzung (Nutzung einer Vorschaltkammer) und Wirkstoffwahl überprüfen.
    • Hypertone Kochsalzlösung: Bronchospasmus möglich; bei hyperreagiblem Bronchialsystem (leicht reizbarem Bronchialsystem) zunächst unter kontrollierten Bedingungen testen.
    • Inhalative Antibiotika: Indikation nur bei geeigneter mikrobiologischer Konstellation; Überwachung auf Bronchospasmus, Hustenreiz und Resistenzentwicklung (Entwicklung von Unempfindlichkeit gegenüber Antibiotika).
    • Ätherische Öle: Nicht bei Säuglingen und Kleinkindern; nicht bei Asthma bronchiale, bronchialer Hyperreagibilität oder bekannter Allergieneigung.

Vor der Therapie

  • Diagnose (Krankheitsfeststellung) und Therapieziel klären
    • Grunderkrankung sichern.
    • Therapieziel definieren: Bronchodilatation, Entzündungshemmung, Sekretmobilisation oder antiinfektive Spezialtherapie.
    • Prüfen, ob eine inhalative Applikation gegenüber einer anderen Applikationsform medizinisch begründet ist.
  • Geräteauswahl prüfen
    • Dosieraerosol: geeignet bei ausreichender Koordination oder mit Spacer; Einatmung langsam und tief.
    • Atemzuggetriggertes Dosieraerosol: geeignet bei Koordinationsproblemen, sofern der inspiratorische Atemfluss ausreichend ist.
    • Pulverinhalator: benötigt rasche und kräftige Inspiration (Einatmung); nicht geeignet bei unzureichendem inspiratorischem Atemfluss.
    • Soft-Mist-Inhalator: langsamer Sprühnebel, geringere Koordinationsanforderung als klassisches Dosieraerosol, aber weiterhin schulungsbedürftig.
    • Vernebler: sinnvoll bei fehlender Fähigkeit zur Nutzung handgehaltener Inhalatoren, bei bestimmten Spezialsubstanzen oder bei ausgeprägter Sekretproblematik; hygienischen Aufwand beachten.
  • Patientenfaktoren prüfen
    • Alter
    • Kognition
    • Sehfähigkeit
    • Handkraft und Feinmotorik
    • Tremor
    • Arthrose
    • Inspiratorischer Atemfluss
    • Koordinationsfähigkeit
    • Adhärenz
    • Anzahl verschiedener Geräte
  • Schulung durchführen
    • Technik demonstrieren.
    • Patient soll die Anwendung unmittelbar vormachen.
    • Fehler korrigieren.
    • Schulung bei jeder relevanten Verlaufskontrolle wiederholen.
    • Bei Gerätewechsel vollständige erneute Schulung durchführen [1, 2; Leitlinie: Deutsche Atemwegsliga Richtig inhalieren].

Die Verfahren

  • Dosieraerosol
    • Der Wirkstoff wird über ein Treibgas als Aerosol (feiner Sprühnebel) freigesetzt.
    • Entscheidend ist die Koordination zwischen Auslösung und langsamer, tiefer Inspiration.
    • Häufige Fehler sind zu frühes oder zu spätes Auslösen, zu schnelle Inspiration, fehlende vorherige Ausatmung und fehlende Atempause [1].
    • Ein Spacer reduziert Koordinationsprobleme und oropharyngeale Deposition (Ablagerung im Mund-Rachen-Raum); er ist besonders bei Kindern, älteren Patienten und Patienten mit Koordinationsproblemen sinnvoll.
  • Pulverinhalator
    • Der Wirkstoff liegt als Pulver vor und wird durch den inspiratorischen Atemfluss freigesetzt.
    • Entscheidend ist eine ausreichend kräftige und rasche Inspiration.
    • Nicht in das Gerät ausatmen, da Feuchtigkeit das Pulver verklumpen kann.
    • Kapselbasierte Systeme erfordern Verständnis, Handkraft und Feinmotorik; Kapseln dürfen nicht geschluckt oder in das Mundstück eingelegt werden.
  • Soft-Mist-Inhalator
    • Der Wirkstoff wird als langsam austretender Sprühnebel freigesetzt.
    • Die Koordinationsanforderung ist geringer als beim Dosieraerosol, aber nicht aufgehoben.
    • Korrekte Vorbereitung, langsame, tiefe Inhalation und Atempause sind erforderlich.
  • Vernebler
    • Vernebler sind für definierte Lösungen oder Suspensionen (Flüssigkeiten mit fein verteilten festen Bestandteilen) geeignet, die für die Verneblung zugelassen beziehungsweise geeignet sind.
    • Kompressorvernebler sind breit einsetzbar.
    • Ultraschallvernebler können durch Wärmeentwicklung und Substanzeigenschaften eingeschränkt sein.
    • Mesh-Vernebler sind leise und effizient, erfordern aber sorgfältige Reinigung und sind substanzabhängig nicht immer geeignet.
    • Vernebler dürfen nicht als unspezifischer Ersatz für eine fehlende Diagnose oder fehlende Therapieindikation eingesetzt werden.

Inhalationslösungen und inhalative Substanzen

  • Isotone Kochsalzlösung
    • Kann zur Befeuchtung und subjektiven Erleichterung beitragen.
    • Für unkomplizierte akute Atemwegsinfekte besteht keine robuste Evidenz für eine relevante Verkürzung der Krankheitsdauer.
  • Hypertone Kochsalzlösung
    • Kann Sekretmobilisation unterstützen.
    • Einsatz vor allem bei Mukoviszidose und ausgewählten Patienten mit Bronchiektasen.
    • Bronchospasmusrisiko beachten; gegebenenfalls Vortestung und Bronchodilatation.
  • Bronchodilatatoren
    • Kurz wirksame Beta-2-Sympathomimetika und Anticholinergika bei akuter Obstruktion.
    • Lang wirksame Beta-2-Sympathomimetika und lang wirksame Muskarinantagonisten bei Dauertherapie obstruktiver Atemwegserkrankungen gemäß Leitlinie [Leitlinie: GINA 2025; Leitlinie: GOLD 2026 Report].
  • Inhalative Glucocorticosteroide
    • Basistherapie bei Asthma bronchiale [Leitlinie: GINA 2025; Leitlinie: Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma 2024].
    • Bei COPD nur bei geeigneter Indikation, z. B. Exazerbationsrisiko und eosinophilem Entzündungsprofil gemäß Leitlinie [Leitlinie: GOLD 2026 Report; Leitlinie: GOLD 2026 Pocket Guide].
    • Nach Anwendung Mund ausspülen und ausspucken, um Candidose und Dysphonie (Stimmstörung) zu reduzieren.
  • Inhalative Antibiotika
    • Nur bei Spezialindikationen.
    • Keine Anwendung bei unkomplizierter akuter Bronchitis oder unspezifischer Atemwegsinfektion.
    • Mikrobiologische Diagnostik, Resistenzlage und Verlaufsbeurteilung sind erforderlich.
  • Ätherische Öle
    • Keine Standardtherapie bei Asthma bronchiale, COPD, akuter Bronchitis oder Pneumonie.
    • Potenzielle Risiken sind Schleimhautreizung, Bronchospasmus, allergische Reaktion und bei Säuglingen/Kleinkindern schwere Atemwegsreaktionen.
    • Nicht in Verneblern anwenden, sofern das Gerät und die Substanz nicht ausdrücklich dafür vorgesehen sind.

Korrektes Atemmanöver

  • Grundprinzipien
    • Aufrechte sitzende oder stehende Körperhaltung.
    • Vor der Inhalation ruhig und vollständig ausatmen, jedoch nicht in das Gerät.
    • Mundstück dicht mit den Lippen umschließen.
    • Gerätespezifisch einatmen.
    • Nach der Inhalation Atem möglichst 5-10 Sekunden anhalten.
    • Danach langsam ausatmen.
  • Dosieraerosol
    • Schütteln, sofern für das Präparat erforderlich.
    • Langsam und tief einatmen.
    • Hub unmittelbar zu Beginn der Einatmung auslösen.
    • Bei mehreren Hüben jeden Hub als vollständigen, getrennten Inhalationszyklus durchführen.
  • Pulverinhalator
    • Gerät korrekt laden.
    • Nicht in das Gerät ausatmen.
    • Rasch, kräftig und tief einatmen.
    • Nach der Inhalation Atem anhalten.
    • Prüfen, ob Kapsel oder Dosis vollständig entleert wurde, falls das Gerät dies erfordert.
  • Soft-Mist-Inhalator
    • Gerät korrekt vorbereiten.
    • Langsam und tief einatmen.
    • Sprühstoß zu Beginn der Inspiration auslösen.
    • Atem anhalten.
  • Vernebler
    • Ruhig und gleichmäßig atmen.
    • Maske oder Mundstück korrekt anwenden.
    • Mundstück ist bei kooperationsfähigen Patienten meist günstiger als Maske, weil weniger Wirkstoff im Gesicht und an den Augen deponiert wird.
    • Behandlungsdauer und Füllvolumen nach Herstellerangaben und Verordnung beachten.

Häufige Fehler bei der Inhalationstherapie

  • Fehlende Ausatmung vor der Inhalation
    • Dadurch steht weniger inspiratorisches Volumen (Einatmungsvolumen) für die Wirkstoffaufnahme zur Verfügung.
    • Korrektur: vorher ruhig ausatmen, aber nicht in das Gerät.
  • Schlechte Koordination bei Dosieraerosolen
    • Der Hub wird zu früh oder zu spät ausgelöst.
    • Korrektur: Spacer, atemzuggetriggertes System oder erneute Schulung erwägen.
  • Falscher inspiratorischer Atemfluss
    • Dosieraerosol: Zu schnelle Inspiration erhöht die Rachendeposition (Ablagerung im Rachen).
    • Pulverinhalator: Zu schwache Inspiration führt zu unzureichender Desagglomeration (Auflösung von Pulverklümpchen) und Wirkstofffreisetzung.
    • Korrektur: gerätespezifische Technik demonstrieren und Patient die Anwendung vormachen lassen [1, 2; Leitlinie: Deutsche Atemwegsliga Richtig inhalieren].
  • Fehlende Atempause nach der Inhalation
    • Sedimentation (Absinken und Ablagern) der Partikel in den Atemwegen wird vermindert.
    • Korrektur: Atem nach Inhalation möglichst 5-10 Sekunden anhalten.
  • Mehrere Hübe ohne getrennte Inhalationszyklen
    • Bei zwei Hüben werden häufig zwei Auslösungen direkt hintereinander vorgenommen und nur ein Atemzug inhaliert.
    • Korrektur: Jeder Hub ist ein kompletter Zyklus aus Vorbereitung, Ausatmung, Inhalation und Atempause.
  • Falscher Umgang mit Kapselinhalatoren
    • Kapseln können versehentlich geschluckt, falsch eingelegt oder nicht angestochen werden.
    • Korrektur: Kapselhandhabung praktisch demonstrieren; bei motorischer Einschränkung alternatives Gerät wählen.
  • Fehlende Mundspülung nach inhalativen Glucocorticosteroiden
    • Erhöht das Risiko für oropharyngeale Candidose und Dysphonie.
    • Korrektur: Mund ausspülen und ausspucken; Spacer und Gerätetechnik prüfen.
  • Ungeschulter Gerätewechsel
    • Ein Gerätewechsel kann zu kritischen Anwendungsfehlern, Adhärenzverlust und Wirkverlust führen.
    • Korrektur: Wechsel nur mit erneuter Schulung und praktischer Kontrolle der Anwendung.

Nach der Therapie

  • Technik- und Erfolgskontrolle
    • Inhalationstechnik regelmäßig beobachten, nicht nur erfragen.
    • Adhärenz prüfen.
    • Symptomkontrolle, Exazerbationen, Bedarf an Reliever-Medikation und Nebenwirkungen erfassen.
    • Bei fehlender Wirkung zuerst Technik, Gerät, Adhärenz und Diagnose prüfen, bevor die Dosis eskaliert wird [Leitlinie: GINA 2025; Leitlinie: GOLD 2026 Report].
  • Reinigung und Hygiene
    • Vernebler nach Herstellerangaben reinigen, trocknen und regelmäßig warten.
    • Feuchte Restfilme vermeiden, da sie mikrobielles Wachstum begünstigen.
    • Spacer regelmäßig reinigen; elektrostatische Aufladung nach Herstellerangaben minimieren.
    • Mundstücke, Masken und Schläuche nicht unkritisch zwischen Patienten teilen.
  • Verlaufskontrolle
    • Bei Asthma bronchiale und COPD ist die Inhalationstechnik Bestandteil jeder strukturierten Verlaufskontrolle [Leitlinie: GINA 2025; Leitlinie: GOLD 2026 Report; Leitlinie: Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma 2024].
    • Bei älteren, multimorbiden (mehrfach erkrankten) oder motorisch eingeschränkten Patienten sind häufigere Kontrollen sinnvoll [1, 2].
    • Bei erneuten Exazerbationen oder unerklärtem Wirkverlust muss die Technik erneut überprüft werden.

Mögliche Komplikationen

  • Frühkomplikationen
    • Hustenreiz
    • Bronchospasmus
    • Schleimhautreizung
    • Heiserkeit
    • Tachykardie (Herzrasen) oder Tremor nach Beta-2-Sympathomimetika
    • Allergische Reaktion
    • Augenreizung bei Maskenleckage (Undichtigkeit der Maske), insbesondere bei anticholinergen Substanzen
    • Übelkeit oder unangenehmer Geschmack
  • Spätkomplikationen
    • Oropharyngeale Candidose bei inhalativen Glucocorticosteroiden
    • Dysphonie bei inhalativen Glucocorticosteroiden
    • Lokale chronische Irritation (Reizung) bei ungeeigneten Inhalationssubstanzen
    • Resistenzentwicklung bei unsachgemäßer oder nicht indizierter inhalativer Antibiotikatherapie
    • Fehltherapie durch dauerhaft falsche Inhalationstechnik
    • Mikrobielle Kontamination (Verunreinigung mit Mikroorganismen) bei unzureichender Verneblerhygiene

Klinische Hinweise

  • Die Wirksamkeit inhalativer Therapie hängt nicht nur vom Wirkstoff, sondern wesentlich vom Gerät und der Technik ab [1, 2].
  • Direkte Beobachtung der Anwendung ist der reinen Befragung überlegen, weil Patienten ihre Technik häufig überschätzen.
  • Mit zunehmendem Alter steigen Fehlerhäufigkeit und Risiko kritischer Anwendungsfehler; dies betrifft besonders Patienten mit Multimorbidität, kognitiver Einschränkung, Tremor, Arthrose oder mehreren unterschiedlichen Geräten [1, 2].
  • Schulung und wiederholte Technikprüfung sind obligate Bestandteile einer wirksamen Inhalationstherapie [1, 2; Leitlinie: Deutsche Atemwegsliga Richtig inhalieren].
  • Möglichst wenige unterschiedliche Gerätetypen reduzieren Fehlerquellen und können die Adhärenz verbessern.
  • Ein ökologisch oder rabattvertraglich motivierter Gerätewechsel darf die Therapiequalität nicht verschlechtern; er ist nur vertretbar, wenn der Patient das neue Gerät sicher beherrscht.
  • Ätherische Öle sollten nicht als evidenzbasierte inhalative Standardtherapie dargestellt werden. Sie können allenfalls als nicht leitlinienbasierte komplementäre Maßnahme mit klaren Sicherheitswarnungen erwähnt werden.

Literatur

  1. Sanchis J, Gich I, Pedersen S, Aerosol Drug Management Improvement Team. Systematic Review of Errors in Inhaler Use: Has Patient Technique Improved Over Time? Chest. 2016;150(2):394-406. https://doi.org/10.1016/j.chest.2016.03.041
  2. Usmani OS. Choosing the right inhaler for your asthma or COPD patient. Ther Clin Risk Manag. 2019;15:461-472. https://doi.org/10.2147/TCRM.S160365

Leitlinien

  1. Global Initiative for Asthma (GINA). Global Strategy for Asthma Management and Prevention. 2025 Update. https://ginasthma.org/2025-gina-strategy-report/
  2. Global Initiative for Asthma (GINA). Summary Guide for Asthma Management and Prevention. 2025. https://ginasthma.org/wp-content/uploads/2025/11/GINA-Summary-Guide-2025-WEB_FINAL-WMS.pdf
  3. Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD). Global Strategy for the Diagnosis, Management, and Prevention of COPD. 2026 Report. https://goldcopd.org/2026-gold-report-and-pocket-guide/
  4. Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD). POCKET GUIDE. 2026. https://goldcopd.org/wp-content/uploads/2026/01/GOLD-Pocket-Guide-2026-v1.1-20Nov2025_WMV2.pdf
  5. Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma. Langfassung, Version 5. AWMF-Register-Nr. nvl-002. 2024. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/nvl-002
  6. Deutsche Atemwegsliga. Richtig inhalieren. Anwendungsvideos und Informationsmaterialien zur Inhalationstechnik. https://www.atemwegsliga.de/richtig-inhalieren/zu-den-videos.html