Tauchtauglichkeitsuntersuchung
Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung (ärztliche Untersuchung der gesundheitlichen Eignung zum Tauchen) dient der Beurteilung, ob ein Taucher den physikalischen, physiologischen und psychischen Anforderungen des Sporttauchens mit Druckgasgerät mit vertretbarem individuellem Risiko gewachsen ist. Sie soll insbesondere Erkrankungen oder funktionelle Einschränkungen erkennen, die unter Wasser zu einem Barotrauma (druckbedingte Verletzung), einer Dekompressionserkrankung (Taucherkrankheit durch Gasblasenbildung), einer akuten Handlungsunfähigkeit, einer Bewusstseinsstörung (Störung des Wachseins oder der Wahrnehmung) oder einer unzureichenden körperlichen Leistungsfähigkeit führen können [1, 9, LL1].
Die Untersuchung kann das Risiko eines Tauchunfalls reduzieren, einen solchen jedoch nicht ausschließen. Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirkung periodischer Reihenuntersuchungen auf harte Endpunkte ist begrenzt. Die Empfehlungen beruhen daher neben Beobachtungsdaten wesentlich auf tauchphysiologischen Erkenntnissen, Unfallanalysen und fachgesellschaftlichem Konsens [1, 9, LL1].
Die nachfolgenden Empfehlungen beziehen sich auf das nicht berufliche Sporttauchen mit Druckgasgerät. Für gewerbliche, militärische, wissenschaftliche und rettungsdienstliche Taucher gelten zusätzliche nationale Rechtsvorschriften und arbeitsmedizinische Anforderungen [LL1].
Untersuchungsintervalle
Die Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM) empfiehlt für Sporttaucher folgende maximale Untersuchungsintervalle [LL2]:
| Altersgruppe | Empfohlenes maximales Untersuchungsintervall | Besonderheiten |
|---|---|---|
| 8-15 Jahre | 1 Jahr | Zusätzliche Beurteilung der körperlichen, kognitiven und psychosozialen Entwicklung; bei entsprechender Indikation kürzere Intervalle |
| 16-39 Jahre | 3 Jahre | Bei Erkrankungen, auffälligen Befunden, risikoreichen Tauchprofilen oder relevanten Therapieänderungen individuell kürzeres Intervall |
| Ab 40 Jahren | 1 Jahr | Besondere Berücksichtigung des kardiovaskulären Risikos (Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen) und der körperlichen Leistungsfähigkeit |
Eine zwischenzeitlich neu aufgetretene Erkrankung, ein operativer Eingriff, ein Tauchunfall, eine relevante Medikamentenumstellung oder ein tauchbezogenes Beschwerdeereignis kann unabhängig von der Laufzeit des Zeugnisses eine vorzeitige erneute Untersuchung erforderlich machen [LL1-LL3].
Ärztliche Qualifikation
Die offiziellen Tauglichkeitszertifikate von GTÜM und Österreichischer Gesellschaft für Tauch- und Hyperbarmedizin (ÖGTH) dürfen von Ärzten ausgestellt werden, die die jeweils aktuellen Empfehlungen der Fachgesellschaften einhalten. Der untersuchende Arzt muss über ausreichende tauchmedizinische Kenntnisse verfügen. Bei komplexen internistischen (die inneren Organe betreffenden), pneumologischen (die Lunge betreffenden), kardiologischen (das Herz betreffenden), neurologischen (das Nervensystem betreffenden) oder otorhinolaryngologischen Erkrankungen (Erkrankungen von Hals, Nase und Ohren) sowie nach einem Tauchunfall ist eine Beurteilung durch einen entsprechend qualifizierten und erfahrenen Taucherarzt erforderlich [LL1-LL3].
Ziele der Untersuchung
- Vermeidung einer akuten Handlungsunfähigkeit: Erfassung von Erkrankungen mit Risiko für Synkope (kurzzeitige Ohnmacht), Bewusstseinsstörung, Krampfanfall (plötzlich auftretende Störung der Gehirnfunktion), Panik, Desorientierung (Störung der zeitlichen, örtlichen oder situativen Orientierung), Hypoglykämie (Unterzuckerung) oder plötzliche kardiorespiratorische Dekompensation (akutes Versagen von Herz und Atmung)
- Vermeidung von Barotraumata: Beurteilung der Druckausgleichsfähigkeit von Mittelohren und Nasennebenhöhlen sowie Erfassung pulmonaler Obstruktion (Verengung der Atemwege), relevanten Air Trappings (Lufteinschluss in der Lunge) und struktureller Lungenerkrankungen
- Beurteilung der Leistungs- und Rettungsfähigkeit: Prüfung, ob eine ausreichende kardiorespiratorische Leistungsreserve für Strömung, Kälte, Wellengang, Ausrüstungsbelastung und eine mögliche Partnerrettung besteht
- Erfassung des Dekompressionsrisikos: Berücksichtigung früherer Dekompressionsereignisse, individueller Risikofaktoren und der geplanten Tauchprofile
- Individuelle Risikoberatung: Anpassung von Tauchtiefe, Tauchdauer, Wiederholungstauchgängen, Gasgemisch, Umgebungsbedingungen und Sicherheitsstopps an das individuelle Risikoprofil
Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte)
Die Anamnese ist ein zentraler Bestandteil der Untersuchung und setzt vollständige und wahrheitsgemäße Angaben des Tauchers voraus [LL1, LL3].
- Tauchanamnese:
- Ausbildungsstand und Zahl der bisherigen Tauchgänge
- geplante Tauchverfahren und Tauchprofile, z. B. Sporttauchen, technisches Tauchen, Nitrox-, Rebreather-, Höhlen-, Eis- oder Wracktauchen
- maximale Tauchtiefe, Tauchdauer und Häufigkeit von Wiederholungstauchgängen
- frühere Tauchzwischenfälle, Dekompressionserkrankungen, Barotraumata, Schwindel (Dreh- oder Unsicherheitsgefühl), Panikreaktionen, ungewöhnliche Erschöpfung oder neurologische Symptome
- Probleme beim Druckausgleich oder Beschwerden beim Ab- und Auftauchen
- Allgemeine Krankheitsanamnese:
- kardiovaskuläre, pulmonale, otorhinolaryngologische, neurologische, metabolische (den Stoffwechsel betreffende), psychiatrische (die psychische Gesundheit betreffende) und muskuloskelettale Erkrankungen (Erkrankungen der Muskeln und des Skeletts)
- Operationen, Krankenhausbehandlungen, schwere Verletzungen und Implantate
- Synkopen, Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen, Palpitationen (Herzklopfen oder Herzrasen), Thoraxschmerzen (Brustschmerzen) oder belastungsabhängige Dyspnoe (Atemnot)
- Asthma (anfallsartige Erkrankung mit Verengung der Atemwege), chronische Atemwegserkrankungen, Pneumothorax (Luftansammlung zwischen Lunge und Brustwand), Thoraxoperationen oder frühere Lungenverletzungen
- Schwindel, Hörstörungen, Tinnitus (Ohrgeräusche), Trommelfellverletzungen sowie rezidivierende Otitiden (wiederkehrende Ohrenentzündungen) oder Sinusitiden (Nasennebenhöhlenentzündungen)
- Kardiovaskuläres Risikoprofil:
- arterielle Hypertonie (Bluthochdruck), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung), Raucherstatus und Familienanamnese (Erkrankungen in der Familie)
- körperliche Aktivität und subjektive Belastbarkeit
- frühere koronare, zerebrovaskuläre oder periphere Gefäßerkrankungen (Erkrankungen der Herzkranzgefäße, der Hirngefäße oder anderer Blutgefäße)
- Psychische und kognitive Situation:
- Panikattacken (plötzlich auftretende starke Angstanfälle), Klaustrophobie (Angst vor engen Räumen), Angststörungen, Depressionen (seelische Erkrankungen mit anhaltender Niedergeschlagenheit und Interessenverlust), psychotische Erkrankungen (Erkrankungen mit Verlust des Realitätsbezugs) oder Suchterkrankungen (Abhängigkeitserkrankungen)
- Aufmerksamkeit, Reaktionsfähigkeit, Urteilsvermögen und Fähigkeit zur zuverlässigen Kommunikation
- Medikamente und Substanzen:
- vollständige Erfassung verschreibungspflichtiger und nicht verschreibungspflichtiger Medikamente sowie von Alkohol, Drogen und leistungssteigernden Substanzen
- Beurteilung von Sedierung (Dämpfung von Wachheit und Reaktionsfähigkeit), Reaktionsverlangsamung, orthostatischer Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen), Arrhythmierisiko (Risiko für Störungen des Herzschlags), Krampfschwelle (Schwelle für die Auslösung eines Krampfanfalls), Hypoglykämierisiko, Blutungsrisiko und Einschränkung der Belastbarkeit
- Beurteilung der zugrunde liegenden Erkrankung und nicht allein des verwendeten Arzneimittels
Körperliche Untersuchung
| Untersuchungsbereich | Schwerpunkte |
|---|---|
| Allgemeinzustand und Anthropometrie (Körpermaßbestimmung) | Körpergröße, Körpergewicht, Body-Mass-Index, gegebenenfalls Bauchumfang, Ernährungszustand, Mobilität und Fähigkeit zum sicheren Umgang mit der Tauchausrüstung |
| Herz-Kreislauf-System | Blutdruck, Herzfrequenz, Auskultation, periphere Pulse, Herzgeräusche, Zeichen einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) oder Gefäßerkrankung |
| Atmungsorgane | Thoraxform und -beweglichkeit, Perkussion, Auskultation, Hinweise auf Obstruktion, Überblähung (übermäßige Luftansammlung in der Lunge) oder eingeschränkte Ventilation (verminderte Belüftung der Lunge) |
| Ohren, Nase und Nasennebenhöhlen | Otoskopie, Gehörgänge, Trommelfelle, Nasenatmung, Hinweise auf Rhinitis (Nasenschleimhautentzündung), Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung), Tubenventilationsstörung (Belüftungsstörung der Verbindung zwischen Rachen und Mittelohr) oder eingeschränkte Druckausgleichsfähigkeit |
| Druckausgleich | Beurteilung eines vorsichtig ausgeführten Druckausgleichsmanövers; ein gewaltsamer Valsalva-Versuch ist zu vermeiden |
| Augen und Sehvermögen | Orientierende Sehschärfe, Gesichtsfeld und Pupillenreaktion; weiterführende Prüfung bei anamnestischen oder klinischen Auffälligkeiten |
| Neurologischer Status | Hirnnerven, Motorik (Bewegungssteuerung), Sensibilität (Empfindungsvermögen), Reflexe, Koordination, Gleichgewicht, Gangbild und orientierende kognitive Beurteilung |
| Bewegungsapparat | Gelenkbeweglichkeit, Wirbelsäule, Muskelkraft, Gleichgewicht sowie Fähigkeit zum Flossenschwimmen, Ein- und Ausstieg und zur Partnerrettung |
| Abdomen und Haut | Abdominelle Resistenzen (tastbare Verhärtungen im Bauchraum), Hernien (Brüche), relevante Hauterkrankungen, Infektionen oder Wunden |
Obligate apparative Untersuchungen
Nach dem derzeit von GTÜM und ÖGTH bereitgestellten Untersuchungsbogen gehören folgende apparative Untersuchungen zum Standard [LL3]:
- Spirometrie:
- Vitalkapazität beziehungsweise inspiratorische Vitalkapazität
- forcierte Vitalkapazität
- Einsekundenkapazität
- Quotient aus Einsekundenkapazität und forcierter Vitalkapazität
- Beurteilung hinsichtlich obstruktiver oder restriktiver Ventilationsstörung (Störung der Lungenbelüftung durch verengte Atemwege oder vermindertes Lungenvolumen)
- Ruhe-EKG:
- Rhythmus und Herzfrequenz
- Erregungsleitung und Blockbilder (Störungen der elektrischen Erregungsleitung im Herzen)
- Präexzitationszeichen (Zeichen einer vorzeitigen elektrischen Herzerregung)
- relevante Repolarisations- oder Rhythmusauffälligkeiten (Störungen der elektrischen Erholung oder des Taktes des Herzens)
- Symptomlimitierte Ergometrie mit Belastungs-EKG:
- nach GTÜM/ÖGTH ab dem 40. Lebensjahr obligat
- bei jüngeren Tauchern bei kardialen Symptomen (Herzbeschwerden), auffälliger Anamnese, auffälligem Ruhe-EKG, mehreren kardiovaskulären Risikofaktoren oder zweifelhafter Leistungsfähigkeit
- Beurteilung von Leistungsfähigkeit, Blutdruck- und Herzfrequenzverhalten, Rhythmusstörungen, Ischämiezeichen (Hinweise auf eine Minderdurchblutung) und Erholung nach Belastungsende
Als international verwendete pragmatische Untergrenze gilt eine dauerhaft erreichbare Belastbarkeit von mindestens 6 metabolischen Äquivalenten. Für Tauchgänge unter erschwerten Bedingungen, bei Strömung, Kälte, Wellengang oder möglicher Partnerrettung ist eine deutlich höhere Leistungsreserve erforderlich [8, 10, LL5, LL6].
Indikationsabhängige Zusatzdiagnostik
| Fragestellung | Mögliche Zusatzdiagnostik |
|---|---|
| Obstruktion, Asthma oder Verdacht auf Air Trapping | Bronchodilatationstest, Bodyplethysmographie, Diffusionskapazität, Belastungs- oder indirekte Bronchoprovokation, pneumologische Beurteilung |
| Unklare Belastbarkeit oder kardiorespiratorische Beschwerden | Spiroergometrie, Echokardiographie, Langzeit-EKG, ambulante Blutdruckmessung oder kardiologische Bildgebung entsprechend der klinischen Fragestellung |
| Herzgeräusch oder bekannte strukturelle Herzerkrankung (organische Erkrankung des Herzens) | Transthorakale Echokardiographie und gegebenenfalls weiterführende kardiologische Diagnostik |
| Verdacht auf Rechts-links-Shunt (Kurzschlussverbindung, durch die Blut von der rechten auf die linke Herzseite gelangt) nach geeignetem klinischem Ereignis | Kontrastmittelgestützte transthorakale Echokardiographie mit standardisiertem Provokationsmanöver in einem erfahrenen Labor |
| Hörstörung, Schwindel oder Tubenfunktionsstörung (Funktionsstörung der Verbindung zwischen Rachen und Mittelohr) | Audiometrie, Tympanometrie, vestibuläre Diagnostik (Untersuchung des Gleichgewichtsorgans) und fachärztliche HNO-Untersuchung |
| Sehstörung | Weiterführende ophthalmologische Untersuchung einschließlich Gesichtsfeld- und Farbsehtest nach Indikation |
| Neurologische Auffälligkeiten | Fachneurologische Untersuchung und indikationsgerechte elektrophysiologische oder bildgebende Diagnostik |
Laboruntersuchungen
Es gibt keine obligaten Laboruntersuchungen im Rahmen der standardmäßigen Tauchtauglichkeitsuntersuchung. Insbesondere gehören ein routinemäßiger Urinstreifentest und pauschale Blutuntersuchungen nicht zum obligaten Untersuchungsumfang nach dem aktuellen GTÜM/ÖGTH-Untersuchungsbogen [LL3].
Laboruntersuchungen erfolgen abhängig von Anamnese, klinischen Befunden, Begleiterkrankungen und kardiovaskulärem Risikoprofil. Hierzu können insbesondere Nüchternglucose beziehungsweise HbA1c, Lipidprofil, Blutbild, Elektrolyte, Nieren- und Leberfunktionsparameter sowie Schilddrüsenparameter gehören.
Kardiovaskuläre Beurteilung
Immersion (Eintauchen des Körpers ins Wasser), Kälte und erhöhter Atemwiderstand führen zu einer zentralen Blutvolumenverschiebung und einer Zunahme der kardialen Vor- und Nachlast (Füllungs- und Auswurfwiderstand des Herzens). Eine akute kardiale Handlungsunfähigkeit unter Wasser ist wegen des Ertrinkungsrisikos besonders gefährlich [10, LL5, LL6].
Neben Ruhe-EKG und Ergometrie sollen insbesondere Blutdruck, Body-Mass-Index beziehungsweise Bauchumfang, Raucherstatus, Diabetes mellitus und Dyslipidämie erfasst werden. Bei älteren Tauchern ist eine strukturierte Beurteilung des kardiovaskulären Gesamtrisikos erforderlich [7, 10, LL5, LL6].
Eine pauschale Freigabe oder Ablehnung allein aufgrund einer kardiologischen Diagnose ist nicht sachgerecht. Zu beurteilen sind insbesondere:
- Koronare Herzkrankheit (Erkrankung der Herzkranzgefäße): belastungsinduzierte Ischämie (Minderdurchblutung des Herzmuskels unter Belastung), linksventrikuläre Funktion (Funktion der linken Herzkammer), Symptome, Rhythmusstörungen, Therapie und ausreichende Leistungsreserve
- Herzinsuffizienz: Symptomatik, kardiale Funktion, Belastbarkeit und Risiko eines Immersionslungenödems (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge beim Eintauchen)
- Herzrhythmusstörungen (Störungen des Herzschlags): Risiko einer plötzlichen Bewusstseinsstörung, Frequenzkontrolle, strukturelle Herzerkrankung, Belastungsverhalten und gegebenenfalls Antikoagulation (Behandlung zur Hemmung der Blutgerinnung)
- Vorhofflimmern (unregelmäßiger Herzrhythmus aus den Herzvorhöfen): Eine stabile, asymptomatische und gut frequenzkontrollierte Form kann nach individueller kardiologischer und tauchmedizinischer Beurteilung mit dem Tauchen vereinbar sein; eine pauschale Einstufung als Kontraindikation (medizinischer Grund gegen das Tauchen) oder uneingeschränkte Tauglichkeit ist nicht gerechtfertigt
- Herzklappenerkrankungen (Erkrankungen der Herzklappen): hämodynamische Relevanz (Auswirkung auf den Blutfluss und Kreislauf), Symptome, Ventrikelfunktion (Funktion der Herzkammern), pulmonaler Druck und Belastbarkeit; eine einzelne Klappenöffnungsfläche ist für die tauchmedizinische Entscheidung nicht ausreichend
- Zustand nach akutem Koronarsyndrom (akuter Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße) oder Intervention: keine starre, für alle Patienten geltende Wartefrist; Wiedereinstieg erst nach abgeschlossener Rehabilitation, klinischer Stabilität, Ausschluss relevanter Ischämie, ausreichender Ventrikelfunktion und nachgewiesener Belastbarkeit
Instabile Angina pectoris (anfallsartiger Brustschmerz durch Minderdurchblutung des Herzens), relevante belastungsinduzierte Ischämie, symptomatische Herzinsuffizienz, hämodynamisch bedeutsame Vitien (Herzfehler), nicht kontrollierte Tachyarrhythmien (zu schnelle Herzrhythmusstörungen), komplexe ventrikuläre Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen aus den Herzkammern) oder ein relevantes Synkopenrisiko sind mit dem Tauchen nicht vereinbar, solange die zugrunde liegende Erkrankung nicht ausreichend abgeklärt und behandelt ist [1, 10, LL5, LL6].
Pulmonale Beurteilung und Asthma bronchiale
Beim Aufstieg expandiert eingeschlossenes Gas. Erkrankungen mit relevanter Obstruktion, Air Trapping, Bullae (große luftgefüllte Blasen in der Lunge) oder eingeschränkter Ausatmung können deshalb das Risiko eines pulmonalen Barotraumas und einer arteriellen Gasembolie (Verschluss einer Arterie durch Gasblasen) erhöhen [1, 3-5].
Ein Asthma bronchiale ist nicht grundsätzlich eine absolute Kontraindikation. Eine Tauchtauglichkeit kann bei ausgewählten Patienten erwogen werden, wenn alle folgenden Voraussetzungen erfüllt sind [1, 3, 4]:
- Klinisch stabile Erkrankung: keine aktuellen Asthmasymptome und keine kürzlich aufgetretene Exazerbation (akute Verschlechterung)
- Normale oder nahezu normale Lungenfunktion: keine relevante Obstruktion und kein Hinweis auf Air Trapping
- Keine kritischen Auslöser: keine belastungs-, kälte- oder emotionsinduzierte Bronchokonstriktion (Verengung der Bronchien)
- Stabile Therapie: keine kürzlich erfolgte relevante Therapieumstellung und keine unerwünschten Arzneimittelwirkungen mit Bedeutung für das Tauchen
- Ausreichende Belastbarkeit: kein belastungsabhängiger Husten, kein Giemen (pfeifendes Atemgeräusch) und keine Dyspnoe
Bei unkontrolliertem Asthma, akuter Exazerbation, belastungs- oder kälteinduzierter Bronchokonstriktion, pathologischer Spirometrie oder relevantem Air Trapping soll nicht getaucht werden.
Auch bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (dauerhafter Lungenerkrankung mit verengten Atemwegen) ist eine starre Beurteilung allein nach GOLD-Stadium oder einem einzelnen FEV1-Grenzwert nicht ausreichend. Entscheidend sind Ausmaß der Obstruktion, Air Trapping, Emphysem (Zerstörung und Überblähung von Lungenbläschen) oder Bullae, Gasaustausch, Symptomatik und körperliche Leistungsreserve. Ein Lungenemphysem, relevante Bullae, ausgeprägte Bronchiektasen (dauerhafte Erweiterungen der Bronchien) oder ein früherer spontaner Pneumothorax erfordern eine spezialisierte pneumologische und tauchmedizinische Beurteilung [1, 5].
Otorhinolaryngologische Beurteilung
Ein sicherer und schmerzfreier Druckausgleich muss beidseits möglich sein. Bei akuter Rhinitis, Sinusitis, Otitis externa (Entzündung des äußeren Gehörgangs) mit relevanter Gehörgangsschwellung, akuter Otitis media (Mittelohrentzündung), Tubenfunktionsstörung oder fehlendem Druckausgleich besteht eine vorübergehende Tauchuntauglichkeit.
Eine Trommelfellperforation (Loch im Trommelfell), ein nicht ausreichend belastbares rekonstruiertes Trommelfell, aktive vestibuläre Symptome (Beschwerden des Gleichgewichtsorgans), akuter Hörverlust oder ungeklärter tauchbezogener Schwindel erfordern eine fachärztliche HNO-Beurteilung. Ein gewaltsamer Druckausgleich ist sowohl während der Untersuchung als auch beim Tauchen zu vermeiden.
Neurologische und psychische Erkrankungen
Erkrankungen mit Risiko eines Krampfanfalls, einer Synkope, einer plötzlichen neurologischen Funktionsstörung oder einer relevanten Beeinträchtigung von Urteilsvermögen, Orientierung und Reaktionsfähigkeit können unter Wasser zu einer unmittelbar lebensbedrohlichen Situation führen [1, 9].
Nicht kontrollierte Epilepsie (Erkrankung mit wiederkehrenden Krampfanfällen), ungeklärte Bewusstseinsverluste, progrediente neurologische Erkrankungen (fortschreitende Erkrankungen des Nervensystems) sowie relevante kognitive Defizite (Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit) sind mit dem Tauchen in der Regel nicht vereinbar. Nach Schädel-Hirn-Trauma (Verletzung von Schädel und Gehirn), Schlaganfall (plötzliche Durchblutungsstörung oder Blutung im Gehirn) oder neurochirurgischem Eingriff (Operation am Nervensystem) ist eine individualisierte neurologische und tauchmedizinische Neubewertung erforderlich.
Bei Angststörungen, Panikattacken, Klaustrophobie, Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen sind Krankheitsstabilität, Stressverarbeitung, Impulskontrolle, Suizidalität (Selbsttötungsgefährdung), kognitive Leistungsfähigkeit und unerwünschte Wirkungen der Behandlung zu berücksichtigen. Die Einnahme eines Psychopharmakons allein begründet weder automatisch Tauglichkeit noch Untauglichkeit.
Persistierendes Foramen ovale
Ein persistierendes Foramen ovale (angeboren offengebliebene Verbindung zwischen den Herzvorhöfen) ist keine pauschale absolute Kontraindikation für das Sporttauchen. Ein routinemäßiges Screening auf einen Rechts-links-Shunt im Rahmen der Erst- oder Wiederholungsuntersuchung asymptomatischer Taucher wird nicht empfohlen [LL4].
Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse von 9 Beobachtungsstudien mit insgesamt 1.830 Tauchern zeigte bei neurologischer Dekompressionskrankheit eine Assoziation mit einem Rechts-links-Shunt mit einer Odds Ratio von 3,83; bei einem großen Shunt betrug die Odds Ratio 4,98. Diese relativen Assoziationen dürfen nicht mit dem absoluten individuellen Erkrankungsrisiko gleichgesetzt werden [2].
Eine gezielte Shuntdiagnostik soll insbesondere erwogen werden nach [LL4]:
- Dekompressionskrankheit mit:
- zerebraler Symptomatik (Beschwerden des Gehirns)
- spinaler Symptomatik (Beschwerden des Rückenmarks)
- vestibulokochleärer Symptomatik (Beschwerden des Gleichgewichts- und Hörorgans)
- kardiovaskulärer Symptomatik (Beschwerden von Herz und Kreislauf)
- ausgeprägten kutanen Manifestationen (Hauterscheinungen)
- Weiteren Hinweisen:
- Migräne mit Aura (Migräne mit vorübergehenden neurologischen Vorzeichen)
- kryptogener Schlaganfall (Schlaganfall ohne erkennbare Ursache)
- angeborene Herzfehler
- erstgradige Familienanamnese für ein relevantes Vorhofseptumdefekt- oder PFO-Problem (Problem durch ein Loch in der Vorhofscheidewand oder eine offengebliebene Verbindung zwischen den Herzvorhöfen)
Bei Nachweis eines großen Rechts-links-Shunts bestehen grundsätzlich die Optionen, das Tauchen zu beenden, besonders konservative Tauchprofile mit geringer Inertgasbelastung (Belastung durch im Körper gelöste reaktionsträge Gase) einzuhalten oder in ausgewählten Fällen einen interventionellen Verschluss (Katheterverschluss) zu erwägen. Die Entscheidung soll nach Aufklärung über den unsicheren individuellen Nutzen, mögliche Eingriffsrisiken und alternative Risikoreduktionsstrategien gemeinsam mit einem erfahrenen Kardiologen und Taucherarzt getroffen werden [LL4].
Schwangerschaft
Während einer Schwangerschaft soll nicht mit Druckgasgerät getaucht werden. Grundlage dieser Empfehlung ist nicht der Nachweis einer gesicherten Teratogenität (fruchtschädigende Wirkung), sondern die unzureichende Datenlage zur fetalen Sicherheit (Sicherheit des ungeborenen Kindes) und das nicht zuverlässig quantifizierbare Risiko durch Dekompressionsblasen (Gasblasen durch Druckentlastung), Hyperoxie (zu hoher Sauerstoffgehalt im Körper) und einen möglichen mütterlichen Tauchunfall [6].
Eine versehentliche Tauchexposition in einer noch nicht erkannten Schwangerschaft beweist keine fetale Schädigung. Sie erfordert jedoch eine individuelle geburtshilfliche Beratung; weitere Tauchgänge sollen unterbleiben.
Kategorien der tauchmedizinischen Beurteilung
Kontraindikationen dürfen nicht ausschließlich anhand starrer Diagnoselisten beurteilt werden. Schweregrad, Krankheitsstabilität, Behandlung, funktionelle Reserve, Risiko einer plötzlichen Handlungsunfähigkeit und geplantes Tauchprofil müssen gemeinsam bewertet werden [1, 9, LL5, LL6].
| Kategorie | Typische Beispiele | Konsequenz |
|---|---|---|
| Vorübergehend nicht tauchtauglich | Akute Infektion, Fieber, akute Bronchitis (akute Entzündung der Bronchien), Asthmaexazerbation (akute Verschlechterung des Asthmas), akute Rhinitis oder Sinusitis, Otitis, fehlender Druckausgleich, akuter Schwindel, frische Verletzung, postoperativer Zustand (Zustand nach einer Operation), relevante neue Medikation, Schwangerschaft | Tauchpause bis zur vollständigen Abklärung, Ausheilung und Wiederherstellung der erforderlichen Funktion |
| Individuelle fachärztliche Beurteilung erforderlich | Stabiles Asthma, behandelte arterielle Hypertonie, stabiles Vorhofflimmern, Zustand nach koronarer Intervention, Diabetes mellitus, frühere neurologische Erkrankung, früherer Pneumothorax, PFO nach Dekompressionskrankheit, psychiatrische Erkrankung oder relevante Dauermedikation | Organspezifische und tauchmedizinische Risikobewertung; gegebenenfalls Tauglichkeit mit Einschränkungen |
| In der Regel nicht mit Tauchen vereinbar | Nicht kontrolliertes Asthma, relevantes Air Trapping oder bullöses Emphysem (Lungenüberblähung mit großen Luftblasen), instabile koronare Herzerkrankung, symptomatische Herzinsuffizienz, komplexe Arrhythmien, relevantes Synkopen- oder Krampfanfallsrisiko, fehlender Druckausgleich, aktive vestibuläre Erkrankung, schwere kognitive oder psychische Funktionsstörung | Keine Freigabe, solange das Risiko nicht durch erfolgreiche Behandlung und erneute qualifizierte Untersuchung ausreichend reduziert wurde |
Erneute Untersuchung nach Erkrankung, Operation oder Tauchunfall
Das Tauchen soll bis zu einer erneuten ärztlichen Beurteilung ausgesetzt werden bei:
- Akuten Erkrankungen: bis zur vollständigen klinischen Genesung und Wiederherstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit
- Belüftungs- oder Druckausgleichsstörungen: bis zur vollständigen Normalisierung
- Operationen oder schweren Verletzungen: bis zur abgeschlossenen Heilung, ausreichenden Belastbarkeit und Beurteilung möglicher tauchspezifischer Risiken
- Neu aufgetretenen kardialen, pulmonalen oder neurologischen Symptomen: bis zum Abschluss der fachärztlichen Abklärung
- Relevanter Änderung der Medikation: bis zur Stabilisierung der Grunderkrankung und zum Ausschluss tauchrelevanter Nebenwirkungen
- Tauchzwischenfall oder Tauchunfall: bis zur erneuten tauchmedizinischen Untersuchung
Nach einer Dekompressionskrankheit oder arteriellen Gasembolie gibt es keine für alle Verläufe geltende Wartefrist. Voraussetzung für die erneute Untersuchung sind der vollständige Abschluss der Tauchunfalltherapie und ein stabiles Behandlungsergebnis, auch bei verbliebenen Residuen (verbliebene Beschwerden oder Schäden). Die Beurteilung soll durch einen erfahrenen, tauchmedizinisch fortgebildeten Arzt erfolgen, der über praktische Erfahrung in der Behandlung von Tauchunfällen verfügt [LL1].
Ergebnis und Beratung
Die abschließende Beurteilung kann lauten:
- Tauchtauglich: keine medizinisch relevanten Einschränkungen festgestellt
- Tauchtauglich mit Einschränkungen: z. B. Begrenzung von Tauchtiefe, Tauchdauer, Zahl der Wiederholungstauchgänge, Umgebungsbedingungen oder Gasgemischen
- Vorübergehend nicht tauchtauglich: erneute Untersuchung nach Behandlung oder Ablauf eines festgelegten Intervalls
- Nicht tauchtauglich: nicht ausreichend reduzierbares Risiko einer schweren Eigen- oder Fremdgefährdung
Die Beratung soll konservative Tauchgangsplanung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, thermischen Schutz, körperliche Fitness, Verzicht auf Tauchen bei akuten Beschwerden sowie die Pflicht zur erneuten medizinischen Beurteilung bei relevanten gesundheitlichen Veränderungen umfassen [LL1].
Fazit
Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung ist eine risikoadaptierte medizinische Beurteilung und keine formale Checklistenleistung. Zum obligaten Standard gehören eine ausführliche tauchspezifische Anamnese, eine vollständige klinische Untersuchung, Spirometrie und Ruhe-EKG sowie ab dem 40. Lebensjahr eine symptomlimitierte Ergometrie mit Belastungs-EKG. Labor-, bildgebende und weitere funktionsdiagnostische Untersuchungen erfolgen indikationsbezogen. Chronische Erkrankungen wie kontrolliertes Asthma, stabiles Vorhofflimmern oder ein persistierendes Foramen ovale sind nicht pauschal zu bewerten, sondern erfordern eine individualisierte, organmedizinische und tauchmedizinische Risikoanalyse.
Literatur
- Edge CJ, Wilmshurst PT: Medical conditions that affect the risk of diving. BJA Educ. 2021;21(9):349-354. doi:10.1016/j.bjae.2021.05.002 [1]
- Peppas S, Palaiodimos L, Nagraj S et al.: Right-to-Left Shunt in Divers with Neurological Decompression Sickness: A Systematic Review and Meta-Analysis. Healthcare (Basel). 2023;11(10):1407. doi:10.3390/healthcare11101407 [2]
- Ledford DK: Self-contained underwater breathing apparatus diving and asthma: Where are we in 2023? Ann Allergy Asthma Immunol. 2023;130(4):463-469. doi:10.1016/j.anai.2023.01.023 [3]
- Adir Y, Bove AA: Can asthmatic subjects dive? Eur Respir Rev. 2016;25(140):214-220. doi:10.1183/16000617.0006-2016 [4]
- Tetzlaff K, Thomas PS: Short- and long-term effects of diving on pulmonary function. Eur Respir Rev. 2017;26(143):160097. doi:10.1183/16000617.0097-2016 [5]
- Reid RL, Lorenzo M: SCUBA Diving in Pregnancy. J Obstet Gynaecol Can. 2018;40(11):1490-1496. doi:10.1016/j.jogc.2017.11.024 [6]
- Buzzacott P, Edelson C, Bennett CM et al.: Risk factors for cardiovascular disease among active adult US scuba divers. Eur J Prev Cardiol. 2018;25(13):1406-1408. doi:10.1177/2047487318790290 [7]
- Dreyer S, Schneppendahl J, Moeller F et al.: An Updated Narrative Review on Ergometric Systems Applied to Date in Assessing Divers’ Fitness. Healthcare (Basel). 2021;9(8):1044. doi:10.3390/healthcare9081044 [8]
- Eichhorn L, Leyk D: Diving Medicine in Clinical Practice. Dtsch Arztebl Int. 2015;112(9):147-158. doi:10.3238/arztebl.2015.0147 [9]
- Tso JV, Powers JM, Kim JH: Cardiovascular Considerations for Scuba Divers. Heart. 2022;108(14):1084-1089. doi:10.1136/heartjnl-2021-319601 [10]
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- S2k-Leitlinie Tauchunfall 2022-2027. (AWMF-Registernummer 072-001). Dezember 2022 Langfassung [LL1]
- Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin e.V. (GTÜM): Informationen zur Tauchtauglichkeit. Aktuelle Untersuchungsintervalle und Anforderungen an den untersuchenden Arzt. GTÜM-Informationen [LL2]
- Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin e.V. (GTÜM), Österreichische Gesellschaft für Tauch- und Hyperbarmedizin (ÖGTH): Tauchmedizinischer Untersuchungsbogen für das Sporttauchen. Derzeit von der GTÜM bereitgestellte Version 2017-2024. Untersuchungsbogen [LL3]
- Smart D, Wilmshurst P, Banham N et al.: Joint position statement on atrial shunts (persistent [patent] foramen ovale and atrial septal defects) and diving: 2025 update. South Pacific Underwater Medicine Society (SPUMS) and the United Kingdom Diving Medical Committee (UKDMC). Diving Hyperb Med. 2025;55(1):51-55. doi:10.28920/dhm55.1.51-55 [LL4]
- Jepson N, Rienks R, Smart D et al.: South Pacific Underwater Medicine Society guidelines for cardiovascular risk assessment of divers. Diving Hyperb Med. 2020;50(3):273-277. doi:10.28920/dhm50.3.273-277 [LL5]
- Tello Montoliu A, Olea González A, Pujante Escudero Á et al.: Cardiovascular considerations on recreational scuba diving. SEC-Clinical Cardiology Association/SEC-Working Group on Sports Cardiology consensus document. Rev Esp Cardiol (Engl Ed). 2024;77(7):566-573. doi:10.1016/j.rec.2024.04.001 [LL6]