Sport in der Schwangerschaft – sicher trainieren

Regelmäßige körperliche Aktivität ist bei einer unkomplizierten Schwangerschaft sicher und ausdrücklich zu empfehlen. Schwangere sollten mindestens 150 Minuten pro Woche moderat körperlich aktiv sein, verteilt auf mehrere Tage. Das Bewegungsprogramm sollte Ausdauertraining, Krafttraining und Beckenbodentraining umfassen; sanftes Dehnen kann ergänzt werden [LL1-LL6].

Regelmäßige körperliche Aktivität reduziert insbesondere das Risiko für Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes), Gestationshypertonie (schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck) und eine übermäßige Gewichtszunahme während der Schwangerschaft [1, 2, 9]. Auch für die Prävention einer Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) zeigt sich ein günstiger Effekt, wobei die Evidenz weniger konsistent ist als für Gestationsdiabetes und Gestationshypertonie [1, 9]. Ferner kann körperliche Aktivität pränatale (vorgeburtliche) depressive Symptome vermindern [3, 9] sowie die kardiorespiratorische Fitness (Leistungsfähigkeit von Herz, Kreislauf und Atmung) verbessern [9, 10].

Bei fehlenden medizinischen oder geburtshilflichen Kontraindikationen (Gegenanzeigen) besteht kein Hinweis darauf, dass leitliniengerechte körperliche Aktivität das Risiko für Fehlgeburt, Totgeburt, Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht, ein für das Gestationsalter (Schwangerschaftsalter) zu kleines Neugeborenes oder einen Kaiserschnitt erhöht [4-6, 9].

Die Evidenz bezieht sich überwiegend auf Frauen mit unkomplizierter Einlingsschwangerschaft (Schwangerschaft mit einem Kind) und körperlicher Aktivität leichter bis moderater Intensität. Für Hochrisikoschwangerschaften (Schwangerschaften mit erhöhtem Risiko), sehr hohe Trainingsumfänge, Maximalkrafttraining und sportliche Höchstleistungen ist die Datenlage begrenzt. In diesen Situationen ist eine individuelle geburtshilfliche und sportmedizinische Beurteilung erforderlich [8, LL1, LL4-LL6].

Evidenzbasierte gesundheitliche Effekte

Endpunkt Evidenzbasierter Effekt
Gestationsdiabetes Strukturierte Bewegungsinterventionen während der Schwangerschaft vermindern das Risiko für Gestationsdiabetes [1, 9].
Gestationshypertonie und Präeklampsie Körperliche Aktivität vermindert das Risiko für Gestationshypertonie. Auch für Präeklampsie zeigt sich ein günstiger Effekt, allerdings mit geringerer Evidenzsicherheit [1, 9].
Gewichtszunahme während der Schwangerschaft Bewegungsinterventionen reduzieren die Wahrscheinlichkeit einer übermäßigen Gewichtszunahme während der Schwangerschaft [2, 9].
Psychische Gesundheit Pränatales Training vermindert die Wahrscheinlichkeit und den Schweregrad pränataler depressiver Symptome. Die Evidenz für postnatale (nachgeburtliche) depressive Symptome und Angstsymptome ist weniger einheitlich [3, 9].
Kardiorespiratorische Fitness Regelmäßige körperliche Aktivität kann die kardiorespiratorische Fitness während der Schwangerschaft verbessern bzw. erhalten [9, 10].
Geburtsmodus Pränatales Training erhöht die Kaiserschnittrate nicht. Einzelne Auswertungen zeigen zudem eine geringere Wahrscheinlichkeit einer operativen vaginalen Entbindung (Entbindung mit Saugglocke oder Geburtszange) [4].
Frühgeburt und fetales Wachstum (Wachstum des ungeborenen Kindes) Es besteht kein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht oder ein für das Gestationsalter zu kleines Neugeborenes. Das Risiko einer Makrosomie (überdurchschnittlich hohes Geburtsgewicht) kann vermindert werden [5, 9].
Fetale und neonatale Mortalität (Sterblichkeit des ungeborenen Kindes und des Neugeborenen) Pränatales Training ist nicht mit einem erhöhten Risiko für Fehlgeburt, Totgeburt oder neonatale Mortalität verbunden. Für diese seltenen Endpunkte ist die Evidenzsicherheit jedoch begrenzt [6].
Harninkontinenz (unwillkürlicher Urinverlust) Beckenbodentraining während der Schwangerschaft vermindert bei zuvor kontinenten Frauen wahrscheinlich das Risiko einer Harninkontinenz in der späten Schwangerschaft und im frühen postpartalen Zeitraum (Zeitraum nach der Geburt) [7, 11].
Höhergradige Dammverletzungen Beckenbodentraining allein oder als Bestandteil eines allgemeinen Trainingsprogramms kann das Risiko dritt- oder viertgradiger Dammverletzungen vermindern. Eine signifikante Reduktion der Episiotomierate (Häufigkeit von Dammschnitten) ist nicht nachgewiesen [7].
Krafttraining Die untersuchten Krafttrainingsprogramme waren bei überwiegend unkomplizierten Schwangerschaften nicht mit ungünstigen maternalen, geburtshilflichen, fetalen oder beckenbodenbezogenen Endpunkten (Untersuchungsergebnissen bei Mutter, Geburt, ungeborenem Kind oder Beckenboden) verbunden. Die Interventionen waren jedoch heterogen und häufig Bestandteil kombinierter Trainingsprogramme [8].

Grundlegende Trainingsempfehlungen

Trainingskomponente Empfehlung
Wochenumfang Mindestens 150 Minuten körperliche Aktivität moderater Intensität pro Woche [LL1-LL6]
Verteilung Die körperliche Aktivität auf mehrere Tage pro Woche verteilen und regelmäßig in den Alltag integrieren [LL1-LL6].
Ausdauertraining Aktivitäten unter Einsatz großer Muskelgruppen, beispielsweise zügiges Gehen, Schwimmen, Aquafitness oder Ergometertraining [LL1, LL2, LL4-LL6]
Krafttraining Regelmäßiges Training der großen Muskelgruppen mit individuell angepassten Widerständen; mehrere internationale Empfehlungen nennen mindestens zwei Trainingstage pro Woche [LL2, LL3, LL6].
Beckenbodentraining Regelmäßiges und fachgerecht ausgeführtes Beckenbodentraining während der Schwangerschaft [7, 11, LL1, LL3, LL4, LL6]
Dehnen Sanftes Dehnen kann ergänzend durchgeführt werden; forcierte Bewegungen in Gelenkendstellungen sind zu vermeiden [LL1, LL3, LL5].
Sitzzeiten Längere Sitzzeiten begrenzen und regelmäßig durch zumindest leichte körperliche Aktivität unterbrechen [LL3, LL4, LL6].

Auch kürzere oder weniger intensive Bewegungseinheiten sind gesundheitlich vorteilhaft. Können die empfohlenen 150 Minuten zunächst nicht erreicht werden, ist jede zusätzliche körperliche Aktivität besser als Inaktivität [LL1-LL3].

Steuerung der Trainingsintensität

Für die Mehrzahl der Schwangeren wird eine moderate Trainingsintensität empfohlen. Moderat bedeutet, dass die Aktivität als etwas anstrengend wahrgenommen wird, eine Unterhaltung jedoch weiterhin möglich ist [LL1, LL2, LL5].

Geeignete Verfahren zur Intensitätssteuerung:

  • Sprechtest: Während einer moderaten Belastung ist das Sprechen in vollständigen Sätzen möglich. Ist eine Unterhaltung nur noch eingeschränkt möglich, liegt in der Regel eine hohe Belastungsintensität vor [LL1, LL2].
  • Subjektives Belastungsempfinden: Auf der Borg-Skala von 6-20 kann ein Belastungsempfinden von 13-14 als Orientierung für eine moderate Intensität dienen [LL5].
  • Herzfrequenz: Eine allgemeingültige maximale Herzfrequenzgrenze besteht nicht. Die Herzfrequenzreaktion wird unter anderem durch Alter, Trainingszustand, Schwangerschaftswoche, Umgebungstemperatur und Bewegungsform beeinflusst [10, LL5].

Der Sprechtest und das subjektive Belastungsempfinden sind für die praktische Trainingssteuerung in der Regel geeigneter als eine starre Herzfrequenzgrenze. Das Training soll kontrolliert und nicht erschöpfend sein.

Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft regelmäßig und in höherem Umfang sportlich aktiv waren, können ihre gewohnte Aktivität bei unkompliziertem Schwangerschaftsverlauf grundsätzlich fortsetzen. Nach den aktuellen deutschen Handlungsempfehlungen sollte die sportliche Aktivität auch bei diesen Frauen im moderaten Bereich liegen [LL1]. Bei Leistungssport oder regelmäßigem Training deutlich oberhalb der allgemeinen Empfehlungen ist eine individuelle ärztliche Beratung erforderlich [LL1, LL4-LL6].

Praktischer Trainingsaufbau für zuvor inaktive Frauen

Auch zuvor inaktive Frauen sollen bei unkomplizierter Schwangerschaft zu körperlicher Aktivität ermutigt werden. Der Einstieg soll langsam und individuell verträglich erfolgen [LL1-LL6].

  • Beginn: Mit kurzen Einheiten leichter bis moderater Intensität beginnen.
  • Progression: Zunächst die Häufigkeit und Dauer erhöhen; erst danach die Intensität vorsichtig steigern.
  • Verteilung: Mehrere kurze Bewegungseinheiten können über den Tag und die Woche verteilt werden.
  • Ziel: Schrittweise Annäherung an mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche.
  • Anpassung: Die Steigerung richtet sich nach Beschwerden, Erholung, Schwangerschaftsverlauf und individuellem Trainingszustand.

Ein starres Progressionsschema ist nicht evidenzbasiert. Bereits ein geringer zusätzlicher Bewegungsumfang kann gesundheitlich vorteilhaft sein [LL1-LL3].

Geeignete Sportarten

Sportart bzw. Aktivität Beurteilung Hinweise
Zügiges Gehen und Nordic Walking Geeignet Gut dosierbar; Geschwindigkeit, Strecke und Steigung individuell anpassen [LL1, LL5].
Schwimmen und Aquafitness Geeignet Geringe Stoß- und Gelenkbelastung [LL1, LL2, LL5]
Fahrradergometer Geeignet Geringes Sturzrisiko; Sitzposition an den zunehmenden Bauchumfang anpassen [LL4, LL5].
Radfahren Bedingt geeignet Bei zunehmender Beeinträchtigung des Gleichgewichts, unsicherem Verkehrsumfeld oder erhöhtem Sturzrisiko auf das Fahrradergometer wechseln [LL1, LL5].
Laufen und Joggen Bei entsprechender Vorerfahrung häufig fortsetzbar Umfang, Geschwindigkeit und Stoßbelastung an den Schwangerschaftsverlauf anpassen; bei Schmerzen, Harnverlust oder Beckenbodenbeschwerden die Belastung reduzieren [LL4, LL5].
Krafttraining Geeignet Kontrollierte Bewegungsausführung, stabile Ausgangspositionen und individuell angepasste Widerstände [8, LL1-LL6]
Schwangerschaftsyoga und angepasstes Pilates Geeignet Keine forcierte Beweglichkeit, keine überhitzten Räume und keine länger anhaltenden Positionen mit Kreislaufbeschwerden [LL1, LL2, LL5].
Aerobic mit geringer Stoßbelastung und angepasstes Tanzen Geeignet Sprünge, schnelle Richtungswechsel und komplexe Gleichgewichtsanforderungen bei Bedarf reduzieren [LL1, LL2].
Skilanglauf Bei entsprechender Vorerfahrung bedingt geeignet Nur bei sicheren Bedingungen, beherrschter Technik und geringem Sturzrisiko [LL1]
Wandern Geeignet Sichere Wege, Witterung, Höhe, Flüssigkeitsversorgung und Erreichbarkeit medizinischer Hilfe berücksichtigen [LL4, LL5].
Mannschaftssportarten, Kontaktsportarten und Kampfsportarten Nicht empfohlen Erhöhtes Risiko für Kollisionen, Stürze und direkte abdominale Traumata (Verletzungen des Bauchraums) [LL1, LL4-LL6]
Sportarten mit hohem Sturzrisiko Nicht empfohlen Beispielsweise alpiner Skisport, Gerätturnen, schwieriges Mountainbiking, Reiten oder Klettern mit relevantem Absturzrisiko [LL1, LL5, LL6]
Gerätetauchen Kontraindiziert Risiko fetaler Dekompressionsschäden (druckbedingte Schäden beim ungeborenen Kind) [LL1, LL5]
Training bei großer Hitze oder Hot Yoga Nicht empfohlen Risiko von Hyperthermie (Überwärmung) und Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) [LL1, LL5]

Krafttraining in der Schwangerschaft

Krafttraining ist Bestandteil der leitliniengerechten Bewegungsempfehlungen. Die verfügbare Evidenz spricht dafür, dass angemessen dosiertes Krafttraining bei überwiegend gesunden Frauen mit unkomplizierter Schwangerschaft sicher durchgeführt werden kann. Die untersuchten Interventionen waren jedoch heterogen und häufig Bestandteil kombinierter Trainingsprogramme. Aus der Datenlage können daher keine allgemeingültigen Grenzwerte für Trainingsgewicht, Wiederholungszahl, Satzzahl oder Progression abgeleitet werden [8].

Trainingsprinzipien:

  • Muskelgruppen: Die großen Muskelgruppen von Beinen, Hüfte, Rumpf, Rücken, Schultergürtel und Armen berücksichtigen.
  • Widerstand: An Trainingszustand, technische Fähigkeiten und Schwangerschaftsverlauf anpassen.
  • Ausführung: Bewegungen kontrolliert, technisch sauber und aus einer sicheren Ausgangsposition durchführen.
  • Atmung: Gleichmäßig weiteratmen; lang anhaltendes Luftanhalten und ausgeprägte Pressatmung (Pressen bei angehaltenem Atem) vermeiden.
  • Stabilität: Mit fortschreitender Schwangerschaft stabile Übungspositionen bevorzugen.
  • Belastungsgrenze: Keine unvorbereiteten Maximalkraftversuche und kein Training bis zur vollständigen muskulären Ausbelastung.
  • Beschwerden: Bei Schmerzen, Druck- oder Schweregefühl im Becken, Harnverlust oder vaginalem Vorwölbungsgefühl die Belastung reduzieren und die Übungsausführung überprüfen.

Sehr hohe Lasten, Maximalkrafttraining und regelmäßiges schweres Heben erfordern eine individuelle sportmedizinische und geburtshilfliche Beurteilung [8, LL1].

Beckenbodentraining

Ein fachgerecht ausgeführtes Beckenbodentraining während der Schwangerschaft vermindert bei zuvor kontinenten Frauen wahrscheinlich das Risiko einer Harninkontinenz in der späten Schwangerschaft und im frühen postpartalen Zeitraum [7, 11]. Es kann außerdem das Risiko dritt- oder viertgradiger Dammverletzungen reduzieren. Eine signifikante Verminderung der Episiotomierate ist dagegen nicht nachgewiesen [7].

Trainingsprinzipien:

  • Wahrnehmung: Die gezielte Anspannung des Beckenbodens ohne dominierende Mitaktivierung der Gesäß- oder Adduktorenmuskulatur (Muskulatur an der Innenseite der Oberschenkel) erlernen.
  • Atmung: Die Kontraktion mit einer gleichmäßigen Atmung koordinieren und eine Pressatmung vermeiden.
  • Entspannung: Nach jeder Kontraktion eine vollständige Entspannung des Beckenbodens ermöglichen.
  • Variation: Längere submaximale Kontraktionen (Anspannungen unterhalb der maximalen Kraft) und kurze, schnelle Kontraktionen kombinieren.
  • Alltagsübertragung: Den Beckenboden vor Husten, Niesen, Heben oder vergleichbaren Druckbelastungen gezielt aktivieren.
  • Regelmäßigkeit: Das Beckenbodentraining regelmäßig in das Bewegungsprogramm integrieren.

Bei Beckenbodenbeschwerden oder Unsicherheit hinsichtlich der korrekten Anspannung und Entspannung ist eine beckenbodenspezifische physiotherapeutische Anleitung sinnvoll.

Physiologische und biomechanische Anpassungen (Anpassungen von Körperfunktionen und Bewegungsabläufen)

Bereich Schwangerschaftsbedingte Anpassung Konsequenz für das Training
Kardiovaskuläres System (System von Herz und Kreislauf) Zunahme von Blutvolumen, Ruheherzfrequenz, Schlagvolumen (pro Herzschlag ausgeworfene Blutmenge) und Herzzeitvolumen (pro Minute vom Herzen gepumpte Blutmenge) Belastung bevorzugt über den Sprechtest und das subjektive Belastungsempfinden steuern; keine starre maximale Herzfrequenz vorgeben [10, LL5].
Atmung Zunahme von Atemminutenvolumen (pro Minute ein- und ausgeatmete Luftmenge) und Sauerstoffbedarf Eine verstärkte Atemwahrnehmung unter Belastung kann physiologisch sein; Atemnot vor Belastungsbeginn oder in Ruhe ist dagegen ein Warnzeichen [10, LL5].
Bewegungsapparat Veränderte Gelenkstabilität und zunehmende Belastung der Rumpf- und Beckenbodenmuskulatur Kontrollierte Bewegungsausführung, stabile Ausgangspositionen und Verzicht auf forciertes Dehnen [10, LL5]
Gleichgewicht Verlagerung des Körperschwerpunkts und Veränderung der posturalen Kontrolle (Haltungskontrolle) Sturzgefährdende Sportarten und instabile Übungsvarianten reduzieren oder ersetzen [10, LL5].
Venöser Rückstrom (Rückfluss des Blutes zum Herzen) Mögliche Kompression der Vena cava inferior (untere Hohlvene) durch den graviden Uterus (schwangere Gebärmutter) in Rückenlage Sportliche Aktivitäten in Rückenlage im zweiten und dritten Schwangerschaftstrimester vermeiden [LL1].
Thermoregulation (Regulation der Körpertemperatur) Erhöhte metabolische Wärmeproduktion (Wärmebildung durch den Stoffwechsel) während körperlicher Belastung Training bei großer Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit vermeiden und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sicherstellen [LL1, LL5].

Training in Rückenlage

Nach den aktuellen deutschen Handlungsempfehlungen sollen sportliche Aktivitäten in Rückenlage im zweiten und dritten Schwangerschaftstrimester vermieden werden [LL1]. Hintergrund ist die mögliche Kompression der Vena cava inferior durch den graviden Uterus mit Verminderung des venösen Rückstroms und möglichen Kreislaufbeschwerden.

Treten in einer liegenden Position Schwindel, Übelkeit, Blässe, Unwohlsein oder ein Schwächegefühl auf, ist die Position sofort zu verändern. Geeignete Alternativen sind Seitenlage, eine seitliche Unterpolsterung oder eine Oberkörperhochlagerung.

Flüssigkeitszufuhr, Wärme und Energieversorgung

  • Flüssigkeitszufuhr: Vor, während und nach dem Training bedarfsgerecht trinken; längere Belastungen und eine warme Umgebung erhöhen den Flüssigkeitsbedarf [LL1, LL5].
  • Hitze: Körperliche Aktivität bei großer Hitze und insbesondere bei hoher Luftfeuchtigkeit vermeiden oder in die kühleren Tageszeiten verlegen [LL1].
  • Trainingsumgebung: Überhitzte Räume, Hot Yoga und vergleichbare Trainingsformen vermeiden [LL1, LL5].
  • Bekleidung: Atmungsaktive, nicht einengende Kleidung und für die Aktivität geeignete Schuhe verwenden [LL5].
  • Energieversorgung: Die Energiezufuhr muss dem Schwangerschaftsverlauf, der Gewichtsentwicklung und dem Trainingsumfang entsprechen. Eine chronisch unzureichende Energieverfügbarkeit ist zu vermeiden [LL5].
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit): Bei insulinpflichtigem Diabetes mellitus Trainingszeitpunkt, Insulintherapie, Kohlenhydratzufuhr und Glucosekontrolle individuell abstimmen.

Training in der Höhe

Gesunde Schwangere können bei unkompliziertem Schwangerschaftsverlauf in Höhen von etwa 1.800-2.500 Metern körperlich aktiv sein, insbesondere wenn sie an diese Höhen gewöhnt sind [LL1]. Belastungsintensität, Aufenthaltsdauer, individuelle Beschwerden und die Erreichbarkeit medizinischer Versorgung sind zu berücksichtigen.

Medizinische und geburtshilfliche Beurteilung

Bei einer gesunden Frau mit unkomplizierter Schwangerschaft ist vor Beginn moderater körperlicher Aktivität in der Regel keine gesonderte sportmedizinische Freigabe erforderlich. Medizinische und geburtshilfliche Risikofaktoren sollen jedoch im Rahmen der regulären Schwangerschaftsbetreuung berücksichtigt werden [LL4-LL6].

Eine individuelle ärztliche Beurteilung ist insbesondere erforderlich bei:

  • Medizinischen oder geburtshilflichen Begleiterkrankungen
  • Schwangerschaftskomplikationen
  • Regelmäßigem Training deutlich oberhalb der allgemeinen Empfehlungen
  • Leistungssportlicher Aktivität
  • Geplantem hochintensivem oder sehr lang dauerndem Training

Kontraindikationen und ärztlich abklärungsbedürftige Konstellationen

Die Klassifikation einzelner Befunde als absolute oder relative Kontraindikation unterscheidet sich zwischen den internationalen Leitlinien. Bei den folgenden Konstellationen soll körperliches Training nicht begonnen bzw. unterbrochen werden, bis eine individuelle geburtshilfliche oder fachärztliche Beurteilung erfolgt ist [LL1, LL4-LL6]:

  • Präeklampsie
  • Cervixinsuffizienz (Schwäche des Gebärmutterhalses)
  • Vorzeitige Wehentätigkeit oder drohende Frühgeburt
  • Vorzeitiger Blasensprung
  • Anhaltende vaginale Blutung im zweiten oder dritten Schwangerschaftstrimester
  • Placenta praevia (vor dem Muttermund liegender Mutterkuchen)
  • Fetale Wachstumsrestriktion (unzureichendes Wachstum des ungeborenen Kindes) bzw. relevante Plazentainsuffizienz (unzureichende Funktion des Mutterkuchens)
  • Mehrlingsschwangerschaft mit Drillingen oder höhergradiger Mehrlingszahl
  • Schlecht eingestellter Typ-1-Diabetes mellitus
  • Schlecht eingestellte arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Schlecht eingestellte relevante Schilddrüsenerkrankung
  • Schwere kardiovaskuläre, respiratorische (die Atmung betreffende) oder andere systemische Erkrankung (den gesamten Körper betreffende Erkrankung)

Eine individuelle Abwägung von Nutzen und Risiko ist unter anderem erforderlich bei [LL4, LL6]:

  • Anamnestisch (aus der Vorgeschichte bekannt) wiederholten Fehlgeburten
  • Früherer spontaner Frühgeburt
  • Zwillingsschwangerschaft mit erhöhtem Frühgeburtsrisiko
  • Symptomatischer oder ausgeprägter Anämie (Blutarmut)
  • Leichten bis mittelschweren kardiovaskulären oder respiratorischen Erkrankungen
  • Schlecht eingestellter Epilepsie (Anfallsleiden)
  • Aktiver Essstörung, Mangelernährung oder ausgeprägtem Untergewicht
  • Relevanten orthopädischen, neurologischen oder Beckenbodenbeschwerden (Beschwerden des Bewegungsapparats, des Nervensystems oder des Beckenbodens)
  • Anderen relevanten medizinischen oder geburtshilflichen Erkrankungen

Adipositas (starkes Übergewicht), körperliche Inaktivität oder ein gut eingestellter Gestationsdiabetes sind für sich genommen keine Kontraindikationen. Gerade bei diesen Konstellationen kann ein individuell angepasstes Bewegungsprogramm gesundheitlich vorteilhaft sein [LL1].

Red Flags (Warnzeichen) beim Sport in der Schwangerschaft

Das Training ist sofort zu beenden und ärztlich bzw. geburtshilflich abzuklären bei [LL1, LL5, LL6]:

  • Vaginaler Blutung
  • Fruchtwasserabgang oder anhaltendem Flüssigkeitsverlust aus der Vagina
  • Regelmäßigen schmerzhaften Uteruskontraktionen (Zusammenziehungen der Gebärmutter)
  • Starken oder anhaltenden abdominalen Schmerzen
  • Atemnot vor Belastungsbeginn oder in Ruhe
  • Schmerzen im Brustkorb
  • Anhaltendem Schwindel, Präsynkope (drohende Ohnmacht) oder Synkope (Ohnmacht)
  • Neu aufgetretenen starken Kopfschmerzen
  • Ausgeprägter Muskelschwäche mit Beeinträchtigung des Gleichgewichts
  • Einseitigen Wadenschmerzen oder einer einseitigen Beinschwellung

Besonderheiten bei sporterfahrenen und leistungssportlich aktiven Schwangeren

Bereits vor der Schwangerschaft sportlich aktive Frauen können ihr Training bei unkompliziertem Verlauf grundsätzlich fortsetzen. Mit zunehmender Schwangerschaft müssen Trainingsumfang, Trainingsintensität, Übungsauswahl und Regenerationszeiten angepasst werden [LL1, LL4-LL6].

  • Trainingskontinuität: Vertraute Sportarten und technisch sicher beherrschte Bewegungsabläufe bevorzugen.
  • Intensität: Nach den deutschen Handlungsempfehlungen im moderaten Bereich trainieren [LL1].
  • Belastungssteuerung: Beschwerden, Erholung, Schlaf, subjektives Belastungsempfinden und Schwangerschaftsverlauf berücksichtigen.
  • Regeneration: Bei Bedarf die Trainingsdichte reduzieren und die Erholungszeiten verlängern.
  • Energieverfügbarkeit: Eine ausreichende Energie- und Flüssigkeitszufuhr sowie eine angemessene Gewichtsentwicklung sicherstellen.
  • Leistungssport: Regelmäßiges Training deutlich oberhalb der allgemeinen Empfehlungen individuell geburtshilflich und sportmedizinisch begleiten.

Für extreme Trainingsintensitäten, Maximalkrafttraining und sehr hohe Trainingsvolumina fehlen verlässliche obere Sicherheitsgrenzen. Aus der belegten Sicherheit moderater körperlicher Aktivität darf daher nicht auf eine uneingeschränkte Sicherheit sportlicher Höchstbelastungen geschlossen werden [8, LL1, LL5].

Fazit

Sport und körperliche Aktivität sind bei einer unkomplizierten Schwangerschaft sicher und stellen einen wesentlichen Bestandteil der Gesundheitsförderung und Prävention dar. Empfohlen werden mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche, verteilt auf mehrere Tage und kombiniert aus Ausdauertraining, Krafttraining und Beckenbodentraining.

Ein sicheres Trainingsprogramm orientiert sich am individuellen Trainingszustand, am Schwangerschaftsverlauf und am subjektiven Belastungsempfinden. Starre Herzfrequenzgrenzen und pauschale Krafttrainingsschemata sind nicht evidenzbasiert. Die Beachtung von Kontraindikationen und Warnzeichen sowie eine angepasste Übungsauswahl, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Vermeidung von Überhitzung ermöglichen ein evidenzbasiertes Training während der Schwangerschaft.

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