Mikronährstoffversorung im Leistungssport

Mikronährstoffe umfassen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Sie sind unter anderem für den Energiestoffwechsel, die Hämatopoese (Blutbildung), den Sauerstofftransport, die neuromuskuläre Funktion (Zusammenspiel von Nerven und Muskeln), die Knochenhomöostase (Aufrechterhaltung eines ausgeglichenen Knochenstoffwechsels), die Immunfunktion, die antioxidative Regulation (Schutz vor schädlichen Oxidationsprozessen) sowie für Gewebeumbau und Regeneration erforderlich. Eine unzureichende Versorgung kann deshalb Gesundheit, Belastbarkeit, Trainingskontinuität und sportliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen [1–3, LL1].

Leistungssport führt jedoch nicht regelhaft zu einem pauschalen Mehrbedarf an sämtlichen Mikronährstoffen. Durch Training können Umsatz, Ausscheidung oder funktioneller Bedarf einzelner Mikronährstoffe erhöht sein. Bei einer energiebedarfsdeckenden, abwechslungsreichen und nährstoffdichten Ernährung wird dieser erhöhte Umsatz in der Regel durch die größere Nahrungsmenge kompensiert. Ein erhöhtes Defizitrisiko entsteht vor allem, wenn hohe Trainingsbelastungen mit niedriger Energieverfügbarkeit, restriktiver Lebensmittelauswahl, erhöhten Verlusten, eingeschränkter Resorption (Aufnahme von Nährstoffen aus dem Darm) oder einem bereits bestehenden Mangel zusammentreffen [1, 2, LL1, LL4].

Eine über den Bedarf hinausgehende Zufuhr verbessert die Leistungsfähigkeit eines ausreichend versorgten Sportlers im Allgemeinen nicht. Eine Supplementierung (ergänzende Einnahme von Nährstoffen) ist deshalb primär zur Korrektur eines nachgewiesenen Mangels oder einer klar definierten Versorgungslücke indiziert und nicht zur unspezifischen Leistungssteigerung [1–3, LL1–LL3].

Aminosäuren wie Arginin, Glutamat, Leucin, Isoleucin und Valin sind keine Mikronährstoffe. Ihre Bedeutung für Proteinzufuhr, Muskelproteinsynthese (Aufbau von Muskeleiweiß) und Regeneration ist daher im eigenständigen Themenbereich „Aminosäuren im Leistungssport“ zu behandeln.

Erhöhter Umsatz, erhöhter Bedarf und erhöhtes Mangelrisiko

Zwischen einem trainingsbedingt erhöhten Stoffumsatz, einem erhöhten physiologischen Bedarf (vom Körper benötigte Menge), einer unzureichenden Zufuhr und einem manifesten Mikronährstoffmangel (nachweisbarer Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen oder Spurenelementen) muss differenziert werden. Ein erhöhter Umsatz bedeutet nicht zwangsläufig, dass die allgemeinen Referenzwerte durch einen festen sportartspezifischen Zuschlag erhöht werden müssen. Einheitliche quantitative Zuschläge sind aufgrund erheblicher Unterschiede zwischen Sportarten, Trainingsphasen, Energieumsatz, Körperzusammensetzung, Ernährungsformen, Schweißraten und Umweltbedingungen nicht evidenzbasiert ableitbar [1, 2, LL1].

Der zentrale Risikofaktor ist häufig nicht die sportliche Aktivität an sich, sondern eine im Verhältnis zum Energieverbrauch unzureichende Energie- und Nährstoffzufuhr. Eine niedrige Energieverfügbarkeit kann Bestandteil des relativen Energiemangels im Sport (anhaltendes Missverhältnis zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch im Sport) sein und unter anderem Knochenstoffwechsel, endokrine Funktion (Funktion des Hormonsystems), Hämatopoese, Immunfunktion, Regeneration und Leistungsentwicklung beeinträchtigen [2, LL4].

Risikokonstellation Sportmedizinische Bedeutung Vorrangig zu berücksichtigende Mikronährstoffe
Restriktive, hypokalorische (kalorienreduzierte) oder stark gewichtskontrollierte Ernährung Reduzierte Gesamtzufuhr trotz hohen Energie- und Nährstoffumsatzes; Risiko einer niedrigen Energieverfügbarkeit Eisen, Calcium, Vitamin D, B‑Vitamine, Zink, Magnesium
Hohe Ausdauertrainingsumfänge Erhöhte Anforderungen an Erythropoese (Bildung roter Blutkörperchen) und oxidativen Energiestoffwechsel (Energiegewinnung unter Sauerstoffverbrauch); gastrointestinale (Magen und Darm betreffende), renale (die Nieren betreffende) und mechanisch bedingte Eisenverluste möglich Eisen, Vitamin D, Calcium; bei langen Belastungen Natrium
Menstruation Menstruationsbedingte Eisenverluste; bei gleichzeitig hoher Trainingsbelastung erhöhtes Risiko für Eisenmangel Eisen; bei entsprechender Ernährungssituation zusätzlich Folat und Vitamin B12
Höhentraining Stimulierte Erythropoese und erhöhter Eisenbedarf für die Hämoglobinsynthese (Bildung des roten Blutfarbstoffs) Eisen
Hallensport, Wintertraining, geringe Sonnenexposition oder dunkle Hautpigmentierung Verminderte kutane Vitamin-D-Synthese (Bildung von Vitamin D in der Haut) Vitamin D; bei Knochenrisiko zusätzlich Calcium
Vegane Ernährung Fehlende zuverlässige natürliche Vitamin B12-Quellen und potenziell geringere Zufuhr oder Bioverfügbarkeit (für den Körper nutzbarer Anteil) weiterer Nährstoffe Vitamin B12, Eisen, Calcium, Vitamin D, Zink, Iod, gegebenenfalls Selen
Lang andauernde Belastung bei Hitze oder hoher individueller Schweißrate Hohe Flüssigkeits- und Natriumverluste mit erheblicher interindividueller Variabilität Natrium; weitere Elektrolyte (Mineralstoffe für Flüssigkeitshaushalt und Nervenfunktion) nur bei begründeter Indikation
Wiederkehrende Knochenstressverletzungen (belastungsbedingte Schäden des Knochens) Möglicher Hinweis auf niedrige Energieverfügbarkeit, beeinträchtigte Knochenmineralisation (Einlagerung von Mineralstoffen in den Knochen) oder endokrine Störungen (Störungen des Hormonsystems) Vitamin D und Calcium; zusätzlich Prüfung des Eisenstatus und der Energieverfügbarkeit
Malabsorption (unzureichende Nährstoffaufnahme im Darm), chronische gastrointestinale Erkrankung oder Zustand nach gastrointestinaler Operation Eingeschränkte Aufnahme und erhöhte Wahrscheinlichkeit kombinierter Defizite Diagnoseabhängig unter anderem Eisen, Vitamin B12, Folat, Vitamin D, Calcium, Magnesium und Zink

Die Risikokonstellationen sind nicht als Indikation für eine automatische Supplementierung zu verstehen. Sie begründen vielmehr eine strukturierte Ernährungsanamnese und gegebenenfalls eine gezielte laborchemische Diagnostik [1, 2, 10, LL1, LL4].

Sportmedizinische Beurteilung

Eine Mikronährstoffdiagnostik (Untersuchung der Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen) sollte indikations- und risikoorientiert erfolgen. Umfangreiche Screeningprofile ohne klinische Fragestellung können Zufallsbefunde erzeugen und führen nicht zwangsläufig zu einer validen Beurteilung des funktionellen Versorgungsstatus. Gleichzeitig bilden einzelne Serumkonzentrationen (Konzentrationen im Blutserum) die Gesamtkörperreserven zahlreicher Mikronährstoffe nur eingeschränkt ab [1, 2].

Ernährungsanamnese: Zu erfassen sind Energiezufuhr, Mahlzeitenstruktur, Lebensmittelauswahl, eliminierte Lebensmittelgruppen, vegetarische oder vegane Ernährung, Gewichtsmanagement, Wettkampfverpflegung, Alkoholaufnahme sowie sämtliche Nahrungsergänzungsmittel.

Trainingsanamnese: Relevant sind Sportart, Trainingsumfang, Intensität, Periodisierung, Mehrfachbelastungen, Höhentraining, Hitzeexposition, Schweißrate, Regenerationszeiten und aktuelle Leistungsentwicklung.

Klinische Hinweise: Ungeklärter Leistungsabfall, ungewöhnliche Ermüdbarkeit, Belastungsdyspnoe (Atemnot bei körperlicher Belastung), verzögerte Regeneration, Infektanfälligkeit, Muskelbeschwerden, Parästhesien (Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheit), Menstruationsstörungen (Störungen der Monatsblutung), wiederkehrende Knochenstressverletzungen und restriktives Essverhalten rechtfertigen eine gezielte Abklärung.

Laboranalytik: Die Auswahl der Laborparameter richtet sich nach Anamnese, Ernährungsform, klinischem Befund und vermutetem Defizit. Akute Infektionen, entzündliche Reaktionen, Hydratationsstatus und der zeitliche Abstand zu intensiver körperlicher Belastung müssen bei der Interpretation berücksichtigt werden. Insbesondere Ferritin und verschiedene Spurenelementkonzentrationen können durch Entzündung, Belastung und Plasmavolumenveränderungen (Veränderungen des flüssigen Blutanteils) beeinflusst werden [1, 2, 4, 5].

Besonders relevante Mikronährstoffe

Mikronährstoff Physiologische Bedeutung Risikokonstellationen und Diagnostik Evidenzbasierte Konsequenz
Eisen Hämoglobinsynthese, Myoglobinfunktion (Funktion des Sauerstoffspeicherproteins im Muskel), mitochondrialer Elektronentransport (Energieübertragung in den Kraftwerken der Zellen), Sauerstofftransport und oxidative Energiegewinnung Ausdauertraining, Menstruation, Jugendalter, Höhentraining, niedrige Energieverfügbarkeit, pflanzenbetonte Ernährung und gastrointestinale Verluste. Beurteilung mindestens anhand von Blutbild, Ferritin, Transferrinsättigung und C‑reaktivem Protein (CRP) Ernährungstherapie und Supplementierung nur bei gesicherter oder hochwahrscheinlicher Unterversorgung; keine prophylaktische Eiseneinnahme bei unauffälligem Eisenstatus [4, 5]
Vitamin D Calcium- und Phosphatstoffwechsel (Regulation von Phosphat im Körper), Knochenmineralisation, neuromuskuläre Funktion und Immunregulation Geringe Sonnenexposition, Hallensport, Winterhalbjahr, dunkle Hautpigmentierung, niedrige Energieverfügbarkeit und Knochenstressverletzungen. Statusparameter ist 25-Hydroxyvitamin D Eine Unterversorgung sollte leitliniengerecht korrigiert werden. Bei ausreichendem Ausgangsstatus ist keine konsistente Verbesserung der Gesamtmuskelkraft oder sportlichen Leistungsfähigkeit belegt [3, 6, 11]
Calcium Knochenmineralisation, Muskelkontraktion, neuromuskuläre Erregbarkeit und intrazelluläre Signalübertragung (Signalweiterleitung innerhalb der Zellen) Milchproduktfreie oder vegane Ernährung, niedrige Energieverfügbarkeit, Menstruationsstörungen und Knochenstressverletzungen. Serumcalcium erlaubt keine zuverlässige Beurteilung der alimentären Calciumversorgung Bedarf primär über calciumreiche Lebensmittel oder angereicherte Produkte decken; Supplementierung nur bei unzureichender Zufuhr oder medizinischer Indikation [1–3, LL1, LL4]
Natrium Extrazellulärer Volumenhaushalt (Regulation der Flüssigkeitsmenge außerhalb der Zellen), neuromuskuläre Erregungsleitung und Flüssigkeitsretention Langzeitbelastungen, Hitze, hohe Schweißrate und hohe Natriumkonzentration im Schweiß Belastungsbezogene Zufuhr anhand von Belastungsdauer, Schweißrate, Umweltbedingungen und Flüssigkeitszufuhr individualisieren; keine pauschale tägliche Hochdosiszufuhr [1, LL1]
Magnesium Cofaktor (Hilfsstoff eines Enzyms) zahlreicher Enzyme, adenosintriphosphatabhängige Reaktionen (Vorgänge, die den zellulären Energieträger Adenosintriphosphat benötigen), Proteinsynthese und neuromuskuläre Funktion Restriktive Ernährung, gastrointestinale Verluste, Malabsorption und bestimmte Arzneimittel Keine konsistente ergogene Wirkung (leistungssteigernde Wirkung) einer Supplementierung bei ausreichendem Status; gezielte Substitution bei nachgewiesener Unterversorgung oder medizinischer Indikation [7]
Kalium Membranpotenzial, neuromuskuläre Funktion und intrazellulärer Flüssigkeitshaushalt Unzureichende Energie- und Gemüsezufuhr, gastrointestinale Verluste oder medikamentöse Einflüsse Bei ausgewogener Ernährung in der Regel ausreichende Zufuhr; isolierte Supplementierung ohne Indikation nicht erforderlich [1, LL1]
Thiamin, Riboflavin, Niacin, Pantothensäure und Vitamin B6 Coenzyme (Hilfsmoleküle von Enzymen) des Kohlenhydrat-, Fett- und Aminosäurenstoffwechsels sowie der mitochondrialen Energiegewinnung Niedrige Energiezufuhr, einseitige Ernährung, Alkoholmissbrauch und Malabsorption Ein erhöhter Energieumsatz wird bei ausreichender Gesamtenergiezufuhr meist durch die höhere Nahrungsaufnahme kompensiert. Eine hoch dosierte Zufuhr verbessert bei ausreichendem Status die Leistungsfähigkeit nicht [1–3, 11]
Vitamin B12 und Folat Desoxyribonukleinsäuresynthese (Bildung der Erbsubstanz DNA), Zellteilung, Hämatopoese und neurologische Funktion Vegane Ernährung, Malabsorption, gastrointestinale Operationen und bestimmte Arzneimittel. Bei Verdacht gezielte Bestimmung von Vitamin B12 beziehungsweise Holotranscobalamin, Methylmalonsäure und Folat Bei veganer Ernährung muss eine zuverlässige Vitamin B12 Zufuhr durch Supplementierung oder ausreichend angereicherte Lebensmittel gewährleistet werden. Nachgewiesene Defizite sind gezielt zu behandeln [2, 10, 11]
Vitamin C und Vitamin E Antioxidative Regulation; Vitamin C zusätzlich für Kollagensynthese (Bildung von Kollagen im Bindegewebe) und Förderung der Nicht Häm Eisenresorption (Aufnahme von pflanzlichem Eisen) Sehr einseitige sowie obst- und gemüsearme Ernährung Nahrungsbasierte Zufuhr bevorzugen. Eine routinemäßige hochdosierte Supplementierung ist nicht zur Leistungssteigerung indiziert und kann einzelne trainingsinduzierte Signalprozesse beeinflussen [3, 8, 11]
Zink Enzymfunktion, Proteinsynthese, Immunfunktion, Wundheilung und antioxidative Schutzsysteme Pflanzliche Ernährung mit hoher Phytatzufuhr, restriktive Ernährung, Malabsorption und möglicherweise hohe Schweißverluste. Serumzink wird durch Tageszeit, Nahrungsaufnahme, Plasmavolumen und Entzündung beeinflusst Keine belegte ergogene Wirkung bei ausreichendem Status. Eine längerfristige hochdosierte Zufuhr ist wegen des Risikos einer Kupferverarmung (Kupfermangel) zu vermeiden [7, 9]
Iod Synthese der Schilddrüsenhormone und Regulation des Energie und Grundstoffwechsels Verzicht auf iodiertes Speisesalz, Milchprodukte und Meeresfisch; vegane Ernährung Zufuhr über geeignete Lebensmittel und iodiertes Speisesalz sichern; Supplementierung nur nach individueller Beurteilung [1, 10]
Selen Selenoproteine (selenhaltige Eiweiße), antioxidative Enzyme und Schilddrüsenhormonstoffwechsel (Bildung und Umwandlung von Schilddrüsenhormonen) Einseitige Ernährung und dauerhaft geringe Zufuhr aus selenarmen Lebensmitteln Keine nachgewiesene Leistungssteigerung durch zusätzliche Zufuhr bei ausreichendem Status; Überdosierung vermeiden [1, 7, 10]

Eisen

Eisenmangel ist einer der sportmedizinisch relevantesten Mikronährstoffmängel. Neben menstruationsbedingten Verlusten können eine geringe Energie- und Eisenzufuhr, eine niedrige Bioverfügbarkeit des Nahrungseisens, gastrointestinale Mikroblutungen (kleinste Blutverluste), Hämolyse (Zerfall roter Blutkörperchen) durch repetitive mechanische Belastung und eine belastungsinduzierte Erhöhung des Hepcidins (Regulationshormon des Eisenstoffwechsels) zur negativen Eisenbilanz beitragen [2, 4, 5].

Ein ausgeprägter Eisenmangel mit Anämie (Blutarmut) reduziert die Sauerstofftransportkapazität und beeinträchtigt die Ausdauerleistungsfähigkeit. Auch ein Eisenmangel ohne Anämie kann mit Ermüdbarkeit, eingeschränkter Trainingsqualität und beeinträchtigter oxidativer Stoffwechselfunktion verbunden sein. Die stärksten Effekte einer Eisensubstitution werden bei Sportlern mit niedrigen Ausgangsspeichern beobachtet. Bei normalem Eisenstatus ist kein konsistenter leistungssteigernder Effekt nachgewiesen [4, 5].

Ferritin darf nicht isoliert interpretiert werden, da Entzündung, Infektion und intensive Belastung die Konzentration erhöhen können. Die Beurteilung sollte mindestens Blutbild, Ferritin, Transferrinsättigung und C‑reaktives Protein berücksichtigen. Bei unklaren Konstellationen können weitere Parameter wie der lösliche Transferrinrezeptor einbezogen werden. Vor Höhentraining ist eine rechtzeitige Beurteilung des Eisenstatus besonders relevant.

Eine orale Eisensupplementierung sollte ärztlich indiziert, zeitlich begrenzt und durch Verlaufskontrollen begleitet werden. Dosierung, Einnahmezeitpunkt, Verträglichkeit und mögliche Interaktionen mit Calcium, Kaffee, Tee oder anderen Nahrungsbestandteilen sind zu berücksichtigen [2, 4, 5].

Vitamin D und Calcium

Vitamin D und Calcium sind zentrale Determinanten der Knochenmineralisation. Sportler mit niedriger Energieverfügbarkeit, geringer Calciumzufuhr, Menstruationsstörungen, eingeschränkter Sonnenexposition oder wiederkehrenden Knochenstressverletzungen weisen ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Versorgung beziehungsweise beeinträchtigte Knochengesundheit auf [1–3, LL1, LL4].

Eine Vitamin D Supplementierung erhöht zuverlässig die Konzentration von 25-Hydroxyvitamin D. Die aktuelle Metaanalyse randomisierter Studien bei Athleten zeigte jedoch keine statistisch signifikante Verbesserung der zusammengefassten Kraftparameter. Ein möglicher Nutzen ist vor allem bei unzureichendem Ausgangsstatus anzunehmen; ein darüber hinausgehender ergogener Effekt ist nicht gesichert [6].

Ein spezifisches, oberhalb allgemeinmedizinischer Referenzbereiche liegendes Vitamin-D-Ziel für sämtliche Leistungssportler ist nicht ausreichend belegt. Diagnostik und Behandlung sollten sich an der klinischen Situation, dem Ausgangsstatus, der Jahreszeit, der Sonnenexposition, dem Knochenstatus und individuellen Risikofaktoren orientieren. Ungezielte hohe Bolusgaben sind zu vermeiden.

Die Serum Calciumkonzentration ist wegen ihrer engen hormonellen Regulation nicht geeignet, die alimentäre Calciumversorgung zu beurteilen. Entscheidend sind Ernährungsanamnese, Energieverfügbarkeit, Vitamin-D-Status, endokrine Situation und bei entsprechender Indikation die Untersuchung der Knochenmineraldichte (Mineralgehalt und Stabilität des Knochens).

Magnesium, Kalium und Natrium

Magnesium wird häufig zur Prävention belastungsassoziierter Muskelkrämpfe und zur Verbesserung der Regeneration eingesetzt. Belastungsassoziierte Muskelkrämpfe sind jedoch multifaktoriell und nicht regelhaft Ausdruck eines Magnesiummangels. Neuromuskuläre Ermüdung, Belastungsintensität, Trainingszustand und vorausgegangene Krämpfe sind häufig bedeutsamer.

Eine zusätzliche Magnesiumzufuhr verbessert bei ausreichend versorgten, trainierten Sportlern Kraft oder Ausdauer nicht konsistent. Eine Supplementierung ist bei nachgewiesener Hypomagnesiämie (zu niedriger Magnesiumspiegel im Blut), unzureichender Zufuhr oder relevanten gastrointestinalen beziehungsweise medikamentösen Verlusten gerechtfertigt. Höhere orale Dosen können Diarrhö (Durchfall) und abdominale Beschwerden (Bauchbeschwerden) verursachen [7].

Kalium wird bei einer abwechslungsreichen, pflanzenreichen Ernährung üblicherweise ausreichend zugeführt. Natrium nimmt eine Sonderstellung ein, da bei lang andauernder Belastung, Hitze und hoher Schweißrate erhebliche akute Verluste auftreten können. Die erforderliche Natriumzufuhr muss individuell anhand von Belastungsdauer, Schweißrate, Schweißzusammensetzung, Umgebungstemperatur und Flüssigkeitsstrategie geplant werden.

B Vitamine

Thiamin, Riboflavin, Niacin, Pantothensäure und Vitamin B6 sind eng mit dem Energiestoffwechsel verbunden. Obwohl der Umsatz bei hoher körperlicher Belastung ansteigen kann, wird der Bedarf bei energiedeckender und nährstoffreicher Ernährung in der Regel durch die höhere Nahrungsaufnahme gedeckt. Eine zusätzliche Zufuhr über den Bedarf hinaus steigert die Adenosintriphosphatbildung oder sportliche Leistungsfähigkeit nicht [1–3, 11].

Vitamin B12 und Folat sind wegen ihrer Bedeutung für Hämatopoese, Zellteilung und neurologische Funktion besonders relevant. Bei veganer Ernährung muss die Vitamin-B12-Versorgung dauerhaft durch ein geeignetes Supplement oder ausreichend angereicherte Lebensmittel gewährleistet werden. Eine fachgerecht geplante vegane Ernährung ist grundsätzlich mit Leistungssport vereinbar, erfordert jedoch besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich Vitamin B12, Eisen, Calcium, Vitamin D, Zink und Iod [10].

Chronisch hohe Vitamin-B6-Dosierungen sind wegen des Risikos einer sensiblen Neuropathie (Nervenschädigung mit Gefühlsstörungen) zu vermeiden. Multivitaminpräparate mit mehrfacher Überschreitung der Referenzwerte sind daher nicht als grundsätzlich harmlose Basisversorgung anzusehen.

Antioxidative Vitamine

Intensive körperliche Belastung erhöht vorübergehend die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies (reaktiver Sauerstoffverbindungen). Diese sind nicht ausschließlich schädlich, sondern wirken zugleich als Signalmoleküle für mitochondriale Biogenese (Neubildung der Kraftwerke der Zellen), endogene antioxidative Systeme (körpereigene Schutzsysteme gegen Oxidationsschäden) und weitere Trainingsanpassungen.

Die verfügbare Evidenz rechtfertigt keine routinemäßige hochdosierte Einnahme von Vitamin C und Vitamin E zur Verbesserung von Leistungsfähigkeit oder Trainingsanpassung. Die Metaanalyse randomisierter Studien zeigte keine konsistenten Vorteile für wesentliche physiologische Anpassungen. Eine Beeinflussung einzelner trainingsinduzierter Redox- und Signalprozesse (zelluläre Oxidations- und Steuerungsvorgänge) kann bei hohen Dosierungen nicht ausgeschlossen werden [8].

Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Vollkornprodukte und pflanzliche Öle sind als Quellen antioxidativ wirksamer Mikronährstoffe und sekundärer Pflanzenstoffe zu bevorzugen.

Zink, Iod und Selen

Bei Sportlern wurden in einer Metaanalyse trotz höherer durchschnittlicher Zinkzufuhr niedrigere Serum Zinkkonzentrationen als bei Kontrollpersonen beobachtet. Aufgrund der überwiegend beobachtenden Daten und der begrenzten Aussagekraft der Serumkonzentration lässt sich daraus jedoch weder ein genereller Zinkmehrbedarf noch eine routinemäßige Supplementierung ableiten [9].

Eine langfristige, hochdosierte Zinkzufuhr kann die intestinale Kupferaufnahme (Kupferaufnahme im Darm) beeinträchtigen und eine Kupferverarmung mit hämatologischen (das Blut betreffenden) oder neurologischen Folgen verursachen.

Iod und Selen sind für den Schilddrüsenhormonstoffwechsel relevant. Ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Iodversorgung besteht insbesondere bei Verzicht auf iodiertes Speisesalz, Milchprodukte und Meeresfisch. Eine ungezielte hochdosierte Iod- oder Selenzufuhr ist wegen möglicher Schilddrüsenfunktionsstörungen (Funktionsstörungen der Schilddrüse) beziehungsweise Selenose (Vergiftung durch zu viel Selen) nicht indiziert.

Indikationen für eine Supplementierung

Eine Supplementierung kann gerechtfertigt sein bei:

  • Gesichertem Mangel: biochemisch und gegebenenfalls klinisch nachgewiesene Unterversorgung
  • Unzureichender Zufuhr: dokumentierte alimentäre Versorgungslücke, die nicht zeitnah zuverlässig über Lebensmittel geschlossen werden kann
  • Spezifischer Ernährungsform: insbesondere Vitamin B12 bei veganer Ernährung
  • Malabsorption oder erhöhten Verlusten: gastrointestinale Erkrankungen, Operationen oder andere medizinisch relevante Verlustsituationen
  • Definierter Trainings- oder Umweltbelastung: beispielsweise Eisenmanagement vor Höhentraining oder Natriumzufuhr bei lang andauernder Belastung mit hohen Schweißverlusten
  • Zeitlich begrenzte eingeschränkte Lebensmittelauswahl: beispielsweise bei Reisen, Wettkampfserien oder besonderen logistischen Bedingungen

Ein niedrig dosiertes Multivitamin- und Mineralstoffpräparat kann in eng begrenzten Situationen zur Absicherung einer vorübergehend eingeschränkten Lebensmittelauswahl erwogen werden. Es ersetzt weder eine ausreichende Energiezufuhr noch eine ausgewogene Ernährung und ist nicht als ergogenes Präparat einzustufen [2, LL2, LL3].

Risiken einer ungezielten Supplementierung

  • Überdosierung: Fettlösliche Vitamine und verschiedene Spurenelemente können bei langfristig hoher Zufuhr akkumulieren oder toxische Wirkungen (giftige Wirkungen) entfalten.
  • Nährstoffinteraktionen: Hohe Zinkmengen können die Kupferaufnahme beeinträchtigen; Calcium, Polyphenole und andere Nahrungsbestandteile können die Eisenresorption beeinflussen.
  • Maskierung von Erkrankungen: Eine empirische Supplementierung kann die diagnostische Abklärung von Ermüdbarkeit, Leistungsabfall, Anämie oder neurologischen Symptomen verzögern.
  • Beeinflussung von Trainingsanpassungen: Hochdosierte antioxidative Präparate können physiologische Redoxsignale verändern.
  • Gastrointestinale Nebenwirkungen: Eisen und Magnesium können dosisabhängig Übelkeit, abdominale Beschwerden, Obstipation (Verstopfung) beziehungsweise Diarrhö verursachen.
  • Dopingrisiko: Nahrungsergänzungsmittel können falsch deklariert oder mit verbotenen Substanzen kontaminiert sein.

Nahrungsergänzungsmittel unterliegen nicht derselben behördlichen Vorabprüfung wie Arzneimittel. Im Leistungssport sollten deshalb nur medizinisch oder ernährungsphysiologisch begründete Präparate mit transparenter Zusammensetzung und möglichst unabhängiger chargenbezogener Prüfung eingesetzt werden. Auch eine solche Prüfung kann das Kontaminationsrisiko reduzieren, aber nicht vollständig ausschließen [LL2, LL3].

Praktisches sportmedizinisches Vorgehen

  1. Belastungsprofil erfassen: Sportart, Trainingsumfang, Trainingsphase, Mehrfachbelastungen, Höhentraining, Hitzeexposition und Schweißverluste beurteilen.
  2. Energieverfügbarkeit prüfen: Energiezufuhr, Gewichtsverlauf, restriktives Essverhalten und mögliche Hinweise auf relativen Energiemangel im Sport erfassen.
  3. Ernährungsqualität bewerten: Lebensmittelauswahl, ausgeschlossene Lebensmittelgruppen, vegane oder vegetarische Ernährung und Nährstoffdichte analysieren.
  4. Risikokonstellationen identifizieren: Menstruation, Knochenstressverletzungen, Malabsorption, gastrointestinale Beschwerden und aktuelle Erkrankungen berücksichtigen.
  5. Diagnostik gezielt einsetzen: Laborparameter entsprechend der konkreten klinischen Fragestellung auswählen und belastungsbedingte Einflussfaktoren berücksichtigen.
  6. Lebensmittelbasierte Versorgung optimieren: Eine energiebedarfsdeckende, abwechslungsreiche und nährstoffdichte Ernährung bildet die Grundlage jeder Intervention.
  7. Defizite gezielt behandeln: Präparat, Dosis, Einnahmezeitpunkt und Therapiedauer an Ursache, Ausprägung und Therapieziel anpassen.
  8. Verlauf kontrollieren: Klinische Beschwerden, Ernährungsumsetzung, Laborwerte und sportliche Belastbarkeit reevaluieren.
  9. Supplemente dokumentieren: Produkt, Inhaltsstoffe, Dosierung, Einnahmezeitraum und Chargennummer festhalten.

Fazit

Leistungssport verursacht keinen pauschalen Mehrbedarf an sämtlichen Mikronährstoffen. Bei energiebedarfsdeckender und nährstoffdichter Ernährung ist die Versorgung im Allgemeinen gewährleistet. Ein erhöhtes Mangelrisiko entsteht vor allem durch niedrige Energieverfügbarkeit, restriktive oder einseitige Ernährung, sportassoziierte Verluste, Malabsorption und besondere Trainings- oder Umweltbedingungen.

Besondere sportmedizinische Relevanz besitzen Eisen, Vitamin D, Calcium und bei lang andauernden Belastungen Natrium. Abhängig von Ernährungsform und klinischer Situation können zusätzlich Vitamin B12, Folat, Zink, Iod, Selen und Magnesium kritisch sein.

Eine Supplementierung verbessert Gesundheit und Leistungsfähigkeit vor allem dann, wenn sie einen tatsächlichen Mangel oder eine klar definierte Versorgungslücke korrigiert. Die ungezielte Einnahme hoher Mikronährstoffdosen bietet keinen gesicherten Leistungsvorteil und kann gesundheitliche, trainingsphysiologische und dopingrechtliche Risiken verursachen.

Literatur

  1. Carlsohn A: Mikronährstoffbedarfe im Sport. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2025;68(11):1264-1271. doi: 10.1007/s00103-025-04132-3
  2. Peeling P, Sim M, McKay AKA: Considerations for the Consumption of Vitamin and Mineral Supplements in Athlete Populations. Sports Med. 2023;53(Suppl 1):15-24. doi: 10.1007/s40279-023-01875-4
  3. Beck KL, von Hurst PR, O’Brien WJ, Badenhorst CE: Micronutrients and athletic performance: A review. Food Chem Toxicol. 2021;158:112618. doi: 10.1016/j.fct.2021.112618
  4. Šmid AN, Golja P, Hadžić V et al.: Effects of Oral Iron Supplementation on Blood Iron Status in Athletes: A Systematic Review, Meta-Analysis and Meta-Regression of Randomized Controlled Trials. Sports Med. 2024;54(5):1231-1247. doi: 10.1007/s40279-024-01992-8
  5. Pengelly M, Pumpa K, Pyne DB, Etxebarria N: Iron deficiency, supplementation, and sports performance in female athletes: A systematic review. J Sport Health Sci. 2025;14:101009. doi: 10.1016/j.jshs.2024.101009
  6. Han Q, Xiang M, An N et al.: Effects of vitamin D3 supplementation on strength of lower and upper extremities in athletes: an updated systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Front Nutr. 2024;11:1381301. doi: 10.3389/fnut.2024.1381301
  7. Heffernan SM, Horner K, De Vito G, Conway GE: The Role of Mineral and Trace Element Supplementation in Exercise and Athletic Performance: A Systematic Review. Nutrients. 2019;11(3):696. doi: 10.3390/nu11030696
  8. Clifford T, Jeffries O, Stevenson EJ, Bowden Davies KA: The effects of vitamin C and E on exercise-induced physiological adaptations: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Crit Rev Food Sci Nutr. 2020;60(21):3669-3679. doi: 10.1080/10408398.2019.1703642
  9. Chu A, Holdaway C, Varma T et al.: Lower Serum Zinc Concentration Despite Higher Dietary Zinc Intake in Athletes: A Systematic Review and Meta-analysis. Sports Med. 2018;48(2):327-336. doi: 10.1007/s40279-017-0818-8
  10. West S, Monteyne AJ, van der Heijden I et al.: Nutritional Considerations for the Vegan Athlete. Adv Nutr. 2023;14(4):774-795. doi: 10.1016/j.advnut.2023.04.012
  11. Wiacek M, Nowak E, Lipka P et al.: Vitamin Supplementation in Sports: A Decade of Evidence-Based Insights. Nutrients. 2026;18(2):213. doi: 10.3390/nu18020213

Leitlinien und Positionspapiere

  1. Carlsohn A, Braun H, Großhauser M et al.: Minerals and vitamins in sports nutrition. Position of the working group sports nutrition of the German Nutrition Society (DGE). Ernahrungs Umschau. 2019;66(12):250-257. doi: 10.4455/eu.2019.050 [LL1]
  2. Ziegenhagen R, Braun H, Carlsohn A et al.: Safety aspects of dietary supplements in sports. Position of the working group sports nutrition of the German Nutrition Society (DGE). Ernahrungs Umschau. 2020;67(2):42-50.e1-e2. doi: 10.4455/eu.2020.012 [LL2]
  3. Maughan RJ, Burke LM, Dvorak J et al.: IOC consensus statement: dietary supplements and the high-performance athlete. Br J Sports Med. 2018;52(7):439-455. doi: 10.1136/bjsports-2018-099027 [LL3]
  4. Mountjoy M, Ackerman KE, Bailey DM et al.: 2023 International Olympic Committee’s consensus statement on Relative Energy Deficiency in Sport. Br J Sports Med. 2023;57(17):1073-1097. doi: 10.1136/bjsports-2023-106994 [LL4]
  5. Thomas DT, Erdman KA, Burke LM: Position of the Academy of Nutrition and Dietetics, Dietitians of Canada, and the American College of Sports Medicine: Nutrition and Athletic Performance. J Acad Nutr Diet. 2016;116(3):501-528. doi: 10.1016/j.jand.2015.12.006 [LL5]