Fettarme Ernährung im Sport – Risiken für Hormonbalance und Leistungsfähigkeit

Fette gehören zu den essenziellen Makronährstoffen und erfüllen im Körper weit mehr Aufgaben als die reine Bereitstellung von Energie. Besonders im Sport zeigt sich, dass eine zu stark fettarme Ernährung die Hormonregulation, Erholung und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann. Dieser Fachartikel beleuchtet die Bedeutung von Fetten für Freizeitsportler und Leistungssportler und zeigt, welche Risiken mit einer zu niedrigen Fettzufuhr verbunden sind.

Bedeutung von Fetten für die hormonelle Gesundheit

Fette sind unverzichtbar für die Produktion zahlreicher Hormone, darunter Steroidhormone wie Testosteron, Östrogene und Cortisol. Eine zu geringe Fettzufuhr kann deren Bildung beeinträchtigen.

Für Freizeitsportler
Eine dauerhaft zu niedrige Fettzufuhr mindert häufig Konzentrationsfähigkeit und Wohlbefinden. Zudem steigt das Risiko von Zyklusstörungen bei Frauen.

Für Leistungssportler
Leistungssportler, die häufig intensiven Trainingsreizen ausgesetzt sind, benötigen ausreichend Fette für die Regeneration und Hormonsynthese. Studien zeigen, dass sehr niedrige Fettaufnahmen (< 20 % der Gesamtenergie) mit niedrigeren Testosteronwerten und erhöhter Verletzungsanfälligkeit assoziiert sind.

Energieverfügbarkeit und sportliche Leistungsfähigkeit

Fette sind nicht nur zur Hormonbildung wichtig, sondern wirken auch als langfristige Energiequelle und unterstützen zentrale Stoffwechselprozesse.

Für Freizeitsportler
Eine zu fettarme Ernährung führt schnell zu Energiemangel, besonders an langen oder intensiven Trainingstagen. Müdigkeit und geringe Erholungsfähigkeit sind typische Folgen.

Für Leistungssportler
Im Hochleistungssport entscheidet die Energieverfügbarkeit maßgeblich über die Leistungsfähigkeit. Ein chronischer Mangel an Energie und Fetten kann zum „Relative Energy Deficiency in Sport“ (RED-S) führen – einem Syndrom, das Stoffwechsel, Immunfunktion, Knochengesundheit und Performance negativ beeinflusst.

Auswirkungen auf Zellgesundheit und Entzündungsregulation

Fettsäuren sind wichtige Bestandteile von Zellmembranen und beeinflussen die Entzündungsreaktionen des Körpers.

Für Freizeitsportler
Ungenügend aufgenommene essenzielle Fettsäuren, besonders Omega-3-Fettsäuren, können die Regeneration verzögern und die Haut- sowie Schleimhautgesundheit beeinträchtigen.

Für Leistungssportler
Leistungssport erzeugt regelmäßig Mikrotraumata (kleinste Gewebeschäden). Eine unzureichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren (Docosahexaensäure (DHA), Eicosapentaensäure (EPA)) schwächt die antiinflammatorischen Prozesse und kann die Trainingsadaptation verlangsamen.

Fettarme Ernährung und mentale Leistungsfähigkeit

Das Gehirn besteht zu etwa 60 % aus Fett und ist auf hochwertige Fettsäuren angewiesen.

Für Freizeitsportler
Zu wenig Fett kann sich durch Konzentrationsschwäche, Antriebslosigkeit und Stimmungsschwankungen bemerkbar machen.

Für Leistungssportler
Fette sind grundlegend für neuronale Signalübertragung und Reaktionsfähigkeit. Besonders in technisch anspruchsvollen Sportarten kann eine fettarme Ernährung zu Leistungseinbußen und längeren Reaktionszeiten führen.

Praktische Empfehlungen für Sportler

  • Mindestens 25-30 % der gesamten Energiezufuhr sollten aus Fetten stammen.
  • Hochwertige Fettquellen wie Nüsse, Samen, Avocado, Olivenöl und fettreicher Seefisch sollten regelmäßig integriert werden.
  • Omega-3-Zufuhr (EPA, DHA) ist besonders für Regeneration und Entzündungsmodulation wertvoll.
  • Sportlerinnen sollten besonders auf die Fettzufuhr achten, um Zyklusstörungen vorzubeugen.

Fazit

Eine fettarme Ernährung kann kurzfristig sinnvoll erscheinen, führt jedoch langfristig zu relevanten Risiken für Hormonsystem, Energieverfügbarkeit und Leistungsfähigkeit. Sowohl Freizeit- als auch Leistungssportler profitieren von einer ausgewogenen Fettzufuhr, die essenzielle Fettsäuren, hormonelle Balance und sportliche Leistungsparameter unterstützt.

Literatur

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