Durchfall (Diarrhoe) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Diarrhoe (Durchfall) mitbedingt sein können:

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Dehydratation (Austrocknung) (Exsikkose) und Volumenmangel (Flüssigkeitsmangel im Kreislauf) – zentrale klinisch relevante Komplikationen insbesondere bei hochfrequenter bzw. hochvolumiger Diarrhoe; bei unzureichendem Ersatz der intestinalen Wasser- und Elektrolytverluste kann sich eine ausgeprägte Hypovolämie (vermindertes Blutvolumen) entwickeln [3, 4, LL1, LL2, LL3]
  • Elektrolytstörungen (Störungen des Salzhaushalts) – insbesondere Hypokaliämie (Kaliummangel im Blut) sowie Hypo- oder Hypernatriämie (zu niedriger oder zu hoher Natriumgehalt im Blut); Ausmaß und Richtung der Störung werden durch Zusammensetzung und Volumen der Stuhlverluste, zusätzliches Erbrechen, Trinkmenge und Art der Flüssigkeitssubstitution beeinflusst; schwere Störungen können neuromuskuläre (Nerven und Muskeln betreffende), kardiale (das Herz betreffende) und neurologische (das Nervensystem betreffende) Komplikationen verursachen [3, 4, LL2]
  • Hyperchlorämische metabolische Azidose (Übersäuerung des Blutes durch Bikarbonatverlust) – bei ausgeprägter insbesondere wässriger Diarrhoe infolge intestinaler Bikarbonatverluste; Hypovolämie, Gewebehypoperfusion (verminderte Gewebedurchblutung) und eine begleitende Nierenfunktionsstörung (Störung der Nierenfunktion) können die Säure-Basen-Störung (Störung des Säure-Basen-Haushalts) zusätzlich verstärken [3, LL2]
  • Mangelernährung (unzureichende Versorgung mit Nährstoffen) – insbesondere bei persistierender oder rezidivierender Diarrhoe durch wiederholte Nährstoffverluste, verminderte Nahrungsaufnahme und erhöhten metabolischen Bedarf; im frühen Kindesalter sind eine hohe kumulative Diarrhoelast und längere Diarrhoedauer mit einer Beeinträchtigung des Längenwachstums bzw. einem erhöhten Stunting-Risiko assoziiert [5, LL2, LL3]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Hypovolämischer Schock (Volumenmangelschock) (Kreislaufschock durch starken Flüssigkeitsverlust) – lebensbedrohliche Folge ausgeprägter, nicht ausreichend kompensierter Flüssigkeitsverluste; schwere Dehydratation mit Kreislaufbeeinträchtigung bzw. Schock erfordert eine unverzügliche intravenöse Rehydration (Flüssigkeitszufuhr über die Vene) und gegebenenfalls intensivmedizinische Behandlung [4, LL1, LL2, LL3]

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Akute Nierenschädigung (plötzliche Schädigung der Nierenfunktion) bis zum akuten Nierenversagen (plötzlicher Ausfall der Nierenfunktion) – insbesondere infolge einer ausgeprägten Hypovolämie mit verminderter Nierenperfusion (Nierendurchblutung) zunächst meist prärenal (durch verminderte Nierendurchblutung bedingt); bei anhaltender Hypoperfusion kann eine intrinsische Nierenschädigung (Schädigung des Nierengewebes selbst) hinzutreten [1, 2, LL1]. Bei Erwachsenen mit wegen Diarrhoe erforderlicher Hospitalisierung trat in einer populationsbasierten Untersuchung bei etwa jedem zehnten Patienten eine akute Nierenschädigung auf [2]. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 bestätigt auch bei hospitalisierten Kindern mit Diarrhoe eine relevante Belastung durch akute Nierenschädigungen, wobei die berichteten Häufigkeiten zwischen Studien und Versorgungskontexten erheblich variieren [1]

Prognosefaktoren

  • Ausmaß der Flüssigkeits- und Elektrolytverluste – schwere Dehydratation bzw. Hypovolämie ist der wichtigste unmittelbar komplikationsrelevante Faktor; Kreislaufbeeinträchtigung, Vigilanzminderung (verminderte Wachheit) oder Schock kennzeichnen einen potenziell vital bedrohlichen Verlauf [4, LL1, LL2, LL3]
  • Dauer und Frequenz der Diarrhoe – hohe Stuhlfrequenz, großes Stuhlvolumen und persistierende Diarrhoe erhöhen die kumulativen Wasser-, Elektrolyt- und Nährstoffverluste und damit das Risiko für Dehydratation, Elektrolytstörungen, Nierenfunktionsstörungen und Mangelernährung [3, 5, LL1, LL2]
  • Unzureichende orale Kompensation der Verluste – verminderte Trinkfähigkeit, anhaltende Nahrungsverweigerung, persistierendes Erbrechen oder Scheitern der oralen bzw. nasogastralen Rehydration (Flüssigkeitszufuhr über eine Nasen-Magen-Sonde) erhöhen das Risiko eines komplizierten Verlaufs und können eine intravenöse Rehydration bzw. stationäre Behandlung erforderlich machen [LL2, LL3]
  • Altersextreme – insbesondere junge Säuglinge besitzen aufgrund ihres hohen Flüssigkeitsumsatzes und ihrer geringen physiologischen Reserve ein erhöhtes Risiko für eine rasche Dehydratation; auch bei älteren Patienten besteht ein erhöhtes Risiko für schwere bzw. komplikationsträchtige Verläufe [LL1, LL2]
  • Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) und verminderte physiologische Reserve – insbesondere chronische Nierenkrankheit (langandauernde Nierenerkrankung), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Immundefizienz (Abwehrschwäche) bzw. Immunsuppression (Unterdrückung der Immunabwehr), onkologische Erkrankungen (Krebserkrankungen) und vorbestehende Mangelernährung erhöhen das Risiko eines komplizierten Verlaufs [1, 2, LL1, LL2]
  • Chronische Nierenkrankheit und arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) – bei wegen Diarrhoe hospitalisierten Erwachsenen waren eine chronische Nierenkrankheit (OR 4,81; 95-%-KI 4,52-5,12) und arterielle Hypertonie (OR 1,33; 95-%-KI 1,27-1,40) unabhängig mit einem erhöhten Risiko einer akuten Nierenschädigung assoziiert [2]
  • Akute Nierenschädigung – ungünstiger prognostischer Marker bei hospitalisierten Patienten mit Diarrhoeerkrankung; bei Erwachsenen war sie mit einer deutlich erhöhten Krankenhausmortalität (Sterblichkeit im Krankenhaus) assoziiert (OR 5,05; 95-%-KI 4,47-5,72) [2]
  • Blutige Diarrhoe und Fieber – insbesondere bei infektiöser Diarrhoe (durch Krankheitserreger verursachter Durchfall) Hinweise auf einen potenziell invasiven und komplikationsträchtigeren Verlauf; gemeinsam mit Alter und relevanten Komorbiditäten wichtige Kriterien zur klinischen Risikostratifizierung (Einschätzung des individuellen Erkrankungsrisikos) [LL1, LL3]
  • Hohe kumulative Diarrhoelast im frühen Kindesalter – wiederholte bzw. langdauernde Diarrhoeepisoden sind insbesondere in Populationen mit erhöhtem Grundrisiko für Mangelernährung mit einer ungünstigeren Längenentwicklung und einem erhöhten Stunting-Risiko assoziiert [5]

Literatur

  1. Merz LM, Kamath N, Adetunji AE et al.: Acute kidney injury due to diarrhoeal diseases in children: a systematic review. BMJ Paediatr Open. 2026;10(1):e003584. doi: 10.1136/bmjpo-2025-003584
  2. Bradshaw C, Zheng Y, Silver SA et al.: Acute Kidney Injury Due to Diarrheal Illness Requiring Hospitalization: Data from the National Inpatient Sample. J Gen Intern Med. 2018;33(9):1520-1527. doi: 10.1007/s11606-018-4531-6
  3. Do C, Evans GJ, DeAguero J et al.: Dysnatremia in Gastrointestinal Disorders. Front Med (Lausanne). 2022;9:892265. doi: 10.3389/fmed.2022.892265
  4. Florez ID, Sierra J, Pérez-Gaxiola G: Balanced crystalloid solutions versus 0.9% saline for treating acute diarrhoea and severe dehydration in children. Cochrane Database Syst Rev. 2023;5(5):CD013640. doi: 10.1002/14651858.CD013640.pub2
  5. Checkley W, Buckley G, Gilman RH et al.: Multi-country analysis of the effects of diarrhoea on childhood stunting. Int J Epidemiol. 2008;37(4):816-830. doi: 10.1093/ije/dyn099

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S2k-Leitlinie: Gastrointestinale Infektionen. (Registernummer 021-024) November 2023 Langfassung [LL1].
  2. S2k-Leitlinie: Akute infektiöse Gastroenteritis im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter. (Registernummer 068-003) April 2024 Langfassung [LL2].
  3. Shane AL, Mody RK, Crump JA et al.: 2017 Infectious Diseases Society of America Clinical Practice Guidelines for the Diagnosis and Management of Infectious Diarrhea. Clin Infect Dis. 2017;65(12):e45-e80. doi: 10.1093/cid/cix669 [LL3].