Akutes Abdomen – Medizingerätediagnostik

Obligate Medizingerätediagnostik

  • Abdomensonographie (Ultraschall der Bauchorgane) – als Standarddiagnostikum bei Abdominalschmerzen (Bauchschmerzen); primäres bildgebendes Verfahren (Bildgebungsverfahren) der ersten Wahl bei hämodynamisch stabilem Patienten (kreislaufstabilem Patienten)
    [u. a. freie Flüssigkeit (Flüssigkeit im Bauchraum), indirekte Zeichen freier Luft (Luft im Bauchraum) (bei Verdacht auf Hohlraumperforation (Durchbruch eines Hohlorgans) in der Regel CT (Schichtbildaufnahme)), Darmwandveränderung (Veränderung der Darmwand) (z. B. Ileitis (Darmentzündung), Divertikulitis (Darmentzündung bei Ausstülpungen)), Veränderung der Gallenblase, der Gallenwege oder der Appendix (Blinddarm; Wurmfortsatz); Hinweise für] [3]:
    • Adnexitis (Eileiter-/Eierstocksentzündung), akute Appendicitis (Blinddarmentzündung), akute Pankreatitis (akute Bauchspeicheldrüsenentzündung), Extrauteringravidität (Eileiterschwangerschaft), Gallenkolik (Gallensteinanfall), Harnleiterkolik (Steinanfall im Harnleiter), Nephrolithiasis/Hydronephrose (Nierenstein/Nierenstau), rupturiertes Bauchaortenaneurysma (Riss einer Aussackung der Bauchschlagader), stielgedrehte Ovarialzyste (verdrehte Eierstockzyste), Organrupturen/-lazerationen (Organrisse/Organeinrisse)
  • Elektrokardiogramm (Herzstromkurve) – zum Ausschluss eines Myokardinfarkts (Herzinfarkts) (insbesondere bei Oberbauchschmerz (Schmerz im Oberbauch), Risikoprofil (Risikokonstellation) oder atypischer Symptomatik (untypischen Beschwerden))

Fakultative Medizingerätediagnostik – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese (Krankengeschichte), der körperlichen Untersuchung und den obligaten Laborparametern – zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • Stufe 1: Abdomensonographie als primäres Verfahren; bei klarem Befund therapieentscheidend
  • Stufe 2: Computertomographie des Abdomens (Schichtbildaufnahme des Bauchraums) bei unklarem/limitiert beurteilbarem Ultraschall (z. B. Meteorismus (vermehrte Darmgase), Adipositas (starkes Übergewicht)), klinisch-progredientem Verlauf (klinisch fortschreitendem Verlauf) oder Komplikationsverdacht (Verdacht auf Komplikationen) (z. B. Perforation (Durchbruch), Abszess (Eiteransammlung), Ileus (Darmverschluss)) [3]
  • Sonderfall: Bei Verdacht auf akute Mesenterialischämie (akute Durchblutungsstörung des Darms) frühzeitig CT-Angiographie (Gefäßdarstellung als Schichtbildaufnahme) (biphasisch; arterielle und venöse Phase mit multiplanarer Rekonstruktion) als Diagnostik der ersten Wahl; venöse Phase obligat zur Erfassung einer Mesenterialvenenthrombose (Thrombose der Darmvenen) [2]
  • Röntgenaufnahme des Abdomens (Röntgenbild des Bauchraums) (Abdomenübersicht) – bei Verdacht auf Hohlorganperforation oder Ileus
    • Abdomenleeraufnahme im Stehen: Nachweis einer Hohlorganperforation durch freie Luft unter dem Diaphragma (Zwerchfell)
    • Abdomenleeraufnahme im Liegen (Übersichtsaufnahme in Rücken- und Linksseitenlage): geeignet zum Nachweis eines Ileus [Hohlraumperforation: freie Luft; mechanischer Ileus: Spiegelbildung]
    • Nachweis von ca. 90 % der Nieren- oder Uretersteine (Harnleitersteine)
    Beachte [1]: hohe Strahlenbelastung bei gleichzeitig eingeschränkter diagnostischer Aussagekraft; keine Routinediagnostik beim unklaren akuten Abdomen (akuten Bauch). In einer Studie mit 874 Patienten fanden sich nur bei 19 % der Abdomen-Übersichtsaufnahmen Auffälligkeiten [1].
  • Computertomographie des Abdomens – bei Verdacht auf Tumoren (Geschwülste), Entzündungen (Appendicitis, Divertikulitis) etc. im Bauchraum sowie bei unklarem akutem Abdomen, Ileus, Perforationsverdacht oder Abszessverdacht; hohe diagnostische Genauigkeit und rasche Managementsteuerung (rasche Behandlungssteuerung) [3]
  • Computertomographie des Abdomens bzw. CT-Angiographie – mit Darstellung der Blutgefäße (Gefäßdarstellung):
    • biphasische Kontrast-CT (Schichtbildaufnahme mit Kontrastmittel) mit multiplanarer Rekonstruktion in drei Ebenen [Diagnostik der ersten Wahl] – bei Verdacht auf eine akute okklusive Mesenterialischämie (akuter Gefäßverschluss mit Darmdurchblutungsstörung) [2]
    • (Durchführung einer arteriellen und venösen Phase; letztere ist notwendig zur Diagnose einer Mesenterialvenenthrombose) [2]
  • Katheterangiographie (Gefäßdarstellung über Katheter) (digitale Subtraktionsangiographie ggf. mit i.a. Infusion von Vasodilatatoren) – bei Verdacht auf non-okklusive Mesenterialischämie (nicht-verschlussbedingte Darmdurchblutungsstörung) bzw. bei geplanter endovaskulärer/interventioneller Therapie (Katheterbehandlung) [2]
  • Magnetresonanztomographie des Abdomens (Kernspintomographie des Bauchraums) – Indikationen:
    • insb. bei Patienten, bei denen eine Strahlenexposition vermieden werden sollte (Kinder, Schwangere): z. B. bei unklarem Ultraschallbefund bei V. a. Appendicitis; Choledocholithiasis (Stein im Gallengang); Ovarialtorsion (Eierstockverdrehung) bei Schwangeren
    • bei Verdacht auf Diskopathien (Bandscheibenerkrankungen) bzw. Nukleus pulposus-Prolaps (Bandscheibenvorfall); chronische Bauchschmerzen, z. B. im Rahmen einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED)
  • Röntgen-Kontrasteinlauf mit wasserlöslichem Kontrastmittel (Kontrasteinlauf) mit Abdomenübersichtsaufnahmen nach 12 und 24 h – Indikationen:
    • bei Verdacht auf Dünndarmileus (Dünndarmverschluss) [falls sich Kontrastmittel im Kolon (Dickdarm) befindet und eine Peritonitis (Bauchfellentzündung) klinisch ausgeschlossen ist, kann ohne Gefahr für den Patienten zugewartet werden [2]]
    • bei Dickdarmileus (Dickdarmverschluss) zur Operationsplanung bzw. alternativ CT-Untersuchung kombiniert mit rektaler Kontrastmittelgabe
  • Röntgenaufnahme des Beckens (Röntgenbild des Beckens) – bei Verdacht auf Urolithiasis (Harnsteine) (in der Akutdiagnostik häufig durch Low-dose-CT ersetzt)
  • Röntgenaufnahme des Thorax (Röntgenbild des Brustkorbs) in zwei Ebenen – bei Verdacht auf Pneumonie (Lungenentzündung) oder bei Perforationsverdacht (freie Luft)
  • Röntgenaufnahmen von Wirbelsäule, Rippen (Röntgenbilder von Wirbelsäule und Rippen) – bei Verdacht auf knöcherne Ursache
  • Lungenfunktionsuntersuchung (Atemtest) – bei Verdacht auf pulmonale Erkrankung (Lungenerkrankung) bei obstruktiver bzw. restriktiver Lungenerkrankung (nicht als Akutdiagnostik)
  • Gastroskopie (Magenspiegelung) – bei Verdacht auf Erkrankungen der Speiseröhre (Speiseröhrenerkrankungen), des Magens (z. B. Ulkus (Geschwür), obere gastrointestinale Blutung (Blutung im oberen Magen-Darm-Trakt)); indikationsbezogen
  • Endosonographie (endoskopischer Ultraschall) – Indikationen [4]:
    • Abklärung von Pankreasläsionen (Bauchspeicheldrüsenveränderungen) (z. B. Pankreaskarzinomverdacht (Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs), zystische Läsionen (Zysten)) inkl. Feinnadelaspiration/Biopsie (Gewebeentnahme) zur Gewebediagnostik [4]
    • Abklärung unklarer biliärer Obstruktion (unklarer Gallenabflussstörung)/Choledocholithiasis bei diskrepanten oder unklaren Befunden in Abdomensonographie, CT oder Magnetresonanztomographie [4]
    • Staging (Stadieneinteilung) ausgewählter Tumoren des oberen Gastrointestinaltrakts (oberer Magen-Darm-Trakt) (z. B. Ösophagus (Speiseröhre), Magen) und Beurteilung subepithelialer Raumforderungen (Wucherungen unter der Schleimhaut) [4]
    • Komplikationsdiagnostik bei Pankreatitis (z. B. peripankreatische Flüssigkeitskollektionen (Flüssigkeitsansammlungen um die Bauchspeicheldrüse)) sowie Auswahl/Planung endoskopischer Interventionen (endoskopischer Eingriffe) in Zentren [4]
  • Koloskopie (Darmspiegelung) – bei Verdacht auf Blutung/Tumoren im Bereich des Kolons (Dickdarms); indikationsbezogen
  • Endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP) (endoskopische Darstellung der Gallen- und Pankreasgänge) – bei Verdacht auf Choledocholithiasis/Cholangitis (Gallengangentzündung) oder biliäre Obstruktion; primär therapeutisch
  • Echokardiographie (Herzultraschall) – bei Verdacht auf Perikarditis (Herzbeutelentzündung)
  • Urographie oder retrograde Pyelographie (Kontrastdarstellung der Harnwege) – bei Verdacht auf Harnsteine (selektive Indikation; in der Akutdiagnostik häufig CT)
  • Angiographie (Gefäßdarstellung)
  • Fructose-H2-Atemtest (Atemtest auf Fructose) – bei Verdacht auf Fructoseintoleranz (Fructoseunverträglichkeit); nicht im akuten Abdomen
  • Lactose-H2-Atemtest (Atemtest auf Lactose) – bei Verdacht auf Lactoseintoleranz (Lactoseunverträglichkeit); nicht im akuten Abdomen
  • Computertomographie des Thorax (Schichtbildaufnahme des Brustkorbs) – bei Verdacht auf Lungenembolie (Blutgerinnsel in der Lunge), Mediastinitis (Entzündung im Mittelfellraum)

Literatur

  1. Kellow ZS et al.: The Role of Abdominal Radiography in the Evaluation of the Nontrauma Emergency Patient. Radiology 2008, Issue 3 Vol. 248:887-893
  2. Bala M, Catena F, Kashuk J, et al. Acute mesenteric ischemia: updated guidelines of the World Society of Emergency Surgery. World J Emerg Surg. 2022;17:54. https://doi.org/10.1186/s13017-022-00443-x
  3. Scheirey CD, Fowler KJ, et al. ACR Appropriateness Criteria® Acute Nonlocalized Abdominal Pain. J Am Coll Radiol. 2018;15(Suppl):S217-S231. https://doi.org/10.1016/j.jacr.2018.09.010
  4. Prager M, Prager E, Sebesta C Jr, Sebesta C. Diagnostic and Therapeutic Indications for Endoscopic Ultrasound (EUS) in Patients with Pancreatic and Biliary Disease—Novel Interventional Procedures. Curr Oncol. 2022;29(9):6211-6225. https://doi.org/10.3390/curroncol29090488