Scheidenkrampf (Vaginismus) – Differentialdiagnosen

Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)

  • Hymenalatresie (angeborener Verschluss des Jungfernhäutchens) – mechanisches Penetrationshindernis; insbesondere bei primärer Amenorrhoe (Ausbleiben der ersten Regelblutung) bzw. Hämatokolpos (Blutansammlung in der Scheide) abzugrenzen
  • Transversales Vaginalseptum (quer verlaufende Scheidewand) – angeborenes mechanisches Penetrationshindernis unterschiedlicher Ausprägung
  • Vaginalagenesie (angeborenes Fehlen der Scheide), z. B. im Rahmen eines Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndroms (angeborenes Fehlen bzw. Fehlbildung von Scheide und Gebärmutter) (MRKH-Syndrom) – bei primär unmöglicher vaginaler Penetration auszuschließen

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Erosiver Lichen planus der Vulva bzw. Vagina (entzündliche Haut- und Schleimhauterkrankung des äußeren weiblichen Genitalbereichs bzw. der Scheide) – kann durch Schmerzen, Erosionen (oberflächliche Schleimhautdefekte) und narbige Stenosierung (Verengung) eine vaginale Penetration erheblich erschweren

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Herpes genitalis (Genitalherpes) – schmerzhafte vulväre bzw. vaginale Läsionen (Gewebeschädigungen) mit sekundärer Vermeidung der Penetration
  • Vulvovaginalkandidose (Pilzinfektion von Vulva und Scheide) – Pruritus (Juckreiz), Brennen und entzündlich bedingte Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) können einen sekundären vaginistischen Reaktionsmechanismus auslösen

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Myofasziales Beckenbodenschmerzsyndrom (muskuläres Schmerzsyndrom des Beckenbodens) – Hypertonus (erhöhte Muskelspannung) und druckschmerzhafte Triggerpunkte (Schmerzpunkte) der Beckenbodenmuskulatur; kann mit Vaginismus (unwillkürliche Verkrampfung der Scheiden- und Beckenbodenmuskulatur) überlappen, jedoch auch unabhängig von Penetrationsversuchen Beschwerden verursachen

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Nichtorganische Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr ohne körperliche Ursache) – Schmerzen beim Geschlechtsverkehr ohne den für Vaginismus charakteristischen unwillkürlichen Verschluss des Introitus (Scheideneingangs)
  • Sexuelle Aversion (ausgeprägte Abneigung gegen sexuelle Aktivität) – ausgeprägte Angst bzw. Vermeidung sexueller Aktivität ohne obligaten reflektorischen Beckenbodenspasmus (unwillkürliche Verkrampfung der Beckenbodenmuskulatur)

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Adnexitis (Entzündung der Eileiter und Eierstöcke) bzw. entzündliche Beckenerkrankung (Entzündung der inneren weiblichen Geschlechtsorgane) – insbesondere bei tiefer Dyspareunie, Unterbauchschmerzen und entzündlichen Begleitbefunden
  • Atrophische Kolpitis (entzündliche Scheidenveränderung durch Schleimhautrückbildung) bzw. genitourinäres Menopausensyndrom (Beschwerden der Geschlechts- und Harnorgane in den Wechseljahren) (GSM) – vulvovaginale Atrophie (Rückbildung von Vulva und Scheidenschleimhaut), Trockenheit und verminderte Gewebeelastizität können eine schmerzhafte Penetration und sekundäre vaginistische Reaktion verursachen
  • Endometriose (gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter) – insbesondere bei tiefer Dyspareunie und zyklusabhängigen Beckenschmerzen; kein primäres mechanisches Penetrationshindernis
  • Fester Hymenalring (fester Ring des Jungfernhäutchens) bzw. enger Introitus vaginae (enger Scheideneingang) – organisches mechanisches Penetrationshindernis, das insbesondere bei vermeintlich primärem Vaginismus auszuschließen ist
  • Lichen sclerosus der Vulva (chronisch-entzündliche Hauterkrankung des äußeren weiblichen Genitalbereichs) – Schmerzen, Fissuren (Einrisse) und Vernarbungen können zur Introitusstenose (Verengung des Scheideneingangs) und schmerzhaften Penetration führen
  • Postoperative Adhäsionen der Vagina (Verwachsungen der Scheide nach einer Operation) – mechanische Einschränkung nach vaginalen bzw. gynäkologischen Eingriffen
  • Provozierte Vestibulodynie (durch Berührung ausgelöste Schmerzen am Scheideneingang) bzw. Vulvodynie (chronische Schmerzen im äußeren weiblichen Genitalbereich) – insbesondere bei ausgeprägtem Berührungs- und Druckschmerz des Vestibulums (Scheidenvorhofs); häufige und klinisch wichtige Abgrenzung bei insertioneller Schmerzsymptomatik
  • Vaginal- bzw. Introitusstenose (Verengung der Scheide bzw. des Scheideneingangs) – erworbene oder narbige Verengung mit mechanischer Behinderung der Penetration