Orgasmusstörung – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Verbesserung der Orgasmusfähigkeit und -intensität sowie Verkürzung einer als belastend erlebten Orgasmuslatenz (Zeit bis zum Orgasmus)
- Reduktion des subjektiven Leidensdrucks und Verbesserung sexueller Zufriedenheit, Lebensqualität und Partnerschaft
- Erkennen und Behandeln reversibler Ursachen, insbesondere arzneimittelinduzierter (durch Medikamente verursachter), endokriner (hormoneller), neurologischer (das Nervensystem betreffender), genitaler (die Geschlechtsorgane betreffender) und psychischer (seelischer) Faktoren
- Vermeidung unnötiger oder risikoreicher Off-Label-Therapien (Anwendungen außerhalb der Arzneimittelzulassung) bei fehlender belastbarer Wirksamkeitsevidenz
Therapieempfehlungen
- Grundsatz: Für die primäre weibliche Orgasmusstörung (Störung des Orgasmuserlebens bei Frauen) und für die verzögerte Ejakulation (verzögerter Samenerguss) beziehungsweise Anorgasmie (Ausbleiben des Orgasmus) des Mannes ist in der Europäischen Union kein Arzneimittel spezifisch zugelassen. Bei Frauen ist für kein Medikament eine verlässliche Wirksamkeit bei isolierter Orgasmusstörung belegt; beim Mann beruhen die publizierten medikamentösen Ansätze überwiegend auf kleinen, unkontrollierten Studien und Fallserien [1-3, LL1, LL2].
- Phänotyp vor Therapiebeginn klären: Orgasmus und Ejakulation (Samenerguss) sind unterschiedliche Vorgänge. Beim Mann sind verzögerter Orgasmus beziehungsweise Anorgasmie, Anejakulation (fehlender Samenerguss) und retrograde Ejakulation (Samenerguss in die Harnblase) voneinander abzugrenzen. Eine intravaginale Ejakulationslatenzzeit (Zeit bis zum Samenerguss in der Scheide) von 20-25 Minuten ist kein verbindlicher diagnostischer oder therapeutischer Grenzwert.
- Primär ursachenbezogen behandeln: Vorrang haben die Korrektur einer auslösenden Medikation, die Behandlung einer Hyperprolaktinämie (erhöhter Prolaktinspiegel), Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion), eines gesicherten Hypogonadismus (Unterfunktion der Keimdrüsen), einer erektilen Dysfunktion (Erektionsstörung), eines genitourinären Menopausensyndroms (Beschwerden an Harn- und Geschlechtsorganen nach den Wechseljahren), von Schmerzen sowie neurologischer oder psychischer Grunderkrankungen. Eine Pharmakotherapie darf psychosexuelle, sexualtherapeutische oder paartherapeutische Maßnahmen nicht ersetzen [1-3, LL1, LL2].
- Gemeinsame Entscheidungsfindung: Vor jeder Off-Label-Therapie sind die geringe Evidenz, realistische Therapieziele, mögliche Risiken, Fertilitätswunsch und ein definierter Zeitpunkt zur Nutzenkontrolle zu besprechen.
Arzneimittelinduzierte Orgasmusstörung
- Medikationsprüfung: Besonders zu berücksichtigen sind serotonerge Antidepressiva, Antipsychotika, Opioide, Antiandrogene, 5α-Reduktasehemmer, α1-Adrenozeptorantagonisten und einzelne Antihypertensiva. Ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Therapiebeginn beziehungsweise Dosissteigerung und Symptombeginn erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Arzneimittelursache.
- Stufenweises Vorgehen: Nach Nutzen-Risiko-Abwägung kommen Abwarten bei erst kürzlich begonnener Behandlung, Dosisoptimierung, Wechsel auf eine sexuell besser verträgliche Alternative oder eine gezielte Augmentation infrage. Änderungen psychotroper Medikamente erfolgen in Abstimmung mit der behandelnden Psychiatrie; ein eigenständiges Absetzen und routinemäßige „drug holidays“ sind wegen Rezidiv- (Wiederauftreten der Erkrankung), Absetz- und Adhärenzrisiken (Risiken einer verminderten Therapietreue) nicht zu empfehlen.
- Antidepressivaassoziierte sexuelle Dysfunktion (durch Antidepressiva bedingte sexuelle Funktionsstörung): Die beste randomisierte Evidenz besteht für PDE-5-Hemmer bei Männern mit begleitender erektiler Dysfunktion und für höher dosiertes Bupropion bei Frauen; die Studien untersuchten jedoch meist zusammengesetzte Endpunkte der Sexualfunktion und nicht ausschließlich die Orgasmusfunktion [4].
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Bupropion retard | Off-label zur Behandlung antidepressivaassoziierter sexueller Dysfunktion; als Wechselstrategie oder Augmentation nur unter psychiatrischer Mitbehandlung. Die Evidenz für 150 mg einmal täglich ist inkonsistent; in Studien war 150 mg zweimal täglich wirksamer, entspricht aber nicht der üblichen deutschen Retarddosierung und darf nicht unkritisch übertragen werden [4, FI1]. |
| Sildenafil | Bei Männern primär bei begleitender erektiler Dysfunktion; eine Besserung von Orgasmus beziehungsweise Ejakulation ist nicht zuverlässig belegt. Bei ausgewählten prämenopausalen Frauen mit SRI-assoziierter sexueller Dysfunktion zeigte eine kleine randomisierte Studie einen Nutzen; Einsatz bei Frauen bleibt off-label und ist keine Standardtherapie der weiblichen Orgasmusstörung [5, FI2]. |
- Wirkweise: Bupropion hemmt die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Dopamin; Sildenafil hemmt PDE-5 und verstärkt bei sexueller Stimulation die NO/cGMP-vermittelte Genitaldurchblutung.
- Indikationen: Erwägbar bei klinisch relevanter antidepressivaassoziierter sexueller Dysfunktion nach Stabilisierung der psychiatrischen Grunderkrankung; Sildenafil beim Mann insbesondere bei gleichzeitig bestehender erektiler Dysfunktion.
- Kontraindikationen: Bupropion insbesondere bei Krampfanfällen beziehungsweise Epilepsie (Anfallsleiden), aktueller oder früherer Bulimie (Ess-Brech-Sucht) oder Anorexia nervosa (Magersucht), gleichzeitiger Anwendung von MAO-Hemmern sowie bei unkontrollierter Hypertonie (Bluthochdruck) mit besonderer Vorsicht; Sildenafil bei gleichzeitiger Anwendung von Nitraten, NO-Donatoren oder Riociguat sowie bei Erkrankungen, bei denen sexuelle Aktivität nicht vertretbar ist [FI1, FI2].
- Nebenwirkungen: Bupropion kann Schlaflosigkeit, Unruhe, Angst, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Blutdruckanstieg, Krampfanfälle und eine Aktivierung bis hin zu Hypomanie (leicht ausgeprägte manische Hochstimmung) beziehungsweise Manie (krankhaft gesteigerte Stimmung und Aktivität) verursachen; Sildenafil kann Kopfschmerzen, Flush (anfallsartige Hautrötung), Dyspepsie (Verdauungsbeschwerden), nasale Obstruktion (verstopfte Nase), Schwindel, Sehstörungen, Hypotonie (niedriger Blutdruck) und selten Priapismus (schmerzhafte Dauererektion) verursachen [FI1, FI2].
Orgasmusstörung bei Frauen
- Keine spezifische medikamentöse Standardtherapie: Bei isolierter weiblicher Orgasmusstörung sollen Sildenafil, Bupropion, Buspiron, Oxytocin, Flibanserin, Bremelanotid oder Androgene nicht routinemäßig eingesetzt werden. Flibanserin und Bremelanotid zielen auf eine hypoaktive sexuelle Appetenzstörung (vermindertes sexuelles Verlangen), nicht auf eine isolierte Orgasmusstörung; sie sind in der Europäischen Union zudem nicht für diese Indikation zugelassen [1, 2].
- Genitourinäres Menopausensyndrom: Bei vaginaler Trockenheit, Atrophie (Gewebeschwund) oder Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) können vaginale Estrogene oder Prasteron entsprechend ihrer Zulassung die lokalen Beschwerden und dadurch indirekt die sexuelle Funktion verbessern. Sie sind keine spezifische Therapie der Anorgasmie [FI3].
- Testosteron: Eine systemische Testosterontherapie ist bei isolierter Orgasmusstörung oder allein aufgrund eines niedrigen Laborwerts nicht indiziert. Sie kann bei sorgfältig diagnostizierter hypoaktiver sexueller Appetenzstörung postmenopausaler Frauen erwogen werden; dies ist von der Therapie einer Orgasmusstörung abzugrenzen.
- Komorbide sexuelle Funktionsstörungen: Schmerzen, Vulvovaginalatrophie (Gewebeschwund im Bereich von Vulva und Scheide), Erregungsstörung (Störung der sexuellen Erregung) und Beckenbodenfunktionsstörung sind gezielt zu behandeln. Ein möglicher indirekter Nutzen für die Orgasmusfunktion ist nicht mit einer spezifischen Wirksamkeit gegen Orgasmusstörung gleichzusetzen.
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Prasteron vaginal | Zugelassen zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer vulvärer und vaginaler Atrophie bei postmenopausalen Frauen; keine Zulassung zur Behandlung einer Orgasmusstörung. Nutzen-Risiko-Verhältnis mindestens alle sechs Monate neu bewerten [FI3]. |
| Vaginale Estrogene | Bei genitourinärem Menopausensyndrom; nicht als spezifische Orgasmustherapie. Bei hormonabhängigen Malignomen (bösartigen Tumoren) interdisziplinäre individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung. |
- Wirkweise: Lokale Estrogene verbessern die trophische Situation des vulvovaginalen Gewebes; vaginales Prasteron wird intrazellulär in Estrogene und Androgene umgewandelt.
- Indikationen: Symptomatisches genitourinäres Menopausensyndrom mit vaginaler Atrophie, Trockenheit oder Dyspareunie; nicht die isolierte Orgasmusstörung.
- Kontraindikationen: Präparateabhängig, insbesondere ungeklärte genitale Blutung sowie bei Prasteron bestehender, früherer oder vermuteter Mammakarzinomstatus (Brustkrebs); jeweilige Fachinformation beachten [FI3].
- Nebenwirkungen: Lokale Irritation, vaginaler Ausfluss oder Blutung; bei Prasteron außerdem mögliche auffällige Zervixabstriche. Jede postmenopausale Blutung (Blutung nach den Wechseljahren) ist abzuklären [FI3].
Verzögerter Orgasmus und Anorgasmie beim Mann
- Leitlinienbewertung: Die EAU nennt Cabergolin, Bupropion, Buspiron, Oxytocin, Amantadin, Cyproheptadin, Yohimbin, Testosteron und weitere Substanzen als untersuchte Ansätze, stellt jedoch ausdrücklich fest, dass die Evidenz für eine Empfehlung nicht ausreicht. Die AUA/SMSNA empfiehlt zunächst die Behandlung erkannter Ursachen und gegebenenfalls die Anpassung auslösender Medikamente [LL1, LL2].
- Off-Label-Therapie nur im begründeten Einzelfall: Cabergolin oder Bupropion können nach Ausschöpfen kausaler und psychosexueller Maßnahmen, dokumentierter Aufklärung und unter fachärztlicher Kontrolle als individueller Therapieversuch erwogen werden. Ein Therapieansprechen ist nicht vorhersagbar [3, 6].
- Normoprolaktinämie (normaler Prolaktinspiegel): Cabergolin ist bei normalem Prolaktin keine etablierte Behandlung. Vor und während eines Therapieversuchs sind Prolaktin, Begleitmedikation, orthostatische Beschwerden (Kreislaufbeschwerden beim Aufstehen) und neuropsychiatrische Risiken (Risiken für Nervensystem und Psyche) zu berücksichtigen; bei längerer oder höher dosierter Anwendung sind die fachinformationsgemäßen Maßnahmen zur Erkennung fibrotischer Herzklappenveränderungen (bindegewebiger Veränderungen der Herzklappen) einzuhalten.
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Cabergolin | Off-label bei männlicher verzögerter Orgasmusreaktion beziehungsweise Anorgasmie; lediglich retrospektive, subjektiv erhobene Wirksamkeitsdaten ohne Placebokontrolle. Bei nachgewiesener Hyperprolaktinämie erfolgt die Dosierung ursachen- und prolaktinorientiert nach Fachinformation, nicht nach dem Orgasmussymptom [6]. |
| Bupropion retard | Off-label; sehr geringe Evidenz aus kleinen unkontrollierten Untersuchungen. Nicht allein aufgrund theoretisch dopaminerger Effekte einsetzen [3]. |
- Wirkweise: Cabergolin stimuliert Dopamin-D2-Rezeptoren und senkt Prolaktin; Bupropion verstärkt noradrenerge und dopaminerge Neurotransmission.
- Indikationen: Keine zugelassene oder leitliniengestützt etablierte Indikation zur Behandlung der verzögerten Orgasmusreaktion oder Anorgasmie; allenfalls individueller, zeitlich begrenzter Off-label-Therapieversuch nach Ursachenbehandlung.
- Kontraindikationen: Cabergolin insbesondere bei fibrotischen Erkrankungen (Erkrankungen mit krankhafter Bindegewebsvermehrung), relevanter Herzklappenerkrankung und unkontrollierter Hypertonie; Bupropion siehe oben. Psychose- (schwere Störung des Realitätsbezugs), Impulskontroll- und Manierisiko beachten.
- Nebenwirkungen: Cabergolin kann Übelkeit, Obstipation (Verstopfung), Kopfschmerzen, Schwindel, orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen), Somnolenz (ausgeprägte Schläfrigkeit), Impulskontrollstörungen, psychotische Symptome (Verlust des Realitätsbezugs) sowie bei kumulativer Exposition fibrotische beziehungsweise valvuläre Veränderungen (Herzklappenveränderungen) verursachen; Nebenwirkungen von Bupropion siehe oben.
Nicht empfohlene oder unzureichend belegte Therapien
- Oxytocin, Buspiron, Amantadin, Cyproheptadin und Yohimbin: Die Daten beschränken sich weitgehend auf Fallberichte, kleine Fallserien oder ältere, methodisch schwache Studien; ein routinemäßiger Einsatz ist nicht zu empfehlen [3, LL1].
- Testosteron beim Mann ohne gesicherten Hypogonadismus: Nicht indiziert. Auch bei Hypogonadismus ist eine Verbesserung der Orgasmuslatenz nicht gesichert. Bei aktuellem Kinderwunsch ist exogenes Testosteron wegen der Suppression der Spermatogenese (Hemmung der Spermienbildung) kontraindiziert.
- PDE-5-Hemmer bei isolierter Anorgasmie ohne erektile Dysfunktion: Keine hinreichende Evidenz für einen direkten Nutzen.
- Cannabis und Cannabinoide: Beobachtungsdaten erlauben weder eine Wirksamkeits- noch eine Dosierungsempfehlung; psychische, kognitive und Abhängigkeitsrisiken sprechen gegen eine therapeutische Routineanwendung.
- Nahrungsergänzungsmittel: Für eine spezifische Behandlung von Orgasmusstörungen ist kein Supplement evidenzbasiert belegt. Nachgewiesene Mangelzustände werden unabhängig von der Orgasmusstörung leitliniengerecht substituiert.
Ursachenbezogene Behandlung
- Hyperprolaktinämie: Ursache klären und behandeln; bei Prolaktinom (prolaktinbildender Tumor der Hirnanhangsdrüse) beziehungsweise symptomatischer Hyperprolaktinämie Dopaminagonist entsprechend der endokrinologischen Leitlinie. Eine bloße Orgasmusstörung ohne Hyperprolaktinämie begründet keine Cabergolintherapie.
- Hypothyreose: Levothyroxin bei gesicherter Hypothyreose mit TSH-gesteuerter Dosisanpassung; keine empirische Schilddrüsenhormontherapie bei Euthyreose (normaler Schilddrüsenfunktion).
- Männlicher Hypogonadismus: Testosteronsubstitution nur bei konsistenten Symptomen und wiederholt eindeutig erniedrigtem morgendlichem Gesamttestosteron nach ätiologischer Abklärung; Fertilitätswunsch, Prostata-, Hämatokrit- und kardiovaskuläre Risiken beachten.
- Erektile Dysfunktion: Leitliniengerechte Behandlung, häufig mit PDE-5-Hemmern. Die Wiederherstellung einer ausreichenden Erektion kann die sexuelle Gesamtsituation verbessern, ist aber keine direkte Behandlung der Anorgasmie.
- Neurologische Anejakulation: Bei Rückenmarkläsion (Schädigung des Rückenmarks) und Kinderwunsch sind penil-vibratorische Stimulation, gegebenenfalls Elektrostimulation und reproduktionsmedizinische Verfahren vorrangig; Pharmakotherapie ist nicht mit der Behandlung einer Orgasmusstörung gleichzusetzen [LL1].
Therapiekontrolle
- Ausgangsbefund dokumentieren: Lebenslang oder erworben, generalisiert oder situativ, Orgasmusintensität und -latenz, Ejakulation, Erektion beziehungsweise Lubrikation (Befeuchtung der Scheide), Schmerzen, psychische Belastung, Partnerschaft, Fertilitätswunsch und auslösende Medikamente.
- Verlaufsbeurteilung: Nicht nur das Erreichen eines Orgasmus, sondern auch Belastung, Zufriedenheit, Nebenwirkungen und Funktion der Partnerschaft beurteilen; wenn möglich validierte Instrumente verwenden.
- Abbruchregel: Off-label-Therapie bei fehlendem klinisch relevantem Nutzen nach vereinbartem Beurteilungszeitraum, bei relevanten Nebenwirkungen oder bei Verschlechterung der psychischen Grunderkrankung beenden.
Red Flags (Warnzeichen) bei Orgasmusstörungen
- Akuter Beginn mit neurologischen Symptomen: Paresen (Lähmungserscheinungen), Sensibilitätsstörungen (Störungen der Empfindungswahrnehmung), Reithosenanästhesie (Taubheitsgefühl im Sitzbereich), Blasen- oder Mastdarmstörung – sofortige neurologische beziehungsweise notfallmedizinische Abklärung.
- Kopfschmerz, Gesichtsfeldausfall (Ausfall von Teilen des Sichtfelds) oder andere visuelle Symptome bei Hyperprolaktinämie: dringliche endokrinologische und neuroradiologische Abklärung einer sellären Raumforderung (Raumforderung im Bereich der Hirnanhangsdrüse).
- Suizidalität (Selbsttötungsgefährdung), schwere Depression (schwere depressive Erkrankung), Psychose, Hypomanie oder Manie: unverzügliche psychiatrische Beurteilung; potenziell aktivierende Medikamente pausieren beziehungsweise anpassen lassen.
- Priapismus, Synkope (Ohnmacht), schwere Hypotonie oder akute Seh- beziehungsweise Hörstörung unter PDE-5-Hemmern: Medikament absetzen und sofortige medizinische Abklärung.
- Postmenopausale Blutung, genitale Läsion (krankhafte Veränderung an den Geschlechtsorganen), neu aufgetretener starker Schmerz oder Blut im Ejakulat: zeitnahe gynäkologische beziehungsweise urologische Abklärung.
Abkürzungsverzeichnis
- AUA – American Urological Association
- cGMP – cyclisches Guanosinmonophosphat
- EAU – European Association of Urology
- FI – Fachinformation
- LL – Leitlinie
- MAO – Monoaminooxidase
- NO – Stickstoffmonoxid
- PDE-5 – Phosphodiesterase Typ 5
- SMSNA – Sexual Medicine Society of North America
- SRI – Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
- TSH – Thyreoidea-stimulierendes Hormon
Literatur
- Toledo RG, Winkelman WD, Reyes-Gonzalez D et al.: Female Sexual Desire, Arousal, and Orgasmic Dysfunctions: A Systematic Review and Meta-Analysis of Treatment Options. J Minim Invasive Gynecol. 2026;33(1):16-33.e3. doi: 10.1016/j.jmig.2025.06.004.
- Pope R, Marino J, Myers A, Sahmoud A: Female Orgasmic Disorder: Current Understanding and Clinical Management. Obstet Gynecol. 2026;148(2):175-182. doi: 10.1097/AOG.0000000000006338.
- Nguyen V, Dolendo I, Uloko M, Hsieh TC, Patel D: Male delayed orgasm and anorgasmia: a practical guide for sexual medicine providers. Int J Impot Res. 2024;36:186-193. doi: 10.1038/s41443-023-00692-7.
- Taylor MJ, Rudkin L, Bullemor-Day P et al.: Strategies for managing sexual dysfunction induced by antidepressant medication. Cochrane Database Syst Rev. 2022;4:CD003382. doi: 10.1002/14651858.CD003382.pub3.
- Nurnberg HG, Hensley PL, Heiman JR et al.: Sildenafil treatment of women with antidepressant-associated sexual dysfunction: a randomized controlled trial. JAMA. 2008;300(4):395-404. doi: 10.1001/jama.300.4.395.
- Hollander AB, Pastuszak AW, Hsieh TC et al.: Cabergoline in the Treatment of Male Orgasmic Disorder-A Retrospective Pilot Analysis. Sex Med. 2016;4(1):e28-e33. doi: 10.1016/j.esxm.2015.09.001.
Leitlinien
- European Association of Urology: EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health – Disorders of Ejaculation. 2026. Langfassung [LL1].
- American Urological Association; Sexual Medicine Society of North America: Disorders of Ejaculation: An AUA/SMSNA Guideline. 2020; publiziert 2022. Leitlinie [LL2].
Fachinformation
- ratiopharm GmbH: Bupropion-ratiopharm 150 mg Tabletten mit veränderter Wirkstofffreisetzung – Fachinformation, aktueller Stand. Fachinformation [FI1].
- European Medicines Agency: Sildenafil ratiopharm – Produktinformation, aktueller Stand. Produktinformation [FI2].
- European Commission: Intrarosa 6,5 mg Vaginalzäpfchen – Produktinformation, aktueller Stand. Produktinformation [FI3].