Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie/Strangurie) – Einleitung

Unter Dysurie versteht man eine erschwerte, gewollte Blasenentleerung (Miktion), die zusätzlich schmerzhaft sein kann. Die Dysurie zählt zu den Miktionsbeschwerden. Des Weiteren zählen die Algurie (alleiniger Schmerz bei einer Harnentleerung) und die Strangurie (nicht unterdrückbarer Harndrang mit Schmerzen) dazu.

Synonyme und ICD-10: Algurie; Blasendrang; Blasenkrampf; Blasentenesmen; Brennen beim Wasserlassen; Dysurie; Harnblasenkrampf; Harnblasentenesmen; Harnzwang; schmerzhafte Harnentleerung; schmerzhafte Miktion; schmerzhafter Harndrang; schmerzhaftes Harnlassen; schmerzhaftes Urinieren; Strangurie; Tenesmus vesicae; vesikaler Tenesmus; (ICD-10-GM R30.-: Schmerzen beim Wasserlassen

Formen der Dysurie

  • Akute Dysurie: Plötzlicher Beginn der Symptome, oft bedingt durch Harnwegsinfektionen (HWI).
  • Chronische Dysurie: Anhaltende oder wiederkehrende Symptome, häufig bedingt durch chronische Prostatitis oder interstitielle Zystitis.
  • Algurie: Schmerzen bei der Harnentleerung ohne weitere Miktionsbeschwerden.
  • Strangurie: Stark schmerzhaftes und drängendes Gefühl zum Wasserlassen, oft ohne ausreichende Harnentleerung.

Ursachen

Eine Dysurie kann viele verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Harnwegsinfektionen (HWI)
  • Urethritis (Harnröhrenentzündung)
  • Prostatitis (Prostataentzündung)
  • Interstitielle Zystitis (Blasenschmerzsyndrom)
  • Urolithiasis (Harnsteine)
  • Tumoren im Harntrakt
  • Neurologische Erkrankungen
  • Medikamente und Strahlentherapie

Eine Dysurie kann Symptom vieler Erkrankungen sein (siehe unter "Differentialdiagnosen").  

Epidemiologie

Geschlechterverhältnis: Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Prävalenz (Krankheitshäufigkeit)

  • Akute Harnwegsinfektionen betreffen jährlich etwa 10 % der Frauen.
  • Chronische Prostatitis betrifft etwa 10-15 % der Männer.

Verlauf und Prognose

Verlauf

Der Verlauf von Dysurie hängt stark von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Hier sind einige spezifische Verläufe und mögliche Komplikationen:

Akuter Verlauf

  • Harnwegsinfektion (HWI): Typischerweise klingen die Symptome innerhalb weniger Tage nach Beginn einer geeigneten Therapie ab. Ohne Behandlung kann sich die Infektion ausbreiten und schwerwiegendere Komplikationen verursachen.
  • Urethritis: Symptome bessern sich meist rasch nach Beginn einer antibiotischen Therapie.

Chronischer Verlauf

  • Chronische Prostatitis: Bei Männern kann eine chronische Prostatitis zu lang anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden führen. Die Behandlung ist oft langwierig und erfordert eine Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen.
  • Interstitielle Zystitis: Diese chronische Erkrankung der Blase führt zu langfristigen Schmerzen und Miktionsbeschwerden (Beschwerden beim Wasserlassen). Der Verlauf ist variabel und kann durch verschiedene Therapieansätze gemildert, jedoch selten vollständig geheilt werden.

Rekurrierende Infektionen

  • Rezidivierende Harnwegsinfektionen: Frauen sind häufiger betroffen und leiden unter wiederkehrenden Episoden von Dysurie. Prophylaktische Maßnahmen und eine langfristige Antibiotikatherapie können zur Prävention eingesetzt werden.

Komplikationen

  • Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung)/Sepsis (Blutvergiftung): Besonders gefährdet sind geriatrische Patienten mit gleichzeitig bestehender Obstruktion (Verschluss eines Hohlorgans). Eine unbehandelte HWI kann zu einer Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung) oder Sepsis (Blutvergiftung) führen [1].
  • Schwangere: Bereits bei asymptomatischer Bakteriurie (ABU) besteht eine erhöhte Gefahr einer Pyelonephritis. Daher ist eine frühzeitige Behandlung essenziell [1].
  • Kinder: Bei fieberhaften Harnwegsinfekten besteht die Gefahr von bleibenden Nierenparenchymschäden. Eine rechtzeitige und adäquate Behandlung ist entscheidend [1].
  • Fertilitätstörung: Bei Frauen kann eine unbehandelte Urethritis (Harnröhrenentzündung, z. B. durch Chlamydien) zu einer Kolpitis (Scheidenentzündung) mit stummer Adnexitis (Eileiter- und Eierstockentzündung) führen. Bei Männern kann eine chronische Prostatitis (Prostataentzündung) die Fruchtbarkeit beeinträchtigen [1].

Chronische Dysurie: Eine unbehandelte oder nicht vollständig ausgeheilte Dysurie kann chronisch werden und zu dauerhaften Beschwerden führen.

Prognose

Die Prognose bei Dysurie hängt stark von der rechtzeitigen und adäquaten Behandlung der zugrunde liegenden Ursache ab:

Harnwegsinfektionen

  • Günstige Prognose: Unkomplizierte Harnwegsinfektionen haben bei rechtzeitiger Behandlung eine sehr gute Prognose. Die meisten Patienten sind nach wenigen Tagen symptomfrei.
  • Komplikationen: Bei ausbleibender Therapie oder komplizierten Verläufen kann es zu Pyelonephritis, Sepsis oder chronischen Infektionen kommen, was die Prognose verschlechtert.

Chronische und komplexe Ursachen

  • Chronische Prostatitis: Diese kann trotz Therapie zu lang anhaltenden Beschwerden führen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
  • Interstitielle Zystitis: Die Prognose ist variabel. Viele Patienten erleben eine Verbesserung der Symptome durch multifaktorielle Therapieansätze, aber vollständige Heilung ist selten.

Besondere Patientengruppen

  • Schwangere Frauen: Bei Schwangeren besteht bereits bei asymptomatischer Bakteriurie ein erhöhtes Risiko für Pyelonephritis. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung ist essenziell, um Komplikationen zu vermeiden.
  • Kinder: Fieberhafte Harnwegsinfektionen bei Kindern können bleibende Nierenparenchymschäden verursachen, was die langfristige Nierenfunktion beeinträchtigen kann.

Fertilitätsstörungen

  • Frauen: Urethritis und Kolpitis, insbesondere durch Chlamydieninfektion, können unbehandelt zu Fertilitätsstörungen führen.
  • Männer: Chronische Prostatitis kann die Spermienqualität und -produktion beeinflussen und somit die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Langzeitfolgen

  • Chronische Schmerzen: Unbehandelte oder unzureichend behandelte Dysurie kann chronische Schmerzen verursachen und die Lebensqualität beeinträchtigen.
  • Psychosoziale Auswirkungen: Lang anhaltende Beschwerden können zu Angstzuständen, Depressionen und sozialem Rückzug führen.

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Brennen beim Wasserlassen. (AWMF-Registernummer: 053-001), Juli 2018 Kurzfassung Langfassung