Muskelschmerzen (Myalgie) – Einleitung

Myalgie (Synonyme: Chronische Myalgie; interkostale Myalgie; Muskelschmerzen; muskuloskeletales Schmerzsyndrom; Myalgia; Myalgie; Myalgie im Brustbereich; Myalgie im Hals-Nacken-Bereich; Myalgie im Lendenbereich; myalgische Nackenbeschwerden; myofasziales Schmerzsyndrom; uncharakteristische Muskelschmerzen; ICD-10 M79.19: Myalgie) ist der medizinische Fachbegriff für Muskelschmerzen. Diese können als unspezifisches Symptom bei einer Vielzahl neurologischer und anderer Erkrankungen auftreten. 

Myalgien sind in vielen Fällen nicht durch eine primäre Schädigung des Skelettmuskels selbst verursacht.

Bei Muskelschmerzen nach Anstrengung spricht man von Muskelkater. Durch diese Belastung entstehen Mikroläsionen im Sarkolemm (Zellmembran der Muskelzelle), die mit einer Entzündungsreaktion einhergehen.

Einer Myalgie können örtliche Beschwerden sowie systemische Krankheitsbilder zugrunde liegen. Myalgien sind in vielen Fällen nicht durch eine primäre Schädigung des Skelettmuskels selbst verursacht.

Myalgien können örtlich begrenzt oder aber diffus in der gesamten Muskulatur, d. h. generalisiert auftreten. Sehr häufig sind die Schultern und der Nackenbereich betroffen. Myalgien gehören mit zu den häufigsten Gründen, einen Allgemeinmediziner aufzusuchen.

Formen der Muskelschmerzen (Myalgie)

Eine Myalgie kann verschiedene Formen annehmen, abhängig von der zugrunde liegenden Ursache und dem betroffenen Bereich:

  • Akute Myalgie: Muskelschmerzen, die plötzlich auftreten, oft nach intensiver körperlicher Anstrengung (Muskelkater) oder bei akuten Infektionen wie Influenza.
  • Chronische Myalgie: Lang anhaltende Muskelschmerzen, die über Wochen, Monate oder Jahre bestehen können. Diese Form ist häufig mit chronischen Erkrankungen wie rheumatischen Erkrankungen, Stoffwechselstörungen oder neurologischen Störungen verbunden.
  • Lokal begrenzte Myalgie: Muskelschmerzen, die auf einen spezifischen Bereich des Körpers beschränkt sind, z. B. der Schulter- und Nackenbereich.
  • Generalisierte Myalgie: Diffuse Muskelschmerzen, die im gesamten Körper auftreten.
  • Statin-assoziierte Myalgie (SAMS): Muskelschmerzen, die durch die Einnahme von Statinen zur Cholesterinsenkung verursacht werden.

Eine Myalgie kann Symptom vieler Erkrankungen sein (siehe unter “Differentialdiagnosen“).

Epidemiologie

Zur Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) der Myalgie liegen keine Zahlen vor.
Die Prävalenz der Statin-assoziierten Myalgie schwankt zwischen etwa 5 % in randomisierten klinischen Studien (RCT) und fast 30 % in Beobachtungsstudien bzw. Registern [1, 2, 3, 4].

Verlauf und Prognose

Verlauf

  • Allgemein: Myalgien können sowohl akut als auch chronisch auftreten. Akute Myalgien, wie sie nach körperlicher Anstrengung oder bei Infektionen vorkommen, klingen meist ohne spezifische Therapie ab. Chronische Myalgien erfordern eine gründlichere Untersuchung und Therapie.
  • Akute Myalgien: Diese haben in der Regel eine gute Prognose und verschwinden meistens, wenn der auslösende Faktor beseitigt ist oder der Körper sich erholt. Beispiele sind Muskelkater nach intensiver körperlicher Anstrengung oder Muskelschmerzen bei akuten Infektionen.
  • Chronische Myalgien: Diese bedürfen einer umfassenden Anamnese, körperlichen Untersuchung und häufig weiterführender Diagnostik, um die Ursache zu ermitteln und eine adäquate Therapie einzuleiten. Zu den möglichen chronischen Ursachen zählen rheumatische Erkrankungen, neurologische Störungen, Stoffwechselerkrankungen und chronische Infektionen.

Prognose

  • Allgemein: Die Prognose von Myalgien hängt stark von der zugrunde liegenden Ursache ab. Häufig verschwinden die Muskelschmerzen durch die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung.
  • Akute Myalgien: Diese haben eine ausgezeichnete Prognose und heilen in der Regel vollständig aus.
  • Chronische Myalgien: Die Prognose hängt von der zugrunde liegenden Ursache und der Wirksamkeit der Behandlung ab. Eine individuell abgestimmte Therapie, die von der Beseitigung eines Vitamin-D-Mangels über die Anpassung von Medikamenten (wie bei Statin-assoziierten Myalgien) bis zu spezifischen Behandlungen rheumatischer Erkrankungen reicht, ist notwendig.
  • Statin-assoziierte Myalgie (SAMS): In vielen Fällen kann eine Anpassung der Medikation oder ein Wechsel auf andere Lipidsenker notwendig sein. Die Bestimmung der Creatininkinase (CK) kann zur Diagnostik herangezogen werden. Die Behandlung der zugrunde liegenden Komorbiditäten wie Hypothyreose, Vitamin-D-Mangel und Angststörungen verbessert ebenfalls die Prognose.

Komorbiditäten

SAMS-assoziierte Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) sind Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion), Vitamin-D-Mangel und Angststörungen [5, 6]. Diese müssen ebenfalls berücksichtigt und behandelt werden, um die Muskelschmerzen effektiv zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Literatur

  1. Collins R et al.: Interpretation of the evidence for the efficacy and safety of statin therapy. Lancet. 2016 Nov 19;388(10059):2532-2561. doi: 10.1016/S0140-6736(16)31357-5. Epub 2016 Sep 8.
  2. Stroes ES et al.: Statin-associated muscle symptoms: impact on statin therapy-European Atherosclerosis Society Consensus Panel Statement on Assessment, Aetiology and Management. Eur Heart J. 2015 May 1;36(17):1012-22. doi: 10.1093/eurheartj/ehv043. Epub 2015 Feb 18.
  3. Hovingh GK et al.: Identification and management of patients with statin-associated symptoms in clinical practice: A clinician survey. Atherosclerosis. 2016 Feb;245:111-7. doi: 10.1016/j.atherosclerosis.2015.12.015. Epub 2015 Dec 11.
  4. Laufs U et al.: Behandlungsoptionen bei Statin-assoziierten Muskelbeschwerden. Dtsch Ärztebl Int. 2015 Oct 30;112(44):748-55 doi: 10.3238/arztebl.2015.0748
  5. Stroes ES et al.: Statin-associated muscle symptoms: impact on statin therapy—European Atherosclerosis Society Consensus Panel Statement on Assessment, Aetiology and Management. Eur Heart J 2015;36:1012-1022 doi: 10.1093/eurheartj/ehv043.
  6. Rosenson RS et al.: Optimizing cholesterol treatment in patients with muscle complaints. J Am Coll Cardiol 2017;70:1290-1301 doi: 10.1016/j.jacc.2017.07.752.

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: Diagnostik und Differenzialdiagnose bei Myalgien. (AWMF-Registernummer: 030-051), Februar 2020 Langfassung
  2. S1-Leitlinie: Diagnostik von Myopathien. (AWMF-Registernummer: 030-115), Juni 2021 Langfassung