Harnblasenschmerzen – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung inklusive Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, Körpergewicht und Körpergröße; des Weiteren:
    • Beurteilung des Allgemeinzustandes und der Vigilanz (Wachheitsgrad)
    • Beurteilung des Hydratationszustandes (Flüssigkeitshaushalt)
  • Untersuchung des Abdomens (Bauches) und der Harnblasenregion
    • Inspektion des Abdomens, insbesondere des Unterbauches
    • Auskultation (Abhören) des Abdomens
    • Perkussion (Abklopfen) und Palpation (Abtasten) des Abdomens mit besonderer Beurteilung der suprapubischen (oberhalb des Schambeins gelegenen) Region [lokaler suprapubischer Druckschmerz bzw. Reproduktion des bekannten Harnblasenschmerzes]
    • Beurteilung einer möglichen Harnblasenüberdehnung (Überfüllung der Harnblase) durch Palpation bzw. Perkussion des Unterbauches [suprapubisch tastbare bzw. perkutorisch abgrenzbare, druckschmerzhafte gefüllte Harnblase bei Harnverhalt (Unfähigkeit zur ausreichenden Blasenentleerung)]
    • Prüfung auf Abwehrspannung (unwillkürliche Anspannung der Bauchdecke) bzw. peritoneale Reizzeichen (Zeichen einer Bauchfellreizung)
  • Untersuchung der Nierenlager Palpation bzw. vorsichtige Perkussion beider Nierenlager zur Beurteilung einer möglichen Beteiligung des oberen Harntraktes (Harnwege)
  • Urogenitale Untersuchung (Untersuchung der Harn- und Geschlechtsorgane)
    • Inspektion des äußeren Genitales und des Meatus urethrae
    • Palpation der Urethra (Harnröhre) bei entsprechender Symptomlokalisation
    • Bei Frauen ggf. gynäkologische Untersuchung, insbesondere bei begleitenden vaginalen bzw. pelvinen (das Becken betreffenden) Beschwerden
    • Bei Männern ggf. digital-rektale Untersuchung (Untersuchung mit dem Finger über den Enddarm) der Prostata (Vorsteherdrüse), insbesondere bei begleitenden perinealen (den Damm betreffenden) bzw. pelvinen Beschwerden
  • Untersuchung des Beckenbodens insbesondere bei chronischen bzw. rezidivierenden (wiederkehrenden) Harnblasenschmerzen:
    • Vaginale bzw. rektale (den Enddarm betreffende) Einfingerpalpation der Beckenbodenmuskulatur mit Beurteilung von Muskeltonus (Muskelspannung), Druckschmerz, Kontraktions- (Anspannungs-) und Relaxationsfähigkeit (Entspannungsfähigkeit) sowie myofaszialen Triggerpunkten (druckschmerzhaften Muskelpunkten) [Druckdolenz (Druckempfindlichkeit) bzw. Hypertonus (erhöhte Muskelspannung) der Beckenbodenmuskulatur; myofasziale Triggerpunkte mit Reproduktion des bekannten Schmerzes]
    • Palpation insbesondere des M. levator ani (Afterhebermuskel) und M. obturatorius internus (innerer Hüftlochmuskel) [druckschmerzhafte Muskelareale bzw. Triggerpunkte]
  • Orientierende muskuloskelettale (den Bewegungsapparat betreffende) und neurologische (das Nervensystem betreffende) Untersuchung insbesondere bei chronischen Harnblasenschmerzen bzw. chronischem Beckenschmerz:
    • Untersuchung von Lendenwirbelsäule, Sakroiliakalgelenken (Kreuz-Darmbein-Gelenken), Hüften sowie Bauch-, Adduktoren- (heranziehenden) und Glutealmuskulatur (Gesäßmuskulatur)
    • Orientierende Prüfung der Sensibilität (Empfindungsfähigkeit) im Unterbauch und Perineum (Dammregion) sowie der sakralen (das Kreuzbein betreffenden) neurologischen Funktion

Beachte: Für das primäre Blasenschmerzsyndrom existiert kein pathognomonischer (krankheitsbeweisender) körperlicher Untersuchungsbefund. Die körperliche Untersuchung dient insbesondere der Reproduktion und topographischen (örtlichen) Zuordnung des Schmerzes, der Erfassung einer Beckenbodendysfunktion (Funktionsstörung des Beckenbodens) sowie der Identifikation bzw. Abgrenzung behandelbarer Ursachen. Auch bei ausgeprägten Beschwerden kann die körperliche Untersuchung weitgehend unauffällig sein.

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.