Leistungssport und Bedarf an Mineralstoffen und Spurenelementen

Mineralstoffe (anorganische lebensnotwendige Nährstoffe) und Spurenelemente (Mineralstoffe, die nur in sehr kleinen Mengen benötigt werden) erfüllen zentrale Funktionen im Energiestoffwechsel (Umwandlung und Bereitstellung von Energie), bei der neuromuskulären Erregbarkeit (Reizbarkeit von Nerven und Muskeln), Muskelkontraktion (Anspannung der Muskulatur), Hämatopoese (Blutbildung), Sauerstofftransportkapazität (Fähigkeit des Blutes zum Sauerstofftransport), Knochenmineralisation (Einlagerung von Mineralstoffen in den Knochen), Schilddrüsenfunktion (Funktion der Schilddrüse), Immunregulation (Steuerung der körpereigenen Abwehr) und antioxidativen Abwehr (Schutz vor oxidativen Zellschäden). Eine unzureichende Versorgung kann deshalb Gesundheit, Trainingskontinuität, Regeneration und sportliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen [1-3, 16, LL1].

Aus sportlicher Aktivität allein lässt sich jedoch kein pauschal erhöhter Bedarf an sämtlichen Mineralstoffen und Spurenelementen ableiten. Athleten, deren Ernährung den Energiebedarf deckt und eine hohe Lebensmittelauswahl sowie Nährstoffdichte aufweist, können die Referenzwerte im Allgemeinen erreichen. Ein erhöhtes Risiko für eine Unterversorgung entsteht vor allem bei niedriger Energieverfügbarkeit (zu geringer für den Körper verfügbarer Energie), restriktiven Ernährungsformen (stark einschränkenden Ernährungsweisen), wiederholten Gewichtsreduktionsphasen, hohen Schweißverlusten, Menstruationsblutungen, Blutspenden, gastrointestinalen Erkrankungen (Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts), Höhentraining und sehr hohen Trainingsumfängen [1, 2, 15, LL1, LL2].

Eine gezielte Supplementierung (gezielte Ergänzung von Nährstoffen) kann bei nachgewiesener Unterversorgung, dauerhaft unzureichender alimentärer Zufuhr (Zufuhr über die Nahrung) oder einer klar definierten Risikosituation gesundheitlich und leistungsphysiologisch relevant sein. Eine zusätzliche Zufuhr oberhalb einer bedarfsgerechten Versorgung verbessert die Leistungsfähigkeit bei den meisten Mineralstoffen und Spurenelementen dagegen nicht konsistent [2, 3, 16, LL1].

Ursachen einer unzureichenden Versorgung

Niedrige Energieverfügbarkeit

Eine im Verhältnis zum trainingsbedingten Energieverbrauch zu geringe Energiezufuhr vermindert häufig gleichzeitig die absolute Aufnahme von Eisen, Calcium, Magnesium, Zink, Jod und weiteren Mikronährstoffen. Eine anhaltend problematische niedrige Energieverfügbarkeit kann Bestandteil des Relative Energy Deficiency in Sport (REDs, relativer Energiemangel im Sport) sein und zahlreiche physiologische Funktionen sowie die sportliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen [1, 2, LL2].

Besonders gefährdet sind Athleten in ästhetischen Sportarten, Ausdauersportarten, Gewichtsklassensportarten und Sportarten, in denen ein niedriges Körpergewicht als leistungsfördernd angesehen wird. Auch wiederholte Reduktionsphasen, eine geringe Energiedichte der Ernährung und gestörtes Essverhalten erhöhen das Risiko [1, LL1, LL2].

Restriktive Ernährungsformen

Der Ausschluss ganzer Lebensmittelgruppen kann die Zufuhr oder Bioverfügbarkeit (Anteil eines Nährstoffs, der vom Körper aufgenommen und genutzt werden kann) einzelner Mineralstoffe vermindern. Bei einer veganen Ernährung erfordern insbesondere Eisen, Zink, Calcium, Jod und Selen eine fachgerechte Lebensmittelauswahl. Eine milchfreie Ernährung kann die Calciumzufuhr reduzieren, sofern keine geeigneten calciumreichen oder angereicherten Alternativen eingesetzt werden. Entscheidend ist nicht die Ernährungsform allein, sondern deren Energie- und Nährstoffdichte [1, 2, 14-16].

Schweißverluste

Schweißrate und Elektrolytkonzentration (Konzentration gelöster Mineralstoffe) des Schweißes unterscheiden sich erheblich zwischen einzelnen Athleten und können auch bei derselben Person in Abhängigkeit von Belastungsintensität, Belastungsdauer, Umgebungstemperatur, Akklimatisation (Anpassung an Umweltbedingungen), Bekleidung und Trainingszustand variieren [4, 5, LL1].

Natrium und Chlorid sind die quantitativ dominierenden Elektrolyte des Schweißes. Kalium, Calcium und Magnesium werden ebenfalls ausgeschieden, ihre Verluste sind unter üblichen Bedingungen jedoch wesentlich geringer. Auch Eisen, Zink und Kupfer können über den Schweiß verloren gehen; die klinische Bedeutung hängt von der Gesamtversorgung und weiteren Verlustquellen ab [1, 5, LL1].

Blutverluste und belastungsabhängige Eisenregulation

Bei Ausdauerathleten können neben einer unzureichenden Zufuhr menstruelle Blutverluste, Blutspenden, gastrointestinale Mikroblutungen (kleinste Blutverluste im Magen-Darm-Trakt), Hämaturie (Blut im Urin) und mechanisch bedingte Hämolyse (Zerfall roter Blutkörperchen) zur Entstehung eines Eisenmangels beitragen. Intensive Belastungen erhöhen vorübergehend die Konzentration des eisenregulierenden Hormons Hepcidin (Hormon zur Steuerung des Eisenstoffwechsels) und können dadurch die intestinale Eisenaufnahme (Eisenaufnahme im Darm) sowie die Bereitstellung von Speichereisen vermindern. Beim Höhentraining steigt der Eisenbedarf infolge der stimulierten Erythropoese (Bildung roter Blutkörperchen) [1, 7-9].

Natrium und Chlorid

Natrium und Chlorid sind für die Regulation des Extrazellulärvolumens (Flüssigkeitsraum außerhalb der Zellen), der Plasmaosmolalität (Konzentration gelöster Teilchen im Blutplasma), der neuromuskulären Erregbarkeit und des Flüssigkeitshaushalts wesentlich. Die Natriumzufuhr im Sport darf deshalb nicht isoliert anhand des geschätzten Natriumverlusts geplant werden. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Natriumverlust, Flüssigkeitsverlust und Flüssigkeitsaufnahme [4-6].

Für eine generelle tägliche Natriumsupplementierung aller Athleten besteht keine Evidenz. Der Organismus kann die renale (die Nieren betreffende) und schweißbedingte Natriumausscheidung innerhalb bestimmter Grenzen an die habituelle Natriumzufuhr und die Umweltbedingungen anpassen. Bei hoher Energiezufuhr steigt außerdem häufig bereits die alimentäre Natriumzufuhr [4, LL1].

Eine gezielte Natriumzufuhr kann insbesondere sinnvoll sein bei:

  • lang andauernden Belastungen mit hoher Schweißrate
  • Training und Wettkampf unter Hitze- oder hoher Luftfeuchtigkeit
  • hoher individueller Schweißnatriumkonzentration
  • kurzer Regenerationszeit bis zur folgenden Belastung
  • einem ausgeprägten Flüssigkeitsdefizit, das zeitnah ausgeglichen werden soll

Die konkrete Strategie ist anhand der Belastungsdauer, Schweißrate, Flüssigkeitsaufnahme und Verträglichkeit zu individualisieren [4, 5].

Die Schweißrate kann näherungsweise aus der Veränderung der Körpermasse vor und nach der Belastung unter Berücksichtigung der aufgenommenen Flüssigkeit und der Urinausscheidung bestimmt werden. Eine Schweißnatriumanalyse kann bei langen Belastungen und wiederholt hohen Verlusten zusätzliche Informationen liefern. Das Ergebnis einer Einzelmessung ist jedoch nur für vergleichbare Belastungs- und Umweltbedingungen übertragbar [4, 5].

Die belastungsassoziierte Hyponatriämie (zu niedrige Natriumkonzentration im Blut) entsteht überwiegend, wenn die Flüssigkeitsaufnahme den tatsächlichen Flüssigkeitsverlust und die renale Ausscheidungskapazität übersteigt. Eine Natriumzufuhr kann den Abfall der Serumnatriumkonzentration (Natriumgehalt im Blutserum) begrenzen, verhindert aber nicht die Folgen einer ausgeprägten Flüssigkeitsüberversorgung. Eine Gewichtszunahme während einer Ausdauerbelastung ist daher zu vermeiden [4, 6].

Kalium

Kalium ist das wichtigste intrazelluläre Kation (positiv geladenes Teilchen innerhalb der Zellen) und an der Regulation des Membranpotenzials (elektrische Spannung an der Zellmembran), der Nervenleitung und der Muskelkontraktion beteiligt. Die Kaliumkonzentration des Schweißes ist deutlich niedriger und weniger variabel als die Natriumkonzentration [1, 5, LL1].

Bei ausreichender Energiezufuhr und einer Ernährung mit Gemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Obst, Nüssen und Vollkornprodukten ist eine bedarfsgerechte Kaliumzufuhr im Allgemeinen erreichbar. Für eine routinemäßige leistungsorientierte Kaliumsupplementierung ausreichend versorgter Athleten besteht keine belastbare Evidenz [1, 3, LL1].

Eine gezielte Kaliumsubstitution (gezielter Ersatz von Kalium) ist medizinischen Situationen wie einer nachgewiesenen Hypokaliämie (zu niedrige Kaliumkonzentration im Blut) oder erheblichen gastrointestinalen Verlusten vorbehalten und sollte nicht allein aufgrund sportlicher Aktivität erfolgen.

Calcium

Calcium ist für Knochenmineralisation, Muskelkontraktion, neuromuskuläre Signalübertragung und intrazelluläre Regulationsprozesse (Steuerungsvorgänge innerhalb der Zellen) erforderlich. Für die langfristige Knochengesundheit sind neben der Calciumzufuhr insbesondere eine ausreichende Energieverfügbarkeit, Proteinversorgung, Vitamin-D-Versorgung und mechanische Knochenbelastung relevant [10, 16, LL2].

Ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Calciumversorgung besteht insbesondere bei:

  • niedriger Energieverfügbarkeit und REDs
  • milchfreier Ernährung ohne geeignete calciumreiche Alternativen
  • unzureichender Verwendung calciumangereicherter Lebensmittel
  • Wachstumsphasen mit gleichzeitig hohem Trainingsumfang
  • Menstruationsstörungen
  • niedriger Knochenmineraldichte (Mineralstoffgehalt des Knochens)
  • vorausgegangenen Knochenstressreaktionen (belastungsbedingte Vorstufen eines Ermüdungsbruchs) oder Stressfrakturen (Ermüdungsbrüchen)

Diese Risikofaktoren sollten im Rahmen einer sportmedizinischen und ernährungsmedizinischen Gesamtbeurteilung berücksichtigt werden [10, LL1, LL2].

Geeignete Calciumquellen sind Milch und Milchprodukte, calciumreiche Mineralwässer, calciumangereicherte Pflanzendrinks, mit Calciumsalzen hergestellter Tofu sowie ausgewählte Gemüse, Nüsse und Samen. Kann der individuelle Bedarf nicht zuverlässig durch Lebensmittel gedeckt werden, kann eine gezielte Calciumergänzung die Versorgungslücke schließen. Die Dosis sollte sich an der geschätzten Gesamtzufuhr und der individuellen Risikokonstellation orientieren [2, 10, 16].

Eine routinemäßige hochdosierte Calciumsupplementierung ohne vorherige Prüfung der alimentären Zufuhr und der klinischen Situation ist nicht angezeigt.

Magnesium

Magnesium ist als Cofaktor (Hilfsstoff für Enzyme) zahlreicher Enzyme an der Adenosintriphosphat-abhängigen Energiebereitstellung (Energiebereitstellung mithilfe des zellulären Energieträgers Adenosintriphosphat), Proteinsynthese (Aufbau von Eiweißen), neuromuskulären Erregbarkeit und Regulation des Elektrolythaushalts beteiligt [1, 3, 11].

Ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Zufuhr besteht vor allem bei niedriger Energieverfügbarkeit, einseitiger Ernährung sowie geringer Aufnahme von Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen und grünem Gemüse. Die isolierten Magnesiumverluste über den Schweiß sind unter üblichen Trainingsbedingungen vergleichsweise gering [1, LL1].

Die Metaanalyse zur Magnesiumsupplementierung und Muskelfunktion ergab bei Athleten und körperlich aktiven Personen mit überwiegend ausreichendem Ausgangsstatus keine konsistenten Verbesserungen von Muskelkraft oder Muskelleistung. Ein Nutzen ist daher vor allem bei unzureichender Zufuhr, nachgewiesenem Mangel oder einer spezifischen medizinischen Indikation zu erwarten [11].

Eine Magnesiumsupplementierung sollte die ermittelte Versorgungslücke ausgleichen. Eine Dosiseskalation ohne Nachweis einer unzureichenden Versorgung ist nicht durch einen gesicherten leistungssteigernden Nutzen begründet. Gastrointestinale Nebenwirkungen, insbesondere Diarrhöen (Durchfälle), können die tolerierbare Dosis begrenzen.

Eisen

Eisen ist das sportmedizinisch bedeutsamste Spurenelement. Es ist Bestandteil von Hämoglobin (roter Blutfarbstoff), Myoglobin (Sauerstoffspeicher der Muskulatur), mitochondrialen Enzymen (Enzymen der zellulären Kraftwerke) und Proteinen der Elektronentransportkette (Eiweißsystem zur Energiegewinnung in den Zellen). Ein Eisenmangel kann deshalb Sauerstofftransport, oxidative Energiebereitstellung (Energiegewinnung unter Nutzung von Sauerstoff), Trainingsadaptation, Regeneration, Belastungstoleranz und kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigen [7-9, 16].

Besonders gefährdet sind:

  • menstruierende Athletinnen
  • Ausdauerathleten
  • Jugendliche in Wachstumsphasen
  • Athleten mit niedriger Energieverfügbarkeit
  • Athleten mit vegetarischer oder veganer Ernährung ohne gezielte Eisenplanung
  • Personen mit häufigen Blutspenden
  • Athleten mit gastrointestinalen Erkrankungen oder Blutverlusten
  • Athleten vor und während eines Höhentrainings

Die Diagnostik darf nicht auf Hämoglobin allein beschränkt werden. Eine trainingsbedingte Zunahme des Plasmavolumens (Flüssigkeitsanteil des Blutes) kann den Hämoglobinwert vermindern, ohne dass eine echte Anämie (Blutarmut) vorliegt [9, 15].

Die orientierende Basisdiagnostik umfasst:

  • kleines Blutbild mit Erythrozytenindizes (Messwerten der roten Blutkörperchen)
  • Serum-Ferritin (Speichereisenwert im Blut)
  • Transferrinsättigung (Anteil des mit Eisen beladenen Transportproteins)
  • C-reaktives Protein (Entzündungswert) zur Beurteilung einer möglichen Entzündungsreaktion

Bei unklaren Konstellationen können zusätzliche Parameter wie löslicher Transferrinrezeptor (Laborwert zur Beurteilung des Eisenbedarfs) oder Retikulozytenhämoglobin (Hämoglobingehalt junger roter Blutkörperchen) hilfreich sein. Ferritin ist ein Akutphaseprotein (Eiweiß, dessen Konzentration sich bei Entzündungen verändert) und kann bei Infektionen, Entzündungen und nach intensiven Belastungen erhöht sein. Blutentnahmen sollten deshalb möglichst unter standardisierten Bedingungen und nicht unmittelbar nach einer außergewöhnlich intensiven Belastung erfolgen [9, 15].

Für Athleten besteht kein universell anwendbarer Ferritin-Grenzwert, der unabhängig von Geschlecht, Entzündungsstatus, Trainingsphase und geplanter Belastung verwendet werden kann. Die Beurteilung sollte Ferritin, Transferrinsättigung, Blutbild, klinische Symptomatik und sportartspezifische Anforderungen gemeinsam berücksichtigen [7, 9].

Die Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien zeigt, dass eine orale Eisensupplementierung bei Athleten die Ferritinkonzentration und weitere Parameter des Eisenstatus verbessert. Die stärksten Effekte wurden bei niedrigen Ausgangswerten beobachtet. Bei ausreichenden Eisenspeichern ergab sich kein überzeugender zusätzlicher hämatologischer oder leistungsbezogener Nutzen [7].

Der systematische Review zu Athletinnen bestätigt, dass Eisenmangel die Ausdauerleistungsfähigkeit beeinträchtigen und die Behandlung eiseninsuffizienter Athletinnen leistungsbezogene Verbesserungen ermöglichen kann. Daraus lässt sich jedoch keine prophylaktische Eisengabe ohne vorherige Diagnostik ableiten [8].

Bei nachgewiesenem Eisenmangel ist die orale Supplementierung im Allgemeinen die primäre Behandlungsform. Dosierung, Einnahmeintervall und Therapiedauer sollten anhand des Ausgangsbefunds, der Verträglichkeit, der Trainingsphase und der Verlaufskontrolle festgelegt werden. Eine parenterale Eisengabe (Eisengabe unter Umgehung des Magen-Darm-Trakts) bleibt einer klaren ärztlichen Indikation vorbehalten [7, 9].

Zink

Zink ist an Protein- und Desoxyribonukleinsäuresynthese (Aufbau der Erbsubstanz), Zellteilung, Immunfunktion, Wundheilung und zahlreichen enzymatischen Reaktionen beteiligt. Niedrige Energiezufuhr, geringe Bioverfügbarkeit pflanzlicher Zinkquellen und hohe Schweißverluste können den Zinkstatus beeinflussen [1, 12, LL1].

Eine Metaanalyse zeigte bei Athleten im Mittel niedrigere Serum-Zinkkonzentrationen (Zinkgehalte im Blutserum) als bei körperlich inaktiven Vergleichspersonen, obwohl die geschätzte Zinkzufuhr höher war. Da die eingeschlossenen Studien überwiegend beobachtenden Charakter hatten, beweist dieser Befund weder einen funktionellen Zinkmangel noch einen generellen Mehrbedarf sämtlicher Athleten [12].

Die Serum- oder Plasma-Zinkkonzentration wird unter anderem durch Nahrungsaufnahme, Tageszeit, Entzündungsreaktionen und vorausgegangene Belastung beeinflusst. Sie sollte deshalb unter standardisierten Bedingungen und gemeinsam mit Ernährungsanamnese und klinischer Situation interpretiert werden [12, 15].

Eine gezielte Zinksupplementierung kann bei dokumentierter Unterversorgung oder dauerhaft unzureichender Zufuhr sinnvoll sein. Für eine routinemäßige hoch dosierte Supplementierung ausreichend versorgter Athleten besteht keine Evidenz [2, 3, LL1].

Selen

Selen ist Bestandteil verschiedener Selenoproteine (selenhaltiger Eiweiße), darunter Glutathionperoxidasen (Enzyme zum Schutz vor oxidativen Zellschäden), Thioredoxinreduktasen (Enzyme des zellulären Schutzsystems) und Dejodasen (Enzyme zur Aktivierung und Inaktivierung von Schilddrüsenhormonen). Diese Proteine sind an antioxidativer Regulation, Schilddrüsenhormonstoffwechsel und weiteren zellulären Funktionen beteiligt [13, 14].

Der systematische Review zur Selensupplementierung bei körperlich aktiven Personen zeigte keine konsistente Verbesserung der aeroben oder anaeroben Leistungsfähigkeit. Eine generelle leistungsorientierte Selensupplementierung bei ausreichendem Ausgangsstatus ist daher nicht begründet [13].

Eine gezielte Ergänzung kann bei dokumentierter Unterversorgung, sehr geringer alimentärer Aufnahme oder Malabsorption (gestörter Aufnahme von Nährstoffen aus dem Darm) sinnvoll sein. Dosierung und Anwendungsdauer sollten kontrolliert werden, da eine unnötig hohe langfristige Zufuhr zu vermeiden ist.

Jod

Jod wird für die Synthese der Schilddrüsenhormone (Botenstoffe der Schilddrüse) benötigt und ist damit für Grundumsatz, Thermoregulation (Regulation der Körpertemperatur) und Energiestoffwechsel relevant. Der Jodstatus ist jedoch nur einer von mehreren Faktoren, die die Schilddrüsenfunktion von Athleten beeinflussen. Auch Energieverfügbarkeit, Eisenstatus, Selenstatus und bestehende Schilddrüsenerkrankungen sind zu berücksichtigen [1, 14].

Ein Risiko für eine unzureichende Zufuhr besteht insbesondere bei geringer Verwendung von jodiertem Speisesalz und beim Verzicht auf wesentliche Jodquellen oder angereicherte Lebensmittel. Dies kann auch bei einer nicht fachgerecht geplanten veganen Ernährung relevant sein [1, 14].

Eine Jodsupplementierung sollte sich an der Ernährungsanamnese und der individuellen klinischen Situation orientieren. Bei bestehenden Schilddrüsenerkrankungen ist eine unkontrollierte hoch dosierte Jodzufuhr zu vermeiden [14].

Kupfer und weitere Spurenelemente

Kupfer ist unter anderem am Eisenstoffwechsel, an der mitochondrialen Energiegewinnung (Energieproduktion in den Kraftwerken der Zellen), Bindegewebsbildung und antioxidativen Enzymsystemen beteiligt. Kupfer kann über den Schweiß verloren gehen; ein klinisch relevanter Mangel ist bei ausgewogener Ernährung jedoch selten. Für eine routinemäßige Kupfersupplementierung zur Leistungssteigerung besteht keine belastbare Evidenz [1, 3, LL1].

Auch für eine leistungsorientierte Supplementierung von Mangan oder Chrom bei ausreichend versorgten Athleten besteht keine konsistente Evidenz. Physiologische Funktionen oder theoretische Wirkmechanismen allein begründen keine Supplementierung [3].

Risikoorientierte Diagnostik

Eine rationale Mikronährstoffdiagnostik (gezielte Untersuchung der Versorgung mit Mikronährstoffen) im Leistungssport sollte nicht als unselektiertes umfassendes Laborprofil, sondern risikoorientiert erfolgen. Für viele Mikronährstoffe fehlen sportlerspezifische Referenzbereiche (Normwertbereiche für Sportler) oder einzelne Laborparameter bilden den funktionellen Versorgungsstatus nur eingeschränkt ab [1, 15].

Die strukturierte Beurteilung berücksichtigt:

  • Sportart, Trainingsumfang, Trainingsphase und Wettkampfkalender
  • Energieverfügbarkeit und mögliche REDs-Konstellationen
  • Gewichtsverlauf und wiederholte Reduktionsphasen
  • Ernährungsform und ausgeschlossene Lebensmittelgruppen
  • Menstruationsanamnese
  • Blutspenden und andere Blutverluste
  • gastrointestinale Erkrankungen oder Beschwerden
  • Schweißrate und Hitzeexposition
  • geplantes Höhentraining
  • Arzneimittel und bereits verwendete Nahrungsergänzungsmittel

Laboruntersuchungen sind anschließend gezielt anhand der identifizierten Risiken auszuwählen. Bei der Interpretation müssen Zeitpunkt der letzten Belastung, Hydratationsstatus (Flüssigkeitszustand des Körpers), Nahrungsaufnahme, Infekte und Entzündungsreaktionen berücksichtigt werden [1, 2, 15].

Gezielte Supplementierung

Die Grundlage der Versorgung bildet eine energiebedarfsdeckende, abwechslungsreiche und an Sportart sowie Trainingsphase angepasste Ernährung. Dieses Prinzip schließt eine Supplementierung nicht aus. Es ermöglicht vielmehr, Nahrungsergänzungsmittel dort gezielt einzusetzen, wo Lebensmittel allein eine Versorgungslücke nicht zuverlässig oder nicht rechtzeitig schließen können [1, 2, LL1].

Eine Supplementierung ist insbesondere begründet, wenn:

  • ein laborchemisch gesicherter Mangel vorliegt
  • die bedarfsgerechte Zufuhr über Lebensmittel vorübergehend oder dauerhaft nicht erreichbar ist
  • erhöhte Verluste oder ein erhöhter physiologischer Bedarf nachvollziehbar sind
  • eine besondere Trainings- oder Wettkampfphase eine zeitlich begrenzte Ergänzung erfordert
  • eine therapeutische Indikation besteht

Für jede Supplementierung sollten Wirkstoff, Ziel, Dosis, Einnahmezeitpunkt, Anwendungsdauer und Kontrollzeitpunkt festgelegt werden. Nach Normalisierung des Status ist zu prüfen, ob die Dosis reduziert oder die Supplementierung beendet werden kann [2, 15].

Im Leistungssport sollten Präparate mit transparenter Deklaration, nachvollziehbarer Qualitätssicherung und unabhängiger Chargenprüfung bevorzugt werden. Nahrungsergänzungsmittel können nicht deklarierte oder dopingrelevante Substanzen enthalten. Auch eine Qualitätsprüfung kann das Risiko vermindern, aber nicht vollständig ausschließen [LL3].

Fazit

Ein pauschal erhöhter Bedarf an sämtlichen Mineralstoffen und Spurenelementen besteht im Leistungssport nicht. Bei energiebedarfsdeckender, abwechslungsreicher Ernährung ist eine ausreichende Versorgung im Allgemeinen erreichbar. Kritische Konstellationen entstehen insbesondere durch niedrige Energieverfügbarkeit, restriktive Ernährungsformen, hohe Schweißverluste, Menstruation, sonstige Blutverluste, gastrointestinale Erkrankungen und Höhentraining.

Eisen besitzt aufgrund seiner Bedeutung für Sauerstofftransport und mitochondriale Energiebereitstellung eine besondere sportmedizinische Relevanz. Natrium und Chlorid sind bei hohen Schweißverlusten stets gemeinsam mit der Flüssigkeitsbilanz zu beurteilen. Calcium ist insbesondere bei niedriger Energieverfügbarkeit und erhöhtem Knochenstress bedeutsam.

Für Magnesium, Kalium, Zink, Selen, Jod, Kupfer und weitere Spurenelemente rechtfertigen sportliche Aktivität oder theoretische Stoffwechselfunktionen allein keine routinemäßige Supplementierung. Bei nachgewiesener Unterversorgung oder einer klaren Risikokonstellation kann eine gezielte Ergänzung jedoch Versorgungslücken wirksam schließen und dadurch Gesundheit, Regeneration, Trainingskontinuität und Leistungsfähigkeit unterstützen.

Der größte Nutzen wird durch eine individualisierte, diagnostisch begründete, ausreichend dosierte und kontrollierte Supplementierung erreicht.

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