Methacholintest

Beim Methacholintest (Synonym: Methacholin-Provokationstest; engl.: Methacholine Challenge Test) handelt es sich um einen unspezifischen, inhalativen (zum Einatmen) Provokationstest, der in der Pneumologie (Lungenheilkunde) und Allergologie zur Diagnostik des Asthma bronchiales eingesetzt wird.

Mit Hilfe des Verfahrens ist es möglich, die bronchiale Hyperreagibilität (übersteigerte Reaktionsbereitschaft der Atemwege auf einen exogenen Reiz (z. B. kalte Luft, Inhalationsnoxen), die zu einer pathologischen Verengung der Atemwege (Bronchoobstruktion) führt) im Rahmen des Asthmas zu beurteilen. Die erhöhte Empfindlichkeit der Bronchialschleimhaut ist mitentscheidend für die Symptomatik des Asthmas. Als Folge dieser Hyperreagibilität können Reize, die in einem physiologischen (gesunden) Bronchialsystem keine Reaktion hervorrufen würde, Asthmasymptome wie trockenen Husten, Dyspnoe (Atemnot) und Giemen (Atemgeräusche) verursachen. Methacholin selbst ist ein Arzneimittel aus der Gruppe der Parasympathomimetika (Steigerung des Parasympathicus), das dosisabhängig zu einer Reizung des Bronchialsystems führen kann.

Zielsetzung des Methacholintests

Der Hauptzweck dieses Tests ist es, eine latente (milde) oder subklinische Hyperreagibilität (übermäßig starke Reaktion auf einen Reiz) der Bronchien zu identifizieren, die für die Diagnose des Asthma bronchiale relevant ist. Methacholin, ein Parasympathomimetikum, wird eingesetzt, um eine kontrollierte Reizung der Atemwege zu induzieren. Das Ergebnis gibt Aufschluss darüber, wie empfindlich die Bronchien des Patienten auf Reize reagieren, die in gesunden Atemwegen normalerweise keine Reaktion hervorrufen.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Asthma bronchiale − die Bestimmung des Ausmaßes der bronchialen Hyperreagibilität ist Teil der Asthmadiagnostik und kann zur Beurteilung des Asthmas eingesetzt werden.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen

  • Allergie gegen Methacholin − Bei einer vorliegenden Allergie gegen Methacholin ist auf die Durchführung des Verfahrens zu verzichten. In der Regel werden andere Parasympathomimetika aufgrund einer möglichen Kreuzreaktivität nicht eingesetzt.
  • Kardiovaskuläre Begleiterkrankungen − Als kardiovaskuläre Erkrankung, die eine absolute Kontraindikation darstellt, ist eine bradykarde Herzrhythmusstörung (Verlangsamung der Herzfrequenz) zu nennen. 
  • Exacerbation des Asthmas − bei einer akuten Verschlechterung der Symptomatik ist auf die Testung zu verzichten
  • Schwangerschaft (Gravidität) − Durch die Einnahme des Methacholins kann die Entwicklung des Fötus beeinträchtigt werden, sodass das Verfahren keinesfalls bei schwangeren Patientinnen eingesetzt werden kann. 

Relative Kontraindikationen

  • Atemwegsobstruktion − bei einer Atemwegsobstruktion (Verengung bzw. Verlegung der Atemwege) wird in Abhängigkeit vom Schweregrad auf eine Durchführung des Methacholintests verzichtet. Ab einem mittleren Schweregrad wird normalerweise das Verfahren nicht mehr eingesetzt. 
  • Kinder − bei Kindern unter fünf Jahren sollte in der Regel von der Durchführung abgesehen werden.

Vor der Untersuchung

  • Koffein − bis zum Jahr 2011 wurde empfohlen, vor der Untersuchung auf die Einnahme von Koffein und somit einen Kaffeekonsum zu verzichten, da Koffein als Theophyllinanalogon (ähnliche Wirkung wie das Asthmamedikament Theophyllin) die bronchiale Reaktion abmildern kann. In einer Studie konnte jedoch gezeigt werden, dass die Aufnahme von Koffein vor der Untersuchung keinen Effekt auf die bronchiale Hyperreagibilität hat. Bei der Studie wurde ein definierter Koffeinspiegel erreicht, der jedoch auf den Hauptzielparameter "Forcierte Einsekundenkapazität (FEV1)" keinen Einfluss hatte [1].
  • Verzicht auf Asthmamedikamente − bei der Durchführung des Methacholin-Tests muss in Absprache mit dem behandelnden Pulmologen (Lungenfacharzt) auf die Einnahme von Medikamenten verzichtet werden, die eine Beeinflussung der Testergebnisse zur Folge haben könnten. Als Beispielsubstanzen, die nicht eingesetzt werden sollten, sind kurzwirksame Beta-Sympathomimetika (unter anderem Verbesserung der Weite der Atemwege) wie Salbutamol und Fenoterol und anticholinerge Substanzen wie Ipratropriumbromid und Tiotropiumbromid zu nennen. Auch antiallergische Substanzen wie der Histamin-H1-Rezeptor-Antagonist Loratadin, diverse Betablocker wie zum Beispiel Metoprolol und inhalative Glucocorticoide (Cortison und weitere Präparate) sind ebenfalls vor dem Test abzusetzen.

Das Verfahren

Zur Durchführung des Verfahrens sind verschiedene Methoden möglich:

  • 5-Stufen-Test − Bei dieser Methode zur Beurteilung der bronchiale Hyperreagibilität handelt es sich um die von der American Thoracic Society empfohlene Durchführung des Methacholintests. Vor dem Methacholintest erfolgt zusätzlich eine Spirometrie (medizinisches Verfahren zur Bestimmung des Atem- und Lungenvolumens). Für die Durchführung werden fünf verschiedene Konzentrationen des Methacholins (0,0625; 0,25; 1,0; 4,0; 16 mg/ml) hergestellt und dem Patienten über einen Vernebler verabreicht. Mithilfe der Spirometrie wird 90 Sekunden nach Gabe des Methacholins die FEV1 (Forcierte Einsekundenkapazität) bestimmt.
    Der Stufen-Test ist in der Durchführung verhältnismäßig aufwendig.
  • 4-Stufen-Test − Als Weiterentwicklung des 5-Stufen-Tests ist der 4-Stufen-Test anzusehen, bei dem nur eine Konzentration des Methacholins hergestellt und verabreicht werden muss. Diese Konzentration wird viermal verabreicht und die FEV1 anschließend bestimmt.

Beachte: Ein negativer Methacholintest schließt das Vorliegen einer bronchialen Hyperreagibilität ((übersteigerte Reaktionsbereitschaft der Atemwege auf einen exogenen Reiz) nicht sicher aus.

Mögliche Befunde

  • Normal: Keine signifikante Veränderung der Lungenfunktion nach Inhalation von Methacholin.
  • Positiv: Eine Reduktion der FEV1 um mehr als 20 % des Ausgangswerts zeigt eine bronchiale Hyperreagibilität an, was auf Asthma hindeuten kann.

Nach der Untersuchung

Durch die Reizung des Bronchialsystems sind moderate bis starke Belastungen im Anschluss an die Untersuchung zunächst zu vermeiden. Es sind jedoch keine speziellen Maßnahmen nach dem Methacholintest durchzuführen.

Mögliche Komplikationen 

  • Asthmaanfall − Im Rahmen des Methacholinstests ist eine starke Reaktion des Bronchialsystems möglich, sodass Dyspnoe und Giemen bis zum Asthmaanfall auftreten können. Aufgrund dessen ist es unabdingbar, das Verfahren unter ärztlicher Kontrolle durchzuführen.
  • Allergische Reaktionen − eine allergische Reaktion als Folge der Aufnahme des Methacholins ist möglich.
  • Kardiovaskuläre Komplikationen − Nach der inhalativen Applikation (Verabreichung) des Methacholins besteht die Möglichkeit, dass ein Abfall des diastolischen Blutdrucks erfolgt und der Patient tachykard (erhöhte Herzfrequenz) wird.
  • Vegetative Nebenwirkungen − Übelkeit und Erbrechen als Folgen des Verfahrens können auftreten.
  • Pneumothorax − in seltenen Fällen kann sich ein Luftspalt im Pleuraraum bilden, der umgehend ärztlich beurteilt und behandelt werden muss.

Literatur

  1. Gross H: Asthma bronchiale – Kaffeekarenz vor Methacholintest unnötig? Pneumologie. 2012. 66:12. doi: 10.1055/s-0032-1307020
  2. Vergleich des für die Arbeitsmedizinische Vorsorge vorgesehenen Methacholintests mit einem international empfohlenen Test. Projekt-Nr. BGFA MED020
  3. Saloga  J: Allergologie-Handbuch. Grundlagen und klinische Praxis. Schattauer Verlag 2006