Hochtontherapie
Die Hochtontherapie (elektrische Reizstrombehandlung) (HiToP, high tone power therapy, hochfrequente Elektrostimulation) ist ein physikalisches Elektrotherapieverfahren (Behandlung mit elektrischem Strom), bei dem modulierte elektrische Wechselströme über Hautelektroden (aufgeklebte Stromkontakte auf der Haut) appliziert werden. Sie zählt zu den komplementärmedizinischen (ergänzenden, nicht schulmedizinischen) bzw. physiotherapeutischen (krankengymnastischen) Verfahren. Die klinische Evidenz (wissenschaftliche Beweislage) ist begrenzt; ein krankheitsmodifizierender oder kausaler Therapieeffekt ist nicht gesichert. Eine Anwendung erfolgt gegebenenfalls symptomorientiert als additive Maßnahme.
Die Hochtontherapie gehört zu den komplementärmedizinischen Verfahren. Sie wird ergänzend bei ausgewählten schmerz- oder funktionsbezogenen Beschwerden eingesetzt.
Zielrichtung und Wirkungsweise der Hochtontherapie
Zielsetzung:
- Symptomatische Linderung akuter und chronischer Schmerzen
- Unterstützung der Muskelentspannung
- Verbesserung der lokalen Mikrozirkulation (Durchblutung kleinster Gefäße)
- Subjektive Förderung des allgemeinen Wohlbefindens
Wirkungsweise:
- Elektrische Stimulation peripherer Nervenfasern mit möglicher Modulation nozizeptiver (schmerzleitender) Signalweiterleitung (Gate-Control-Mechanismus)
- Lokale Durchblutungssteigerung durch Wärme- und Gefäßeffekte
- Reduktion muskulärer Hypertonie (Muskelüberspannung)
- Subjektive Entspannungswirkung
Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Chronische muskuloskelettale (Muskeln und Skelett betreffende) Schmerzen (z. B. Arthrose (Gelenkverschleiß), Rückenschmerzen, myofasziale (Muskel- und Bindegewebe betreffende) Beschwerden)
- Muskelverspannungen
- Funktionelle Bewegungseinschränkungen
- Ggf. neuropathische (durch Nervenschädigung bedingte) Schmerzen (Einzelfallanwendung; uneinheitliche Evidenzlage)
Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
- Implantierte elektrische Geräte: z. B. Herzschrittmacher, implantierbarer Defibrillator oder Neurostimulator (Nervenstimulator)
- Akute Infektionen oder Fieber: keine Anwendung im Akutstadium
- Thrombose (Blutgerinnsel in einem Gefäß) oder akute Gefäßerkrankung im Behandlungsgebiet
- Maligne Tumorerkrankung (bösartige Krebserkrankung) im Behandlungsareal
- Schwangerschaft: fehlende Sicherheitsdaten
- Epilepsie (Anfallsleiden): relative Kontraindikation
Vor der Therapie
- Medizinische Anamnese (ärztliche Vorgeschichte): Erfassung von Vorerkrankungen, Implantaten und Kontraindikationen
- Aufklärung: Information über Zielsetzung, begrenzte Evidenzlage und rein symptomatischen Charakter der Therapie
- Therapieplanung: Festlegung von Behandlungsdauer, -intensität und -frequenz
Das Verfahren
Die Behandlung erfolgt im Liegen oder Sitzen. Über zwei oder mehrere Hautelektroden werden modulierte elektrische Wechselströme auf das Zielgebiet appliziert. Die Stromintensität wird individuell angepasst und als angenehme Vibration oder Kribbeln wahrgenommen.
- Sitzungsdauer in der Regel 30-60 Minuten
- Typischerweise 2-3 Anwendungen pro Woche
- Behandlungsserien individuell je nach Beschwerdebild
Die Hochtontherapie dient primär der symptomatischen Schmerzbehandlung und ersetzt keine kausale oder leitliniengerechte Basistherapie (Standardbehandlung nach medizinischen Leitlinien).
Nach der Therapie
- Kurze Ruhephase: zur Erholung nach der Behandlung
- Beobachtung: Dokumentation von Veränderungen oder Nebenwirkungen
- Allmähliche Wiederaufnahme der Aktivität
Mögliche Komplikationen
- Lokale Hautreizungen oder Rötungen an den Elektrodenstellen
- Vorübergehende Müdigkeit oder Benommenheit
- Gelegentlich muskulärer Muskelkater oder Kribbelgefühl
- Sehr selten Kreislaufreaktionen bei empfindlichen Patienten
Bewertung der Evidenz: Für die Hochtontherapie existieren bislang keine hochwertigen randomisierten Studien (vergleichende wissenschaftliche Untersuchungen) mit eindeutigem klinischem Nutzen. Eine Anwendung sollte daher ausschließlich ergänzend und symptomorientiert erfolgen.