Kniearthrose (Gonarthrose) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Gonarthrose (Kniegelenkverschleiß) mitbedingt sein können:

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Aktivierte Gonarthrose mit Synovialitis (Entzündung der Gelenkinnenhaut) und Gelenkerguss (Flüssigkeitsansammlung im Gelenk) – episodische entzündliche Aktivierungsphasen können mit Überwärmung, Rötung, Schwellung, Ergussbildung, Schmerzverstärkung und zusätzlicher Bewegungseinschränkung einhergehen [LL1].
  • Baker-Zyste (Ausstülpung der Kniegelenkkapsel) – kann insbesondere im Zusammenhang mit einem intraartikulären Gelenkerguss auftreten und zu zusätzlicher Schwellung bzw. Beschwerden in der Kniekehle führen [LL1].
  • Progrediente Bewegungseinschränkung und Gelenksteife – Schmerzen sowie die fortschreitende Beteiligung von Gelenkknorpel, Knochen, Bändern, Gelenkkapsel und periartikulären Strukturen (gelenknahen Strukturen) können die Beweglichkeit und körperliche Funktion zunehmend einschränken [LL1, LL2].
  • Achsabweichung bzw. Gelenkfehlstellung – insbesondere Varusfehlstellungen (O-Bein-Fehlstellungen) oder Valgusfehlstellungen (X-Bein-Fehlstellungen) können bei fortgeschrittener Gonarthrose vorliegen und die mechanische Fehlbelastung sowie funktionelle Beeinträchtigung verstärken [LL1].

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Chronische Knieschmerzen – persistierende bzw. rezidivierende Schmerzen können sich im Krankheitsverlauf chronifizieren und wesentlich zur Einschränkung der körperlichen Funktion, Alltagsaktivität und Lebensqualität beitragen [LL1, LL2].
  • Gang- und Mobilitätseinschränkung – Schmerzen, Gelenksteife, Bewegungseinschränkung und Achsabweichungen können Gehstrecke, Treppensteigen und weitere Aktivitäten des täglichen Lebens zunehmend beeinträchtigen [LL1, LL2].

Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)

  • Stürze bzw. rezidivierende Stürze – symptomatische Gonarthrose ist mit einem erhöhten Risiko für rezidivierende Stürze assoziiert (Odds Ratio 1,55; 95%-Konfidenzintervall 1,10-2,18); radiographisch nachgewiesene Gonarthrose ist mit einem erhöhten Risiko für Stürze assoziiert (Odds Ratio 1,28; 95%-Konfidenzintervall 1,03-1,59) [1]. Für Frakturen (Knochenbrüche) zeigte die Metaanalyse dagegen keine statistisch signifikante Assoziation mit symptomatischer oder radiographischer Gonarthrose [1].

Weiteres

  • Einschränkung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und Teilhabe – chronische Schmerzen sowie reduzierte Mobilität und körperliche Funktion können Selbstversorgung, Alltagsaktivitäten und gesellschaftliche Teilhabe erheblich beeinträchtigen [LL1, LL2].

Prognosefaktoren

  • Niedrigere körperliche Funktionsfähigkeit – bei Patienten mit Gonarthrose mit einer späteren Verschlechterung der Schmerzen assoziiert; hierfür besteht starke Evidenz [2].
  • Höherer Body-Mass-Index – bei Patienten mit Gonarthrose mit einer späteren Verschlechterung der Schmerzen assoziiert; hierfür besteht moderate Evidenz. Bei Patienten mit Knie- und/oder Hüftarthrose (Hüftgelenkverschleiß) besteht darüber hinaus eine Assoziation mit einer Verschlechterung der körperlichen Funktionsfähigkeit [2].
  • Höhere Komorbiditätslast (Belastung durch Begleiterkrankungen) – bei Patienten mit Gonarthrose mit einer späteren Verschlechterung der Schmerzen assoziiert; hierfür besteht moderate Evidenz. Bei Knie- und/oder Hüftarthrose besteht zudem eine Assoziation mit einer Verschlechterung der körperlichen Funktionsfähigkeit [2].
  • Höhere Schmerzintensität – bei Patienten mit Knie- und/oder Hüftarthrose mit einer nachfolgenden Verschlechterung der körperlichen Funktionsfähigkeit assoziiert [2].
  • Aktivitätsvermeidung – bei Patienten mit Knie- und/oder Hüftarthrose mit einer Verschlechterung der körperlichen Funktionsfähigkeit assoziiert; hierfür besteht starke Evidenz [2].
  • Varusfehlstellung – mit einer radiographischen Progression (im Röntgenbild erkennbaren Verschlechterung) der Gonarthrose assoziiert; in der systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse bestand hierfür starke Evidenz [3].
  • Knieschmerzen zu Studienbeginn – mit einer radiographischen Progression der Gonarthrose assoziiert (Odds Ratio 2,38; 95%-Konfidenzintervall 1,74-3,27) [3].

Literatur

  1. Zhang Y, Li X, Wang Y et al.: Association of knee and hip osteoarthritis with the risk of falls and fractures: a systematic review and meta-analysis. Arthritis Res Ther. 2023;25:184. doi: 10.1186/s13075-023-03179-4
  2. Paans-Cijs B, Stekelenburg R, Veenhof C et al.: Prognostic Factors and Changes in Pain, Physical Functioning, and Participation in Patients With Hip and/or Knee Osteoarthritis: A Systematic Review. Arthritis Care Res (Hoboken). 2025;77(2):228-239. doi: 10.1002/acr.25428
  3. Bastick AN, Belo JN, Runhaar J et al.: What Are the Prognostic Factors for Radiographic Progression of Knee Osteoarthritis? A Meta-analysis. Clin Orthop Relat Res. 2015;473(9):2969-2989. doi: 10.1007/s11999-015-4349-z

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Gonarthrose. Version 5.0, 15.07.2024; nächste Überprüfung geplant 11.07.2029. (AWMF-Registernummer 187-050). Juli 2024 Langfassung. [LL1]
  2. National Institute for Health and Care Excellence: Osteoarthritis in over 16s: diagnosis and management. NICE Guideline NG226. 19. Oktober 2022. NICE NG226. [LL2]