Fersenschmerzen – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
Linderung der Fersenschmerzen und Verbesserung der Geh- und Belastungsfähigkeit; bei gesicherter Diagnose Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung. Die symptomatische Arzneimitteltherapie unterstützt die ursachenbezogene Behandlung, ersetzt jedoch weder eine erforderliche Entlastung noch eine gezielte Rehabilitation.
Therapieempfehlungen
- Diagnosebezogene Behandlung: Fersenschmerzen sind ein Symptom unterschiedlicher Erkrankungen. Plantarfasziopathie (Erkrankung der kräftigen Bindegewebsplatte an der Fußsohle), Achillessehnentendinopathie (Erkrankung der Achillessehne), Schleimbeutelerkrankungen, knöcherne Verletzungen und neuropathische Schmerzen (Schmerzen durch eine Schädigung oder Erkrankung von Nerven) müssen therapeutisch unterschieden werden [LL1, LL2, LL3, LL4].
- Symptomatische Arzneimitteltherapie: Bei vorübergehend behandlungsbedürftigen Schmerzen kann ein zeitlich begrenzter Analgetikaversuch erfolgen. Auswahl und Dauer richten sich nach Schmerzursache, Begleiterkrankungen, Begleitmedikation und individuellem Risiko. Eine dauerhafte Einnahme zur Aufrechterhaltung einer schmerzauslösenden Belastung ist zu vermeiden.
- Grenzen der Behandlung: Eine medikamentöse Schmerzlinderung beweist keine Heilung. Analgetika beseitigen weder einen knöchernen Vorsprung noch eine mechanische Nervenkompression (Einengung eines Nervs) und stellen keine nachgewiesene strukturelle Heilbehandlung einer chronischen Faszien- oder Sehnenerkrankung dar [1, LL1, LL2, LL3].
- Basistherapie: Bei mechanisch bedingten Beschwerden stehen Belastungsanpassung, geeignetes Schuhwerk und diagnosespezifische Übungsbehandlung im Vordergrund. Bei Plantarfasziopathie kommen unter anderem Dehnübungen und vorübergehendes Taping infrage; bei Achillessehnentendinopathie ist ein progressives Belastungstraining wesentlich [LL1, LL2, LL3].
Einzeldiagnosen: Arzneimitteltherapie und ihre Grenzen
| Einzeldiagnose | Stellenwert der Arzneimitteltherapie | Grenzen und vorrangige Maßnahmen |
|---|---|---|
| Plantarfasziopathie; häufig als Plantarfasziitis (Entzündung der Bindegewebsplatte an der Fußsohle) bezeichnet | Ein kurzzeitiger Analgetikaversuch ist bei stärkerer Schmerzbelastung möglich. Eine anhaltende Heilwirkung oraler NSAR ist nicht gesichert. Lokale Glukokortikoidinjektionen sind keine Erstlinientherapie [2, LL1]. | Belastungsanpassung und gezielte Übungsbehandlung sind entscheidend. Eine chronische Plantarfasziopathie ist nicht mit einer ausschließlich entzündlichen Erkrankung gleichzusetzen. Injektionen können allenfalls zeitlich begrenzt helfen; eine zuverlässige Überlegenheit gegenüber Placebo und ein dauerhafter Nutzen sind nicht gesichert [2, LL1]. |
| Plantarer Fersensporn (knöcherner Vorsprung an der Unterseite des Fersenbeins) | Arzneimittel behandeln gegebenenfalls die begleitenden Schmerzen; eine medikamentöse Beseitigung des Sporns ist nicht möglich. | Ein radiologisch nachgewiesener Sporn allein begründet keine Arzneimittelbehandlung. Bei plantaren Beschwerden ist insbesondere eine begleitende Plantarfasziopathie zu berücksichtigen [LL1]. |
| Insertionale Achillessehnentendinopathie (Erkrankung der Achillessehne an ihrem Ansatz am Fersenbein) | NSAR allenfalls zurückhaltend und kurzzeitig bei einer schmerzhaften Begleitreaktion einsetzen. Keine intratendinöse Glukokortikoidinjektion [LL2]. | Kompressions- und Zugbelastung am Sehnenansatz reduzieren und das Training entsprechend anpassen. Behandlungsergebnisse zur Midportion-Tendinopathie (Erkrankung im mittleren Abschnitt der Achillessehne) sind nicht ohne Weiteres auf die insertionale Erkrankung übertragbar [LL2, LL3]. |
| Midportion-Achillessehnentendinopathie | Keine routinemäßige Dauerbehandlung mit NSAR. In einer randomisierten Studie war eine vierwöchige Behandlung mit topischem Diclofenac Placebo nicht überlegen [1]. | Progressives Sehnenbelastungstraining bildet die Basis. Eine Studie zur ultraschallgesteuerten peritendinösen Glukokortikoidinjektion zusätzlich zur Übungstherapie zeigte einen Nutzen unter kontrollierten Bedingungen; daraus folgt keine allgemeine Empfehlung für Injektionen bei jeder Achillessehnenerkrankung [3, LL2, LL3]. |
| Nichtinfektiöse retrocalcaneare oder oberflächliche Bursitis (Schleimbeutelentzündung zwischen Achillessehne und Fersenbein oder unter der Haut); Haglund-Syndrom (Beschwerden durch einen knöchernen Vorsprung am hinteren Fersenbein mit Reizung benachbarter Gewebe) | Bei schmerzhafter entzündlicher Begleitreaktion kann kurzfristig ein orales NSAR erwogen werden. Eine lokale Glukokortikoidinjektion nahe der Achillessehne erfordert eine besonders strenge fachärztliche Indikationsstellung. | Druck durch Schuhe und mechanische Reizung reduzieren. Arzneimittel korrigieren die knöcherne Form beim Haglund-Syndrom nicht. Vor einer Injektion Infektion und relevante Sehnenschädigung ausschließen; eine intratendinöse Injektion vermeiden [LL2]. |
| Fersenfettpolstersyndrom (Schmerzen durch ein beeinträchtigtes stoßdämpfendes Fettpolster unter der Ferse); Fersenprellung | Bei einer akuten Prellung ist eine kurzfristige symptomatische Behandlung möglich; hierfür kann auch ein entsprechend zugelassenes topisches NSAR verwendet werden [FI1]. | Druckentlastung und Polsterung stehen im Vordergrund. Eine Wiederherstellung eines geschädigten Fettpolsters durch Analgetika ist nicht belegt. Glukokortikoidinjektionen sind wegen möglicher Fettgewebsatrophie (Schwund von Fettgewebe) ungünstig. |
| Calcaneus-Stressfraktur (Ermüdungsbruch des Fersenbeins); traumatische Calcaneusfraktur (unfallbedingter Bruch des Fersenbeins); Achillessehnenruptur (Riss der Achillessehne) | Analgetika dienen nur als Begleitbehandlung nach diagnostischer Einordnung. | Entlastung, gegebenenfalls Immobilisation (Ruhigstellung) und traumatologisch-orthopädische Behandlung haben Vorrang. Eine durch Analgetika ermöglichte Weiterbelastung kann die Verletzung verschlimmern. Keine Glukokortikoidinjektion in eine verletzte Sehne. |
| Tarsaltunnelsyndrom (Nerveneinengung an der Innenseite des Sprunggelenks); Baxter-Neuropathie (Schädigung eines Nervenastes im Fersenbereich); andere periphere neuropathische Schmerzursachen | Bei klinisch gesichertem neuropathischem Schmerz kann eine hierfür geeignete Arzneimitteltherapie, beispielsweise mit Pregabalin, erwogen werden. Die Empfehlung beruht auf der Behandlung neuropathischer Schmerzen allgemein; eine spezifische Wirksamkeit bei jeder einzelnen Fersennervenkompression ist damit nicht belegt [LL4, FI4]. | Die Ursache einer Nervenkompression muss behandelt werden. Pregabalin ist keine Therapie mechanischer Plantar- oder Achillessehnenschmerzen. Eine lumbale Radikulopathie (Schädigung oder Reizung einer Nervenwurzel im Bereich der Lendenwirbelsäule) ist gesondert zu beurteilen; die Empfehlung für periphere neuropathische Schmerzen darf nicht pauschal auf Ischialgien (Schmerzen entlang des Ischiasnervs) übertragen werden [LL4]. |
| Entzündlich-rheumatische Enthesitis (Entzündung eines Sehnen- oder Bandansatzes), beispielsweise bei Spondyloarthritis (entzündlich-rheumatischer Erkrankung mit Beteiligung von Wirbelsäule, Gelenken oder Sehnenansätzen) oder Psoriasisarthritis (Gelenkentzündung im Zusammenhang mit Schuppenflechte) | NSAR können Teil der initialen symptomatischen Behandlung sein. Bei anhaltender Krankheitsaktivität ist eine rheumatologisch gesteuerte Behandlung der Grunderkrankung erforderlich [LL5]. | Wiederholte Analgetikagaben allein kontrollieren eine systemische entzündliche Erkrankung nicht ausreichend. Die Auswahl krankheitsmodifizierender Arzneimittel richtet sich nach der konkreten Diagnose und dem gesamten Krankheitsbild [LL5]. |
| Kristallinduzierte Entzündung, beispielsweise bei Gicht (Erkrankung durch Ablagerung von Harnsäurekristallen) | Entzündungshemmende Arzneimittel werden nach dem Behandlungsschema der gesicherten Grunderkrankung ausgewählt. | Eine akut gerötete und überwärmte Ferse darf nicht ohne Abklärung als mechanisches Überlastungssyndrom behandelt werden. Insbesondere eine Infektion muss berücksichtigt werden. |
| Infektiöse Bursitis; Osteomyelitis (Knocheninfektion); infiziertes Fersenulkus (mit Krankheitserregern infizierte offene Wunde an der Ferse) | Erforderlich ist eine gezielte antiinfektive Behandlung nach klinischer Beurteilung und gegebenenfalls Erregerdiagnostik. Analgetika sind nur ergänzend einzusetzen. | Keine Glukokortikoidinjektion in einen infizierten Bereich. Bei Abszess (abgekapselter Eiteransammlung) oder infiziertem Gewebe kann zusätzlich eine operative Behandlung erforderlich sein. Eine reine Schmerztherapie ist unzureichend. |
| Apophysitis calcanei (schmerzhafte Reizung der Wachstumszone am Fersenbein) bei Kindern und Jugendlichen | Bei Bedarf kurzfristige, alters- und gewichtsangepasste Analgesie (Schmerzlinderung). Die unten aufgeführten Erwachsenendosierungen sind nicht zu übernehmen. | Belastungsanpassung und Entlastung stehen im Vordergrund. Keine routinemäßigen Glukokortikoidinjektionen; eine längerfristige Schmerzmitteleinnahme zur Fortführung schmerzhafter sportlicher Belastungen ist zu vermeiden. |
Wirkstoffe nach Wirkstoffgruppen
Die folgenden Dosierungsangaben beziehen sich auf Erwachsene. Es handelt sich um ausgewählte Behandlungsoptionen; nicht jeder Wirkstoff ist für jede Ursache von Fersenschmerzen geeignet. Die vollständige Fachinformation des verwendeten Präparats ist zu beachten.
Topische nichtsteroidale Antirheumatika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Diclofenac, Gel mit 11,6 mg/g Diclofenac-N-Ethylethanamin | Insbesondere bei akuter Fersenprellung innerhalb der zugelassenen Indikation. Die Zulassung des genannten Präparats umfasst keine allgemeine Behandlung chronischer Plantarfasziopathien oder Achillessehnentendinopathien. Bei fehlender Besserung nach wenigen Tagen ärztlich überprüfen [1, FI1]. |
- Wirkweise: Lokale Hemmung der Prostaglandinsynthese; geringere systemische Exposition als bei oraler Anwendung [FI1].
- Indikationen: Kurzfristige Behandlung lokaler Schmerzen bei zugelassenen akuten Weichteilverletzungen [FI1].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit einschließlich entsprechender Reaktionen auf NSAR; offene oder erkrankte Haut; drittes Schwangerschaftstrimenon; beim genannten Präparat Alter unter 14 Jahren [FI1].
- Nebenwirkungen: Lokale Hautreaktionen; selten Überempfindlichkeitsreaktionen. Systemische Nebenwirkungen sind insbesondere bei großflächiger oder längerer Anwendung möglich [FI1].
Orale nichtsteroidale Antirheumatika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Ibuprofen | Niedrigste wirksame Dosis, kürzestmögliche Dauer. Keine automatische Dosiseskalation bei chronischer Faszien- oder Sehnenerkrankung; keine Kombination mit weiteren NSAR [LL2, FI2]. |
- Wirkweise: Hemmung der Cyclooxygenasen mit analgetischer und antiphlogistischer Wirkung [FI2].
- Indikationen: Kurzzeitige symptomatische Schmerzbehandlung; bei chronischer Achillessehnentendinopathie zurückhaltend einsetzen [LL2, FI2].
- Kontraindikationen: Insbesondere NSAR-Überempfindlichkeit, relevante gastrointestinale Ulzera (Geschwüre im Magen-Darm-Trakt) oder Blutungen, schwere Nieren-, Leber- oder Herzinsuffizienz (schwere Funktionsschwäche von Nieren, Leber oder Herz) und drittes Schwangerschaftstrimenon [FI2].
- Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden und Blutungen, Nierenfunktionsstörungen, Flüssigkeitsretention (Einlagerung von Flüssigkeit im Körper) sowie kardiovaskuläre und allergische Reaktionen [FI2].
Nichtopioide Analgetika ohne relevante antiphlogistische Wirkung
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Paracetamol | Mögliche Alternative bei ungeeigneten NSAR; keine gesicherte spezifische Heilwirkung bei Fersenschmerzerkrankungen. Weitere paracetamolhaltige Präparate berücksichtigen [FI3]. |
- Wirkweise: Analgetisch und antipyretisch; keine klinisch relevante periphere Entzündungshemmung [FI3].
- Indikationen: Kurzfristige symptomatische Analgesie [FI3].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; bei relevanter Lebererkrankung, Unterernährung oder chronischem Alkoholkonsum individuelle ärztliche Prüfung und Dosisanpassung [FI3].
- Nebenwirkungen: Vor allem Hepatotoxizität (Leberschädigung) bei Überdosierung; selten schwere Haut- oder Überempfindlichkeitsreaktionen [FI3].
Arzneimittel gegen neuropathische Schmerzen
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Pregabalin | Nur bei entsprechender neuropathischer Schmerzdiagnose. Ansprechen und Verträglichkeit überprüfen; beim Absetzen mindestens über eine Woche ausschleichen [LL4, FI4]. |
- Wirkweise: Bindung an die α2δ-Untereinheit spannungsabhängiger Calciumkanäle [FI4].
- Indikationen: Periphere und zentrale neuropathische Schmerzen im Erwachsenenalter; keine Indikation bei rein mechanischem Fersenschmerz [FI4].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit. Niereninsuffizienz erfordert eine angepasste Dosierung; Schwangerschaft und Abhängigkeitsrisiko besonders berücksichtigen [FI4].
- Nebenwirkungen: Schwindel, Somnolenz (ausgeprägte Schläfrigkeit), Ödeme (Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe), Gewichtszunahme; Abhängigkeit und Entzugssymptome möglich. Risiko einer Atemdepression (Abschwächung der Atmung), insbesondere bei zusätzlichen zentral dämpfenden Arzneimitteln [FI4].
Lokale Glukokortikoidinjektionen und weitere Injektionsbehandlungen
- Plantarfasziopathie: Eine lokale Glukokortikoidinjektion kann nach erfolgloser konservativer Behandlung im Einzelfall besprochen werden. Der mögliche Nutzen ist überwiegend kurzfristig und von niedriger beziehungsweise unsicherer Evidenzqualität. Risiken umfassen Plantarfaszienruptur (Riss der Bindegewebsplatte an der Fußsohle), Fettpolsteratrophie, Hautveränderungen und Infektion; wiederholte Injektionen sind besonders kritisch zu bewerten [2, LL1].
- Achillessehnentendinopathie: Keine intratendinöse Glukokortikoidinjektion. Ein positiver Studienbefund zur ultraschallgesteuerten peritendinösen Injektion bei ausgewählten Patienten mit Midportion-Tendinopathie unter begleitender Übungstherapie rechtfertigt keine Übertragung auf insertionale Beschwerden, Teilrupturen (unvollständige Risse) oder unkontrollierte Belastung [3, LL2].
- Zulassungsstatus: Vor jeder Injektion sind Wirkstoff, Präparat, zugelassene Indikation und Applikationsort zu prüfen. Eine Anwendung außerhalb der Zulassung erfordert eine entsprechende ärztliche Aufklärung und Dokumentation.
- Weitere Verfahren: Botulinumtoxin, PRP, autologes Blut, Prolotherapie und andere Injektionsverfahren sind keine allgemeine Standardarzneimitteltherapie bei Fersenschmerzen. Nutzen, Risiken und Kosten müssen diagnosespezifisch bewertet werden; bei Achillessehnentendinopathie bestehen relevante Unsicherheiten zum zusätzlichen Nutzen [LL1, LL2].
Beachte
- Keine routinemäßigen Opioide: Bei den üblichen mechanischen Fersenschmerzerkrankungen besteht kein regelhafter Stellenwert. Anhaltende Beschwerden erfordern eine Überprüfung von Diagnose und Behandlung.
- Keine routinemäßigen systemischen Glukokortikoide: Diese sind keine Standardbehandlung mechanischer Plantar- oder Achillessehnenbeschwerden. Eine gesonderte Indikation kann sich aus einer entzündlichen Grunderkrankung ergeben.
- NSAR-Sicherheit: Blutungsrisiko, Nierenfunktion und kardiovaskuläre Risiken prüfen. Besondere Vorsicht bei Antikoagulanzien sowie bei Kombination von ACE-Hemmern oder AT1-Rezeptorblockern mit Diuretika. Ein Protonenpumpenhemmer bei erhöhtem gastrointestinalem Risiko schützt nicht vor renalen oder kardiovaskulären Nebenwirkungen. Ab der 20. Schwangerschaftswoche NSAR nur bei begründeter ärztlicher Indikation einsetzen [FI2].
- Paracetamol-Sicherheit: Bei Körpergewicht unter 50 kg, chronischem Alkoholismus, Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) oder chronischer Unterernährung sieht die genannte Fachinformation ohne ärztliche Anweisung höchstens 60 mg/kg täglich, maximal 2 g täglich, vor. Leber- und Nierenfunktionsstörungen erfordern eine zusätzliche individuelle Anpassung [FI3].
- Warnzeichen: Akut fehlende Belastbarkeit, Rupturverdacht, rasch zunehmende Rötung oder Schwellung, Fieber, eine offene Wunde, neu aufgetretene neurologische Ausfälle (Störungen von Nervenfunktionen, beispielsweise Gefühlsverlust oder Muskelschwäche) oder anhaltender Ruheschmerz erfordern eine zeitnahe beziehungsweise dringliche Abklärung. Bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und infiziertem Fersenulkus ist eine rasche Versorgung erforderlich.
- Verlaufskontrolle: Bei fehlendem klinisch relevantem Nutzen einen symptomatischen Arzneimittelversuch beenden. Die weitere Behandlung richtet sich nach der bestätigten Diagnose und der funktionellen Entwicklung.
Abkürzungen
- ACE: Angiotensin-Converting-Enzyme; Angriffspunkt einer Arzneimittelgruppe zur Behandlung unter anderem von Bluthochdruck.
- AT1: Angiotensin-II-Rezeptor vom Typ 1; Angriffspunkt einer Arzneimittelgruppe zur Behandlung unter anderem von Bluthochdruck.
- FI: Fachinformation.
- LL: Leitlinie.
- NICE: National Institute for Health and Care Excellence.
- NSAR: Nichtsteroidale Antirheumatika; schmerzstillende und entzündungshemmende Arzneimittel.
- PRP: Platelet-rich plasma; plättchenreiches Plasma.
Literatur
- Bussin E et al.: Topical diclofenac vs placebo for the treatment of chronic Achilles tendinopathy: A randomized controlled clinical trial. PLoS One. 2021;16(3):e0247663. doi:10.1371/journal.pone.0247663.
- Whittaker GA et al.: Corticosteroid injection for plantar heel pain: a systematic review and meta-analysis. BMC Musculoskelet Disord. 2019;20:378. doi:10.1186/s12891-019-2749-z.
- Johannsen F et al.: Effect of Ultrasonography-Guided Corticosteroid Injection vs Placebo Added to Exercise Therapy for Achilles Tendinopathy: A Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2022;5(7):e2219661. doi:10.1001/jamanetworkopen.2022.19661.
Leitlinien
- Clinical Practice Guideline: Heel Pain – Plantar Fasciitis: Revision 2023. Academy of Orthopaedic Physical Therapy und American Academy of Sports Physical Therapy. Dezember 2023. J Orthop Sports Phys Ther. 2023;53(12):CPG1 bis CPG39. doi:10.2519/jospt.2023.0303. Langfassung [LL1].
- Multidisziplinäre Leitlinie: Dutch multidisciplinary guideline on Achilles tendinopathy. Juni 2021. Br J Sports Med. 2021;55:1125 bis 1134. doi:10.1136/bjsports-2020-103867. Langfassung [LL2].
- Clinical Practice Guideline: Achilles Pain, Stiffness, and Muscle Power Deficits: Midportion Achilles Tendinopathy Revision – 2024. Academy of Orthopaedic Physical Therapy. Dezember 2024. J Orthop Sports Phys Ther. 2024;54(12):CPG1 bis CPG32. doi:10.2519/jospt.2024.0302. Langfassung [LL3].
- NICE-Leitlinie: Neuropathic pain in adults: pharmacological management in non-specialist settings. CG173. November 2013; aktualisiert September 2020. Leitlinienübersicht. Empfehlungen [LL4].
- NICE-Leitlinie: Spondyloarthritis in over 16s: diagnosis and management. NG65. Februar 2017; aktualisiert Juni 2017. Leitlinienübersicht. Empfehlungen einschließlich Verweisen auf ergänzende Arzneimittelbewertungen [LL5].
Fachinformationen
- Haleon Germany GmbH: Voltaren Schmerzgel 11,6 mg/g Gel. Stand Dezember 2024. Fachinformation [FI1].
- ratiopharm GmbH: IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. Stand Juni 2026, Version 11. Fachinformation [FI2].
- ratiopharm GmbH: Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. Stand Dezember 2024, Version 8. Fachinformation [FI3].
- Europäische Arzneimittel-Agentur: Lyrica; Wirkstoff Pregabalin. Produktinformation einschließlich Fachinformation [FI4].