Ellenbogenschmerzen – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
- Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung: Erhalt beziehungsweise Wiederherstellung von Beweglichkeit, Belastbarkeit und Gebrauchsfähigkeit des Arms.
- Ursachenbezogene Behandlung: Behandlung einer zugrunde liegenden Tendinopathie (Sehnenerkrankung), entzündlichen Gelenkerkrankung, Kristallarthritis (Gelenkentzündung durch abgelagerte Kristalle), Schleimbeutelinfektion oder Verletzung. Analgetika ersetzen weder eine erforderliche rheumatologische Basistherapie noch die operative Versorgung einer Verletzung oder Infektion [LL1, LL2, LL3, LL4, LL5, LL6].
Therapieempfehlungen
Ellenbogenschmerzen sind ein Symptom mit unterschiedlichen Ursachen. Eine Epicondylopathie (Erkrankung eines Sehnenansatzes am Ellenbogen), eine Arthritis (Gelenkentzündung), eine Bursitis olecrani (Schleimbeutelentzündung an der Ellenbogenspitze) und ein Trauma (Verletzung) dürfen deshalb nicht nach einem einheitlichen medikamentösen Schema behandelt werden. Vor Therapiebeginn sind Schmerzlokalisation, Belastungsabhängigkeit, Schwellung, Überwärmung, Bewegungseinschränkung, Verletzungsmechanismus und neurologische Begleitsymptome zu beurteilen [LL1, LL2, LL5].
- Symptomatische Begleittherapie: Bei lokal begrenzten Beschwerden können topische nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) eingesetzt werden. Orale NSAR oder Paracetamol kommen abhängig von Ursache, Schmerzintensität und individuellem Risiko infrage. Für akute unkomplizierte Weichteilverletzungen (Verletzungen beispielsweise von Muskeln und Bändern) werden topische NSAR als bevorzugte medikamentöse Erstbehandlung empfohlen [LL6].
- Behandlungsdauer: Die niedrigste wirksame Dosis über die kürzeste erforderliche Dauer verwenden. Eine längerfristige Analgetikatherapie ohne gesicherte Diagnose und Verlaufskontrolle ist zu vermeiden [FI1, FI2, FI3].
- Keine schematische Eskalation: Eine unzureichende Wirkung von Schmerzmitteln erfordert zunächst eine Überprüfung der Diagnose und der ursächlichen Behandlung. Opioide sind bei Epicondylopathie und unkomplizierten Weichteilverletzungen keine regelhafte nächste Therapiestufe [LL1, LL6].
Epicondylopathie beziehungsweise Epicondylitis (Sehnenansatzbeschwerden am Ellenbogen)
Die Epicondylopathia humeri radialis (Sehnenansatzerkrankung an der Außenseite des Ellenbogens, „Tennisellenbogen“) und die Epicondylopathia humeri ulnaris (Sehnenansatzerkrankung an der Innenseite des Ellenbogens, „Golferellenbogen“) sind überwiegend belastungsabhängige Tendinopathien der Sehnenansätze. Die Bezeichnung „Epicondylitis“ bedeutet nicht, dass eine bakterielle Infektion oder eine systemisch entzündliche Arthritis vorliegt. Die belastbarste medikamentöse Evidenz betrifft die laterale Epicondylopathie; eine uneingeschränkte Übertragung auf die mediale Form ist nicht möglich [LL1].
- Grundbehandlung: Anpassung schmerzauslösender Belastungen, ergonomische Maßnahmen und eine individuell angepasste Übungsbehandlung. Medikamente dienen vor allem der vorübergehenden Schmerzlinderung [LL1].
- NSAR: Topische Präparate können kurzfristig Schmerzen lindern; die Evidenzqualität ist begrenzt. Für orale NSAR ist der Nutzen weniger eindeutig. Eine beschleunigte Sehnenheilung ist nicht nachgewiesen [1, LL1].
- Glukokortikoidinjektionen: Keine routinemäßige Anwendung. In einer placebokontrollierten Studie waren nach einem Jahr Rückfälle häufiger und die Ergebnisse ungünstiger als nach Placeboinjektion. Eine kurzfristige Schmerzlinderung rechtfertigt daher keine wiederholten Injektionsserien [2, LL1].
- Weitere Injektionsverfahren: Für plättchenreiches Plasma (PRP) und autologes Vollblut ist gegenüber Placebo kein klinisch relevanter Nutzen ausreichend belegt. Sie sind keine etablierte medikamentöse Standardtherapie [3].
- Systemische Glukokortikoide und Antibiotika: Keine regelhafte Indikation bei isolierter Epicondylopathie [LL1].
Arthritis des Ellenbogengelenks
- Entzündlich-rheumatische Arthritis: Bei persistierender Synovitis (anhaltender Entzündung der Gelenkinnenhaut) ist eine rheumatologische Abklärung erforderlich. Bei rheumatoider Arthritis (chronischer entzündlicher Gelenkerkrankung) steht eine frühzeitige krankheitsmodifizierende Therapie mit DMARD im Vordergrund; Methotrexat ist ein zentraler Bestandteil der initialen Behandlungsstrategie. NSAR lindern Beschwerden, verhindern aber keine strukturellen Gelenkschäden. Glukokortikoide können ausgewählt als kurzfristige Überbrückung eingesetzt werden; eine Dauerbehandlung ist zu vermeiden. Wirkstoffwahl und Überwachung richten sich nach der Grunderkrankung [LL3].
- Akute Gichtarthritis (akute Gelenkentzündung durch Harnsäurekristalle): NSAR, niedrig dosiertes Colchicin oder ein kurzer systemischer Glukokortikoidkurs sind abhängig von Begleiterkrankungen, Wechselwirkungen und Kontraindikationen mögliche Behandlungen. Bei unklarer akuter Monoarthritis (Entzündung eines einzelnen Gelenks) muss eine Infektion ausgeschlossen werden. Eine bestehende harnsäuresenkende Therapie wird während des Anfalls üblicherweise fortgeführt; sie ersetzt die akute antientzündliche Behandlung nicht [LL4].
- Septische Arthritis (bakterielle Gelenkinfektion): Dringliche stationäre Behandlung mit mikrobiologischer Diagnostik, Gelenkdrainage (Ableitung von Flüssigkeit aus dem Gelenk) beziehungsweise operativer Sanierung und systemischen Antibiotika. Bei klinisch stabilen Patienten erfolgt die diagnostische Probengewinnung vor Antibiotikabeginn; bei Sepsis (lebensbedrohlicher Organschädigung durch eine fehlregulierte Reaktion auf eine Infektion) darf die Therapie dadurch nicht verzögert werden [LL2].
- Antibiotikawahl bei septischer Arthritis: Initial nach Erregerrisiko, lokalen Resistenzen und Grampräparat; anschließend gezielte Anpassung. Cefazolin ist eine Option bei empfindlichen Staphylokokken. Eine empirische Monotherapie damit deckt nicht jede mögliche Erregerkonstellation ab. Bei MRSA-Risiko oder relevantem Risiko für gramnegative Erreger ist eine entsprechende Anpassung erforderlich [LL2].
- Therapiedauer bei septischer Arthritis: Die SANJO-Leitlinie schlägt bei Erwachsenen zunächst etwa 1 bis 2 Wochen intravenöse Behandlung und anschließend 2 bis 4 Wochen orale Therapie vor. Dies beruht auf begrenzter Evidenz und ist nach Erreger, Sanierung und Verlauf anzupassen; bei begleitender Osteomyelitis (Knocheninfektion) oder anderen Komplikationen gelten andere Behandlungsanforderungen [LL2].
Eine intraartikuläre Glukokortikoidinjektion kommt bei ausgewählten nichtinfektiösen Arthritiden infrage. Voraussetzung sind eine gesicherte Indikation, der Ausschluss einer Gelenkinfektion und eine fachgerechte aseptische Durchführung. Sie ist keine Behandlung unspezifischer Ellenbogenschmerzen [LL2, LL3, LL4].
Bursitis olecrani
- Aseptische Bursitis (Schleimbeutelentzündung ohne bakterielle Infektion): Druckentlastung, Vermeidung wiederholten Aufstützens und gegebenenfalls eine angepasste Kompression stehen im Vordergrund. NSAR können bei Schmerzen vorübergehend ergänzen; eine schmerzlose Schwellung erfordert nicht automatisch eine Arzneimitteltherapie. Eine randomisierte Studie zeigte nach vier Wochen keinen statistisch gesicherten Unterschied der Rückbildungsrate zwischen Kompression mit NSAR, Punktion (Entnahme von Flüssigkeit mit einer Nadel) und Punktion mit Glukokortikoidinjektion [4].
- Punktion und Glukokortikoidinjektion: Keine routinemäßige Injektionsbehandlung einer unkomplizierten aseptischen Bursitis. Bei unklarer Ursache oder Infektionsverdacht kann eine diagnostische Punktion erforderlich sein. Glukokortikoidinjektionen sind bei möglicher Infektion zu unterlassen; bei ausgewählten aseptischen Verläufen sind Nutzen und Risiken, insbesondere Infektion und Hautatrophie (Ausdünnung der Haut), abzuwägen [4, LL5].
- Septische Bursitis (bakterielle Schleimbeutelinfektion): Systemische Antibiotikatherapie mit Abdeckung insbesondere von Staphylococcus aureus und Streptokokken. Eine orale Behandlung kommt bei geeigneten klinisch stabilen Patienten mit gesicherter Nachkontrolle infrage; schwere Verläufe, Immunsuppression (Unterdrückung der körpereigenen Abwehr), ausgedehnte Begleitinfektion oder Therapieversagen erfordern eine stationäre beziehungsweise operative Behandlung [LL5].
- Antibiotikadauer: Nach klinischem Verlauf und Sanierung festlegen. Für operativ behandelte septische Olekranonbursitiden zeigte eine retrospektive Studie einen Zusammenhang zwischen einer postoperativen Antibiotikagabe bis etwa 21 Tage und geringerem Therapieversagen. Daraus lässt sich keine pauschale Dauer für sämtliche ambulant behandelten Bursitiden ableiten [5].
- Kristall- oder rheumabedingte Bursitis: Zusätzlich die Grunderkrankung behandeln. Eine alleinige Analgesie reicht bei aktiver entzündlich-rheumatischer Erkrankung nicht aus [LL3, LL4].
Traumatische Ellenbogenschmerzen
- Kontusion (Prellung), Distorsion (Verstauchung) und andere unkomplizierte Weichteilverletzungen: Zeitlich begrenzte symptomatische Behandlung vorzugsweise mit topischen NSAR; orale NSAR oder Paracetamol sind Alternativen. Entlastung und anschließend eine verletzungsangepasste Mobilisation gehören zur Behandlung [LL6].
- Fraktur (Knochenbruch), Luxation (Ausrenkung) oder Sehnenruptur (Sehnenriss): Analgetika ergänzen die erforderliche unfallchirurgische Behandlung. Fehlstellung, Gelenkblockierung, ausgeprägter Funktionsverlust oder neurovaskuläre Auffälligkeiten dürfen nicht allein medikamentös behandelt werden [LL1].
- Antibiotika: Keine Indikation bei einer geschlossenen unkomplizierten Verletzung. Bei offenen Verletzungen oder operativen Eingriffen richtet sich eine notwendige Prophylaxe nach Verletzungsart und chirurgischem Behandlungskonzept; eine perioperative Prophylaxe ist von der Therapie einer etablierten Infektion zu unterscheiden [FI7].
- Opioide: Bei schweren Verletzungen können sie unter ärztlicher Überwachung vorübergehend erforderlich sein. Bei unkomplizierten Verletzungen wird von einer routinemäßigen Verordnung abgeraten [LL6].
Wirkstoffe – topische nichtsteroidale Antirheumatika
Die folgenden Dosierungsangaben beziehen sich auf Erwachsene. Sie gelten jeweils für das genannte Präparat beziehungsweise dessen Konzentration; andere Zubereitungen können abweichende Anwendungsvorgaben haben.
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Diclofenac-Natrium, Gel 10 mg/g | Zur lokalen symptomatischen Behandlung geeigneter Beschwerden. Nur auf intakte Haut; keine luftdicht abschließenden Verbände. Bei fehlender Besserung oder Verschlechterung ärztliche Neubewertung [FI1]. |
- Wirkweise: Lokale Hemmung der Prostaglandinsynthese mit analgetischer und antientzündlicher Wirkung [FI1].
- Indikationen: Vorübergehende Schmerzlinderung bei geeigneten periartikulären Beschwerden und stumpfen Weichteilverletzungen; keine alleinige Behandlung einer septischen Arthritis oder septischen Bursitis [LL2, LL5, FI1].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit beziehungsweise frühere durch NSAR ausgelöste Asthmaanfälle (Anfälle mit Atemnot durch verengte Atemwege) oder andere Überempfindlichkeitsreaktionen; drittes Schwangerschaftstrimenon. Nicht auf offene Wunden, entzündlich veränderte Haut oder Schleimhäute auftragen [FI1].
- Nebenwirkungen: Lokale Hautreaktionen, Kontaktdermatitis (Hautentzündung nach Kontakt mit einem auslösenden Stoff) und Photosensibilisierung (erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut); systemische Nebenwirkungen sind bei großflächiger oder längerfristiger Anwendung möglich [FI1].
Wirkstoffe – orale nichtsteroidale Antirheumatika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Ibuprofen | Bei Bedarf und möglichst kurzzeitig. Höhere antientzündliche Dosierungen erfordern eine gesonderte ärztliche Indikationsstellung. Keine Kombination mit einem weiteren systemischen NSAR [FI2]. |
- Wirkweise: Hemmung der Cyclooxygenasen und der Prostaglandinsynthese; analgetisch, antientzündlich und antipyretisch [FI2].
- Indikationen: Kurzfristige symptomatische Behandlung geeigneter schmerzhafter und entzündlicher Beschwerden; bei rheumatischer Arthritis ausschließlich ergänzend zur ursächlichen Therapie [LL3, FI2].
- Kontraindikationen: Unter anderem aktive oder wiederholte gastrointestinale Ulzera (Geschwüre im Magen-Darm-Trakt) beziehungsweise Blutungen, frühere NSAR-bedingte Blutung oder Perforation (Durchbruch der Magen- oder Darmwand), schwere Nieren-, Leber- oder Herzinsuffizienz (schwere Funktionsschwäche von Nieren, Leber oder Herz), NSAR-Überempfindlichkeit und drittes Schwangerschaftstrimenon [FI2].
- Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Ulzera und Blutungen, Nierenfunktionsverschlechterung, Flüssigkeitsretention (Wassereinlagerung im Körper), Blutdruckanstieg sowie allergische Reaktionen. Das kardiovaskuläre Risiko ist besonders bei höheren Dosen relevant [FI2].
Wirkstoffe – nichtopioide Analgetika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Paracetamol | Alternative zur Analgesie, wenn NSAR ungeeignet sind. Keine relevante antientzündliche Wirkung. Alle paracetamolhaltigen Präparate gemeinsam berücksichtigen [FI3]. |
- Wirkweise: Analgetisch und antipyretisch; keine ausreichende periphere antientzündliche Wirkung [FI3].
- Indikationen: Kurzfristige Schmerzlinderung, insbesondere bei akuten Verletzungen oder wenn NSAR nicht infrage kommen. Keine ursächliche Behandlung einer Arthritis oder Infektion [LL6, FI3].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit. Bei Leberfunktionsstörung, chronischem Alkoholkonsum, Mangelernährung oder Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) ist eine individuelle Dosisanpassung erforderlich; die Höchstdosis darf nicht unkritisch ausgeschöpft werden [FI3].
- Nebenwirkungen: Vor allem schwere Hepatotoxizität (Leberschädigung) bei Überdosierung; selten Blutbildveränderungen, Überempfindlichkeitsreaktionen und schwere Hautreaktionen [FI3].
Wirkstoffe – Colchicin bei akuter Gichtarthritis
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Colchicin | Nur bei entsprechender Diagnose. Bei abgeklungenem Anfall, gastrointestinalen Beschwerden oder fehlender Besserung nach 2 bis 3 Tagen beenden. Durchfall oder Erbrechen können frühe Vergiftungszeichen sein [LL4, FI4]. |
- Wirkweise: Hemmung mikrotubulusabhängiger Zellfunktionen und der neutrophilen Entzündungsreaktion [FI4].
- Indikationen: Akuter Gichtanfall; keine Behandlung einer isolierten Epicondylopathie oder einer bakteriellen Infektion [LL4, FI4].
- Kontraindikationen: Schwere Nieren- oder Leberfunktionsstörung, Blutbildstörungen und Überempfindlichkeit. Wechselwirkungen mit CYP3A4- beziehungsweise P-Glykoprotein-Inhibitoren unbedingt prüfen; sie können die Toxizität erheblich erhöhen [FI4].
- Nebenwirkungen: Diarrhoe (Durchfall), Übelkeit und Erbrechen; bei Toxizität insbesondere Myopathie (Muskelschädigung), Knochenmarkschädigung und Multiorganversagen (Versagen mehrerer Organe). Geringe therapeutische Breite [FI4].
Wirkstoffe – systemische Glukokortikoide bei gesicherter nichtinfektiöser Entzündung
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Prednisolon | Alternative bei ungeeigneten NSAR oder ungeeignetem Colchicin. Infektion zuvor ausschließen. Kein Standardschema für Epicondylopathie, unkomplizierte aseptische Bursitis oder Trauma [LL3, LL4, FI5]. |
- Wirkweise: Antientzündliche und immunsuppressive Wirkung über Glukokortikoidrezeptoren [FI5].
- Indikationen: Ausgewählte nichtinfektiöse Arthritiden; bei rheumatoider Arthritis gegebenenfalls kurzfristige Überbrückung zusätzlich zur Basistherapie [LL3, LL4].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; eine unerkannte beziehungsweise unzureichend behandelte Infektion verbietet den Einsatz als alleinige Behandlung der Ellenbogenentzündung. Bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Ulkuskrankheit (Geschwürerkrankung des Magens oder Zwölffingerdarms), Glaukom (grünem Star) und weiteren Risikokonstellationen individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung [LL2, FI5].
- Nebenwirkungen: Auch kurzfristig Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker), Schlaf- und Stimmungstörungen, Blutdruckanstieg und Infektionsmaskierung; bei längerer Anwendung zusätzlich Osteoporose (Knochenschwund) und Nebennierenrindensuppression (Unterdrückung der körpereigenen Hormonproduktion der Nebennierenrinde) [FI5].
Wirkstoffe – Antibiotika bei bakterieller Bursitis beziehungsweise Arthritis
Die nachfolgenden Wirkstoffe sind ausgewählte Optionen. Sie bilden kein vollständiges empirisches Behandlungsschema für jede Gelenk- oder Schleimbeutelinfektion ab. Auswahl, Applikationsweg und Dauer richten sich nach Schweregrad, Erregernachweis, Resistenzlage und Nierenfunktion [LL2, LL5].
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Cefalexin | Option bei geeigneter unkomplizierter septischer Bursitis durch empfindliche Erreger. Keine verlässliche MRSA-Abdeckung; keine alleinige initiale Behandlung einer schweren septischen Arthritis [LL2, LL5, FI6]. |
| Cefazolin | Option insbesondere bei MSSA. Bei septischer Arthritis zusätzlich ausreichende Gelenksanierung; empirische Ergänzung beziehungsweise Alternative nach Erregerrisiko [LL2, FI7]. |
- Wirkweise: Bakterizide Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese durch Cephalosporine [FI6, FI7].
- Indikationen: Bakterielle Schleimbeutel- oder Gelenkinfektion durch empfindliche Erreger. Keine Indikation bei Epicondylopathie, aseptischer Bursitis oder geschlossener unkomplizierter Verletzung [LL2, LL5, FI6, FI7].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Cephalosporine; relevante schwere Betalaktamallergien berücksichtigen. Bei Nierenfunktionsstörung ist eine Dosisanpassung erforderlich [FI6, FI7].
- Nebenwirkungen: Allergische Reaktionen bis zur Anaphylaxie (schwere, potenziell lebensbedrohliche allergische Reaktion), gastrointestinale Beschwerden und Clostridioides-difficile-assoziierte Diarrhoe; bei Kumulation insbesondere von Cefazolin neurotoxische Reaktionen möglich [FI6, FI7].
Beachte
- Akut überwärmtes und geschwollenes Gelenk: Eine septische Arthritis muss auch ohne Fieber berücksichtigt werden. Der Nachweis von Kristallen schließt eine gleichzeitig bestehende Infektion nicht aus [LL2].
- Glukokortikoide: Vor systemischer oder lokaler Anwendung die Diagnose sichern. Eine vorübergehende Schmerzbesserung kann eine Infektion maskieren [LL2, FI5].
- NSAR-Sicherheit: Nierenfunktion, Hydratation, kardiovaskuläre Erkrankungen und Begleitmedikation berücksichtigen. Antikoagulanzien, Thrombozytenaggregationshemmer und systemische Glukokortikoide können das Blutungsrisiko erhöhen. Bei erhöhtem gastrointestinalem Risiko ist gegebenenfalls eine Gastroprotektion erforderlich [FI2].
- Schwangerschaft: Systemische NSAR ab der 20. Schwangerschaftswoche nur bei zwingender Indikation und möglichst kurzzeitig; im dritten Trimenon kontraindiziert. Präparatspezifische Vorgaben gelten auch für topische NSAR [FI1, FI2].
- Verlaufskontrolle: Bei fehlender Besserung Diagnose und Therapie überprüfen. Persistierende Schwellung, Ruheschmerz, Bewegungseinschränkung oder neurologische Symptome sprechen gegen eine unkritische Fortsetzung einer ausschließlich symptomatischen Behandlung [LL1, LL2].
Warnzeichen bei Ellenbogenschmerzen
- Infektionsverdacht: Rasch zunehmende Rötung, Überwärmung, Schwellung, starke Schmerzen, Fieber oder Allgemeinzustandsverschlechterung; bei Immunsuppression können typische Zeichen fehlen [LL2, LL5].
- Schwere Verletzung: Fehlstellung, offene Wunde, ausgeprägter Funktionsverlust oder Verdacht auf Fraktur beziehungsweise Luxation [LL1].
- Neurovaskuläre Auffälligkeiten: Neue Sensibilitätsstörung (Störung des Berührungs- oder Gefühlsvermögens), Muskelschwäche, blasse oder kalte Hand beziehungsweise Durchblutungsstörung erfordern eine dringliche Beurteilung.
Abkürzungen
- ACP: American College of Physicians; US-amerikanische ärztliche Fachgesellschaft.
- AAFP: American Academy of Family Physicians; US-amerikanische hausärztliche Fachgesellschaft.
- AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.
- BESS: British Elbow & Shoulder Society; britische Fachgesellschaft für Ellenbogen und Schulter.
- CYP3A4: Cytochrom P450 3A4; Enzym, das am Abbau zahlreicher Arzneimittel beteiligt ist.
- DMARD: Disease-modifying antirheumatic drugs; krankheitsmodifizierende antirheumatische Arzneimittel.
- EULAR: European Alliance of Associations for Rheumatology; europäischer Zusammenschluss rheumatologischer Organisationen.
- FI: Fachinformation.
- i.v.: intravenös; in eine Vene.
- LL: Leitlinie.
- MRSA: Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus.
- MSSA: Methicillin-sensibler Staphylococcus aureus.
- NSAR: Nichtsteroidale Antirheumatika.
- p.o.: per os; Einnahme über den Mund.
- PRP: Platelet-rich plasma; plättchenreiches Plasma.
- SANJO: Septic arthritis in native joints; bakterielle Infektion eines natürlichen Gelenks.
Literatur
- Pattanittum P et al.: Non-steroidal anti-inflammatory drugs (NSAIDs) for treating lateral elbow pain in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2013;(5):CD003686. doi:10.1002/14651858.CD003686.pub2.
- Coombes BK et al.: Effect of corticosteroid injection, physiotherapy, or both on clinical outcomes in patients with unilateral lateral epicondylalgia: a randomized controlled trial. JAMA. 2013;309(5):461 bis 469. doi:10.1001/jama.2013.129.
- Karjalainen TV et al.: Autologous blood and platelet-rich plasma injection therapy for lateral elbow pain. Cochrane Database Syst Rev. 2021;(9):CD010951. doi:10.1002/14651858.CD010951.pub2.
- Kim JY et al.: A randomized trial among compression plus nonsteroidal antiinflammatory drugs, aspiration, and aspiration with steroid injection for nonseptic olecranon bursitis. Clin Orthop Relat Res. 2016;474(3):776 bis 783. doi:10.1007/s11999-015-4579-0.
- El Zein S et al.: Optimal antibiotics duration following surgical management of septic olecranon bursitis: a 12-year retrospective analysis. J Bone Jt Infect. 2024;9:107 bis 115. doi:10.5194/jbji-9-107-2024.
Leitlinien
- British Elbow & Shoulder Society: BESS patient care pathway: Tennis elbow. Singh HP, Watts AC. 2023. Shoulder Elbow. 2023;15(4):348 bis 359. doi:10.1177/17585732231170793. Langfassung [LL1].
- European Bone and Joint Infection Society: Guideline for management of septic arthritis in native joints (SANJO). Ravn C et al.: J Bone Jt Infect. 2023;8:29 bis 37. doi:10.5194/jbji-8-29-2023. Langfassung [LL2].
- EULAR recommendations for the management of rheumatoid arthritis with synthetic and biologic disease-modifying antirheumatic drugs: 2025 update. Smolen JS et al.: Ann Rheum Dis. 2026;85(6):991 bis 1009. doi:10.1016/j.ard.2026.01.023 [LL3].
- S3-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Gicht. (AWMF-Registernummer: 060-005). Version 2.1, August 2024. Langfassung [LL4].
- 2023 French recommendations for diagnosing and managing prepatellar and olecranon septic bursitis. Darrieutort-Laffite C et al.: Joint Bone Spine. 2024;91(2):105664. doi:10.1016/j.jbspin.2023.105664 [LL5].
- American College of Physicians und American Academy of Family Physicians: Nonpharmacologic and pharmacologic management of acute pain from non-low back, musculoskeletal injuries in adults: a clinical guideline. 2020. doi:10.7326/M19-3602 [LL6].
Fachinformationen
- Diclo-ratiopharm Schmerzgel, Diclofenac-Natrium 10 mg/g. Fachinformation [FI1].
- IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. Fachinformation [FI2].
- Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. Stand Dezember 2024. Fachinformation [FI3].
- Colchicin-ratiopharm 0,5 mg Tabletten. Stand Juli 2025. Fachinformation [FI4].
- Prednisolon acis. Fachinformation [FI5].
- Cephalexin-ratiopharm 500 mg/1000 mg Filmtabletten. Stand September 2025. Fachinformation [FI6].
- Cephazolin Fresenius 2 g. Stand April 2026. Fachinformation [FI7].