Röteln – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Linderung von Fieber, Schmerzen und Gelenkbeschwerden
  • Vermeidung von Komplikationen und von Übertragungen, insbesondere auf nichtimmune Schwangere
  • Bei einer Rötelninfektion (Ansteckung mit Röteln) in der Schwangerschaft: unverzügliche fachärztliche Risikobewertung und Beratung

Therapieempfehlungen

  • Eine spezifische antivirale Therapie (Behandlung gegen Viren) der Röteln ist nicht verfügbar. Die Behandlung unkomplizierter postnataler Röteln (nach der Geburt erworbener Röteln) erfolgt symptomatisch [1, 3].
  • Körperliche Schonung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Bei behandlungsbedürftigem Fieber oder Schmerzen: Paracetamol in der niedrigsten wirksamen Dosis und für die kürzestmögliche Dauer
  • Bei ausgeprägten Arthralgien (Gelenkschmerzen) oder Arthritiden (Gelenkentzündungen): Paracetamol; bei entzündlich geprägten Gelenkbeschwerden kann bei fehlenden Kontraindikationen (Gegenanzeigen) kurzzeitig Ibuprofen eingesetzt werden.
  • Acetylsalicylsäure soll bei Kindern und Jugendlichen mit fieberhafter Virusinfektion wegen des Risikos eines Reye-Syndroms (seltene schwere Erkrankung von Gehirn und Leber) nicht zur Fieber- oder Schmerztherapie angewendet werden.
  • Bei seltenen schweren Komplikationen wie Enzephalitis (Gehirnentzündung) oder thrombozytopenischer Purpura (Haut- und Schleimhautblutungen infolge eines Mangels an Blutplättchen) sind eine stationäre Behandlung und eine komplikationsspezifische Therapie erforderlich; eine wirksame rötelnvirusspezifische Medikation ist auch in diesen Situationen nicht verfügbar.
  • Bei konnatalem Rötelnsyndrom (angeborenen Schädigungen durch Röteln) ist keine kausale Therapie (Behandlung der Ursache) verfügbar; die Behandlung erfolgt interdisziplinär und organbezogen.

Schwangerschaft und Vorgehen nach Exposition

  • Rötelnverdacht, Rötelnkontakt oder bestätigte Rötelninfektion in der Schwangerschaft: unverzügliche labordiagnostische Abklärung in Abstimmung mit einem erfahrenen Labor sowie Beratung durch Pränatalmedizin, Gynäkologie und Virologie beziehungsweise Infektiologie [2, LL1]. Ein isoliert positiver Röteln-IgM-Befund darf in der Schwangerschaft nicht ohne Bestätigungsdiagnostik Grundlage therapeutischer Entscheidungen sein.
  • Für die maternale Rötelninfektion (Rötelninfektion der Mutter) während der Schwangerschaft existiert keine wirksame antivirale Therapie zur Verhinderung der fetalen Infektion (Infektion des ungeborenen Kindes) oder des kongenitalen Rötelnsyndroms [2, 4].
  • Eine postexpositionelle Gabe von Immunglobulinen (Verabreichung nach möglichem Erregerkontakt) wird bei nichtimmunen Schwangeren nicht routinemäßig empfohlen: Sie verhindert weder die maternale Virämie (Viren im Blut der Mutter) noch die fetale Infektion zuverlässig und kann die klinische Symptomatik abschwächen und dadurch die Diagnostik erschweren. Nur wenn die Fortführung der Schwangerschaft unabhängig vom Infektionsrisiko feststeht, kann nach hochgradiger Exposition eine individuelle Entscheidung in einem spezialisierten Zentrum erwogen werden.
  • Eine MMR-Impfung nach Exposition verhindert eine bereits erfolgte Rötelninfektion nicht zuverlässig. Bei nichtschwangeren Kontaktpersonen mit unzureichendem oder unbekanntem Impfstatus sollen fehlende MMR-Impfungen dennoch möglichst rasch entsprechend den STIKO-Empfehlungen nachgeholt werden, um künftigen Schutz aufzubauen und Infektionsketten zu unterbrechen [LL2].
  • MMR-Impfstoffe sind Lebendimpfstoffe und während der Schwangerschaft kontraindiziert. Eine versehentliche Impfung kurz vor oder während einer Schwangerschaft ist jedoch keine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch. Nach der Impfung soll eine Schwangerschaft für einen Monat vermieden werden.
  • Nichtimmune Frauen sollen nach Abschluss der Schwangerschaft entsprechend den STIKO-Empfehlungen mit einem MMR-Impfstoff geimpft werden [LL2].

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Antipyretika und Analgetika

Wirkstoff Besonderheiten
Paracetamol Mittel der ersten Wahl bei Fieber und Schmerzen. Bei Leber- oder Nierenfunktionsstörung (eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion), Körpergewicht unter 50 kg, chronischem Alkoholkonsum, Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) oder Mangelernährung (unzureichender Nährstoffversorgung) Dosisreduktion beziehungsweise Verlängerung des Dosierungsintervalls; ohne ärztliche Anweisung maximal 2.000 mg/Tag. Paracetamolhaltige Kombinationspräparate sind bei der Berechnung der Tagesgesamtdosis zu berücksichtigen.
Ibuprofen Bei ausgeprägten entzündlichen Gelenkbeschwerden und fehlenden Kontraindikationen. Niedrigste wirksame Dosis für die kürzestmögliche Dauer. In der Schwangerschaft nur im 1. und 2. Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) bei zwingender Indikation; ab der 20. Schwangerschaftswoche mehrtägige Anwendung nur unter ärztlicher Kontrolle, im 3. Trimenon kontraindiziert.
  • Wirkweise: Paracetamol wirkt analgetisch (schmerzlindernd) und antipyretisch (fiebersenkend), jedoch kaum peripher antiphlogistisch (entzündungshemmend). Ibuprofen hemmt reversibel Cyclooxygenase-1 und Cyclooxygenase-2 und wirkt analgetisch, antipyretisch und antiphlogistisch.
  • Indikationen (Anwendungsgebiete): Paracetamol bei behandlungsbedürftigem Fieber und Schmerzen; Ibuprofen bei Fieber, Schmerzen und insbesondere entzündlichen Arthralgien oder Arthritiden.
  • Kontraindikationen: Paracetamol bei Überempfindlichkeit (allergischer Reaktion); besondere Vorsicht und Dosisanpassung bei Leber- und Nierenfunktionsstörungen sowie weiteren Risikofaktoren für Hepatotoxizität (leberschädigende Wirkung). Ibuprofen unter anderem bei aktiver gastrointestinaler Blutung (Blutung im Magen-Darm-Trakt) oder rezidivierenden peptischen Ulzera (wiederkehrenden Geschwüren des Magens oder Zwölffingerdarms), schwerer Nieren-, Leber- oder Herzinsuffizienz (Herzschwäche), schwerer Dehydratation, früherer NSAR-bedingter Überempfindlichkeitsreaktion sowie im 3. Trimenon der Schwangerschaft.
  • Nebenwirkungen: Paracetamol: selten Anstieg der Lebertransaminasen, sehr selten schwere Überempfindlichkeits-, Blutbild- und Hautreaktionen; bei Überdosierung schwere bis tödliche Hepatotoxizität. Ibuprofen: gastrointestinale Beschwerden, Ulzera und Blutungen, Nierenfunktionsstörung, Flüssigkeitsretention (Wassereinlagerung), Blutdruckanstieg, Überempfindlichkeits- und schwere Hautreaktionen.

Red Flags

  • Schwangerschaft bei Rötelnverdacht, bestätigter Rötelninfektion oder relevantem Kontakt ohne gesicherte Immunität
  • Bewusstseinsstörung (eingeschränktes Bewusstsein), Krampfanfälle (Anfälle mit unwillkürlichen Muskelbewegungen), fokal-neurologische Defizite (örtlich begrenzte Ausfälle des Nervensystems) oder ausgeprägte Kopfschmerzen als Hinweis auf eine Enzephalitis
  • Petechien (punktförmige Hautblutungen), Schleimhautblutungen oder andere Blutungszeichen als Hinweis auf eine thrombozytopenische Purpura
  • Dyspnoe (Atemnot), Kreislaufinstabilität (Störung des Blutkreislaufs mit möglichem Blutdruckabfall), schwere Dehydratation, anhaltend hohes Fieber oder klinischer Verdacht auf eine bakterielle Sekundärinfektion (zusätzliche Infektion durch Bakterien)
  • Fieber bei Säuglingen unter 3 Monaten

Beachte

  • Die klinische Diagnose ist unzuverlässig; jeder Rötelnverdachtsfall soll zeitnah labordiagnostisch bestätigt werden.
  • Erkrankte sind etwa 7 Tage vor bis 7 Tage nach Beginn des Exanthems (Hautausschlags) ansteckend und müssen den Kontakt zu nichtimmunen Schwangeren strikt vermeiden.
  • Der Verdacht auf Röteln, die Erkrankung, der Tod sowie der direkte oder indirekte Erregernachweis sind nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungsverzeichnis

  • AWMF – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • DHA – Docosahexaensäure
  • doi – Digital Object Identifier
  • EPA – Eicosapentaensäure
  • et al. – und andere
  • ggf. – gegebenenfalls
  • Hong Kong Med J – Hong Kong Medical Journal
  • IgM – Immunglobulin M
  • J Clin Med – Journal of Clinical Medicine
  • kg – Kilogramm
  • LL – Leitlinie
  • mg – Milligramm
  • ml – Milliliter
  • MMR – Masern, Mumps und Röteln
  • NSAR – nichtsteroidale Antirheumatika
  • Prenat Diagn – Prenatal Diagnosis
  • RKI – Robert Koch-Institut
  • S2k – S2k-Leitlinie mit strukturierter Konsensfindung
  • STIKO – Ständige Impfkommission
  • WHO – World Health Organization
  • z. B. – zum Beispiel

Literatur

  1. Lambert N, Strebel P, Orenstein W, Icenogle J, Poland GA. Rubella. Lancet. 2015;385(9984):2297-2307. doi: 10.1016/S0140-6736(14)60539-0
  2. Bouthry E, Picone O, Hamdi G, Grangeot-Keros L, Ayoubi JM, Vauloup-Fellous C. Rubella and pregnancy: diagnosis, management and outcomes. Prenat Diagn. 2014;34(13):1246-1253. doi: 10.1002/pd.4467
  3. Leung AKC, Hon KL, Leong KF. Rubella (German measles) revisited. Hong Kong Med J. 2019;25(2):134-141. doi: 10.12809/hkmj187785
  4. De Melo LC et al. Congenital Rubella Syndrome in the Post-Elimination Era: Why Vigilance Remains Essential. J Clin Med. 2025;14(11):3986. doi: 10.3390/jcm14113986

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. (AWMF-Registernummer: 093-001), Version 2.0, Februar 2022. Langfassung [LL1]
  2. Ständige Impfkommission (STIKO): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut 2026. Epidemiologisches Bulletin 4/2026, Januar 2026. Volltext [LL2]
  3. Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Röteln. Volltext [LL3]
  4. World Health Organization: Rubella vaccines: WHO position paper, July 2020. Volltext [LL4]

Fachinformationen

  1. Fachinformation Paracetamol BC 500 mg Tabletten. Stand Januar 2025. Fachinformation
  2. Fachinformation IBU-ratiopharm Fiebersaft für Kinder 40 mg/ml. Stand März 2025. Fachinformation
  3. Fachinformation M-M-RvaxPro. Stand Oktober 2025. Fachinformation