Diphtherie – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Körpertemperatur, Puls, Blutdruck sowie bei respiratorischer Beeinträchtigung (Beeinträchtigung der Atmung) Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung; des Weiteren:
    • Beurteilung des Allgemein- und Kreislaufzustands
    • Inspektion von Mundhöhle, Oropharynx (Mundrachen), Tonsillen (Gaumenmandeln), Uvula (Zäpfchen) und weichem Gaumen [grau-weiße bis bräunliche, fest anhaftende, häufig asymmetrische Pseudomembranen (fest haftende Schleimhautbeläge), die über die Tonsillen hinaus auf Gaumen und Uvula reichen können; bei Ablösung typischerweise Schleimhautblutung; süßlicher Foetor ex ore (Mundgeruch)]
      • Eine forcierte mechanische Ablösung der Pseudomembranen ist bei der Untersuchung zu vermeiden.
    • Inspektion der Nase [mukopurulenter (schleimig-eitriger), ggf. blutig tingierter Nasenausfluss; weißliche Pseudomembranen am Nasenseptum (Nasenscheidewand) bei Nasendiphtherie]
    • Inspektion und Palpation des Halses und der zervikalen Lymphknoten (Halslymphknoten) [deutlich vergrößerte, häufig druckschmerzhafte vordere zervikale Lymphknoten; bei schwerer respiratorischer Diphtherie ausgeprägtes zervikales Weichteilödem (Schwellung der Halsweichteile) mit sogenanntem „Bull neck“ (Cäsarenhals)]
    • Beurteilung von Stimme und Atmung [bei laryngealer Diphtherie (Kehlkopfdiphtherie) progrediente Heiserkeit und inspiratorischer Stridor (pfeifendes Atemgeräusch beim Einatmen); bei ausgedehnter Pseudomembranbildung Zeichen einer oberen Atemwegsobstruktion (Verengung der oberen Atemwege)]
    • Auskultation der Lunge
    • Auskultation des Herzens und Beurteilung des Herzrhythmus
    • Inspektion der gesamten Haut einschließlich vorhandener Wunden [bei Haut- bzw. Wunddiphtherie chronisch persistierende, schlecht heilende Ulzerationen (Geschwüre) bzw. Wunden mit schmierigen oder schmutzig-grauen Belägen]
  • Neurologische Untersuchung – insbesondere bei Schluckstörungen, Stimmveränderungen oder neurologischer Symptomatik
    • Prüfung der Hirnnerven einschließlich Gaumensegelhebung sowie der Motorik (Bewegungsfähigkeit), Sensibilität (Empfindungsfähigkeit) und Muskeleigenreflexe (Muskelreflexe) [Gaumensegelparese (Lähmung des Gaumensegels); bei Diphtherietoxin-bedingter Neuropathie (Nervenschädigung) kraniale bzw. periphere Paresen (Lähmungserscheinungen)]

Red Flags (Warnzeichen) bei Diphtherie

  • Stridor, zunehmende Dyspnoe (Atemnot), thorakale Einziehungen (Einziehungen am Brustkorb), Zyanose (Blaufärbung von Haut oder Schleimhäuten) oder klinische Zeichen einer progredienten oberen Atemwegsobstruktion
  • Rasch zunehmende ausgeprägte Halsschwellung mit „Bull neck“
  • Neu auftretende Herzrhythmusstörungen, Synkope (Ohnmacht), Kreislaufinstabilität oder Zeichen einer akuten Herzinsuffizienz (Herzschwäche) als Hinweis auf eine Diphtherietoxin-bedingte Myokarditis (Herzmuskelentzündung)
  • Gaumensegelparese, zunehmende Schluck- oder Sprechstörung sowie progrediente motorische oder sensible Ausfälle als Hinweis auf eine Diphtherietoxin-bedingte Neuropathie

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.