Bakterielle Vaginose – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
- Beseitigung beziehungsweise deutliche Reduktion der vulvovaginalen Beschwerden (Beschwerden im Bereich von Scheide und äußerem Genitale).
- Reduktion der BV-assoziierten anaeroben und fakultativ anaeroben Bakterien sowie Unterstützung der Wiederherstellung einer laktobazillendominierten Vaginalmikrobiota (Gesamtheit der Mikroorganismen in der Scheide).
- Vermeidung von Persistenz (Fortbestehen) und Rezidiven (Wiederauftreten der Erkrankung), insbesondere bei chronisch-rezidivierender bakterieller Vaginose (wiederholt auftretender bakterieller Vaginose).
- Bei symptomatischer bakterieller Vaginose in der Schwangerschaft Beschwerdereduktion; die deutsche S2k-Leitlinie nennt zusätzlich die Reduktion von Schwangerschafts- und Wochenbettkomplikationen. Eine Prävention insbesondere der Frühgeburt durch Behandlung asymptomatischer bakterieller Vaginose (bakterieller Vaginose ohne Beschwerden) ist dagegen nicht konsistent belegt [4, LL1, LL3].
Therapieempfehlungen
- Die Therapie der bakteriellen Vaginose soll nach ärztlich gesicherter Diagnose erfolgen [LL1].
- Frauen mit vulvovaginalen Beschwerden und gesicherter bakterieller Vaginose sollen behandelt werden [LL1-3].
- Die Standardtherapie erfolgt mit oralem oder vaginalem Metronidazol beziehungsweise oralem oder vaginalem Clindamycin. Lokale Antiseptika sind gemäß deutscher S2k-Leitlinie eine Therapiealternative [LL1].
- Eine klinisch relevante generelle Überlegenheit der oralen gegenüber der vaginalen Metronidazoltherapie ist nicht nachgewiesen. Eine aktuelle Metaanalyse randomisierter Studien zeigte vergleichbare klinische und mikrobiologische Heilungsraten bei weniger gastrointestinalen Nebenwirkungen (Nebenwirkungen des Magen-Darm-Trakts) unter intravaginaler Behandlung [6].
- Die Auswahl des Regimes richtet sich nach Kontraindikationen (Gegenanzeigen), Verträglichkeit, Schwangerschaft, vorausgegangenen Therapieversuchen, Rezidivstatus, Verfügbarkeit der Präparate und Präferenz der Patientin [6, LL1-3].
- Die größte Übereinstimmung zwischen deutscher S2k-Leitlinie, WHO und CDC besteht für Metronidazol 500 mg oral 2-mal täglich über 7 Tage [LL1-3].
- Bei Allergie oder Unverträglichkeit gegenüber Metronidazol beziehungsweise Tinidazol bevorzugt die CDC intravaginales Clindamycin. Bei Unverträglichkeit von oralem Metronidazol ohne Nitroimidazol-Allergie kann eine vaginale Metronidazoltherapie eingesetzt werden [LL3].
- Bei Beschwerdefreiheit ist nach erfolgreicher Therapie keine routinemäßige Therapiekontrolle erforderlich. Bei persistierenden oder erneut auftretenden Beschwerden soll eine erneute diagnostische Abklärung erfolgen [LL3].
- Die chronisch-rezidivierende bakterielle Vaginose ist nach deutscher S2k-Leitlinie durch mindestens 3 Episoden innerhalb eines Jahres definiert [LL1].
- Eine Zervizitis (Entzündung des Gebärmutterhalses), Endometritis (Entzündung der Gebärmutterschleimhaut) oder Pelvic inflammatory disease (Entzündung der inneren weiblichen Geschlechtsorgane) ist keine Indikation zur bloßen Intensivierung einer BV-Therapie, sondern muss als eigenständiges Krankheitsbild behandelt werden.
Hauptindikationen
- Symptomatische, diagnostisch gesicherte bakterielle Vaginose bei nicht schwangeren Frauen [LL1-3].
- Symptomatische bakterielle Vaginose während der Schwangerschaft [LL1-3].
- Persistierende beziehungsweise rezidivierende bakterielle Vaginose nach erneuter diagnostischer Sicherung [LL1, LL3].
Nebenindikationen
- Frauen mit bakterieller Vaginose und unmittelbar bevorstehendem Kinderwunsch sollen gemäß deutscher S2k-Leitlinie auch bei fehlenden Beschwerden behandelt werden [LL1].
- Bei bereits diagnostizierter asymptomatischer bakterieller Vaginose während der Schwangerschaft besteht eine Evidenz- beziehungsweise Leitliniendivergenz:
- Die deutsche S2k-Leitlinie empfiehlt eine Behandlung zur Vermeidung von Schwangerschaftskomplikationen [LL1].
- Eine Individual-Patient-Data-Metaanalyse zeigte nach Einbeziehung der Gesamtdaten keine konsistente Reduktion der Frühgeburtenrate durch antibiotische Behandlung asymptomatischer Frauen [4].
- Die CDC empfiehlt daher kein routinemäßiges Screening asymptomatischer Schwangerer mit hohem oder niedrigem Frühgeburtsrisiko allein zur Prävention einer Frühgeburt [LL3].
Nitroimidazole – Metronidazol
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Metronidazol oral | International am breitesten übereinstimmendes Standardregime [LL1-3] |
| Metronidazol Vaginalgel 0,75 % | S2k: 5-7 Tage; CDC: 5 Tage; WHO: 7 Tage. Internationales Leitlinienregime; Zulassungsstatus und Präparateverfügbarkeit in Deutschland beachten [LL1-3] |
| Metronidazol Vaginalzäpfchen 100 mg | Deutsche S2k-Leitlinie und deutsche Fachinformation übereinstimmend [LL1] |
| Metronidazol Vaginalcreme 50 mg/g | In Deutschland zur Behandlung der bakteriellen Vaginose zugelassen; fachinformationskonformes Regime |
| Metronidazol Vaginalzäpfchen 1.000 mg | Die deutsche Fachinformation von Arilin Rapid sieht bei erstmaliger Infektion im Allgemeinen eine Einmalgabe vor; bei schweren oder rezidivierenden Infektionen 1.000 mg täglich für 2 Tage. Leitlinien- und Fachinformationsregime unterscheiden sich bei der erstmaligen Infektion [LL1] |
- Wirkweise: Metronidazol wird unter anaeroben Bedingungen zu reaktiven Metaboliten reduziert, die bakterielle DNA schädigen und zum Zelltod führen.
- Indikationen: Symptomatische bakterielle Vaginose sowie erneute Behandlung nach Rezidiv und gegebenenfalls suppressive Rezidivtherapie [LL1, LL3].
- Kontraindikationen: Allergie gegen Metronidazol oder andere 5-Nitroimidazole; weitere präparatespezifische Kontraindikationen beachten.
- Dosierung: Ein vollständiges leitlinien- beziehungsweise fachinformationskonformes Regime verwenden; unterschiedliche Regime nicht unkritisch kombinieren, verkürzen oder verlängern.
- Hinweise:
- Metronidazol 500 mg oral 2-mal täglich über 7 Tage ist das bevorzugte orale Standardregime dieser DocMedicus-Fassung, da deutsche S2k-Leitlinie, WHO und CDC übereinstimmen [LL1-3].
- Orale und intravaginale Metronidazoltherapie besitzen nach aktueller Metaanalyse vergleichbare klinische und mikrobiologische Heilungsraten; gastrointestinale Nebenwirkungen sind unter oraler Anwendung häufiger [6].
- Die deutsche S2k-Leitlinie führt zusätzlich eine orale hoch dosierte Kurzzeittherapie mit 2 g ein- bis zweimal innerhalb von 48 Stunden auf. Aufgrund der breiteren internationalen Übereinstimmung wird das 7-Tage-Regime als Standardregime bevorzugt dargestellt [LL1-3].
- Für Metronidazol 1.000 mg vaginal ist zwischen S2k-Regime und deutscher Fachinformation zu unterscheiden: Die S2k-Leitlinie nennt 1.000 mg täglich über 2 Tage; die Fachinformation von Arilin Rapid sieht bei erstmaliger Infektion im Allgemeinen eine Einmalgabe und bei schweren beziehungsweise rezidivierenden Infektionen eine Zweitagestherapie vor [LL1].
- Das international empfohlene Metronidazol-Vaginalgel 0,75 % darf nicht mit dem in Deutschland verfügbaren kutanen Metrogel 0,75 % gegen Rosazea (chronisch-entzündliche Hauterkrankung des Gesichts) gleichgesetzt werden.
- Eine klinisch relevante Disulfiram-ähnliche Interaktion zwischen Metronidazol und Alkohol wird durch die von CDC und S2k-Leitlinie bewertete Evidenz nicht überzeugend gestützt. Abweichende Angaben der jeweiligen deutschen Fachinformation sind dennoch zu beachten [LL1, LL3].
- Nebenwirkungen: Insbesondere Übelkeit, gastrointestinale Beschwerden, metallischer Geschmack und Kopfschmerzen; bei längerer beziehungsweise wiederholter systemischer Anwendung selten neurologische (das Nervensystem betreffende) und hämatologische Nebenwirkungen (das Blut betreffende Nebenwirkungen).
Lincosamide – Clindamycin
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Clindamycin oral | First-line-Option der deutschen S2k-Leitlinie; internationales Alternativregime von WHO und CDC [LL1-3] |
| Clindamycin Vaginalcreme 2 % | Deutsche Fachinformation Sobelin Vaginalcreme: 3 aufeinanderfolgende Tage, bei Bedarf bis 7 Tage; deutsche S2k-Leitlinie, WHO und CDC führen ein 7-Tage-Regime auf [LL1-3] |
| Clindamycin Vaginalzäpfchen | Leitlinien- und fachinformationskonformes lokales Regime [LL1, LL3] |
- Wirkweise: Bindung an die 50S-Untereinheit bakterieller Ribosomen (Bestandteile der Bakterienzelle zur Herstellung von Eiweißen) mit Hemmung der Proteinsynthese; Wirksamkeit gegen zahlreiche BV-assoziierte anaerobe und fakultativ anaerobe Bakterien.
- Indikationen: Symptomatische bakterielle Vaginose; insbesondere Alternative bei Allergie beziehungsweise Unverträglichkeit gegenüber Nitroimidazolen. Clindamycin ist gemäß deutscher S2k-Leitlinie die bevorzugte antibiotische Therapie bei symptomatischer bakterieller Vaginose während der Schwangerschaft [LL1, LL3].
- Kontraindikationen: Allergie gegen Clindamycin oder Lincomycin; weitere präparatespezifische Gegenanzeigen beachten.
- Sobelin Vaginalcreme soll gemäß aktueller deutscher Fachinformation zusätzlich unter anderem bei antibiotikaassoziierter Kolitis (durch Antibiotika ausgelöste Dickdarmentzündung) in der Vorgeschichte, Risikoschwangerschaft, Placenta praevia (vor dem Muttermund liegender Mutterkuchen) oder Scheideninfektion mit Clindamycin-unempfindlichen Erregern nicht angewendet werden.
- Dosierung: Ein vollständiges leitlinien- beziehungsweise fachinformationskonformes Regime verwenden. Bei Clindamycin-Vaginalcreme ist die Abweichung zwischen deutscher Fachinformation und den 7-Tage-Regimen der Leitlinien ausdrücklich zu berücksichtigen.
- Hinweise:
- Auch nach vaginaler Anwendung ist eine systemische Resorption (Aufnahme des Wirkstoffs in den Körper) möglich.
- Sobelin Vaginalcreme enthält dickflüssiges Paraffin. Latexkondome und Latexdiaphragmen sollen während der Anwendung und innerhalb von 72 Stunden nach Behandlungsende nicht verwendet werden. Bei anderen Präparaten sind die jeweiligen produktspezifischen Angaben zu beachten.
- Bei ausgeprägter beziehungsweise persistierender Diarrhö (Durchfall) muss eine Clostridioides-difficile-assoziierte beziehungsweise pseudomembranöse Kolitis (schwere antibiotikabedingte Dickdarmentzündung) berücksichtigt werden.
- Nebenwirkungen: Lokale Irritationen, vulvovaginale Candidose (Pilzinfektion von Scheide und äußerem Genitale) und gastrointestinale Beschwerden; selten beziehungsweise mit unbekannter Häufigkeit antibiotikaassoziierte oder pseudomembranöse Kolitis.
Lokale Antiseptika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Dequaliniumchlorid | In Deutschland ausdrücklich zur Behandlung der bakteriellen Vaginose zugelassen; antibiotikafreie Therapiealternative [2, LL1] |
| Octenidin/Phenoxyethanol | Von der deutschen S2k-Leitlinie als antiseptische Therapiealternative bei BV geführt; das zugelassene Anwendungsgebiet der deutschen Fachinformation ist breiter formuliert [LL1] |
| Povidon-Jod | Eingeschränkte Wirksamkeit; keine Anwendung während der Schwangerschaft [LL1] |
- Wirkweise: Lokale antimikrobielle Wirkung ohne klassischen systemischen antibiotischen Wirkmechanismus.
- Dequaliniumchlorid ist eine oberflächenaktive quartäre Ammoniumverbindung und erhöht die Permeabilität mikrobieller Zellmembranen (Durchlässigkeit der Zellhüllen von Mikroorganismen).
- Octenidin wirkt als kationenaktive Verbindung über Interaktionen mit Zellwand- und Membranbestandteilen.
- Indikationen: Leitliniengerechte Alternative zur antibiotischen Therapie der bakteriellen Vaginose, insbesondere bei Präferenz für eine lokale antibiotikafreie Behandlung [LL1].
- Kontraindikationen: Allergie gegen den jeweiligen Wirkstoff beziehungsweise Präparatebestandteile; weitere produktspezifische Gegenanzeigen beachten.
- Dequaliniumchlorid: zusätzlich Ulzerationen (Geschwüre) des Vaginalepithels (oberste Zellschicht der Scheide) beziehungsweise des vaginalen Anteils der Zervix (Gebärmutterhals).
- Octenidin/Phenoxyethanol: produktspezifische Angaben zur Anwendung in der Schwangerschaft beachten.
- Povidon-Jod: keine Anwendung zur BV-Therapie während der Schwangerschaft [LL1].
- Dosierung: Ein vollständiges fachinformations- beziehungsweise leitlinienkonformes Regime anwenden; die Behandlungsdauer nicht eigenständig verkürzen.
- Hinweise:
- Dequaliniumchlorid 10 mg einmal täglich über 6 Tage ist sowohl S2k-leitliniengerecht als auch fachinformationskonform [2, LL1].
- Eine randomisierte klinische Studie zeigte Nichtunterlegenheit von Dequaliniumchlorid gegenüber oralem Metronidazol bei prämenopausalen Frauen (Frauen vor den Wechseljahren) mit bakterieller Vaginose [2].
- Die Fachinformation von Fluomizin weist darauf hin, dass eine Behandlungsdauer von weniger als 6 Tagen ein Rezidiv begünstigen kann.
- Octenidin ist in der deutschen S2k-Leitlinie eine Therapiealternative bei BV. Das Anwendungsgebiet des verfügbaren Vaginaltherapeutikums ist in der Fachinformation jedoch breiter als die bakterielle Vaginose formuliert.
- Nebenwirkungen: Vorwiegend lokale Beschwerden wie Brennen, Juckreiz oder Irritationen; präparatespezifische Nebenwirkungen beachten.
Seltenere orale Alternativregime
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Secnidazol | Seltenere Alternative nach deutscher S2k-Leitlinie; WHO und CDC führen das Regime ebenfalls als Alternative [LL1-3] |
| Tinidazol | Alternativregime nach deutscher S2k-Leitlinie und CDC [LL1, LL3] |
- Wirkweise: Nitroimidazole mit Bildung reaktiver Metaboliten und Schädigung der DNA anaerober Mikroorganismen.
- Indikationen: Alternative bei geeigneter klinischer Konstellation, wenn etablierte Standardregime nicht geeignet sind [LL1-3].
- Kontraindikationen: Allergie gegen den jeweiligen Wirkstoff beziehungsweise 5-Nitroimidazole; weitere präparatespezifische Gegenanzeigen beachten.
- Dosierung: Die WHO nennt für Tinidazol 2 g als Einmaldosis, während die deutsche S2k-Leitlinie und die CDC 2 g täglich für 2 Tage beziehungsweise 1 g täglich für 5 Tage aufführen. Unterschiedliche Leitlinienregime dürfen nicht unkritisch kombiniert oder verkürzt werden [LL1-3].
- Hinweise:
- Secnidazol und Tinidazol werden wegen der größeren Erfahrung mit Metronidazol und Clindamycin nicht als bevorzugte DocMedicus-Erstlinienregime dargestellt.
- Bei Secnidazol sind Zulassungsstatus und Verfügbarkeit in Deutschland vor einer Anwendung zu prüfen.
- Tinidazol soll während der Schwangerschaft vermieden werden [LL1-3].
- Für Secnidazol sind die Sicherheitsdaten während der Schwangerschaft unzureichend; die CDC empfiehlt es deshalb nicht für Schwangere [LL3].
- Nebenwirkungen: Insbesondere gastrointestinale Beschwerden, Übelkeit, Geschmacksveränderungen und Kopfschmerzen.
Chronisch-rezidivierende bakterielle Vaginose
Die deutsche S2k-Leitlinie definiert die chronisch-rezidivierende bakterielle Vaginose als mindestens 3 Episoden innerhalb eines Jahres [LL1].
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Metronidazol vaginal | Suppressiver Therapieversuch gemäß deutscher S2k-Leitlinie [LL1] |
- Wirkweise: Eine suppressive Metronidazoltherapie (längerfristige Behandlung zur Unterdrückung wiederkehrender Erkrankungsschübe) vermindert über einen längeren Zeitraum BV-assoziierte anaerobe Bakterien und reduziert während der Behandlung das Rezidivrisiko.
- Indikationen: Chronisch-rezidivierende beziehungsweise multiple, diagnostisch gesicherte Episoden nach vorausgegangener leitliniengerechter Akuttherapie [LL1, LL3].
- Kontraindikationen: Allergie gegen Metronidazol beziehungsweise 5-Nitroimidazole sowie weitere präparatespezifische Gegenanzeigen.
- Dosierung: Die deutsche S2k-Leitlinie nennt topisches Metronidazol 2-mal wöchentlich über 16 Wochen als möglichen Suppressionsversuch. Die CDC nennt Metronidazolgel 0,75 % 2-mal wöchentlich über mehr als 3 Monate als Option bei multiplen Rezidiven [LL1, LL3].
- Hinweise:
- Nach einem ersten Rezidiv kann gemäß CDC entweder dasselbe Standardregime erneut oder ein alternatives empfohlenes Regime eingesetzt werden [LL3].
- Vor Beginn einer längerfristigen Suppressionstherapie sollen Diagnose und relevante Differentialdiagnosen (andere Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden) erneut überprüft werden.
- Der Nutzen einer suppressiven Metronidazoltherapie hält nach Beendigung der Behandlung nicht zuverlässig an [LL3].
- Die deutsche S2k-Leitlinie empfiehlt bei chronisch-rezidivierender BV lokale Antiseptika oder eine suppressive Erhaltungstherapie mit topischem Metronidazol, gefolgt von vaginalen Probiotika [LL1].
- Eine aktuelle Network-Metaanalyse zur Rezidivprävention bestätigt einen Nutzen intermittierender antibiotischer Suppression insbesondere bei hohem Ausgangsrisiko; zugleich ergaben sich positive Signale für vaginale Probiotika und acidifizierende Verfahren. Wegen heterogener Präparate und Regime lässt sich daraus derzeit kein einheitliches zusätzliches Standardregime ableiten [7].
- Die CDC beschreibt bei multiplen Rezidiven auf Grundlage begrenzter Daten zusätzlich ein mehrstufiges Regime aus oralem Nitroimidazol, anschließend vaginaler Borsäure und danach längerfristigem vaginalem Metronidazol. Dieses Schema ist keine deutsche Standardtherapie und wird daher nicht als reguläres DocMedicus-Regime dargestellt [LL3].
- Nebenwirkungen: Insbesondere lokale Irritationen; bei wiederholter beziehungsweise kumulativer Metronidazolexposition sind die bekannten systemischen Nebenwirkungen zu berücksichtigen.
Partnerbehandlung bei rezidivierender bakterieller Vaginose
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Metronidazol oral plus Clindamycin 2 % topisch beim männlichen Sexualpartner | StepUp-Regime; randomisierte Evidenz 2025 und ACOG Clinical Practice Update 2025 [1, LL4] |
- Wirkweise: Gleichzeitige systemische und lokale Reduktion BV-assoziierter Bakterien beim männlichen Sexualpartner mit dem Ziel, eine erneute Übertragung und damit das Rezidivrisiko zu vermindern.
- Indikationen: Bei chronisch-rezidivierender bakterieller Vaginose kann bereits nach deutscher S2k-Leitlinie eine Partnerbehandlung erwogen werden. ACOG empfiehlt seit 2025, eine gleichzeitige Partnertherapie mit kombinierten oralen und topischen antimikrobiellen Wirkstoffen insbesondere bei Erwachsenen mit rezidivierender symptomatischer BV und männlichem Sexualpartner in Betracht zu ziehen [1, LL1, LL4].
- Kontraindikationen: Allergie beziehungsweise sonstige Gegenanzeigen gegen Metronidazol oder Clindamycin beim Sexualpartner.
- Dosierung: Das kombinierte Schema entspricht dem StepUp-Studienregime und ist nicht als allgemeines deutsches Zulassungsregime für jeden asymptomatischen männlichen Sexualpartner zu verstehen [1].
- Hinweise:
- Im StepUp-Trial trat innerhalb von 12 Wochen bei 35 % der Frauen mit gleichzeitiger Behandlung des männlichen Sexualpartners ein Rezidiv auf, gegenüber 63 % bei alleiniger Behandlung der Frau [1].
- Eine Metaanalyse von 6 randomisierten Studien mit 953 Paaren zeigte für Partnerbehandlung insgesamt keine signifikante Verminderung der BV-Rezidive. Die positive StepUp-Studie war jedoch die einzige eingeschlossene Studie mit kombinierter oraler und topischer Partnerbehandlung; nach Ausschluss dieser Studie waren die älteren Partner-Monotherapien neutral [5].
- Eine aktuelle Network-Metaanalyse 2026 fand für Partnerbehandlung insgesamt eine signifikante Rezidivreduktion. Die unterschiedlichen aggregierten Resultate spiegeln Unterschiede der eingeschlossenen Therapieschemata, Effektmaße und Analyseverfahren wider [7].
- Die verfügbare Evidenz rechtfertigt daher keine generelle Behandlung sämtlicher Sexualpartner. Am besten gestützt ist derzeit die kombinierte orale und topische Therapie männlicher Partner bei ausgewählten Frauen mit rezidivierender symptomatischer BV entsprechend ACOG [1, 5, 7, LL4].
- Bei rezidivierender symptomatischer BV und weiblicher Sexualpartnerin empfiehlt ACOG aufgrund unzureichender direkter Evidenz eine individualisierte gemeinsame Entscheidungsfindung [LL4].
- Auch bei einer ersten symptomatischen BV-Episode nennt ACOG eine gemeinsame Entscheidungsfindung zur Partnertherapie als mögliche Strategie. Eine routinemäßige Partnertherapie bei jeder ersten Episode wird aufgrund der noch heterogenen Evidenz nicht als Standardtherapie empfohlen [5, 7, LL1, LL4].
- Nebenwirkungen: Unter oralem Metronidazol insbesondere Übelkeit, Kopfschmerzen und metallischer Geschmack; unter topischem Clindamycin lokale Irritationen möglich [1].
Therapie in der Schwangerschaft
- Eine symptomatische bakterielle Vaginose soll während der Schwangerschaft behandelt werden [LL1-3].
- Die deutsche S2k-Leitlinie empfiehlt primär Clindamycin; alternativ können vaginale Antiseptika eingesetzt werden [LL1].
- Die WHO empfiehlt dagegen auch für Schwangere Metronidazol 400 mg oder 500 mg oral 2-mal täglich über 7 Tage als bevorzugtes Regime. Damit besteht eine relevante Leitliniendivergenz zur deutschen S2k-Leitlinie [LL1, LL2].
- Metronidazol ist während der Schwangerschaft nicht grundsätzlich kontraindiziert. Die verfügbaren Daten ergeben keinen überzeugenden Hinweis auf Teratogenität (fruchtschädigende Wirkung); die CDC bewertet die Anwendung als mit einem geringen fetalen Risiko (Risiko für das ungeborene Kind) verbunden [LL1, LL3].
- Bei vaginalen Metronidazolpräparaten sind die jeweiligen deutschen Fachinformationen gesondert zu beachten:
- Vagi-Metro Creme ist gemäß Fachinformation im ersten Schwangerschaftsdrittel kontraindiziert und soll im zweiten und dritten Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) nur eingesetzt werden, wenn andere Therapieoptionen keinen Erfolg bringen.
- Arilin Rapid soll während der Schwangerschaft, insbesondere im ersten Trimenon, nur bei zwingender Indikation und bei fehlender geeigneter Alternative angewendet werden.
- Dequaliniumchlorid kann gemäß deutscher S2k-Leitlinie als lokale antiseptische Alternative eingesetzt werden. Fluomizin soll gemäß Fachinformation während der Schwangerschaft nur bei klinischer Notwendigkeit angewendet und innerhalb von 12 Stunden vor der Geburt nicht mehr appliziert werden [LL1].
- Für Clindamycin-Vaginalcreme sind die produktspezifischen Gegenanzeigen zu beachten. Die aktuelle Fachinformation von Sobelin Vaginalcreme führt unter anderem Risikoschwangerschaft und Placenta praevia als Gegenanzeigen auf.
- Povidon-Jod soll während der Schwangerschaft nicht zur Behandlung der bakteriellen Vaginose eingesetzt werden [LL1].
- Tinidazol soll wegen unzureichender Sicherheitsdaten während der Schwangerschaft vermieden werden [LL1-3].
- Secnidazol wird aufgrund unzureichender Schwangerschaftsdaten nicht als Therapieoption während der Schwangerschaft empfohlen [LL3].
- Für asymptomatische Schwangere besteht eine Evidenz- beziehungsweise Leitliniendivergenz: Die deutsche S2k-Leitlinie empfiehlt die Behandlung, während die Gesamtevidenz keinen konsistenten Nutzen hinsichtlich der Frühgeburtsprävention zeigt und die CDC kein routinemäßiges Screening asymptomatischer Schwangerer allein zur Prävention der Frühgeburt empfiehlt [4, LL1, LL3].
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
- Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
- Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
- Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
- Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen*: Laktobazillen, Bifidobakterien)
*Es gibt zahlreiche klinische Studien zur Prophylaxe von Rezidiven (s. u. "Mikrobiologische Therapie").
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Abkürzungen
- ACOG – American College of Obstetricians and Gynecologists
- BV – bakterielle Vaginose
- CDC – Centers for Disease Control and Prevention
- DHA – Docosahexaensäure
- EPA – Eicosapentaensäure
- WHO – World Health Organization
Literatur
- Vodstrcil LA, Plummer EL, Fairley CK et al.: Male-Partner Treatment to Prevent Recurrence of Bacterial Vaginosis. N Engl J Med 2025;392(10):947-957. doi: 10.1056/NEJMoa2405404
- Raba G, Durkech A, Malík T et al.: Efficacy of Dequalinium Chloride vs Metronidazole for the Treatment of Bacterial Vaginosis: A Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open 2024;7(5):e248661. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2024.8661
- Chieng WK, Abdul Jalal MI, Bedi JS et al.: Probiotics, a promising therapy to reduce the recurrence of bacterial vaginosis in women? a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Front Nutr 2022;9:938838. doi: 10.3389/fnut.2022.938838
- Klebanoff MA, Schuit E, Lamont RF et al.: Antibiotic treatment of bacterial vaginosis to prevent preterm delivery: Systematic review and individual participant data meta-analysis. Paediatr Perinat Epidemiol 2023;37(3):239-251. doi: 10.1111/ppe.12947
- Vieira LLP, Suruagy-Motta RFO, Bomfim JQ et al.: The efficacy of male partner treatment to prevent recurrence of bacterial Vaginosis: A systematic review with Meta-Analysis of randomized controlled trials. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 2026;321:115047. doi: 10.1016/j.ejogrb.2026.115047
- Hirai J, Arakawa Y, Kato H et al.: Comparative efficacy and safety of oral versus intravaginal metronidazole for the treatment of bacterial vaginosis: A systematic review and meta-analysis. J Infect Chemother 2025;31(11):102826. doi: 10.1016/j.jiac.2025.102826
- Gardella B, Dominoni M, Pano MR et al.: Rethinking Prevention of Recurrent Bacterial Vaginosis: A Comparative Effectiveness Network Meta-Analysis. J Low Genit Tract Dis 2026; online ahead of print. doi: 10.1097/LGT.0000000000000966
Leitlinien
- S2k-Leitlinie: Bakterielle Vaginose. Version 5.0. (AWMF-Registernummer 015-028). Stand 01.06.2023, gültig bis 30.05.2027. Langfassung. Publizierte Leitlinienfassung: Farr A, Swidsinski S, Surbek D et al.: Bacterial Vaginosis: Guideline of the DGGG, OEGGG and SGGG (S2k-Level, AWMF Registry No. 015/028, June 2023). Geburtsh Frauenheilk 2023;83(11):1331-1349. doi: 10.1055/a-2169-8539 [LL1]
- World Health Organization: Recommendations for the treatment of Trichomonas vaginalis, Mycoplasma genitalium, Candida albicans, bacterial vaginosis and human papillomavirus (anogenital warts). Geneva: World Health Organization; 2024. ISBN 978-92-4-009637-0. WHO-Leitlinie [LL2]
- Workowski KA, Bachmann LH, Chan PA et al.: Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines, 2021. MMWR Recomm Rep 2021;70(4):1-187. doi: 10.15585/mmwr.rr7004a1; Bacterial Vaginosis [LL3]
- American College of Obstetricians and Gynecologists: Concurrent Sexual Partner Therapy to Prevent Bacterial Vaginosis Recurrence. Clinical Practice Update. Obstet Gynecol 2025;146(6):e111-e114. doi: 10.1097/AOG.0000000000006102 [LL4]
Produktinformationen
- Metronidazol zur oralen Anwendung – aktuelle Fachinformation des jeweils verwendeten Präparates beachten.
- Arilin Vaginalzäpfchen 100 mg – Metronidazol; 1 Vaginalzäpfchen täglich, in der Regel 6 Tage. Fachinformation
- Arilin Rapid Vaginalzäpfchen 1.000 mg – Metronidazol; bei erstmaliger Infektion im Allgemeinen Einmalgabe, bei schweren beziehungsweise rezidivierenden Infektionen Zweitagestherapie. Fachinformation
- Vagi-Metro Creme 50 mg/g – Metronidazol; bei bakterieller Vaginose 2 g Vaginalcreme entsprechend 100 mg Metronidazol 1-mal täglich, in der Regel 6 Tage. Fachinformation
- Sobelin Vaginalcreme 20 mg/g – Clindamycin; aktuelle Fachinformation beachten. Fachinformation
- Sobelin 100 mg Vaginalzäpfchen – Clindamycin; 1 Vaginalzäpfchen täglich abends an 3 aufeinanderfolgenden Tagen. Fachinformation
- Fluomizin 10 mg Vaginaltabletten – Dequaliniumchlorid; 1 Vaginaltablette täglich für 6 Tage. Fachinformation