Handekzem – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Konsequente Ausschaltung des ursächlichen Kontaktallergens (allergieauslösender Stoff bei Hautkontakt)
- Rasche Abheilung der Entzündungsreaktion (entzündlichen Reaktion) und Linderung von Juckreiz, Brennen und Schmerzen
- Wiederherstellung der epidermalen Barriere (Schutzschicht der Oberhaut)
- Vermeidung von Rezidiven (Rückfällen) und Chronifizierung (dauerhaftem Fortbestehen)
Therapieempfehlungen
- Kausaltherapie (Behandlung der Ursache): Grundlage jeder Behandlung ist die Identifizierung des klinisch relevanten Kontaktallergens und dessen konsequente Meidung. Begleitende irritative Einwirkungen (reizende Einwirkungen) sind ebenfalls zu minimieren. Eine allergenspezifische Immuntherapie des allergischen Kontaktekzems ist nicht etabliert [LL1, LL2, 6].
- Patientenaufklärung und Prävention: Der Patient ist über Allergenquellen, mögliche Kreuzreaktionen (Reaktionen auf ähnliche allergieauslösende Stoffe), geeignete Ersatzprodukte und erforderliche Hautschutzmaßnahmen zu informieren. Hautpflege-, Hautschutz- und Reinigungsprodukte müssen frei von den individuell relevanten Kontaktallergenen sein. Bei beruflich bedingtem Kontaktekzem sind frühzeitig berufsdermatologische Präventionsmaßnahmen einzuleiten [LL1, LL2].
- Stadiengerechte Basistherapie:
- Regelmäßige Anwendung geeigneter, allergenarmer und möglichst parfumfreier Hautpflegemittel unabhängig vom Schweregrad.
- Akute, nässende Ekzeme: hydrophile Grundlagen, Lotionen oder Cremes; gegebenenfalls feuchte Umschläge und synthetische Gerbstoffe.
- Chronische, trockene oder lichenifizierte Ekzeme (Ekzeme mit verdickter und vergröberter Haut): lipidreichere Wasser-in-Öl-Zubereitungen oder Salben.
- Hyperkeratotische Handekzeme (Handekzeme mit übermäßiger Verhornung): gegebenenfalls Harnstoff oder Salicylsäure bis 10 %. Eine belastbare Evidenz für ein bestimmtes Keratolytikum oder Hautpflegeprodukt besteht nicht [LL1, LL2, 5].
- Topische Glukokortikoide: Mittel der ersten Wahl zur antientzündlichen Behandlung. Wirkstärke, Grundlage und Behandlungsdauer sind an Lokalisation (Ort der Hautveränderungen), Akuität (Grad des akuten Auftretens), Morphologie (Erscheinungsform) und Schweregrad anzupassen. Eine einmal tägliche Anwendung ist meist ausreichend. Im Gesicht, in Intertrigines (Hautfalten) und im Anogenitalbereich (After- und Genitalbereich) sind niedrigpotente Präparate, bei schweren oder hyperkeratotischen Hand- und Fußekzemen kurzfristig potente bis sehr potente Präparate erforderlich. Eine längerfristige Anwendung potenter Präparate darf nur intermittierend (in zeitlichen Abständen) und unter ärztlicher Kontrolle erfolgen [LL1, LL2, LL3, 5, 6].
- Topische Calcineurin-Inhibitoren: Tacrolimus und Pimecrolimus können insbesondere in atrophiegefährdeten Hautarealen (durch Hautverdünnung gefährdeten Hautbereichen) oder zur Einsparung topischer Glukokortikoide erwogen werden. Beim allergischen Kontaktekzem handelt es sich um einen Off-Label-Use. Tacrolimus 0,1 % ist besser untersucht; die Daten zu Pimecrolimus sind widersprüchlich. Die Wirksamkeit ist bei manifestem Kontaktekzem (deutlich ausgeprägtem Kontaktekzem) geringer als die potenter topischer Glukokortikoide [LL1, LL2, LL3, 5].
- Adjuvante Lokaltherapie: Bei superinfiziertem Ekzem (Ekzem mit zusätzlicher Infektion) können zeitlich begrenzt topische Antiseptika eingesetzt werden. Wegen Sensibilisierungs- und Resistenzrisiken (Risiken einer Allergieentwicklung und Widerstandsfähigkeit von Erregern) sind topische Antibiotika nach Möglichkeit zu vermeiden. Topische Antihistaminika sollen wegen ihres Sensibilisierungspotenzials nicht angewendet werden. Steinkohleteer besitzt beim Handekzem keinen gesicherten Wirksamkeitsnachweis und ist keine Routinetherapie [LL1, LL2].
- Systemische Glukokortikoide: Nur bei ausgedehntem oder klinisch schwerem akutem allergischen Kontaktekzem bzw. bei schwerer Exazerbation (akuter Verschlechterung) eines chronischen Kontaktekzems. Die Behandlung erfolgt kurzfristig mit rascher Dosisreduktion; eine wiederholte oder dauerhafte systemische Glukokortikoidtherapie ist nicht indiziert [LL1, LL2].
- Phototherapie: Bei chronischem, topisch therapierefraktärem Kontaktekzem (durch äußerliche Behandlung nicht ausreichend beeinflussbarem Kontaktekzem), insbesondere bei moderatem bis schwerem chronischen Handekzem, können topische PUVA, Schmalband-UVB oder UVA1 eingesetzt werden. Wegen der kumulativen UV-Dosis ist die Phototherapie nicht zur Langzeit- oder Erhaltungstherapie geeignet. Eine gleichzeitige Phototherapie mit topischen Calcineurin-Inhibitoren oder systemischen Immunsuppressiva wird nicht empfohlen [LL1, LL2, LL3, 5].
- Sonderfall chronisches Handekzem:
- Delgocitinib-Creme ist für Erwachsene mit moderatem bis schwerem chronischem Handekzem zugelassen, wenn topische Glukokortikoide nicht ausreichend wirksam oder ungeeignet sind. Die Zulassung ist auf Hände und Handgelenke begrenzt und umfasst nicht allgemein allergische Kontaktekzeme anderer Lokalisationen [3, 4, 7, B2, PI1].
- Alitretinoin ist zur systemischen Behandlung des schweren chronischen Handekzems zugelassen, das auf potente topische Glukokortikoide nicht ausreichend anspricht. Die Zulassung ist nicht auf eine bestimmte Ätiologie (Ursache) des Handekzems begrenzt [LL2, LL3, 2, 5].
- Acitretin kann bei ausgeprägt hyperkeratotischem chronischem Handekzem nur als Off-Label-Use und nach Versagen oder bei Ungeeignetheit anderer Therapieoptionen erwogen werden [LL1, LL2].
- Ciclosporin, Azathioprin und Methotrexat sind beim allergischen Kontaktekzem bzw. nicht atopischen chronischen Handekzem nicht zugelassen. Ihr Einsatz bleibt schweren, therapierefraktären Einzelfällen (behandlungsresistenten Einzelfällen) unter fachdermatologischer Überwachung vorbehalten; die Evidenz ist begrenzt [LL1, LL2, 5].
- Biologika und systemische Januskinase-Inhibitoren: Für das isolierte allergische Kontaktekzem besteht keine etablierte Standardindikation. Eine Behandlung einer gleichzeitig vorliegenden atopischen Dermatitis (Neurodermitis) erfolgt nach deren eigener Zulassung und Leitlinie [LL1, 7].
- Beachte: Eine fehlende Besserung oder Verschlechterung unter Lokaltherapie kann durch fortbestehenden Allergenkontakt, eine Kontaktallergie gegen den Wirkstoff, die Grundlage oder einen Hilfsstoff, eine Superinfektion (zusätzliche Infektion) oder eine unzutreffende Diagnose bedingt sein und erfordert eine erneute dermatologische und allergologische Beurteilung [LL1, LL2].
Wirkstoffe (Hauptindikation)
Topische Glukokortikoide
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Hydrocortison 0,5-1 % | Niedrige Wirkstärke; kurzfristig für Gesicht, Intertrigines und andere empfindliche Hautareale |
| Prednicarbat 0,25 % Methylprednisolonaceponat 0,1 % Mometasonfuroat 0,1 % |
Bevorzugte Beispiele mit günstigem therapeutischen Index (Verhältnis zwischen Wirksamkeit und Nebenwirkungsrisiko); Wirkstärke und Grundlage präparateabhängig |
| Betamethasondipropionat 0,05 % | Potentes Glukokortikoid; kurzfristig bei schweren oder hyperkeratotischen Läsionen (Hautveränderungen) |
| Clobetasolpropionat 0,05 % | Sehr potent; nur bei schweren, therapieresistenten und insbesondere palmoplantaren Läsionen (Hautveränderungen an Handflächen und Fußsohlen) |
- Wirkweise: Antiinflammatorisch (entzündungshemmend), immunsuppressiv (die Immunabwehr unterdrückend), antipruriginös (juckreizlindernd) und antiproliferativ (die Zellvermehrung hemmend).
- Indikationen: Akutes, subakutes oder chronisches allergisches Kontaktekzem; topische Erstlinientherapie [LL1, LL2, LL3].
- Anwendung: Auswahl von Wirkstärke und Grundlage nach Lokalisation und Ekzemstadium. Nach Abheilung ist bei rezidivierendem chronischem Ekzem (wiederkehrendem chronischen Ekzem) gegebenenfalls eine intermittierende Anwendung an 2-3 Tagen pro Woche möglich. Eine unkritische Dauertherapie ist zu vermeiden [LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Unbehandelte bakterielle, virale oder mykotische Infektionen (Pilzinfektionen) im Anwendungsgebiet sowie wirkstoff- und präparatespezifische Gegenanzeigen.
- Nebenwirkungen: Hautatrophie (Hautverdünnung), Teleangiektasien (sichtbar erweiterte kleine Hautgefäße), Striae (Dehnungsstreifen), periorale Dermatitis (entzündlicher Hautausschlag um den Mund), steroidinduzierte Rosazea (durch Cortison ausgelöste Gesichtsrose), verzögerte Barriereheilung und erhöhte Infektanfälligkeit; bei großflächiger, okklusiver Anwendung (Anwendung unter luftdichter Abdeckung) oder langfristiger Anwendung auch systemische Glukokortikoidwirkungen.
- Beachte: Bei fehlender Wirkung oder Verschlechterung ist an eine Kontaktallergie gegen das Glukokortikoid, dessen Vehikel (Trägersubstanz) oder weitere Hilfsstoffe zu denken [LL1, LL2].
Wirkstoffe (Nebenindikation)
Topische Calcineurin-Inhibitoren
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Tacrolimus 0,1 % Salbe | Beim allergischen Kontaktekzem Off-Label-Use; bessere Datenlage als für Pimecrolimus |
| Pimecrolimus 1 % Creme | Beim allergischen Kontaktekzem Off-Label-Use; widersprüchliche Wirksamkeitsdaten |
- Wirkweise: Hemmung der Calcineurin-Phosphatase mit verminderter Aktivierung und Mediatorfreisetzung von T-Zellen (bestimmten Abwehrzellen) und Mastzellen (an allergischen Reaktionen beteiligten Abwehrzellen).
- Indikationen: Glukokortikoid-sparende Behandlung, insbesondere im Gesicht, in Intertrigines und anderen atrophiegefährdeten Hautarealen; beim allergischen Kontaktekzem Off-Label-Use [LL1, LL2].
- Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen: Nicht auf klinisch infizierte Haut auftragen. Intensive natürliche oder künstliche UV-Exposition sowie eine gleichzeitige UVA-, UVB- oder PUVA-Therapie vermeiden.
- Nebenwirkungen: Vorübergehendes Brennen, Wärmegefühl, Erythem (Hautrötung) und Juckreiz am Applikationsort; gelegentlich Alkoholintoleranz mit Flush (anfallsartiger Hautrötung).
Topischer Januskinase-Inhibitor
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Delgocitinib 20 mg/g Creme | Zugelassen für Erwachsene mit moderatem bis schwerem chronischem Handekzem, wenn topische Glukokortikoide unzureichend oder ungeeignet sind; Behandlung bei fehlender Besserung nach 12 Wochen beenden [B2, PI1] |
- Wirkweise: Topischer Pan-Januskinase-Inhibitor; Hemmung von JAK1, JAK2, JAK3 und TYK2 sowie nachgeschalteter proinflammatorischer Signalwege (entzündungsfördernder Signalwege).
- Indikation: Moderates bis schweres chronisches Handekzem bei Erwachsenen, wenn topische Glukokortikoide nicht ausreichend wirksam oder ungeeignet sind. Nach Abheilung wird die Behandlung beendet und bei einem Rezidiv bedarfsweise erneut begonnen [B2, PI1].
- Evidenz: In DELTA 1 und DELTA 2 war Delgocitinib nach 16 Wochen wirksamer als die wirkstofffreie Creme. In DELTA FORCE führte Delgocitinib bei schwerem chronischen Handekzem zu einer stärkeren Reduktion des HECSI-Scores und zu weniger unerwünschten Ereignissen als Alitretinoin [3, 4].
- Kontraindikation: Überempfindlichkeit gegen Delgocitinib oder einen Hilfsstoff.
- Nebenwirkungen: Reaktionen am Applikationsort, insbesondere Schmerzen, Parästhesien (Missempfindungen), Pruritus und Erythem.
- Beachte: Nicht unmittelbar zusammen mit anderen topischen Arzneimitteln auf derselben Hautstelle anwenden. Die gleichzeitige Anwendung von Hautpflegemitteln innerhalb von zwei Stunden vor oder nach Delgocitinib wurde nicht untersucht. Während der Schwangerschaft sollte Delgocitinib vorsichtshalber vermieden werden. Regelmäßige Inspektion der behandelten Hautareale, insbesondere bei Risikofaktoren für nichtmelanozytären Hautkrebs (weißer Hautkrebs) [PI1].
Adjuvante topische Wirkstoffe
| Wirkstoffgruppe bzw. Wirkstoff | Besonderheiten |
| Synthetische Gerbstoffe | Bei nässenden oder vesikulären Ekzemen (Ekzemen mit Bläschenbildung); adstringierend (zusammenziehend) und austrocknend |
| Octenidin oder Polyhexanid | Nur bei klinischer Superinfektion bzw. relevanter pathogener mikrobieller Besiedlung (Besiedlung mit krankheitserregenden Mikroorganismen) |
| Harnstoff 5-10 % | Bei trockenen und hyperkeratotischen Formen; kann auf akut entzündeter oder fissurierter Haut (Haut mit Einrissen) brennen |
| Salicylsäure bis 10 % | Keratolytisch (hornlösend) bei ausgeprägter Hyperkeratose (übermäßiger Verhornung); Resorptionsrisiko (Risiko der Aufnahme in den Körper) bei großflächiger oder okklusiver Anwendung beachten |
- Indikationen: Ausschließlich stadien- und befundabhängige Ergänzung der Basis- und antientzündlichen Therapie [LL1, LL2].
- Beachte: Für Harnstoff und andere Keratolytika beim hyperkeratotischen Handekzem besteht nur eine begrenzte wissenschaftliche Evidenz. Potenziell sensibilisierende Inhaltsstoffe sind zu vermeiden [LL2].
Systemische Glukokortikoide
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Prednisolonäquivalent | Nur bei ausgedehntem oder schwerem akutem Kontaktekzem bzw. schwerer Exazerbation; keine Dauertherapie |
- Wirkweise: Systemisch antiinflammatorisch, immunsuppressiv und antiallergisch.
- Indikationen: Ausgedehntes oder klinisch schweres akutes allergisches Kontaktekzem bzw. schwere Exazerbation eines chronischen Kontaktekzems [LL1].
- Kontraindikationen: Insbesondere unkontrollierte systemische Infektionen; weitere Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen abhängig von Dosis, Begleiterkrankungen und Behandlungsdauer.
- Nebenwirkungen: Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker), Blutdruckanstieg, Flüssigkeitsretention (Zurückhaltung von Flüssigkeit im Körper), Schlaf- und Stimmungsstörungen, gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden) und erhöhte Infektanfälligkeit; bei wiederholter oder längerer Behandlung zusätzlich Osteoporose (Knochenschwund), Hautatrophie, Nebennierenrindensuppression (Unterdrückung der körpereigenen Cortisolbildung) und weitere systemische Glukokortikoidfolgen.
Retinoide bei chronischem Handekzem
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Alitretinoin | Zugelassen bei schwerem chronischen Handekzem mit unzureichendem Ansprechen auf potente topische Glukokortikoide; bei fehlendem ausreichendem Ansprechen nach 3-4 Monaten absetzen |
| Acitretin | Off-Label-Use bei ausgeprägt hyperkeratotischem chronischem Handekzem; nur wenn andere Therapieoptionen nicht verfügbar, nicht wirksam oder kontraindiziert sind |
- Wirkweise: Retinoidrezeptor-vermittelte immunmodulatorische (die Immunreaktion verändernde), antiinflammatorische und antiproliferative Wirkung.
- Indikationen: Alitretinoin bei schwerem chronischem Handekzem nach unzureichendem Ansprechen auf potente topische Glukokortikoide; Acitretin nur als Off-Label-Option bei vorwiegend hyperkeratotischem chronischem Handekzem [LL1, LL2, LL3, 5].
- Kontraindikationen: Schwangerschaft, Stillzeit, fehlende Einhaltung des Schwangerschaftsverhütungsprogramms bei Frauen im gebärfähigen Alter, schwere Leberinsuffizienz (schwere Funktionsschwäche der Leber), schwere Niereninsuffizienz (schwere Funktionsschwäche der Nieren) und unkontrollierte Hyperlipidämie; weitere wirkstoffspezifische Gegenanzeigen beachten.
- Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Cheilitis (Lippenentzündung), trockene Haut und Schleimhäute, Pruritus, Erythem, Alopezie (Haarausfall), Muskel- und Gelenkbeschwerden, Hypertriglyceridämie, Hypercholesterinämie, Transaminasenanstieg und unter Alitretinoin mögliche Veränderungen der Schilddrüsenfunktionsparameter. Eine Haarkräuselung unter Alitretinoin ist beschrieben [1].
- Labordiagnostik: Vor und während der Therapie insbesondere Schwangerschaftstests gemäß Schwangerschaftsverhütungsprogramm, Transaminasen und Nüchternlipide; Schilddrüsenfunktionsparameter bei Alitretinoin nach klinischer Situation.
- Beachte: Orale Retinoide sind stark teratogen. Bei Alitretinoin sind die Maßnahmen zur Schwangerschaftsverhütung einen Monat vor, während und einen Monat nach der Behandlung einzuhalten. Bei Acitretin ist eine sichere Empfängnisverhütung bis drei Jahre nach Behandlungsende erforderlich [B1].
Systemische Immunsuppressiva bei therapierefraktärem chronischen Kontaktekzem bzw. Handekzem
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Ciclosporin | Off-Label-Use beim nicht atopischen Handekzem und allergischen Kontaktekzem; bei fehlender Wirkung nach etwa 8 Wochen absetzen |
| Azathioprin | Off-Label-Use; begrenzte Evidenz, unter anderem beim aerogenen allergischen Kontaktekzem (durch Stoffe in der Luft ausgelösten allergischen Kontaktekzem) und chronischen Handekzem |
| Methotrexat | Off-Label-Use; Evidenz beim chronischen Handekzem auf kleine retrospektive Studien (rückblickende Studien) und Fallserien begrenzt |
- Indikationen: Ausschließlich schwere, chronische und therapierefraktäre Verläufe nach Ausschöpfung der kausalen, topischen und gegebenenfalls physikalischen Therapie; fachdermatologische Behandlung erforderlich [LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Wirkstoffabhängig insbesondere schwere aktive Infektionen, relevante Organinsuffizienz (Funktionsschwäche eines Organs), Schwangerschaft sowie fehlende Möglichkeit einer zuverlässigen klinischen und laborchemischen Überwachung.
- Nebenwirkungen: Ciclosporin: Nephrotoxizität (Nierenschädigung), arterielle Hypertonie (Bluthochdruck), Hyperkaliämie, Hyperurikämie, Neurotoxizität (Schädigung des Nervensystems), Infektionen und erhöhtes Malignomrisiko (Krebsrisiko). Azathioprin: Myelotoxizität (Schädigung des Knochenmarks), Hepatotoxizität (Leberschädigung), gastrointestinale Beschwerden, Infektionen und erhöhtes Malignomrisiko. Methotrexat: Myelotoxizität, Hepatotoxizität, Mukositis (Schleimhautentzündung), gastrointestinale Beschwerden, Infektionen und selten Pneumonitis (entzündliche Erkrankung des Lungengewebes).
- Kontrollen: Wirkstoffabhängig Blutbild, Transaminasen, Nierenfunktion, Blutdruck und weitere Sicherheitsparameter. Bei Ciclosporin sind insbesondere Blutdruck und Serumkreatinin zu überwachen.
- Beachte: Ciclosporin, Azathioprin und Methotrexat dürfen wegen des erhöhten Hautkrebsrisikos nicht mit einer Phototherapie kombiniert werden. Mycophenolatmofetil und andere systemische Immunsuppressiva sind aufgrund unzureichender Evidenz keine Standardtherapie [LL1, LL2].
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit von Haut, Haaren und Nägeln sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
- Mineralstoffe (Magnesium)
- Spurenelemente (Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
- Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäure: Gamma-Linolensäure (GLA))
- Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Lycopin, Grüntee-Polyphenole, Traubenkern- und Oliven-Polyphenole)
- Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10), Hirse-Extrakt und Kieselerde)
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Abkürzungen
- B – behördliche und regulatorische Quelle
- BfArM – Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
- EADV – European Academy of Dermatology and Venereology (Europäische Akademie für Dermatologie und Venerologie)
- EMA – European Medicines Agency (Europäische Arzneimittel-Agentur)
- EU – Europäische Union
- HECSI – Hand Eczema Severity Index (Handekzem-Schweregrad-Index)
- JAK – Januskinase
- KG – Körpergewicht
- LL – Leitlinie
- NUDT15 – Nudix-Hydrolase 15
- PI – Produktinformation
- PUVA – Psoralen plus Ultraviolett-A-Strahlung
- TPMT – Thiopurin-S-Methyltransferase
- TYK2 – Tyrosinkinase 2
- UV – ultraviolett
- UVA – Ultraviolett-A-Strahlung
- UVA1 – langwellige Ultraviolett-A-Strahlung
- UVB – Ultraviolett-B-Strahlung
Literatur
- Herink C et al.: Development of curly hair under systemic therapy with alitretinoin. Hautarzt. 2015;66:617-619. doi: 10.1007/s00105-015-3579-z [1]
- Diepgen TL, Andersen KE, Chosidow O et al.: Guidelines for diagnosis, prevention and treatment of hand eczema. J Dtsch Dermatol Ges. 2015;13:e1-e22. doi: 10.1111/ddg.12510_1 [2]
- Bissonnette R, Warren RB, Pinter A et al.: Efficacy and safety of delgocitinib cream in adults with moderate to severe chronic hand eczema (DELTA 1 and DELTA 2): results from multicentre, randomised, controlled, double-blind, phase 3 trials. Lancet. 2024;404:461-473. doi: 10.1016/S0140-6736(24)01027-4 [3]
- Giménez-Arnau AM, Pinter A, Sondermann W et al.: Efficacy and safety of topical delgocitinib cream versus oral alitretinoin capsules in adults with severe chronic hand eczema (DELTA FORCE): a 24-week, randomised, head-to-head, phase 3 trial. Lancet. 2025;405:1676-1688. doi: 10.1016/S0140-6736(25)00001-7 [4]
- Christoffers WA, Coenraads PJ, Svensson Å et al.: Interventions for hand eczema. Cochrane Database Syst Rev. 2019;4:CD004055. doi: 10.1002/14651858.CD004055.pub2 [5]
- Dickel H: Management of contact dermatitis. Allergo J Int. 2023;32:57-76. doi: 10.1007/s40629-023-00246-9 [6]
- Balato A, Tancredi V, Aerts O et al.: Chronic hand eczema: Common questions and practical recommendations from the EADV Contact Dermatitis Task Force. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2026;40:583-596. doi: 10.1111/jdv.70068 [7]
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- S1-Leitlinie: Kontaktekzem. (AWMF-Registernummer 013-055) September 2021 Langfassung; Gültigkeit bis 31. August 2026, derzeit in Überarbeitung [LL1]
- S2k-Leitlinie: Diagnostik, Prävention und Therapie des Handekzems. (AWMF-Registernummer 013-053) Februar 2023 Langfassung [LL2]
- Thyssen JP, Schuttelaar MLA, Alfonso JH et al.: Guidelines for diagnosis, prevention, and treatment of hand eczema. European Society of Contact Dermatitis. Contact Dermatitis. 2022;86:357-378. doi: 10.1111/cod.14035 [LL3]
Behördliche und regulatorische Quellen
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Rote-Hand-Brief zu den oralen Retinoiden Acitretin, Alitretinoin und Isotretinoin – Erinnerung an die bestehenden Einschränkungen zur Verhinderung einer Exposition während der Schwangerschaft. 2. Mai 2024. Mitteilung des BfArM [B1]
- European Medicines Agency: Anzupgo (Delgocitinib), European Public Assessment Report; EU-Zulassung vom 19. September 2024. EMA-Produktseite [B2]
Produktinformationen
- European Medicines Agency: Anzupgo 20 mg/g Creme (Delgocitinib), Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, aktualisierte Produktinformation. Produktinformation [PI1]