Gesichtsschwellung – Differentialdiagnosen

Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)

  • Lymphatische Malformationen des Gesichts (angeborene Fehlbildungen der Lymphgefäße im Gesicht) – angeborene lymphatische Gefäßfehlbildungen mit meist chronischer, weicher oder zystischer Gesichtsschwellung
  • Venöse Malformationen des Gesichts (angeborene Fehlbildungen der Venen im Gesicht) – angeborene venöse Gefäßfehlbildungen mit lageabhängiger oder belastungsabhängiger Schwellung

Atmungssystem (J00-J99)

  • Akute bakterielle Rhinosinusitis, komplizierte (komplizierte akute bakterielle Nasennebenhöhlenentzündung) – Gesichtsschmerz, Druckgefühl, periorbitale Schwellung (Schwellung um das Auge) oder Lidödem (Augenlidschwellung); bei orbitaler Komplikation (Komplikation der Augenhöhle) Notfall
  • Chronische Rhinosinusitis mit Mukozele (chronische Nasennebenhöhlenentzündung mit schleimgefüllter Zyste) – langsam progrediente Schwellung, Drucksymptomatik oder orbitale Verlagerung durch schleimgefüllte Raumforderung
  • Odontogene Sinusitis maxillaris (zahnverursachte Kieferhöhlenentzündung) – meist einseitige Kieferhöhlenentzündung bei dentalem Fokus (zahnbezogenem Entzündungsherd), häufig mit Wangen-/infraorbitaler Schwellung (Schwellung unterhalb der Augenhöhle)

Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)

  • Dacryoadenitis (Tränendrüsenentzündung) – entzündliche Tränendrüsenschwellung mit lateraler Oberlidschwellung
  • Dacryocystitis (Tränensackentzündung) – Entzündung des Tränensacks mit schmerzhafter Schwellung medial des inneren Augenwinkels
  • Hordeolum/Chalazion (Gerstenkorn/Hagelkorn) – lokalisierte entzündliche oder chronisch-granulomatöse Lidschwellung
  • Orbitalabszess/Orbitaphlegmone (Eiteransammlung in der Augenhöhle/bakterielle Entzündung der Augenhöhle) – schwere orbitale Infektion (Infektion der Augenhöhle) mit Lidödem, Schmerzen, Motilitätsstörung (Bewegungsstörung), Exophthalmus (Hervortreten des Augapfels) und Visusgefährdung (Gefährdung des Sehvermögens)
  • Präseptale Cellulitis (Infektion vor der Augenhöhlenscheidewand) – Infektion der Lider und periokulären Weichteile (Weichteile um das Auge) ohne postseptale Orbitabeteiligung (Beteiligung der Augenhöhle hinter der Augenhöhlenscheidewand)

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Erworbenes Angioödem durch C1-Inhibitor-Mangel (erworbene tiefe Gewebeschwellung durch Mangel eines bestimmten Hemmstoffs des Komplementsystems) – rezidivierende tiefe Schwellungen, häufig ohne Urtikaria (Nesselsucht); assoziiert mit lymphoproliferativen (das Lymphsystem betreffenden vermehrenden) oder autoimmunen Erkrankungen
  • Hereditäres Angioödem (erblich bedingte tiefe Gewebeschwellung) – rezidivierende bradykininvermittelte Gesichts-, Lippen-, Zungen- oder Larynxödeme (Kehlkopfschwellungen), typischerweise ohne Juckreiz und ohne Quaddeln
  • Mastzellaktivierungssyndrom/systemische Mastozytose (Erkrankung mit überaktiven Mastzellen/krankhafte Vermehrung von Mastzellen im Körper) – episodische Flush-Symptomatik (anfallsartige Hautrötung), Urtikaria, Angioödem oder anaphylaktoide Reaktionen (allergieähnliche schwere Reaktionen)

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Akromegalie (Vergrößerung von Körperenden durch Wachstumshormonüberschuss) – chronisch progrediente Vergröberung der Gesichtszüge durch Weichteil- und Knochenwachstum
  • Endokrine Orbitopathie bei Morbus Basedow/Autoimmunthyreopathie (hormonell mitbedingte Erkrankung der Augenhöhle bei Autoimmunerkrankung der Schilddrüse) – periorbitale Schwellung, Lidretraktion (Zurückweichen des Augenlids), Exophthalmus und Augenbewegungsstörungen
  • Hypothyreose mit Myxödem (Schilddrüsenunterfunktion mit teigiger Gewebeschwellung) – nicht eindrückbares, teigiges Ödem, häufig periorbital und im Gesicht
  • Morbus Cushing/Hypercortisolismus (Cortisolüberschuss) – Vollmondgesicht, dorsozervikale Fettvermehrung (Fettvermehrung im Nackenbereich), Hautatrophie (Hautverdünnung) und metabolische Begleitbefunde (stoffwechselbezogene Begleitbefunde)

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Allergische oder irritative Kontaktdermatitis (allergische oder reizbedingte Kontaktentzündung der Haut) – häufig nach Kosmetika, Haarfärbemitteln, Topika (auf die Haut aufgetragene Mittel) oder beruflicher Exposition; typischerweise erythematös (gerötet), juckend und schuppend
  • Furunkel/Karbunkel im Gesichtsbereich (eitrige Haarbalgentzündung/mehrere zusammenfließende eitrige Haarbalgentzündungen) – lokalisierte eitrige Follikelinfektion (Infektion eines Haarbalgs) mit schmerzhafter Schwellung
  • Gesichtsphlegmone/Zellulitis (diffuse bakterielle Weichteilentzündung des Gesichts) – bakterielle Weichteilinfektion mit Überwärmung, Schmerz, Erythem (Hautrötung) und diffuser Schwellung
  • Morbus Morbihan (chronisches festes Gesichtsödem bei Rosacea) – persistierendes solides Gesichtsödem, meist als seltene Sonderform im Rosacea-Spektrum
  • Rosacea fulminans (schwer verlaufende entzündliche Rosacea) – akute entzündliche Rosacea-Variante mit Knoten, Pusteln und Gesichtsschwellung
  • Urtikaria (Nesselsucht) – Quaddeln, Juckreiz und häufig begleitende Angioödeme im Gesicht, an Lippen oder Augenlidern

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Arteriovenöse Fistel/Malformation der Gesichts- oder Orbitalregion (Kurzschlussverbindung/Fehlbildung zwischen Arterie und Vene im Gesichts- oder Augenhöhlenbereich) – pulsatile Schwellung, Geräuschphänomen oder lageabhängige Volumenzunahme
  • Sinus-cavernosus-Thrombose (Blutgerinnsel im venösen Blutleiter an der Schädelbasis) – septische oder aseptische Thrombose mit periorbitaler Schwellung, Chemosis (Bindehautschwellung), Exophthalmus, Kopfschmerz, Fieber oder Hirnnervenparesen (Lähmungen von Hirnnerven)
  • Vena-cava-superior-Syndrom (Stauungssyndrom der oberen Hohlvene) – obere Einflussstauung mit Gesichts-, Hals- und Lidödem, Halsvenenstauung und Dyspnoe (Atemnot)

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Aktinomykose, zervikofaziale (bakterielle Strahlenpilzerkrankung im Hals-Gesichts-Bereich) – chronisch indurierte (verhärtete), teils fistelnde Schwellung im Kiefer-/Halsbereich, häufig odontogener Ursprung
  • Erysipel (Wundrose) – akut begrenztes, überwärmtes, schmerzhaftes Erythem mit Schwellung, häufig im Gesicht
  • Herpes simplex labialis (Lippenherpes) – vesikuläre Lippenläsionen (bläschenförmige Lippenveränderungen) mit lokaler Schwellung
  • Herpes zoster (Gürtelrose) – einseitige dermatomale Schmerzen (Schmerzen in einem Hautnervenversorgungsgebiet), Bläschen und Schwellung, im Gesicht besonders bei Zoster ophthalmicus (Gürtelrose am Auge) relevant
  • Infektiöse Mononukleose (Pfeiffer-Drüsenfieber) – periorbitale Schwellung möglich, meist mit Fieber, Pharyngitis (Rachenentzündung) und Lymphadenopathie (Lymphknotenschwellung)
  • Mukormykose/rhinoorbitocerebrale Mukormykose (Schimmelpilzinfektion/Schimmelpilzinfektion von Nase, Augenhöhle und Gehirn) – fulminante invasive Pilzinfektion (schwer verlaufende eindringende Pilzinfektion), vor allem bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Ketoazidose (Übersäuerung durch Ketonkörper) oder Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems)
  • Parotitis epidemica (Mumps) (ansteckende Ohrspeicheldrüsenentzündung) – virale Ohrspeicheldrüsenentzündung mit ein- oder beidseitiger parotidealer Schwellung (Schwellung im Bereich der Ohrspeicheldrüse)
  • Trichinellose (Infektion mit Trichinen) – parasitäre Infektion mit Fieber, Myalgien (Muskelschmerzen) und charakteristischem periorbitalem Ödem

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)

  • Hypoalbuminämie bei Leberzirrhose (vermindertes Albumin im Blut bei narbigem Leberumbau) – generalisierte Ödeme und Aszites (Bauchwassersucht); Gesichtsschwellung als Teil eines systemischen Ödemsyndroms möglich

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Akute apikale Parodontitis (akute Entzündung an der Zahnwurzelspitze) – entzündlicher dentaler Fokus, häufig bei avitalem Zahn (abgestorbenem Zahn), mit lokaler vestibulärer (zum Mundvorhof gerichteter) oder fazialer Schwellung (Gesichtsschwellung)
  • Akute bakterielle Parotitis/akute suppurative Sialadenitis (akute bakterielle Ohrspeicheldrüsenentzündung/akute eitrige Speicheldrüsenentzündung) – schmerzhafte Speicheldrüsenschwellung, häufig mit eitrigem Sekret aus dem Ausführungsgang
  • Dentalabszess (Zahnabszess) – odontogene Eiteransammlung mit lokaler oder diffuser Wangen-, Lippen- oder Kieferschwellung
  • Dentalzyste (Zahnzyste) – meist langsam progrediente, odontogene Raumforderung mit Kieferschwellung
  • Dentitio difficile/Perikoronitis (erschwerter Zahndurchbruch/Entzündung um die Zahnkrone) – erschwerter Weisheitszahndurchbruch mit lokaler Entzündung, Trismus (Kieferklemme) und Wangenschwellung
  • Mundbodenphlegmone (Ludwig-Angina) (diffuse eitrige Entzündung des Mundbodens) – lebensbedrohliche odontogene Infektion der submandibulären/sublingualen Räume (Räume unter dem Unterkiefer/unter der Zunge) mit Risiko der Atemwegsobstruktion (Verlegung der Atemwege)
  • Orofaziale Granulomatose (körnchenbildende Entzündung im Mund-Gesichts-Bereich) – rezidivierende oder persistierende Lippen- und Gesichtsschwellung, teils assoziiert mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
  • Periimplantitis mit Abszessbildung (Entzündung um ein Zahnimplantat mit Eiteransammlung) – entzündliche periimplantäre Infektion mit lokaler Schwellung und Schmerzen
  • Sialolithiasis (Speichelstein) (Speichelsteinleiden) – rezidivierende, meist mahlzeitenabhängige Schwellung der Submandibular- oder Parotisregion (Unterkiefer- oder Ohrspeicheldrüsenregion)
  • Wurzelgranulom mit Fistelbildung (chronische Entzündung an der Zahnwurzel mit Gangbildung) – chronischer odontogener Entzündungsfokus mit lokaler Schwellung oder Fistel

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Dermatomyositis (entzündliche Muskel-Haut-Erkrankung) – periorbitale Schwellung mit heliotropem Exanthem (violettem Hautausschlag um die Augen), proximaler Muskelschwäche (rumpfnaher Muskelschwäche) und systemischer Entzündung
  • Granulomatose mit Polyangiitis (entzündliche Gefäßerkrankung) – chronische Rhinosinusitis, orbitale Entzündung oder Weichteilschwellung im Kopf-Hals-Bereich
  • IgG4-assoziierte Erkrankung (IgG4-vermittelte Entzündungserkrankung) – chronisch-entzündliche Speichel- oder Tränendrüsenschwellung, häufig bilateral (beidseitig)
  • Osteomyelitis des Ober-/Unterkiefers (Knochenentzündung des Ober-/Unterkiefers) – Knochenschmerz, Schwellung, Fistelung oder Lockerung von Zähnen
  • Pott-Puffy-Tumor (Stirnbeinabszess bei Stirnhöhlenentzündung) – subperiostaler Stirnabszess (Eiteransammlung unter der Knochenhaut der Stirn) mit Osteomyelitis des Os frontale (Knochenentzündung des Stirnbeins) als Komplikation einer Sinusitis frontalis (Stirnhöhlenentzündung)
  • Sarkoidose (entzündliche Knötchenerkrankung) – granulomatöse Speichel-/Tränendrüsenbeteiligung, gegebenenfalls Heerfordt-Syndrom (Sarkoidoseform mit Speicheldrüsen-, Augen- und Nervenbeteiligung)
  • Sjögren-Syndrom (Autoimmunerkrankung mit Schleimhauttrockenheit) – rezidivierende oder chronische Speicheldrüsenschwellung mit Sicca-Symptomatik (Trockenheitssymptomatik)

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Burkitt-Lymphom (hochaggressiver Lymphdrüsenkrebs) – hochmalignes B-Zell-Lymphom, im Kindesalter häufig mit rasch wachsender Kiefer- oder Gesichtsschwellung
  • Kieferzysten/odontogene Tumoren (Kieferzysten/zahnbildungsbezogene Tumoren) – langsam progrediente Knochenschwellung, Zahnverlagerung oder Zufallsbefund in der Bildgebung
  • Lymphom der Kopf-Hals-Region (Lymphdrüsenkrebs der Kopf-Hals-Region) – schmerzlose Lymphknoten- oder Weichteilschwellung, gegebenenfalls mit B-Symptomatik (Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust)
  • Nasopharyngealkarzinom (Krebs des Nasenrachenraums) – Raumforderung mit Halslymphknoten, nasaler Obstruktion (Nasenatmungsbehinderung), Epistaxis (Nasenbluten) oder Hirnnervenbeteiligung
  • Sarkom/Osteosarkom/Ewing-Sarkom des Kiefers (bösartiger Weichteiltumor/bösartiger Knochentumor/Ewing-Knochentumor des Kiefers) – progrediente Kieferschwellung, Schmerz, Zahnlockerung oder Sensibilitätsstörung (Gefühlsstörung)
  • Speicheldrüsentumoren (Tumoren der Speicheldrüsen) – Raumforderung der Parotis (Ohrspeicheldrüse), Submandibular- oder kleinen Speicheldrüsen; Malignitätsverdacht (Verdacht auf Bösartigkeit) bei Fazialisparese (Gesichtsnervenlähmung), Schmerz, raschem Wachstum oder Fixierung
  • Weichteiltumoren der Gesichtsregion (Tumoren der Weichteile des Gesichts) – benigne oder maligne Raumforderungen (gutartige oder bösartige Gewebevermehrungen) mit lokalisierter Schwellung

Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)

  • Akute Mastoiditis (akute Entzündung des Warzenfortsatzes) – retroaurikuläre Schwellung (Schwellung hinter dem Ohr), abstehendes Ohr, Fieber und Otalgie (Ohrenschmerz) als Komplikation einer Otitis media (Mittelohrentzündung)
  • Otitis externa maligna (bösartig verlaufende Entzündung des äußeren Gehörgangs) – nekrotisierende Infektion des äußeren Gehörgangs, vor allem bei Diabetes mellitus oder Immunsuppression, mit periaurikulärer Schwellung (Schwellung um das Ohr) und starken Schmerzen

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Bruxismus mit Masseterhypertrophie (Zähneknirschen mit Vergrößerung des Kaumuskels) – chronische Verbreiterung des unteren Gesichts durch repetitive Kaumuskelaktivität
  • Melkersson-Rosenthal-Syndrom (Erkrankung mit wiederkehrender Gesichtsschwellung, Gesichtslähmung und gefurchter Zunge) – rezidivierende faziale oder labiale Schwellung, Fazialisparese und Lingua plicata (Faltenzunge) als klassische Trias (Dreiergruppe)

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Gestationsödem (Schwangerschaftsödem) – schwangerschaftsassoziierte Ödeme; Gesichtsschwellung muss gegenüber Präeklampsie abgegrenzt werden
  • Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) – Hypertonie (Bluthochdruck) nach der 20. Schwangerschaftswoche mit Proteinurie (Eiweißausscheidung im Urin) oder Endorgandysfunktion (Funktionsstörung wichtiger Organe); neue Gesichts-/Handödeme sind klinisch verdächtig, aber nicht diagnostisch beweisend

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Gesichtsödem, nicht näher bezeichnet (nicht genauer bezeichnete Gesichtsschwellung) – Auffangdiagnose nur nach Ausschluss infektiöser, allergischer, renaler (nierenbedingter), endokriner (hormoneller), vaskulärer (gefäßbedingter), traumatischer und neoplastischer Ursachen (tumorbedingter Ursachen)
  • Regionäre Lymphadenopathie der Kopf-Hals-Region (regionale Lymphknotenschwellung der Kopf-Hals-Region) – nodale Schwellung (Lymphknotenschwellung) bei Infektion, Entzündung oder Neoplasie (Neubildung)

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Akute Glomerulonephritis (akute Entzündung der Nierenkörperchen) – periorbitale oder generalisierte Ödeme, Hämaturie (Blut im Urin), Hypertonie und eingeschränkte Nierenfunktion
  • Chronische Niereninsuffizienz/Urämie (chronische Nierenschwäche/Harnvergiftung) – generalisierte Ödemneigung, gegebenenfalls auch periorbitale oder faziale Schwellung
  • Nephrotisches Syndrom (Eiweißverlustsyndrom der Niere) – Proteinurie, Hypoalbuminämie und typischerweise periorbitale Ödeme, besonders morgens

Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)

  • Iatrogene Gesichtsschwellung nach zahnärztlichen, mund-kiefer-gesichtschirurgischen, HNO-ärztlichen oder ästhetischen Eingriffen (durch medizinische Maßnahmen verursachte Gesichtsschwellung) – postinterventionelles Ödem (Schwellung nach einem Eingriff), Hämatom (Bluterguss), Infektion oder Fremdkörperreaktion
  • Lagerungsbedingtes postoperatives Gesichtsödem (lagerungsbedingte Gesichtsschwellung nach einer Operation) – meist passager (vorübergehend) nach langer Operation, Bauchlage oder erheblicher Flüssigkeitsgabe
  • Strahleninduziertes Lymphödem/Weichteilödem im Kopf-Hals-Bereich (durch Bestrahlung ausgelöste Lymph- oder Weichteilschwellung) – chronische Schwellung nach Radiotherapie (Strahlentherapie)

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Angioödem (Quincke-Ödem), allergisch/histaminvermittelt (allergisch vermittelte tiefe Gewebeschwellung) – akute tiefe Schwellung von Lippen, Augenlidern, Gesicht, Zunge oder Larynx; bei Atemwegsbeteiligung Notfall
  • Insektenstich-/Hymenopterenstichreaktion (Reaktion auf Insektenstich/Bienen- oder Wespenstich) – lokale oder systemische Schwellung, bei Anaphylaxie (schwere allergische Allgemeinreaktion) mit Kreislauf- oder Atemwegsbeteiligung Notfall
  • Thermische oder chemische Verbrennung/Verätzung des Gesichts (Verbrennung oder chemische Schädigung des Gesichts) – Schwellung durch Gewebeschädigung, bei Inhalationstrauma (Einatmungsverletzung) Atemwegsrisiko
  • Trauma der Gesichtsweichteile/Gesichtsschädelfraktur (Verletzung der Gesichtsweichteile/Gesichtsknochenbruch) – Hämatom, Weichteilödem (Weichteilschwellung), Jochbeinfraktur (Jochbeinbruch), Orbitafraktur (Bruch der Augenhöhle) oder Kieferfraktur (Kieferbruch)

Medikamente

  • ACE-Hemmer-induziertes Angioödem (durch ACE-Hemmer ausgelöste tiefe Gewebeschwellung) – bradykininvermittelte Gesichts-, Lippen-, Zungen- oder Larynxschwellung, auch nach längerer komplikationsloser Einnahme möglich
  • Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren (blutdruck- und herzinsuffizienzbezogene Medikamente mit Wirkung auf Angiotensin und Neprilysin) – erhöhtes Risiko bradykininvermittelter Angioödeme, besonders bei Voranamnese eines ACE-Hemmer-Angioödems (früherem Angioödem unter ACE-Hemmern)
  • Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitoren (Blutzuckermedikamente zur Hemmung des Enzyms Dipeptidylpeptidase-4) – können das Risiko bradykininvermittelter Angioödeme insbesondere unter ACE-Hemmern erhöhen
  • Glucocorticoide, systemisch/langfristig (Kortisonpräparate mit Wirkung im ganzen Körper bei Langzeitanwendung) – cushingoide Fazies (Cushing-typisches Gesicht) mit Vollmondgesicht
  • mTOR-Inhibitoren/Immunsuppressiva (Medikamente zur Hemmung des mTOR-Signalwegs/Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems) – selten medikamentös assoziierte Angioödeme oder Weichteilreaktionen
  • Nichtsteroidale Antirheumatika (entzündungshemmende Schmerzmittel ohne Kortison) – können Urtikaria, Angioödeme oder pseudoallergische Reaktionen (allergieähnliche Reaktionen) auslösen oder verstärken
  • Penicilline, Cephalosporine, jodhaltige Kontrastmittel und andere Allergene (bestimmte Antibiotika, Röntgenkontrastmittel und andere Allergieauslöser) – Auslöser akuter allergischer Reaktionen mit Urtikaria, Angioödem oder Anaphylaxie

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Kosmetika, Haarfärbemittel, Duftstoffe, Konservierungsstoffe und Topika – relevante Auslöser einer allergischen oder irritativen Kontaktdermatitis im Gesicht
  • Nahrungsmittel-, Latex- oder Aeroallergenexposition (Kontakt mit Nahrungsmittel-, Latex- oder Luftallergenen) – mögliche Auslöser von Urtikaria, Angioödem oder Anaphylaxie
  • Tier- und Pflanzenkontakt – Kontakturtikaria (Nesselsucht durch direkten Kontakt), irritative Dermatitis (reizbedingte Hautentzündung) oder toxische Pflanzenreaktion mit lokaler Gesichtsschwellung
  • UV-, Hitze-, Kälte- oder Druckexposition (Kontakt mit UV-Strahlung, Hitze, Kälte oder Druck) – physikalisch induzierbare Urtikaria oder lokales Ödem bei entsprechender Disposition (Veranlagung)