Allergisches Kontaktekzem – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Konsequente Ausschaltung des ursächlichen Kontaktallergens (allergieauslösenden Kontaktstoffs)
- Rasche Abheilung der Entzündungsreaktion (Entzündung) und Linderung von Juckreiz, Brennen und Schmerzen
- Wiederherstellung der epidermalen Barriere (Schutzbarriere der Haut)
- Vermeidung von Rezidiven (Rückfällen) und Chronifizierung (dauerhaftem Bestehen der Erkrankung)
Therapieempfehlungen
- Kausaltherapie: Grundlage jeder Behandlung ist die Identifizierung des klinisch relevanten Kontaktallergens und dessen konsequente Meidung. Begleitende irritative Einwirkungen (hautreizende Einwirkungen) sind ebenfalls zu minimieren. Eine allergenspezifische Immuntherapie des allergischen Kontaktekzems (durch Hautkontakt ausgelöste allergische Hautentzündung) ist nicht etabliert [LL1, LL3, 8].
- Patientenaufklärung und Prävention: Der Patient ist über Allergenquellen (Quellen allergieauslösender Stoffe), mögliche Kreuzreaktionen (Reaktionen auf verwandte allergieauslösende Stoffe), geeignete Ersatzprodukte und erforderliche Hautschutzmaßnahmen zu informieren. Hautpflege-, Hautschutz- und Reinigungsprodukte müssen frei von den individuell relevanten Kontaktallergenen sein. Bei beruflich bedingtem Kontaktekzem sind frühzeitig berufsdermatologische Präventionsmaßnahmen einzuleiten [LL1, LL2, LL3, 8].
- Stadiengerechte Basistherapie:
- Regelmäßige Anwendung geeigneter, allergenarmer und möglichst parfumfreier Hautpflegemittel unabhängig vom Schweregrad.
- Akute, nässende Ekzeme: hydrophile Grundlagen, Lotionen oder Cremes; gegebenenfalls feuchte Umschläge und synthetische Gerbstoffe.
- Chronische, trockene oder lichenifizierte Ekzeme (Ekzeme mit verdickter und vergröberter Haut): lipidreichere Wasser-in-Öl-Zubereitungen oder Salben.
- Hyperkeratotische Handekzeme (Handekzeme mit übermäßiger Verhornung): gegebenenfalls Harnstoff oder Salicylsäure. Eine belastbare Evidenz für ein bestimmtes Keratolytikum oder Hautpflegeprodukt besteht nicht [LL1, LL2, LL3, 7].
- Topische Glukokortikoide: Mittel der ersten Wahl zur antientzündlichen Behandlung. Wirkstärke, Grundlage und Behandlungsdauer sind an Lokalisation, Akuität, Morphologie und Schweregrad anzupassen. Eine einmal tägliche Anwendung ist meist ausreichend. Im Gesicht, in Intertrigines (Hautfalten) und im Anogenitalbereich (Bereich von After und Genitalien) sind niedrigpotente Präparate, bei schweren oder hyperkeratotischen Hand- und Fußekzemen kurzfristig potente bis sehr potente Präparate erforderlich. Eine längerfristige Anwendung potenter Präparate darf nur intermittierend und unter ärztlicher Kontrolle erfolgen [LL1, LL2, LL3, 7-9].
- Topische Calcineurin-Inhibitoren: Tacrolimus und Pimecrolimus können insbesondere in atrophiegefährdeten Hautarealen (Hautbereichen mit Risiko einer Hautverdünnung) oder zur Einsparung topischer Glukokortikoide erwogen werden. Beim allergischen Kontaktekzem handelt es sich um einen Off-Label-Use. Tacrolimus 0,1 % ist besser untersucht; die Daten zu Pimecrolimus sind widersprüchlich. Die Wirksamkeit ist bei manifestem Kontaktekzem (sichtbar ausgeprägtem Kontaktekzem) geringer als die potenter topischer Glukokortikoide [LL1, LL3, 7, 8].
- Adjuvante Lokaltherapie: Bei superinfiziertem Ekzem (zusätzlich mit Krankheitserregern infiziertem Ekzem) können zeitlich begrenzt topische Antiseptika eingesetzt werden. Wegen Sensibilisierungs- und Resistenzrisiken sind topische Antibiotika nach Möglichkeit zu vermeiden. Topische Antihistaminika sollen wegen ihres Sensibilisierungspotenzials nicht angewendet werden. Steinkohleteer besitzt beim Handekzem keinen gesicherten Wirksamkeitsnachweis und ist keine Routinetherapie [LL1, LL2, 7, 8].
- Systemische Glukokortikoide: Nur bei ausgedehntem oder klinisch schwerem akutem allergischen Kontaktekzem beziehungsweise bei schwerer Exazerbation (akuter Verschlechterung) eines chronischen Kontaktekzems. Die Behandlung erfolgt kurzfristig mit anschließender Dosisreduktion; eine wiederholte oder dauerhafte systemische Glukokortikoidtherapie ist nicht indiziert [LL1, 8].
- Phototherapie: Bei chronischem, topisch therapierefraktärem Kontaktekzem (auf Behandlung nicht ausreichend ansprechendem Kontaktekzem), insbesondere bei moderatem bis schwerem chronischen Handekzem, können topische PUVA, Schmalband-UVB oder UVA1 eingesetzt werden. Wegen der kumulativen UV-Dosis ist die Phototherapie nicht zur Langzeit- oder Erhaltungstherapie geeignet. Eine gleichzeitige Phototherapie mit topischen Calcineurin-Inhibitoren oder systemischen Immunsuppressiva wird nicht empfohlen [LL1-LL4, 7, 9].
- Sonderfall chronisches Handekzem:
- Delgocitinib-Creme ist für Erwachsene mit mittelschwerem bis schwerem chronischen Handekzem zugelassen, wenn topische Glukokortikoide nicht ausreichend wirksam oder ungeeignet sind. Die Zulassung ist auf Hände und Handgelenke begrenzt und umfasst nicht allgemein allergische Kontaktekzeme anderer Lokalisationen [2, 3, B1, FI1].
- Alitretinoin ist zur systemischen Behandlung des schweren chronischen Handekzems zugelassen, das auf potente topische Glukokortikoide nicht ausreichend anspricht. Die Zulassung ist nicht auf eine bestimmte Ätiologie des Handekzems begrenzt [6, LL2-LL4, FI2].
- Acitretin kann bei ausgeprägt hyperkeratotischem chronischem Handekzem nur als Off-Label-Use und nach Versagen oder bei Ungeeignetheit anderer Therapieoptionen erwogen werden [LL1-LL4, 7].
- Ciclosporin, Azathioprin und Methotrexat sind beim allergischen Kontaktekzem beziehungsweise nicht atopischen chronischen Handekzem nicht zugelassen. Ihr Einsatz bleibt schweren, therapierefraktären Einzelfällen unter fachdermatologischer Überwachung vorbehalten; die Evidenz ist begrenzt [LL1-LL4, 7-9].
- Biologika und systemische Januskinase-Inhibitoren: Für das isolierte allergische Kontaktekzem besteht keine etablierte Standardindikation. Für Dupilumab liegen klinische Daten beim schweren chronischen Handekzem vor; der Einsatz außerhalb zugelassener Indikationen bleibt jedoch ein Off-Label-Use. Eine Behandlung einer gleichzeitig vorliegenden atopischen Dermatitis (Neurodermitis) erfolgt nach deren eigener Zulassung und Leitlinie [4, 5, 8, 9].
- Beachte: Eine fehlende Besserung oder Verschlechterung unter Lokaltherapie kann durch fortbestehenden Allergenkontakt, eine Kontaktallergie (Allergie durch Hautkontakt) gegen den Wirkstoff, die Grundlage oder einen Hilfsstoff, eine Superinfektion oder eine unzutreffende Diagnose bedingt sein und erfordert eine erneute dermatologische und allergologische Beurteilung [LL1, LL3, 8].
Wirkstoffe (Hauptindikation) zur lokalen Therapie
Topische Glukokortikoide
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Hydrocortison 0,5-1 % | Niedrigpotent; kurzfristig für empfindliche Hautareale geeignet |
| Prednicarbat 0,25 % | Mittelstarkes Glukokortikoid mit günstigem therapeutischen Index |
| Methylprednisolonaceponat 0,1 % | Mittelstark bis stark wirksam; Wirkstärke und Dauer an Lokalisation und Hautzustand anpassen |
| Mometasonfuroat 0,1 % | Potentes Glukokortikoid; kurzfristig bei ausgeprägteren Ekzemen |
| Betamethasondipropionat 0,05 % | Potent; kurzfristig bei schweren oder hyperkeratotischen Läsionen |
| Clobetasolpropionat 0,05 % | Sehr potent; schweren, therapieresistenten palmoplantaren Läsionen (Hautveränderungen an Handflächen und Fußsohlen) vorbehalten |
- Wirkweise: antiinflammatorisch, immunsuppressiv, antipruriginös und antiproliferativ
- Anwendung: flächenbegrenzt, stadiengerecht und so kurz wie möglich; nach Wirkungseintritt Reduktion der Applikationsfrequenz beziehungsweise Umstellung auf ein schwächeres Präparat
- Lokale Nebenwirkungen: Hautatrophie (Hautverdünnung), Teleangiektasien (sichtbar erweiterte kleine Hautgefäße), Striae (Dehnungsstreifen), periorale Dermatitis (entzündlicher Hautausschlag um den Mund), steroidinduzierte Rosazea (durch Kortison ausgelöste Rosazea), verzögerte Barriereheilung und erhöhte Infektanfälligkeit
- Systemische Risiken: insbesondere bei großflächiger, hochfrequenter, langfristiger oder okklusiver Anwendung potenter Präparate
- Beachte: Bei einer Anwendung über mehr als 6 Wochen sind Indikation, Wirkstärke, Applikationsfrequenz und mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen erneut zu überprüfen.
- Bei fehlendem Ansprechen ist auch eine Kontaktallergie gegen das Glukokortikoid oder einen Hilfsstoff in Betracht zu ziehen.
Topische Calcineurin-Inhibitoren
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Tacrolimus 0,1 % Salbe; bei Kindern altersabhängig 0,03 % Salbe | Off-Label-Use beim allergischen Kontaktekzem; insbesondere für atrophiegefährdete Hautareale |
| Pimecrolimus 1 % Creme | Off-Label-Use; geringere und widersprüchlichere Evidenz als für Tacrolimus |
- Wirkweise: Hemmung der Calcineurin-Phosphatase mit Reduktion der T-Zell-Aktivierung (Aktivierung bestimmter Abwehrzellen), Mastzellaktivität (Aktivität bestimmter Allergiezellen) und Freisetzung proinflammatorischer Zytokine
- Indikationen: steroidfreie ergänzende Therapie, insbesondere im Gesicht, in Intertrigines, im Anogenitalbereich oder bei erhöhtem Atrophierisiko
- Nebenwirkungen: vorübergehendes Brennen, Wärmegefühl, Erythem (Hautrötung) und Pruritus (Juckreiz); gelegentlich Alkoholunverträglichkeit mit Flush-Reaktion (plötzliche Hautrötung)
- Eine steroidbedingte Hautatrophie tritt nicht auf.
- Konsequenter Lichtschutz; keine Kombination mit therapeutischer UV-Bestrahlung.
- Nicht auf klinisch infizierte Hautareale auftragen.
Topischer Januskinase-Inhibitor
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Delgocitinib 20 mg/g Creme | Zugelassen für Erwachsene mit mittelschwerem bis schwerem chronischen Handekzem, wenn topische Glukokortikoide nicht ausreichen oder ungeeignet sind; Anwendung auf Hände und Handgelenke begrenzt [B1, FI1] |
- Wirkweise: Hemmung von JAK1, JAK2, JAK3 und TYK2 mit Unterbrechung proinflammatorischer Signalwege
- Wirksamkeit: In den Phase-III-Studien DELTA 1 und DELTA 2 war Delgocitinib-Creme der wirkstofffreien Cremegrundlage überlegen. In der DELTA-FORCE-Studie zeigte sie bei schwerem chronischem Handekzem eine höhere Wirksamkeit und günstigere Verträglichkeit als orales Alitretinoin [2, 3].
- Nebenwirkungen: überwiegend lokale Reaktionen wie Schmerzen, Pruritus, Erythem oder Parästhesien (Missempfindungen) an der Applikationsstelle
- Bei ausbleibender Besserung nach 12 Wochen kontinuierlicher Anwendung ist die Behandlung zu beenden [FI1].
- Die gleichzeitige Anwendung anderer topischer Präparate unmittelbar vor oder nach Delgocitinib wurde nicht ausreichend untersucht.
- Die Kombination mit Biologika, anderen Januskinase-Inhibitoren oder potenten Immunsuppressiva wurde nicht untersucht und wird nicht empfohlen [FI1].
Adjuvante Lokaltherapie
| Wirkstoff beziehungsweise Wirkstoffgruppe | Besonderheiten |
| Synthetische Gerbstoffe | Adstringierend und antiinflammatorisch bei akut nässenden oder vesikulären Ekzemen (Ekzemen mit Bläschenbildung) |
| Octenidin oder Polyhexanid | Nur bei klinischem Verdacht auf eine relevante mikrobielle Besiedlung (Besiedlung mit Mikroorganismen) beziehungsweise Superinfektion |
| Harnstoff 5-20 % | Keratolytisch und hydratisierend bei trockenen oder hyperkeratotischen Formen; kann auf Rhagaden (Hautrissen) brennen |
| Salicylsäure bis 10 % | Keratolytisch; Resorptionsrisiko (Risiko der Aufnahme in den Körper) bei großflächiger Anwendung, geschädigter Haut oder Okklusion beachten |
- Topische Antibiotika sind wegen des Sensibilisierungs- und Resistenzrisikos nach Möglichkeit zu vermeiden.
- Topische Antihistaminika sollen wegen ihres Sensibilisierungspotenzials nicht eingesetzt werden.
- Steinkohleteer ist wegen fehlender gesicherter Wirksamkeit beim Handekzem keine Routinetherapie.
Wirkstoffe (Hauptindikation) der systemischen Therapie
Systemische Glukokortikoide
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Prednisolon beziehungsweise Prednisolonäquivalent | Nur bei ausgedehntem oder klinisch schwerem akutem Kontaktekzem beziehungsweise schwerer Exazerbation; keine Dauertherapie |
- Wirkweise: immunsuppressiv, antiallergisch, antiinflammatorisch und antiproliferativ
- Nebenwirkungen: Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker), Flüssigkeitsretention (Wassereinlagerung), arterielle Hypertonie (Bluthochdruck), Infektanfälligkeit, gastrointestinale Beschwerden, psychische Veränderungen, Osteoporose (Knochenschwund), Wundheilungsstörungen und Nebennierenrindensuppression (Unterdrückung der Nebennierenrindenfunktion)
- Die individuelle Dosierung und Behandlungsdauer richten sich nach Ausdehnung, Schweregrad, Begleiterkrankungen und klinischem Ansprechen.
- Wegen des Rezidivrisikos darf die Behandlung bei längerer Einnahme nicht abrupt beendet werden.
Retinoide
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Alitretinoin | Zugelassen für Erwachsene mit schwerem chronischem Handekzem, das auf potente topische Glukokortikoide nicht anspricht; teratogen (fruchtschädigend) [FI2] |
| Acitretin | Off-Label-Use als Ultima Ratio bei ausgeprägt hyperkeratotischem chronischem Handekzem; teratogen |
- Wirkweise: Retinoidrezeptor-vermittelte Regulation der Zelldifferenzierung (Ausreifung von Zellen) und Zellproliferation (Zellvermehrung) sowie antiinflammatorische und immunmodulatorische Effekte
- Kontraindikationen: Schwangerschaft, Stillzeit, fehlende zuverlässige Schwangerschaftsverhütung bei Frauen im gebärfähigen Alter, schwere Leberinsuffizienz (schwere Funktionsschwäche der Leber), schwere Niereninsuffizienz (schwere Funktionsschwäche der Nieren), unkontrollierte Hyperlipidämie (erhöhte Blutfettwerte), Hypervitaminose A (Überversorgung mit Vitamin A) und gleichzeitige Behandlung mit Tetrazyklinen
- Schwangerschaftsverhütung: Orale Retinoide dürfen bei Frauen im gebärfähigen Alter ausschließlich unter vollständiger Einhaltung des vorgeschriebenen Schwangerschaftsverhütungsprogramms angewendet werden [B2, FI2].
- Nebenwirkungen: trockene Haut und Schleimhäute, Cheilitis (Lippenentzündung), Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Übelkeit, Erythem, Pruritus, Alopezie (Haarausfall), Hypertriglyceridämie (erhöhte Triglyceridwerte im Blut), Hypercholesterinämie (erhöhte Cholesterinwerte im Blut) und Anstieg der Transaminasen
- Eine Haarkräuselung unter Alitretinoin wurde als seltene unerwünschte Wirkung beschrieben [1].
- Labordiagnostik und Kontrollen: Schwangerschaftsausschluss sowie regelmäßige Kontrollen von Blutbild, Transaminasen, Nüchternlipiden und Schilddrüsenfunktionsparametern; weitere Kontrollen nach Risikoprofil und Fachinformation
- Der Wirkeintritt erfolgt meist innerhalb von 1-2 Monaten.
Immunsuppressiva
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Ciclosporin | Off-Label-Use; schweren, therapierefraktären Einzelfällen vorbehalten; engmaschige Kontrolle von Blutdruck und Nierenfunktion |
| Azathioprin | Off-Label-Use; vor Behandlungsbeginn Prüfung der TPMT- beziehungsweise NUDT15-Aktivität oder des Genotyps erwägen |
| Methotrexat | Off-Label-Use; ausschließlich einmal wöchentlich anwenden; engmaschige Blutbild-, Leber- und Nierenkontrollen |
- Ciclosporin: Hemmung der Calcineurinaktivität und der Interleukin-2-Freisetzung. Relevante Nebenwirkungen sind Nephrotoxizität (Nierenschädigung), arterielle Hypertonie, Hyperkaliämie (erhöhter Kaliumspiegel im Blut), Hyperurikämie (erhöhter Harnsäurespiegel im Blut), Neurotoxizität (Schädigung des Nervensystems) und erhöhte Infektanfälligkeit.
- Azathioprin: Hemmung der Purinsynthese und Lymphozytenproliferation (Vermehrung bestimmter Abwehrzellen). Relevante Risiken sind Myelotoxizität (Schädigung des Knochenmarks), Hepatotoxizität (Leberschädigung), gastrointestinale Beschwerden, Infektionen und ein bei Langzeittherapie erhöhtes Malignomrisiko (Risiko für bösartige Tumoren).
- Methotrexat: Antimetabolit mit immunsuppressiver und antiinflammatorischer Wirkung. Relevante Risiken sind Myelotoxizität, Hepatotoxizität, Mukositis (Schleimhautentzündung), Pneumonitis (entzündliche Lungenerkrankung), Infektionen und Teratogenität.
- Kontrollen: Blutbild, Transaminasen, Serumkreatinin und weitere wirkstoffspezifische Parameter vor sowie regelmäßig während der Behandlung.
- Die Auswahl erfolgt ausschließlich individuell unter fachdermatologischer Überwachung nach Ausschöpfung zugelassener und besser belegter Therapieoptionen.
Abkürzungen
- AWMF – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- B – behördliche beziehungsweise regulatorische Quelle
- CHE – Chronic Hand Eczema
- EADV – European Academy of Dermatology and Venereology
- EMA – European Medicines Agency
- EPAR – European Public Assessment Report
- FI – Fachinformation
- HECSI – Hand Eczema Severity Index
- JAK – Januskinase
- LL – Leitlinie
- NUDT15 – Nudix-Hydrolase 15
- PUVA – Psoralen plus Ultraviolett-A-Strahlung
- TPMT – Thiopurin-S-Methyltransferase
- TYK2 – Tyrosinkinase 2
- UV – Ultraviolettstrahlung
- UVA1 – langwellige Ultraviolett-A-Strahlung
- UVB – Ultraviolett-B-Strahlung
Literatur
- Herink C, Schön MP, Mößner R: Haarkräuselung unter Systemtherapie mit Alitretinoin. Hautarzt. 2015;66(8):617-619. doi: 10.1007/s00105-015-3579-z
- Bissonnette R, Warren RB, Pinter A et al.: Efficacy and safety of delgocitinib cream in adults with moderate to severe chronic hand eczema (DELTA 1 and DELTA 2): results from multicentre, randomised, controlled, double-blind, phase 3 trials. Lancet. 2024;404(10451):461-473. doi: 10.1016/S0140-6736(24)01027-4
- Giménez-Arnau AM, Pinter A, Sondermann W et al.: Efficacy and safety of topical delgocitinib cream versus oral alitretinoin capsules in adults with severe chronic hand eczema (DELTA FORCE): a 24-week, randomised, head-to-head, phase 3 trial. Lancet. 2025;405(10490):1676-1688. doi: 10.1016/S0140-6736(25)00001-7
- Voorberg AN, Kamphuis E, Christoffers WA, Schuttelaar MLA: Efficacy and safety of dupilumab in patients with severe chronic hand eczema with inadequate response or intolerance to alitretinoin: a randomized, double-blind, placebo-controlled phase IIb proof-of-concept study. Br J Dermatol. 2023;189(4):400-409. doi: 10.1093/bjd/ljad156
- Gery P, Ekren R, Bérard E et al.: Integrated Clinical Trial and Molecular Profiling Reveals Immune Drivers of Chronic Hand Eczema. Allergy. 2026;81(8):2815-2832. doi: 10.1111/all.70263
- Ruzicka T, Lynde CW, Jemec GBE et al.: Efficacy and safety of oral alitretinoin (9-cis retinoic acid) in patients with severe chronic hand eczema refractory to topical corticosteroids: results of a randomized, double-blind, placebo-controlled, multicentre trial. Br J Dermatol. 2008;158(4):808-817. doi: 10.1111/j.1365-2133.2008.08487.x
- Christoffers WA, Coenraads PJ, Svensson Å, Diepgen TL, Dickinson-Blok JL, Xia J, Williams HC: Interventions for hand eczema. Cochrane Database Syst Rev. 2019;4(4):CD004055. doi: 10.1002/14651858.CD004055.pub2
- Dickel H: Management of contact dermatitis. Allergo J Int. 2023;32(3):57-76. doi: 10.1007/s40629-023-00246-9
- Balato A, Tancredi V, Aerts O et al.: Chronic hand eczema: Common questions and practical recommendations from the EADV Contact Dermatitis Task Force. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2026;40(4):583-596. doi: 10.1111/jdv.70068
Leitlinien
- S1-Leitlinie: Kontaktekzem. (AWMF-Registernummer 013-055) September 2021 Langfassung [LL1]
- S2k-Leitlinie: Prävention, Diagnostik und Therapie des Handekzems. (AWMF-Registernummer 013-053) Februar 2023 Langfassung [LL2]
- Thyssen JP, Schuttelaar MLA, Alfonso JH et al.: Guidelines for diagnosis, prevention, and treatment of hand eczema. Contact Dermatitis. 2022;86(5):357-378. doi: 10.1111/cod.14035 [LL3]
- Diepgen TL, Andersen KE, Chosidow O et al.: Guidelines for diagnosis, prevention and treatment of hand eczema. J Dtsch Dermatol Ges. 2015;13(1):e1-e22. doi: 10.1111/ddg.12510_1 – Vorgängerversion der aktualisierten europäischen Handekzem-Leitlinie [LL4].
Behördliche und regulatorische Quellen
- European Medicines Agency: Anzupgo. European public assessment report. EMA-Produktseite [B1]
- European Medicines Agency: Updated measures for pregnancy prevention during retinoid use. 23. März 2018. EMA-Sicherheitsinformation [B2]
Fachinformationen
- LEO Pharma GmbH: Anzupgo 20 mg/g Creme (Delgocitinib). Fachinformation. Fachinformation Anzupgo [F1]
- Toctino 10 mg Weichkapseln/Toctino 30 mg Weichkapseln (Alitretinoin). Fachinformation, Stand Januar 2024. Fachinformation Toctino [F2]