Mundgeruch (Halitosis) – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Halitosis (Mundgeruch) mitbedingt sein können:
Für Halitosis sind keine eigenständigen somatischen Organschäden (körperlichen Organschäden) oder psychiatrischen Erkrankungen (seelischen Erkrankungen) als kausal gesicherte Folgeerkrankungen belegt. Die belastbarste Evidenz betrifft eine Beeinträchtigung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität sowie psychosoziale und interpersonelle Auswirkungen. Angst- und depressive Störungen (Angststörungen und Depressionen) sowie Halitophobie (krankhafte Angst vor Mundgeruch) werden deshalb nicht als eigenständige Folgeerkrankungen einer objektiv nachweisbaren Halitosis aufgeführt [1-3, LL1].
Weiteres
- Beeinträchtigung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität – eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von 10 Querschnittsstudien und insgesamt 2.692 Personen zeigte eine signifikante Assoziation zwischen Halitosis und eingeschränkter mundgesundheitsbezogener Lebensqualität (standardisierte Mittelwertdifferenz 0,51; 95-%-Konfidenzintervall 0,27-0,75); in der Subgruppenanalyse blieb die Assoziation bei Erwachsenen bestehen [1].
- Beeinträchtigung der sozialen Kommunikation und Teilhabe – beschrieben sind Zurückhaltung beim Sprechen, Vermeidung enger sozialer Kontakte sowie Einschränkungen privater, schulischer bzw. beruflicher Interaktionen. Diese Auswirkungen sind klinisch relevante psychosoziale Komplikationen, stellen jedoch keine eigenständige psychiatrische Diagnose dar [1, 2].
- Psychosoziale und interpersonelle Beeinträchtigung – beschrieben sind insbesondere Scham, vermindertes Selbstwertgefühl, emotionale Belastung, Unsicherheit in sozialen Situationen sowie Beeinträchtigungen zwischenmenschlicher Beziehungen. Ein systematischer Review bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeigte zudem Assoziationen mit Angst- und depressiver Symptomatik (Beschwerden mit Angst und depressiver Stimmung); aufgrund der überwiegend querschnittlichen Evidenz lässt sich daraus keine kausal durch Halitosis verursachte Angst- oder depressive Störung ableiten [2, 3].
Prognosefaktoren
- Keine belastbar validierten unabhängigen Prognosefaktoren – aufgrund des Mangels an longitudinalen Studien sind derzeit keine unabhängigen Faktoren etabliert, mit denen sich Entstehung, Persistenz oder Ausmaß psychosozialer Folgeprobleme zuverlässig vorhersagen lassen [1-3].
- Ausgeprägte subjektive Wahrnehmung der Halitosis – eine stärkere Selbstwahrnehmung von Mundgeruch ist mit höherer psychischer und sozialer Belastung assoziiert; die verfügbaren überwiegend querschnittlichen Daten erlauben jedoch weder die Einstufung als unabhängigen Prognosefaktor noch eine eindeutige Festlegung der Kausalrichtung [2, 3].
- Erfolgreiche Behandlung einer behandelbaren oralen Ursache – eine explorative randomisierte Studie bei Patienten mit Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates) zeigte unter intensivierter Mundhygiene eine Reduktion selbst berichteter Halitosis und eine Verbesserung der halitosisbezogenen Lebensqualität. Aufgrund der kleinen Studienpopulation und des spezifischen Patientenkollektivs lässt sich daraus keine allgemeine prognostische Aussage für sämtliche Formen der Halitosis ableiten [4].
Literatur
- Schertel Cassiano L, Abdullahi F, Leite FRM et al.: The association between halitosis and oral-health-related quality of life: A systematic review and meta-analysis. J Clin Periodontol. 2021;48(11):1458-1469. doi: 10.1111/jcpe.13530.
- Briceag R, Caraiane A, Raftu G et al.: Emotional and Social Impact of Halitosis on Adolescents and Young Adults: A Systematic Review. Medicina (Kaunas). 2023;59(3):564. doi: 10.3390/medicina59030564.
- Mento C, Lombardo C, Milazzo M et al.: Adolescence, Adulthood and Self-Perceived Halitosis: A Role of Psychological Factors. Medicina (Kaunas). 2021;57(6):614. doi: 10.3390/medicina57060614.
- da Costa BFB, Alves VF, Cassiano LS et al.: Effect of strict oral hygiene on self-rated halitosis and quality of life in patients with periodontitis: a secondary randomized controlled trial analysis. Braz Oral Res. 2026;40:e021. doi: 10.1590/1807-3107bor-2026.vol40.021.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- Shang X, Chen X, Lv C et al.: Clinical Practice Guidelines on the Diagnosis and Treatment of Halitosis. Int Dent J. 2026;76(2):109436. doi: 10.1016/j.identj.2026.109436. [LL1]
- Seemann R, Conceicao MD, Filippi A et al.: Halitosis management by the general dental practitioner – results of an international consensus workshop. J Breath Res. 2014;8(1):017101. doi: 10.1088/1752-7155/8/1/017101. [LL2]