Heuschnupfen (Allergische Rhinitis) – Operative Therapie
Ein chirurgischer Eingriff bei allergischer Rhinitis (allergischer Schnupfen) ist in der Regel nicht die primäre Behandlungsoption. Er wird jedoch bei spezifischen Komplikationen (Folgeerkrankungen), anatomischen Einschränkungen (körperliche Engstellen) oder bei persistierender moderater bis schwerer Symptomatik (anhaltende mittelstarke bis starke Beschwerden) trotz leitlinienbasierter konservativer Therapie (Behandlung nach medizinischen Leitlinien ohne Operation) in Betracht gezogen, wenn medikamentöse und andere konservative Maßnahmen (nicht-operative Behandlungen) nicht ausreichend wirksam sind [1].
Indikationen für einen chirurgischen Eingriff
1. Obstruktion der Atemwege durch anatomische Variationen
- Nasenseptumdeviation (Verkrümmung der Nasenscheidewand):
- Führt zu einer dauerhaften Behinderung des Luftstroms.
- Korrektur durch Septumplastik (operative Begradigung der Nasenscheidewand).
- Verengung durch Nasenklappeninsuffizienz (Schwäche der Nasenklappe):
- Korrektur durch funktionelle Nasenklappenchirurgie (Operation zur Stabilisierung der Nasenklappe).
- Externe Deformitäten der Nasenstruktur (äußere Formveränderungen der Nase):
- Behebung bei gleichzeitigem funktionellen Defizit durch Rhinoplastik (Nasenkorrekturoperation).
2. Therapieresistente Muschelhyperplasie
- Beschreibung: Dauerhaft vergrößerte Nasenmuscheln (untere oder mittlere Muscheln), die nicht auf medikamentöse Therapien (Behandlung mit Medikamenten) ansprechen.
- Therapieoptionen:
- Radiofrequenztherapie (Behandlung mit Hochfrequenzenergie): Schrumpfung der Nasenmuscheln mittels Energieabgabe.
- Laserchirurgie (Operation mit Laser): Gezielte Reduktion des Muschelgewebes.
- Submuköse Resektion (operative Gewebeentfernung unter der Schleimhaut): Operative Entfernung überschüssigen Gewebes.
3. Sekundärkomplikationen
- Chronische oder rezidivierende Sinusitis (wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündung):
- Eingriffe zur Belüftung und Drainage der Nasennebenhöhlen (z. B. funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenchirurgie, FESS (minimal-invasive Operation der Nasennebenhöhlen)).
- Ziel: Entfernung von Schleimhautwucherungen oder Erweiterung von Abflusswegen.
- Chronische Otitis media (dauerhafte Mittelohrentzündung):
- Bei Belüftungsproblemen durch nasale Obstruktion (Verstopfung der Nase) oder Dysfunktion der Ohrtrompete (Tuba Eustachii) (Funktionsstörung der Verbindung zwischen Nase und Mittelohr).
- Maßnahmen: Verbesserung des Nasenflusses durch chirurgische Eingriffe an der Nasenscheidewand oder Nasenmuscheln.
Ergänzende Therapieoptionen
1. Endoskopische Verfahren
- Minimal-invasive Techniken (schonende Eingriffe mit kleinen Instrumenten) ermöglichen präzise und schonende Eingriffe, z. B.:
- Ballondilatation (Aufdehnung mit Ballon): Erweiterung von engen Nasennebenhöhlenausgängen.
- Endoskopische Polypektomie (Entfernung von Polypen): Entfernung von Polypen bei gleichzeitiger allergischer Rhinitis (allergischer Schnupfen).
- Neuromodulatorische Verfahren (Beeinflussung von Nervenfunktionen): Radiofrequenzablation (RFA) nasaler Nerven (Verödung von Nasennerven) und endoskopische Neurektomie (operative Durchtrennung von Nerven) kommen bei selektierten Patienten mit persistierender allergischer Rhinitis (anhaltender allergischer Schnupfen) trotz leitlinienbasierter Therapie (Behandlung nach medizinischen Leitlinien) als interventionelle Optionen (eingreifende Behandlungen) in Betracht. In einer prospektiven randomisierten Vergleichsstudie (vorausschauende Studie mit zufälliger Zuteilung) zeigten beide Verfahren nach 3 und 6 Monaten eine vergleichbare deutliche Reduktion von Niesen, Rhinorrhö (laufende Nase), Nasenjucken und nasaler Obstruktion (verstopfte Nase) sowie eine deutliche Abnahme des total nasal symptom score (TNSS); schwere Komplikationen (schwere Nebenwirkungen) wurden nicht beobachtet, nasale Trockenheit trat tendenziell häufiger nach Neurektomie auf [1].
2. Kombination mit konservativer Therapie
- Chirurgische Eingriffe sind oft Teil eines multimodalen Therapieansatzes (Behandlung mit mehreren Bausteinen) und sollten durch eine optimierte allergologische Behandlung (Allergiebehandlung) ergänzt werden, z. B.:
- Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie).
- Medikamentöse Kontrolle: Topische Kortikosteroide (kortisonhaltige Nasensprays), Antihistaminika (Allergiemedikamente) und Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten (entzündungshemmende Medikamente).
Vergleich der Methoden
| Methode | Technik | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Radiofrequenzablation (RFA) nasaler Nerven (Verödung von Nasennerven mit Hochfrequenzenergie) | Endoskopische thermische Ablation (gezielte Hitzeverödung) des posterioren Nasennervs (hinterer Nasennerv) und der lateralen inneren nasalen Äste des Nervus ethmoidalis anterior (vorderer Siebbeinnerv) | Minimal-invasiv (schonender Eingriff), vergleichbare Symptomreduktion wie Neurektomie nach 3 und 6 Monaten, frühe Besserung v. a. von nasaler Obstruktion (verstopfte Nase) und Niesen [1] | Begrenzte Datenlage, Langzeitdaten noch unzureichend, in der Studie unter Vollnarkose (Narkose) durchgeführt [1]. |
| Endoskopische Neurektomie (operative Durchtrennung von Nerven) | Endoskopische Durchtrennung/Resektion (operative Entfernung) des posterioren Nasennervs (hinterer Nasennerv) und der lateralen inneren nasalen Äste des Nervus ethmoidalis anterior (vorderer Siebbeinnerv) | Vergleichbare Symptomreduktion wie RFA nach 3 und 6 Monaten, Verbesserung von Luftfluss und Riechfunktion (Geruchssinn) [1] | Invasiver (stärkerer Eingriff), nasale Trockenheit (trockene Nase) tendenziell häufiger, Langzeitvergleich weiterhin begrenzt [1] |
Zusammenfassung der Indikationen und Verfahren
- Ein chirurgischer Eingriff bei allergischer Rhinitis (allergischer Schnupfen) wird in Betracht gezogen, wenn:
- eine funktionelle Beeinträchtigung durch anatomische Variationen (körperliche Abweichungen) besteht.
- eine therapieresistente Muschelhyperplasie (vergrößerte Nasenmuscheln trotz Behandlung) vorliegt.
- Sekundärkomplikationen (Folgeerkrankungen) wie chronische Sinusitis (dauerhafte Nasennebenhöhlenentzündung) oder Otitis media (Mittelohrentzündung) auftreten.
- trotz leitlinienbasierter konservativer Therapie (Behandlung nach medizinischen Leitlinien ohne Operation) weiterhin eine persistierende moderate bis schwere Symptomatik (anhaltende mittelstarke bis starke Beschwerden) besteht; in diesem Fall kommen auch neuromodulatorische Verfahren (Beeinflussung von Nervenfunktionen) wie RFA oder endoskopische Neurektomie in Betracht [1].
- Minimal-invasive Techniken (schonende Eingriffe) wie FESS (Operation der Nasennebenhöhlen), Laserchirurgie (Operation mit Laser), Radiofrequenztherapie (Behandlung mit Hochfrequenzenergie) und in selektierten Fällen nervengerichtete endoskopische Verfahren (gezielte Eingriffe an Nerven) bieten effektive und schonende Behandlungsoptionen [1].
Literatur
- Zhang S, Chen Y, Zhao J et al.: Neurectomy Versus Ablation of Posterior Nasal and Anterior Ethmoidal Nerve for Allergic Rhinitis: A Prospective Randomized Comparative Study. Am J Rhinol Allergy. 2026. https://doi.org/10.1177/19458924261429542