Schreiender Säugling – Differentialdiagnosen
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)
- Arnold-Chiari-Syndrom, Typ I (angeborene Fehlbildung am Übergang von Gehirn und Rückenmark) – Gruppe von Entwicklungsstörungen (Fehlentwicklungen) mit Verlagerung von Kleinhirnanteilen (Anteilen des kleinen Gehirns) durch das Foramen magnum (große Schädelöffnung) in den Spinalkanal (Wirbelkanal) bei verkleinerter hinterer Schädelgrube; bei Typ I steht die Kaudalverlagerung der Kleinhirntonsillen (Verlagerung kleiner Anteile des Kleinhirns nach unten) im Vordergrund; mögliche Symptome (Krankheitszeichen) im Säuglingsalter sind schrilles Schreien, Trink- und Schluckstörungen, Apnoen (Atempausen), Stridor (pfeifendes Atemgeräusch), Opisthotonus (krampfartige Überstreckung), Entwicklungsauffälligkeiten oder Zeichen einer Syringomyelie (flüssigkeitsgefüllter Hohlraum im Rückenmark); Ursachen heterogen, häufig nicht eindeutig geklärt
- Cri-du-Chat-Syndrom (Katzenschrei-Syndrom; CDC-Syndrom; 5p-Syndrom; Lejeune-Syndrom) – strukturelle Chromosomenaberration (Veränderung eines Erbträgers) mit partieller Deletion (teilweisem Verlust) am kurzen Arm von Chromosom 5; sporadisches Auftreten überwiegt; charakteristisch sind katzenähnliches Schreien im frühen Kindesalter, Mikrozephalie (zu kleiner Kopf), Wachstumsstörung, rundliches Gesicht, tief sitzende oder dysplastische Ohren (fehlgebildete Ohren), muskuläre Hypotonie (verminderte Muskelspannung) und Entwicklungsverzögerung
- Haltungsasymmetrien (ungleiche Körperhaltung) – insbesondere bei persistierender einseitiger Kopfhaltung, Bewegungsschmerz, Schonhaltung, Trinkproblemen, lageabhängigem Schreien oder auffälliger motorischer Entwicklung differentialdiagnostisch zu berücksichtigen; rein lagebedingte Asymmetrien ohne Schmerz- oder Red-Flag-Zeichen sind häufig funktionell
- Hydrocephalus (Wasserkopf) – pathologische Liquorvermehrung (krankhafte Vermehrung von Nervenwasser) mit Erweiterung der Hirnventrikel (Hirnkammern); mögliche Hinweise im Säuglingsalter sind rasch zunehmender Kopfumfang, gespannte oder vorgewölbte Fontanelle (Knochenlücke am kindlichen Schädel), Sonnenuntergangsphänomen (auffällige Augenstellung nach unten), Erbrechen, Trinkschwäche, Somnolenz (Benommenheit), Krampfanfälle oder schrilles Schreien
- Morbus Hirschsprung (Megacolon congenitum) – angeborene Aganglionose (Fehlen von Nervenzellen) des distalen Darms (unteren Darmabschnitts) durch Fehlen enterischer Ganglienzellen (Nervenzellen des Darms) im Plexus submucosus (Nervengeflecht unter der Schleimhaut) und Plexus myentericus (Nervengeflecht in der Darmwand); dadurch funktionelle Obstruktion (Verschluss) des betroffenen Darmsegments; Leitsymptome sind verzögerter Mekoniumabgang (Abgang des ersten Stuhls), abdominelle Distension (aufgetriebener Bauch), Erbrechen, Obstipation (Verstopfung) und Gedeihstörung; bei Hirschsprung-assoziierter Enterokolitis (Darmentzündung) können Fieber, Diarrhoe (Durchfall), septischer Verlauf und schwerer Allgemeinzustand auftreten; Häufigkeit etwa 1:3.000-1:5.000 Lebendgeburten, Jungen sind häufiger betroffen
- Pylorusstenose (Verengung des Magenausgangs) – infantile hypertrophe Pylorusstenose (verdickte Magenausgangsmuskulatur beim Säugling) mit Verdickung der Pylorusmuskulatur und progredienter Magenausgangsstenose; typische Manifestation in der 2.-8. Lebenswoche, klassisch häufig in der 3.-6. Lebenswoche; Leitsymptome sind progredientes, schwallartiges, nicht galliges Erbrechen nach den Mahlzeiten, fortbestehender Hunger nach dem Erbrechen, Gewichtsverlust oder unzureichende Gewichtszunahme, Exsikkosezeichen (Zeichen der Austrocknung), hypochlorämische metabolische Alkalose (Störung des Säure-Basen-Haushalts mit Chloridmangel) und gegebenenfalls tastbare oliveförmige Resistenz (tastbare Verhärtung) im rechten Oberbauch; Ätiologie multifaktoriell mit genetischer Prädisposition (erblicher Veranlagung); Makrolidexposition (Kontakt mit bestimmten Antibiotika) in den ersten Lebenswochen ist als Risikofaktor beschrieben
- Trisomien (dreifach vorhandene Erbträger) – insbesondere bei syndromalen Zeichen, fazialen Dysmorphien (auffälligen Gesichtsmerkmalen), muskulärer Hypotonie, Trinkschwäche, Gedeihstörung, kardialen Auffälligkeiten (Herzauffälligkeiten), gastrointestinalen Fehlbildungen (Fehlbildungen von Magen und Darm) oder Entwicklungsauffälligkeiten differentialdiagnostisch zu berücksichtigen
Atmungssystem (J00-J99)
- Bronchiolitis (Entzündung der kleinen Atemwege) – akute virale Infektion (Virusinfektion) der kleinen Atemwege mit Husten, Tachypnoe (beschleunigter Atmung), Einziehungen, Giemen (pfeifender Atmung), Trinkschwäche und vermehrtem Schreien durch Atemnot oder Erschöpfung
- Bronchitis (Entzündung der Bronchien) – Husten, Atemwegssekretion, Fieber oder subfebrile Temperatur und Unruhe; bei Säuglingen Abgrenzung zur Bronchiolitis und Pneumonie erforderlich
- Lungeninfektion, nicht näher bezeichnet – bei Fieber, Tachypnoe, Einziehungen, Trinkschwäche, Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut) oder reduziertem Allgemeinzustand zu berücksichtigen
- Pharyngitis (Rachenentzündung) – Rachenentzündung mit Schluckbeschwerden, Trinkverweigerung, Fieber und vermehrtem Schreien
- Pneumonie (Lungenentzündung) – Fieber, Tachypnoe, Dyspnoe (Atemnot), Einziehungen, Husten, Trinkschwäche oder Apathie (Teilnahmslosigkeit); bei Säuglingen können unspezifisches Schreien und reduzierter Allgemeinzustand im Vordergrund stehen
- Pseudokrupp/Krupp-Husten (bellender Husten durch Kehlkopfentzündung) – bellender Husten, inspiratorischer Stridor (pfeifendes Atemgeräusch beim Einatmen), Heiserkeit und nächtliche Atemnot; Schreien kann die Atemnot verstärken
Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)
- Erosio corneae (Hornhautabschürfung) – schmerzhafte Hornhautläsion (Hornhautverletzung) mit Tränenfluss, Photophobie (Lichtscheu), Blepharospasmus (Lidkrampf), gerötetem Auge und anhaltendem Schreien
Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben (P00-P96)
- Geburtsverletzungen, insbesondere Klavikulafraktur (Schlüsselbeinbruch) – Schonhaltung, asymmetrische Armbewegung, Schmerzreaktion beim Anheben oder Ankleiden und persistierendes Schreien
- Hyperbilirubinämie (erhöhter Bilirubinwert) – bei ausgeprägter Neugeborenengelbsucht mit Trinkschwäche, Schläfrigkeit, schrillem Schreien oder neurologischen Auffälligkeiten abklärungsbedürftig
- Intrauterine Wachstumsretardierung (Wachstumsverzögerung im Mutterleib) – erhöhtes Risiko für Hypoglykämie (Unterzuckerung), Temperaturinstabilität, Trinkschwäche und Unruhe
- Perinatale Asphyxie (Sauerstoffmangel um die Geburt) – bei neurologischen Auffälligkeiten, Trinkschwäche, Krampfanfällen, Hypotonie, Irritabilität (Reizbarkeit) oder auffälligem Schreien zu berücksichtigen
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Hypoglykämie – kann sich beim Säugling durch Zittrigkeit, Trinkschwäche, Schwitzen, Blässe, Krampfanfälle, Apathie oder schrilles Schreien äußern
- Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) – bei prolongiertem Ikterus (verlängerter Gelbsucht), Trinkschwäche, Obstipation, Hypotonie, großer Fontanelle, Makroglossie (vergrößerter Zunge) oder Gedeihstörung differentialdiagnostisch relevant
Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen (Z00-Z99)
- Elterliche Belastung/Stress – Schreien des Säuglings kann durch Überforderung, Schlafmangel, erschwerte Eltern-Kind-Interaktion oder fehlende Entlastung verstärkt wahrgenommen werden; gleichzeitig muss eine organische Ursache ausgeschlossen werden
Haut und Unterhaut (L00-L99)
- Haar-Tourniquet-Syndrom (Abschnürung durch Haare) – schmerzhafte Abschnürung von Zehen, Fingern oder Genitale (Geschlechtsorganen) durch Haare/Fäden; typische Ursache für plötzliches, schwer beruhigbares Schreien
- Windeldermatitis (wunder Windelbereich) – schmerzhafte irritative oder sekundär infizierte Hautentzündung im Windelbereich mit Schmerzreaktion beim Wickeln, Stuhlgang oder Wasserlassen
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Gastroenteritis (Magen-Darm-Entzündung) – Erbrechen, Diarrhoe, Bauchschmerzen, Fieber, Exsikkosezeichen und vermehrtes Schreien
- Sepsis, nicht näher bezeichnet (Blutvergiftung) – bei Fieber oder Hypothermie (Untertemperatur), Trinkschwäche, Lethargie (starker Schläfrigkeit), blassem oder marmoriertem Hautkolorit, Tachypnoe, Tachykardie (beschleunigtem Herzschlag), schlechter Rekapillarisierungszeit (verzögerter Wiederauffüllung kleiner Blutgefäße) oder schrillem Schreien sofort abklärungsbedürftig
- Virusinfektion, nicht näher bezeichnet – häufige Ursache für Unruhe und Schreien bei Fieber, Rhinitis (Schnupfen), Husten, reduzierter Trinkmenge oder allgemeinem Krankheitsgefühl
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Appendicitis (Blinddarmentzündung) – im Säuglingsalter selten, aber bei Fieber, Erbrechen, abdomineller Abwehrspannung (Bauchdeckenspannung), Ileuszeichen, reduziertem Allgemeinzustand oder unstillbarem Schreien zu berücksichtigen
- Gastroösophageale Refluxkrankheit (krankhafter Rückfluss von Mageninhalt) – bei rezidivierendem Erbrechen/Regurgitation (Zurückfließen von Nahrung), Fütterungsproblemen, Gedeihstörung, Hämatemesis (Bluterbrechen), Apnoen oder ausgeprägter Irritabilität differentialdiagnostisch relevant; unkomplizierte Regurgitation ohne Warnzeichen ist häufig physiologisch
- Ileus (Darmverschluss) – akuter Bauch mit Erbrechen, abdomineller Distension, fehlendem Stuhl-/Windabgang, Schmerzattacken, Trinkverweigerung und reduziertem Allgemeinzustand
- Inkarzerierte Hernie (eingeklemmter Bruch) – schmerzhafte, nicht reponible Leisten- oder Skrotalschwellung (Schwellung am Hodensack) mit Schreien, Erbrechen oder Ileuszeichen; im Säuglingsalter meist indirekte laterale Leistenhernie (Leistenbruch)
- Invagination (Darmeinstülpung) – intermittierende kolikartige Schmerzattacken mit schrillem Schreien, Anziehen der Beine, Erbrechen, Blässe, Lethargie und gegebenenfalls blutig-schleimigem Stuhl
- Kuhmilchproteinallergie (Allergie gegen Kuhmilcheiweiß) – bei rezidivierendem Erbrechen, Diarrhoe, Blut- oder Schleimbeimengung im Stuhl, Ekzem (entzündlicher Hautausschlag), Gedeihstörung oder ausgeprägter Irritabilität zu berücksichtigen
- Meteorismus (Blähungen) – abdominelle Distension und vermehrte Gasbildung; als isolierter Befund nur nach Ausschluss von Red Flags (Warnzeichen) wie Erbrechen, Fieber, Gedeihstörung, blutigem Stuhl oder Ileuszeichen einzuordnen
- Obstipation – harter oder seltener Stuhlgang, schmerzhafte Defäkation (Stuhlentleerung), Bauchdistension, Pressen und Schreien; Warnzeichen sind verzögerter Mekoniumabgang, Gedeihstörung, galliges Erbrechen oder neurologische Auffälligkeiten
- Rektale Fissur/Analfissur (Afterriss) – schmerzhafte Schleimhauteinrisse mit Schreien bei Defäkation und hellroten Blutauflagerungen auf dem Stuhl
- Säuglingskolik/Säuglingskoliken („Dreimonatskoliken“) – funktionelle, selbstlimitierende Regulationsstörung (vorübergehende Anpassungsstörung) bzw. Ausschlussdiagnose beim sonst gesunden, altersgerecht gedeihenden Säugling; Beginn typischerweise ab der 2. Lebenswoche, Häufigkeitsmaximum um die 6. Lebenswoche, Rückbildung meist bis zum 3.-4. Lebensmonat; Leitsymptom sind anhaltende, schwer beruhigbare Schreiphasen ohne erkennbare organische Ursache, häufig abends und nachts, mit Schmerzmimik, Flush (Gesichtsrötung), angezogenen Beinen oder Überstreckung sowie geballten Fäusten; klassische Orientierung: Schreien >3 Stunden pro Tag, an >3 Tagen pro Woche, über >3 Wochen; normales Schreien kann in den ersten Lebenswochen bis knapp 3 Stunden pro Tag erreichen, sodass die elterliche Belastung und Toleranzschwelle bei der Einordnung mitberücksichtigt werden müssen; Red Flags wie Fieber, Erbrechen, Trinkschwäche, Gedeihstörung, blutige Stühle, Atemnot, neurologische Auffälligkeiten oder akuter Schmerzzustand sprechen gegen eine einfache Säuglingskolik und erfordern weitere Abklärung
- Zahnung (Dentition) – kann mit vermehrtem Speichelfluss, Beißbedürfnis, leichter Unruhe und Schlafstörung einhergehen; hohes Fieber, reduzierter Allgemeinzustand, anhaltendes Erbrechen oder schwere Diarrhoe sind dadurch nicht ausreichend erklärbar
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Osteomyelitis (Knochenmarkentzündung) – Fieber, Schonhaltung, Bewegungsvermeidung, Schwellung, Druckschmerz oder Pseudoparalyse (scheinbare Lähmung) einer Extremität (Gliedmaße); beim Säugling häufig unspezifisch mit Schreien und Trinkschwäche
Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)
- Mastoiditis (Entzündung des Warzenfortsatzes) – Komplikation einer Otitis media mit Fieber, retroaurikulärer Schwellung (Schwellung hinter dem Ohr), abstehendem Ohr, Druckschmerz und reduziertem Allgemeinzustand
- Otitis externa (Entzündung des äußeren Gehörgangs) – Entzündung des äußeren Gehörgangs mit Schmerz bei Zug an der Ohrmuschel oder Druck auf den Tragus (Ohrknorpel vor dem Gehörgang), Otorrhoe (Ohrausfluss) und Unruhe
- Otitis media (Mittelohrentzündung) – häufige Ursache für Fieber, nächtliches Schreien, Trinkschwäche, Ohrberührung, Irritabilität und reduzierten Schlaf; bei Säuglingen oft ohne eindeutige Ohrsymptome
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Enzephalitis (Gehirnentzündung) – Fieber, Bewusstseinsveränderung, Krampfanfälle, schrilles Schreien, Trinkschwäche, neurologische Auffälligkeiten oder reduzierter Allgemeinzustand
- Meningitis (Hirnhautentzündung) – Fieber oder Hypothermie, Trinkschwäche, Lethargie, schrilles Schreien, gespannte Fontanelle, Krampfanfälle, Nackensteifigkeit oder reduzierter Allgemeinzustand; Notfalldiagnose
- Subduralhämatom (SDH) (Blutung unter der harten Hirnhaut) – bei schrillem Schreien, Erbrechen, Krampfanfällen, Bewusstseinsstörung, gespannter Fontanelle, Makrozephalie (vergrößertem Kopf) oder Hinweisen auf nicht akzidentelles Trauma (nicht zufällige Verletzung) zu berücksichtigen
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Harnwegsinfekt (HWI), nicht näher bezeichnet – beim Säugling häufig unspezifisch mit Fieber, Trinkschwäche, Erbrechen, Gedeihstörung, Irritabilität oder anhaltendem Schreien
- Hodentorsion (Hodenverdrehung) – akuter skrotaler Schmerz mit Schwellung, Hochstand des Hodens, Rötung, Erbrechen oder unstillbarem Schreien; urologischer Notfall
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Frakturen (Knochenbrüche) – insbesondere bei Schonhaltung, Schmerzreaktion bei Bewegung, Schwellung, Hämatomen (Blutergüssen) oder fehlender Plausibilität der Anamnese zu berücksichtigen
- Kindesmisshandlung/nicht akzidentelles Trauma – bei unklaren Verletzungen, Subduralhämatom, retinalen Blutungen (Netzhautblutungen), Frakturen unterschiedlichen Alters, verzögerter Vorstellung oder widersprüchlicher Anamnese zwingend abzuklären
Medikamente
- Antidepressiva, Opioide, Sedativa (Beruhigungsmittel) oder andere zentral wirksame Medikamente bei prä-/postnataler Exposition – können je nach Substanz und Zeitpunkt zu neonataler Adaptationsstörung (Anpassungsstörung des Neugeborenen), Entzugssymptomatik, Trinkschwäche, Irritabilität, Tremor (Zittern), Schlafstörung oder schrillem Schreien beitragen
- Makrolidexposition in den ersten Lebenswochen – mit infantiler hypertropher Pylorusstenose assoziiert und bei schwallartigem, nicht galligem Erbrechen differentialdiagnostisch relevant
Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)
- Alkoholexposition prä-/postnatal – kann je nach Expositionsmuster mit Regulationsstörung, Trinkschwäche, Gedeihstörung, neurologischen Auffälligkeiten oder Entzugssymptomatik (Entzugsbeschwerden) einhergehen
- Drogenexposition prä-/postnatal, z. B. Cannabis, Heroin, Kokain, Methadon – mögliche Ursache für neonatale Entzugssymptomatik, Irritabilität, Tremor, Schlafstörung, Trinkprobleme oder schrilles Schreien
- Bleiintoxikation (Bleivergiftung) – seltene, aber relevante Ursache bei entsprechender Expositionsanamnese; möglich sind Irritabilität, Bauchschmerzen, Entwicklungsauffälligkeiten, Anämie (Blutarmut) oder neurologische Symptome
Weiteres
- Hunger – häufige nichtpathologische Ursache für Schreien; Besserung nach adäquater Fütterung
- Müdigkeit/Überreizung – häufige Ursache abendlicher Schreiphasen; Abgrenzung zu organischen Ursachen über Allgemeinzustand, Trinkverhalten, Temperatur und Red Flags
- „normales Schreien“ – physiologisches Schreien nimmt in den ersten Lebenswochen zu, erreicht häufig um die 6. Lebenswoche sein Maximum und nimmt danach wieder ab; Abendhäufung ist häufig
- Nach einer Impfung schreien Säuglinge in den ersten Tagen manchmal mehr als sonst; Fieber, anhaltendes schrilles Schreien, Trinkschwäche, Apathie oder neurologische Symptome erfordern Abklärung
- Volle Windel – häufige banale Ursache für Unruhe und Schreien, insbesondere bei Hautreizung oder Windeldermatitis