Globusbeschwerden (Kloßgefühl im Hals) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Globusbeschwerden (Kloßgefühl im Hals) (Globus pharyngeus) mitbedingt sein können:

Bei adäquat abgeklärten, insbesondere funktionellen Globusbeschwerden (funktionelles Kloßgefühl im Hals) ist das Spektrum echter Folgeerkrankungen eng. Der Verlauf ist überwiegend benigne (gutartig), kann jedoch langanhaltend oder rezidivierend (wiederkehrend) sein und mit relevanter krankheitsbezogener Sorge sowie Einschränkungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität einhergehen [1-3, 5, 8].

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Persistierende bzw. rezidivierende Globusbeschwerden wichtigste Langzeitfolge. In einer Langzeitbeobachtung über durchschnittlich 7 Jahre und 7 Monate waren 45 % der Patienten weiterhin symptomatisch (mit Beschwerden), während 55 % beschwerdefrei waren [5]. Der Globus kann somit über Jahre persistieren (fortbestehen) oder nach zwischenzeitlicher Besserung rezidivieren [1, 2, 5, 8].
  • Chronifizierung (dauerhaftes Fortbestehen) der Beschwerdewahrnehmung bei funktionellem Globus können viszerale bzw. pharyngösophageale Hypersensitivität (Überempfindlichkeit im Bereich von Rachen und Speiseröhre), zentrale Wahrnehmungsprozesse, gesteigerte Symptomaufmerksamkeit und psychische Belastungsfaktoren zur Aufrechterhaltung der Symptomatik beitragen. Dies entspricht eher einem sich selbst unterhaltenden biopsychosozialen Beschwerdemechanismus als einer progressiven strukturellen Erkrankung (fortschreitenden organischen Erkrankung) [1, 2, 8].
  • Krankheitsbezogene Sorge bzw. Tumorangst klinisch relevante Folge persistierender Globusbeschwerden. In einer prospektiven HNO-Kohorte berichteten 84 % der Patienten über Angst, hauptsächlich aufgrund der Befürchtung einer malignen Erkrankung (bösartigen Erkrankung); 94,7 % fühlten sich nach der fachärztlichen Untersuchung beruhigt [3]. Die Studie belegt dabei krankheitsbezogene Sorge im Zusammenhang mit dem Globussymptom, nicht das Vorliegen einer eigenständigen Angststörung.

Weiteres

  • Einschränkung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität insbesondere bei persistierenden oder therapierefraktären Globusbeschwerden (auf Behandlung nicht ausreichend ansprechenden Globusbeschwerden) klinisch relevant [1, 2]. In einer populationsbasierten Untersuchung waren nahezu sämtliche untersuchten Dimensionen des SF-36 mit Ausnahme der körperlichen Funktionsfähigkeit bei Personen mit Globusbeschwerden signifikant beeinträchtigt [4]. Aufgrund des Querschnittsdesigns belegt diese Untersuchung eine Assoziation, nicht jedoch deren Kausalrichtung.
  • Wiederholte Arztkontakte und diagnostische Belastung persistierende Beschwerden, Unsicherheit über die Ursache und insbesondere Tumorangst können wiederholte HNO-ärztliche, gastroenterologische oder hausärztliche Vorstellungen sowie wiederholte diagnostische Untersuchungen begünstigen [1-3, 8]. Nach adäquater unauffälliger Basisdiagnostik (grundlegenden Untersuchungen) und bei fehlenden neuen Alarmsymptomen (Warnzeichen) sollte eine nicht zielgerichtete wiederholte Diagnostik vermieden werden [1, 8].
  • Fehl- bzw. Übertherapie durch vorschnelle Zuordnung zu einer Refluxkrankheit (Erkrankung durch Rückfluss von Mageninhalt) Globusgefühl, Räusperzwang und Stimmprobleme werden häufig mit laryngopharyngealem Reflux (Rückfluss von Mageninhalt bis in den Rachen) assoziiert; eine Assoziation ist jedoch nicht mit Kausalität gleichzusetzen [LL1]. Die Refluxgenese (Entstehung durch Rückfluss von Mageninhalt) sollte nach Ausschluss anderer Ursachen insbesondere bei gleichzeitig bestehenden typischen Refluxsymptomen (Beschwerden durch Rückfluss von Mageninhalt) erwogen werden. Bei persistierenden extraösophagealen Beschwerden (Beschwerden außerhalb der Speiseröhre) ohne typische Refluxsymptome und fehlendem Ansprechen auf eine empirische Protonenpumpeninhibitor-Therapie (versuchsweise Behandlung mit Magensäureblockern) sollte diese in der Regel beendet werden; eine unkritische Refluxzuordnung kann andernfalls unnötige Langzeittherapie und weitere Diagnostik begünstigen [1, LL1].

Prognosefaktoren

  • Gesamtprognose: Ein nach adäquater Diagnostik als funktionell eingeordneter Globus ist grundsätzlich benigne. Eine Progression (Fortschreiten) des funktionellen Globus zu einer malignen Erkrankung ist nicht belegt [1, 5, 7, 8].
  • Langzeitpersistenz: Die Symptomatik kann über Jahre fortbestehen. Nach durchschnittlich 7 Jahren und 7 Monaten waren in einer Langzeitkohorte noch 45 % der Patienten symptomatisch [5]. In einer weiteren prospektiven Kohorte waren nach durchschnittlich 27 Monaten 25 % vollständig beschwerdefrei und weitere 35 % deutlich gebessert [6].
  • Prognosefaktoren bei kürzerer Nachbeobachtung: In der prospektiven Studie von Timon et al. waren männliches Geschlecht, eine Beschwerdedauer von weniger als drei Monaten bei Erstvorstellung und das Fehlen weiterer Halssymptome (Beschwerden im Halsbereich) mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Beschwerdefreiheit oder deutliche Besserung assoziiert [6].
  • Faktoren für Symptompersistenz: In einer späteren prospektiven Kohorte waren männliches Geschlecht, Rauchen und subjektiv empfundene Atembeschwerden mit persistierenden Globusbeschwerden assoziiert; die Odds-Ratio betrugen 1,52, 3,4 bzw. 8,7 [3]. Die hinsichtlich des Geschlechts gegensätzlichen Ergebnisse der Langzeitstudien verdeutlichen die begrenzte Reproduzierbarkeit einzelner prognostischer Faktoren [3, 6].
  • Keine zuverlässig etablierten individuellen Prognosemarker: In der Langzeitbeobachtung mit einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 7 Jahren und 7 Monaten ließen sich aus den Ausgangsbefunden keine verlässlichen prognostischen Faktoren ableiten [5]. Die verfügbaren Kohorten sind insgesamt klein und hinsichtlich Population, Diagnostik und Nachbeobachtungsdauer heterogen [3, 5, 6].
  • Malignitätsrisiko (Risiko für eine bösartige Erkrankung): Ein Kopf-Hals-Malignom (bösartiger Tumor im Kopf-Hals-Bereich) ist keine nachgewiesene Folge eines funktionellen Globus. In der historischen Langzeitkohorte von Rowley et al. entwickelte kein Patient während der Nachbeobachtung ein Malignom des oberen Aerodigestivtrakts (bösartiger Tumor der oberen Atem- und Speisewege) [5]. In einer neueren retrospektiven Kohorte von 377 Patienten mit Globusdiagnose entwickelten vier Patienten innerhalb einer Nachbeobachtungszeit von mindestens vier Jahren ein Kopf-Hals-Malignom, entsprechend einer Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) von etwa 1 % [7]. Dies beschreibt eine zeitliche Inzidenz und belegt keinen kausalen Übergang des Globus in eine Tumorerkrankung. Bei unauffälliger umfassender Untersuchung ist das Risiko einer übersehenen malignen Erkrankung daher gering; neu auftretende Alarmsymptome erfordern jedoch eine erneute gezielte Abklärung [1, 7, 8].

Literatur

  1. Naik I, Vukkadala N, Kamboj AK: An Approach to Globus Sensation: Clinical Pearls for Clinicians. Mayo Clin Proc. 2026;101(7):1202-1210. doi: 10.1016/j.mayocp.2026.03.016.
  2. Iurina E, Kosonogov V: Therapeutic approaches for functional Globus Pharyngeus: A systematic review of studies from 2000 to 2025. Gen Hosp Psychiatry. 2026;102:1-13. doi: 10.1016/j.genhosppsych.2026.06.014.
  3. Rasmussen ER, Schnack DT, Ravn AT: A prospective cohort study of 122 adult patients presenting to an otolaryngologist's office with globus pharyngeus. Clin Otolaryngol. 2018;43(3):854-860. doi: 10.1111/coa.13065.
  4. Tang B, Cai HD, Xie HL et al.: Epidemiology of globus symptoms and associated psychological factors in China. J Dig Dis. 2016;17(5):319-324. doi: 10.1111/1751-2980.12354.
  5. Rowley H, O'Dwyer TP, Jones AS et al.: The natural history of globus pharyngeus. Laryngoscope. 1995;105(10):1118-1121. doi: 10.1288/00005537-199510000-00019.
  6. Timon C, Cagney D, O'Dwyer T et al.: Globus Pharyngeus: Long-Term Follow-up and Prognostic Factors. Ann Otol Rhinol Laryngol. 1991;100(5 Pt 1):351-354. doi: 10.1177/000348949110000501.
  7. Maronian N, Cabrera C, Dewey J et al.: The Development of Head and Neck Cancer in Patients with the Isolated Complaint of Globus Pharyngeus. Laryngoscope. 2024;134(3):1147-1154. doi: 10.1002/lary.31027.
  8. Järvenpää P, Arkkila P, Aaltonen LM: Globus pharyngeus: a review of etiology, diagnostics, and treatment. Eur Arch Otorhinolaryngol. 2018;275(8):1945-1953. doi: 10.1007/s00405-018-5041-1.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S2k-Leitlinie: Gastroösophageale Refluxkrankheit und eosinophile Ösophagitis [07/2022-06/2027]. (AWMF-Registernummer 021-013). März 2023 Langfassung. [LL1]