Schichtarbeit und Ernährung

Schichtarbeit bezeichnet Arbeit zu wechselnden oder dauerhaft von der üblichen Tagarbeit abweichenden Arbeitszeiten. Dazu gehören Früh-, Spät-, Wechsel- und Nachtschichten. Ernährungsmedizinisch besonders relevant ist Nachtarbeit, da Nahrungsaufnahme, körperliche Aktivität und Wachheit in die biologische Ruhephase verlagert werden.

Die gesundheitlichen Auswirkungen der Schichtarbeit entstehen nicht allein durch eine veränderte Lebensmittelauswahl. Wesentlich sind die Kombination aus zirkadianer Fehlanpassung (Störung der inneren biologischen Tagesrhythmen), verkürztem oder gestörtem Schlaf, ungünstigem Mahlzeiten-Timing, eingeschränktem Lebensmittelangebot am Arbeitsplatz, psychosozialer Belastung und gegebenenfalls verminderter körperlicher Aktivität [1-5, LL1].

Eine spezielle, für alle Schichtarbeitenden gleichermaßen geeignete „Schichtarbeiterdiät“ existiert nicht. Die Ernährungstherapie beruht auf einer bedarfsgerechten, überwiegend pflanzenbetonten Lebensmittelauswahl, einer planbaren Mahlzeitenstruktur und einer möglichst geringen Energiezufuhr während der biologischen Nacht [1, 6-9, LL2].

Zirkadiane Regulation und Mahlzeitenstoffwechsel

Der menschliche Organismus verfügt über ein zentrales zirkadianes System (System zur Steuerung des Tag-Nacht-Rhythmus) und über periphere Uhren (innere Zeitgeber außerhalb des Gehirns) in Organen wie Leber, Pankreas (Bauchspeicheldrüse), Muskel- und Fettgewebe. Licht ist der wichtigste Zeitgeber für die zentrale innere Uhr. Nahrungsaufnahme wirkt dagegen besonders stark auf periphere Stoffwechselrhythmen.

Während der biologischen Nacht sind Glucosetoleranz (Fähigkeit des Körpers, Zucker zu verarbeiten) und Insulinsensitivität (Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin) im Mittel geringer als am Tag. Eine identische Mahlzeit kann deshalb nachts ungünstigere postprandiale (nach einer Mahlzeit auftretende) Glucose- und Insulinverläufe (Verläufe von Blutzucker und blutzuckersenkendem Hormon) hervorrufen als tagsüber. Wiederholtes Essen zu biologisch ungünstigen Zeiten kann die Fehlanpassung zwischen zentralen und peripheren Rhythmen verstärken [6, 7].

In einer kontrollierten Laborstudie verhinderte eine ausschließlich auf den biologischen Tag begrenzte Nahrungsaufnahme während simulierter Nachtarbeit den sonst beobachteten Anstieg der Glucosewerte (Blutzuckerwerte) und die innere zirkadiane Fehlanpassung [6]. Sekundäranalysen derselben randomisierten Untersuchung ergaben zudem günstigere Veränderungen verschiedener kardiovaskulärer Risikomarker (Messwerte für das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen), wenn während der simulierten Nachtarbeit keine nächtlichen Mahlzeiten verzehrt wurden [7].

Diese mechanistischen Studien (Studien zu zugrunde liegenden biologischen Wirkmechanismen) waren klein, kurzzeitig und wurden überwiegend mit gesunden Personen durchgeführt. Sie begründen daher keine generelle Empfehlung zum vollständigen Fasten während jeder Nachtschicht. Sie unterstützen jedoch das Prinzip, den überwiegenden Teil der Tagesenergie in die biologische Tagesphase zu legen und große Mahlzeiten während der Nacht möglichst zu vermeiden.

Ernährungsverhalten bei Schichtarbeit

Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (zusammenfassende statistische Auswertung mehrerer Studien) mit 31 Studien und mehr als 18.000 Teilnehmenden zeigte bei rotierender Schichtarbeit häufiger unregelmäßige Mahlzeiten, mehr nächtliche Snacks, eine höhere Aufnahme energiereicher Genuss- und Fertigprodukte sowie eine geringere Aufnahme ernährungsphysiologisch günstiger Grundnahrungsmittel [1].

Die durchschnittliche Energiezufuhr über 24 Stunden war bei rotierend Schichtarbeitenden nur geringfügig höher als bei Tagarbeitenden. Innerhalb derselben Personen unterschied sich die gesamte Energiezufuhr zwischen Tag- und Nachtschichten nicht konsistent [1]. Dies spricht dafür, dass neben der Energiemenge insbesondere folgende Faktoren relevant sind:

  • Zeitpunkt und Dauer des täglichen Essensfensters
  • nächtliches Snacken und unstrukturiertes „Grazing“
  • Lebensmittelqualität und Energiedichte
  • Schlafdauer und Schlafqualität
  • Verfügbarkeit geeigneter Mahlzeiten am Arbeitsplatz
  • körperliche Arbeitsbelastung und Gesamtenergieverbrauch

Starre Prozentanteile der Tagesenergie für einzelne Uhrzeiten sind nicht durch aktuelle Metaanalysen oder Leitlinien abgesichert. Mahlzeitenfrequenz und Energieverteilung müssen vielmehr an Schichtform, Chronotyp (individuelle Ausprägung des Schlaf-Wach-Rhythmus), Arbeitsbelastung, Schlafzeit, Stoffwechselsituation und individuelle Verträglichkeit angepasst werden.

Gesundheitliche Relevanz

Die aktuelle Evidenz zeigt Zusammenhänge zwischen Nacht- und Schichtarbeit und verschiedenen kardiometabolischen Risiken (Risiken für Herz, Kreislauf und Stoffwechsel). Eine Umbrella-Review (übergreifende Auswertung mehrerer Metaanalysen) von Metaanalysen aus dem Jahr 2026 fand insbesondere bei dauerhafter Nachtarbeit erhöhte Risiken für Adipositas (Fettleibigkeit), erhöhten Blutdruck, Typ-2-Diabetes (Zuckerkrankheit des Erwachsenenalters) und ischämische Herzerkrankungen (Herzerkrankungen durch verminderte Durchblutung). Rotierende Schichtsysteme waren stärker mit Schlafstörungen und einigen weiteren Gesundheitsrisiken assoziiert [2]. Eine eindeutige Rangfolge, nach der eine bestimmte Schichtform grundsätzlich am schädlichsten wäre, lässt sich daraus nicht ableiten.

Bei Beschäftigten im Gesundheitswesen war Schichtarbeit in einer Metaanalyse mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für ein metabolisches Syndrom (gemeinsames Auftreten von Übergewicht, Bluthochdruck sowie Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen) verbunden [3]. Eine Dosis-Wirkungs-Metaanalyse beobachtete außerdem ein moderat erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes [4]. Eine aktuelle Metaanalyse zu kardiovaskulären Risikomarkern berichtete vor allem Zusammenhänge mit inflammatorischen Markern (Entzündungswerten), ungünstigeren Lipidparametern (Blutfettwerten) und Veränderungen der kardialen Repolarisation (elektrischen Erholungsphase des Herzmuskels) [5].

Diese Ergebnisse stammen überwiegend aus Beobachtungsstudien. Sie belegen kein unvermeidbares individuelles Erkrankungsrisiko. Alter, Geschlecht, Schichtdauer, Anzahl der Nachtschichten, Schlaf, Rauchen, sozioökonomische Faktoren, Ernährungsweise und körperliche Aktivität können die beobachteten Zusammenhänge beeinflussen.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung stuft Nachtarbeit als „wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen“ – Gruppe 2A – ein. Grundlage sind begrenzte epidemiologische Evidenz (Erkenntnisse aus Bevölkerungsstudien) beim Menschen sowie tierexperimentelle und mechanistische Befunde [13]. Daraus darf nicht abgeleitet werden, dass Nachtarbeit nachweislich oder regelhaft ein Mamma-, Prostata- oder anderes Karzinom (Brust-, Prostata- oder andere Krebserkrankung) verursacht.

Grundprinzipien der Ernährung bei Schichtarbeit

Gesamtenergie bedarfsgerecht festlegen – der Energiebedarf wird nicht durch den Status als Schichtarbeiter allein erhöht. Entscheidend sind Körperzusammensetzung, Alter, Geschlecht, körperliche Arbeitsbelastung, Freizeitaktivität und das angestrebte Körpergewicht. Eine zusätzliche Energiezufuhr ausschließlich wegen einer Nacht- oder Wechselschicht ist nicht grundsätzlich erforderlich.

Lebensmittelqualität priorisieren – Grundlage sind die aktuellen lebensmittelbezogenen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung [LL2]:

  • Gemüse und Obst in vielfältiger Auswahl
  • Vollkorngetreide anstelle überwiegend raffinierter Getreideprodukte
  • regelmäßig Hülsenfrüchte und Nüsse
  • pflanzliche Öle mit günstiger Fettsäurezusammensetzung
  • bedarfsgerechte Proteinquellen aus pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln
  • Wasser und ungesüßte Getränke als Standard
  • begrenzte Aufnahme stark verarbeiteter, zuckerreicher und sehr energiedichter Lebensmittel

Mahlzeiten planen – vorbereitete Mahlzeiten vermindern die Abhängigkeit von Automaten, Lieferdiensten und nächtlich verfügbaren Fast-Food-Angeboten. Geeignet sind beispielsweise Vollkornprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte, Joghurt oder andere Milchprodukte, Eier, Fisch, mageres Fleisch, Tofu, Nüsse und frisches Obst.

Unstrukturiertes Snacken vermeiden – häufiges Essen über ein sehr langes Zeitfenster kann die Energiezufuhr erhöhen und die zeitliche Entkopplung des Stoffwechsels verstärken. Zweckmäßiger sind definierte Mahlzeiten und gegebenenfalls eine geplante Zwischenmahlzeit.

Protein und Ballaststoffe einbeziehen – protein- und ballaststoffreiche Mahlzeiten fördern die Sättigung und können helfen, den Konsum energiedichter Snacks zu begrenzen. Eine spezielle, ausschließlich für Schichtarbeit geltende Makronährstoffverteilung (Verteilung von Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten) ist nicht belegt.

Ernährung bei Frühschicht

Bei sehr frühem Arbeitsbeginn ist ein umfangreiches Frühstück unmittelbar nach dem Aufstehen nicht zwingend erforderlich. Die Mahlzeitenstruktur kann individuell angepasst werden:

  • bei Appetit ein kleines Frühstück vor Arbeitsbeginn, beispielsweise Vollkornbrot mit Proteinquelle, Naturjoghurt mit Haferflocken oder eine vergleichbare Mahlzeit
  • bei fehlendem Appetit eine vorbereitete Frühstücksmahlzeit während einer späteren Arbeitspause
  • eine ausgewogene Hauptmahlzeit nach dem Ende der Frühschicht
  • Vermeidung eines dauerhaften Ausgleichs von Schlafmangel durch zuckerreiche Snacks und koffeinhaltige Getränke

Entscheidend ist, dass ein sehr früher Arbeitsbeginn nicht zu einer über den gesamten Vormittag verteilten Aufnahme energiereicher Snacks führt.

Ernährung bei Spätschicht

Bei einer Spätschicht sollte die größere Hauptmahlzeit möglichst vor Beginn oder in der ersten Hälfte der Schicht liegen. Spätabends ist eine kleinere, gut verträgliche Mahlzeit häufig günstiger als eine sehr große, fett- und energiereiche Mahlzeit unmittelbar vor dem Schlafengehen.

Geeignet sind beispielsweise:

  • Gemüsegerichte mit Hülsenfrüchten, Vollkornbeilage und Proteinquelle
  • Salate mit Kartoffeln, Vollkorngetreide, Ei, Fisch, Tofu oder Hülsenfrüchten
  • Suppen oder Eintöpfe mit Gemüse und Proteinquelle
  • Vollkornbrot mit Käse, Ei, Hummus oder magerem Aufschnitt sowie Gemüse

Ernährung bei Nachtschicht

Bei Nachtarbeit sollte der überwiegende Teil der Tagesenergie möglichst vor Beginn der Schicht und während der biologischen Tages- oder frühen Abendphase aufgenommen werden [6, 7]. Eine praktikable Struktur umfasst:

  • eine ausgewogene Hauptmahlzeit etwa 1-3 Stunden vor Schichtbeginn
  • bei Bedarf eine kleinere geplante Mahlzeit oder Zwischenmahlzeit in der ersten Hälfte der Nachtschicht
  • möglichst keine sehr große Mahlzeit im biologischen Nachttief
  • nach Schichtende nur bei Hunger eine kleine, leicht verträgliche Mahlzeit vor dem Schlaf

Geeignete kleinere Nachtmahlzeiten kombinieren Protein, Ballaststoffe und eine moderate Kohlenhydratmenge, beispielsweise:

  • Naturjoghurt oder Skyr mit Haferflocken und Beeren
  • Vollkornbrot mit Hummus, Ei, Käse oder magerem Aufschnitt
  • Gemüse mit Hülsenfrüchten oder einer anderen Proteinquelle
  • eine kleinere Portion Suppe oder Eintopf
  • Obst in Kombination mit Naturjoghurt oder einer kleinen Portion Nüsse

Große Portionen, frittierte Lebensmittel, sehr fettreiche Speisen, Süßigkeiten, zuckerhaltige Getränke und kontinuierliches Snacken sollten nachts möglichst vermieden werden. Die Empfehlung beruht nicht auf der früher verbreiteten Vorstellung, der Gastrointestinaltrakt (Magen-Darm-Trakt) befinde sich nachts vollständig im „Ruhezustand“. Entscheidend sind die zirkadian veränderte Stoffwechselantwort, die häufig geringere Verträglichkeit großer Mahlzeiten und der nachfolgende Tagschlaf.

Ein vollständiger Nahrungsverzicht während jeder Nachtschicht ist nicht generell angezeigt. Bei körperlich schwerer Arbeit, langen Schichten, Schwangerschaft, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Untergewicht, Essstörungen oder hypoglykämieauslösender Medikation (Medikamenten, die Unterzuckerungen verursachen können) kann eine ausreichende nächtliche Energie- und Kohlenhydratzufuhr erforderlich sein.

Zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme

Eine zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme – Time-Restricted Eating – soll die tägliche Nahrungsaufnahme auf ein definiertes Zeitfenster beschränken. Der Ansatz ist für Schichtarbeitende theoretisch attraktiv, da er unkontrolliertes nächtliches Essen und sehr lange Essensfenster reduzieren kann.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 mit sechs randomisierten Studien fand jedoch keine statistisch gesicherten gepoolten Verbesserungen von Nüchternglucose (Blutzuckerwert im nüchternen Zustand), Insulin, Insulinresistenz (verminderter Wirkung von Insulin), postprandialer Glucose oder Schlaf [8]. Die Studien waren klein und hinsichtlich Schichtsystem, Essensfenster und Studiendauer heterogen.

In einer randomisierten Studie mit Beschäftigten im 24-Stunden-Schichtdienst erwies sich ein etwa zehnstündiges Essensfenster als praktikabel. Es verbesserten sich einzelne kardiometabolische Parameter und die Lebensqualität; besonders ausgeprägt waren einige Effekte bei Teilnehmenden mit erhöhtem Ausgangsrisiko [9].

Zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme kann daher als individualisierte Option erwogen werden, ist aber keine allgemein gesicherte Standardtherapie für Schichtarbeitende. Sie darf nicht zu einer unzureichenden Energie-, Protein- oder Mikronährstoffzufuhr führen.

Getränke und Koffein

Wasser und ungesüßte Getränke sind die bevorzugten Flüssigkeitsquellen. Der Bedarf steigt bei körperlicher Arbeit, Hitze, Schutzkleidung und erhöhter Schweißproduktion. Eine spezielle pauschale Trinkmenge für alle Schichtarbeitenden ist nicht ableitbar.

Koffein kann Wachheit und Aufmerksamkeit vorübergehend erhöhen, ersetzt jedoch keinen ausreichenden Schlaf. Es sollte vorzugsweise zu Beginn oder in der ersten Hälfte einer Nacht- oder Frühschicht eingesetzt werden.

Eine Metaanalyse zeigte, dass Koffein die Gesamtschlafzeit verkürzt, die Schlafeffizienz (Anteil der im Bett tatsächlich geschlafenen Zeit) vermindert und Einschlaflatenz (Zeit bis zum Einschlafen) sowie nächtliche Wachzeit verlängert. Der Effekt ist dosis- und zeitabhängig und kann noch viele Stunden nach der Einnahme bestehen [11]. Koffein sollte deshalb mit möglichst großem Abstand zur vorgesehenen Schlafphase abgesetzt werden.

Für gesunde, nicht schwangere Erwachsene gelten nach der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit Einzeldosen bis 200 mg und eine Gesamtzufuhr bis 400 mg Koffein pro Tag im Allgemeinen als unbedenklich. In Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Gesamtzufuhr 200 mg pro Tag nicht überschreiten [12]. Individuelle Empfindlichkeit, Herzrhythmusstörungen (Störungen des regelmäßigen Herzschlags), Hypertonie (Bluthochdruck), Angststörungen und Schlafstörungen können niedrigere Mengen erforderlich machen.

Energydrinks sind wegen ihrer teilweise hohen Koffeinmengen, des häufig hohen Zuckergehalts und möglicher Kombinationen mit weiteren Stimulanzien nicht als routinemäßige Strategie zur Bewältigung von Nachtarbeit geeignet.

Mikronährstoffe

Für Schichtarbeitende sind keine eigenständigen erhöhten Referenzwerte für Vitamine, Mineralstoffe oder Spurenelemente definiert. Eine pauschale Supplementierung (ergänzende Einnahme) mit Multivitaminpräparaten, B-Vitaminen, Magnesium, Antioxidanzien oder anderen Mikronährstoffen allein aufgrund der Schichtarbeit ist nicht durch belastbare Interventionsstudien (Studien mit gezielter Behandlung) belegt.

Vitamin D – eine Metaanalyse zeigte bei Schichtarbeitenden im Mittel niedrigere Serumkonzentrationen (im Blut gemessene Konzentrationen) von 25-Hydroxyvitamin D (Speicherform des Vitamins D im Blut) als bei Tagarbeitenden. Die Heterogenität zwischen den Studien war hoch, und die Daten waren überwiegend beobachtend [10]. Als mögliche Ursachen kommen eine geringere Tageslichtexposition, saisonale Faktoren, Bekleidung, Hauttyp, Körpergewicht und Lebensstilfaktoren infrage.

Aus diesem Zusammenhang folgt weder eine generelle Indikation (medizinische Begründung) zur Bestimmung von 25-Hydroxyvitamin D noch eine pauschale Hochdosis-Supplementierung. Die aktuelle Leitlinie der Endocrine Society empfiehlt bei gesunden Erwachsenen unter 75 Jahren ohne besondere Indikation kein routinemäßiges Screening (vorsorgliche Untersuchung ohne konkreten Verdacht) und keine routinemäßige Zufuhr oberhalb der allgemeinen Referenzzufuhr [LL3].

Eine gezielte Vitamin-D-Diagnostik (Untersuchung des Vitamin-D-Status) und Supplementierung kann bei konkreten Risikofaktoren, klinischem Verdacht, nachgewiesenem Mangel, Erkrankungen des Knochenstoffwechsels oder anderen anerkannten Indikationen sinnvoll sein. Dosierung und Therapiedauer richten sich nach Befund, Grunderkrankungen und Sicherheitsaspekten.

Eisen, Vitamin B12 und Folat – eine Untersuchung ist bei klinischen Hinweisen, einseitiger Ernährung, veganer Ernährungsweise, Hypermenorrhoe (zu starker Monatsblutung), Schwangerschaft, gastrointestinalen Erkrankungen (Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts), Anämie (Blutarmut) oder anderen spezifischen Risikokonstellationen angezeigt. Schichtarbeit allein begründet keine routinemäßige Substitution (gezielte Zufuhr eines fehlenden Nährstoffs).

Magnesium – eine generelle Wirksamkeit gegen schichtarbeitsbedingte Müdigkeit, Schlafstörungen oder metabolische Risiken ist nicht belegt. Eine Supplementierung ist bei nachgewiesener Unterversorgung, erhöhten Verlusten oder einer geeigneten klinischen Indikation möglich.

Omega-3-Fettsäuren und antioxidative Mikronährstoffe – für eine spezifische Prävention (Vorbeugung) schichtarbeitsbedingter Erkrankungen durch Supplemente fehlen ausreichende randomisierte Interventionsdaten. Die Versorgung sollte primär über eine geeignete Lebensmittelauswahl und bei konkreter Indikation durch gezielte Präparate erfolgen.

Gewichtsreduktion bei Schichtarbeit

Für eine Gewichtsreduktion gelten grundsätzlich dieselben physiologischen Prinzipien wie bei Tagarbeit. Erforderlich ist ein langfristig realisierbares Energiedefizit (geringere Energiezufuhr als Energieverbrauch) bei ausreichender Protein-, Mikronährstoff- und Ballaststoffzufuhr.

Bei Schichtarbeit sind insbesondere folgende Maßnahmen relevant:

  • nächtliches unkontrolliertes Snacken reduzieren
  • größere Mahlzeiten in die biologische Tagesphase verlagern
  • kalorienhaltige Getränke vermeiden
  • Mahlzeiten für Arbeitstage vorbereiten
  • Schlafdefizite soweit arbeitsorganisatorisch möglich begrenzen
  • Körpergewicht und Taillenumfang regelmäßig kontrollieren

Sehr lange Fastenintervalle oder stark hypokalorische Diäten (Ernährungsformen mit sehr geringer Energiezufuhr) können bei körperlich belastender Arbeit die Leistungsfähigkeit und Arbeitssicherheit beeinträchtigen.

Besondere medizinische Konstellationen

Diabetes mellitus – Mahlzeiten, Insulin und andere glucosewirksame Medikamente müssen an den tatsächlichen Schicht-, Aktivitäts- und Schlafrhythmus angepasst werden. Das Auslassen einer vorgesehenen Mahlzeit kann unter Insulin oder Sulfonylharnstoffen (blutzuckersenkenden Tabletten) Hypoglykämien (Unterzuckerungen) auslösen. Starre allgemeine Fastenempfehlungen sind hier ungeeignet.

Schwangerschaft – der Mehrbedarf an Energie und Mikronährstoffen richtet sich nach den allgemeinen schwangerschaftsmedizinischen Empfehlungen. Längere Fastenphasen und restriktive Essensfenster sind nicht routinemäßig zu empfehlen. Die Koffeinzufuhr sollte auf höchstens 200 mg täglich begrenzt werden.

Körperlich schwere Arbeit – bei hoher muskulärer Belastung müssen Energie-, Protein-, Kohlenhydrat- und Flüssigkeitszufuhr die tatsächliche Beanspruchung abdecken. Eine kleinere Mahlzeit während der Nacht kann aus Gründen der Leistungsfähigkeit und Arbeitssicherheit notwendig sein.

Gastrointestinale Beschwerden – Portionsgröße, Fettgehalt, Schärfe, Koffein, Alkohol und zeitlicher Abstand zwischen letzter Mahlzeit und Schlaf sollten individuell angepasst werden. Die Behauptung, Schichtarbeit verursache regelhaft ein Ulcus ventriculi (Magengeschwür), ist durch die aktuelle Evidenz nicht ausreichend abgesichert.

Betriebliche und arbeitsmedizinische Prävention

Ernährungsempfehlungen können nur umgesetzt werden, wenn die betrieblichen Bedingungen dies ermöglichen. Zweckmäßig sind [LL1]:

  • planbare und ausreichend lange Pausen
  • Zugang zu Trinkwasser
  • Kühl- und Aufwärmmöglichkeiten für mitgebrachte Mahlzeiten
  • ein geeignetes Lebensmittelangebot auch während der Nacht
  • möglichst vorhersehbare Schichtfolgen und ausreichende Erholungszeiten
  • arbeitsmedizinische Beratung bei individuellen Beschwerden oder erhöhtem Risiko

Abhängig vom individuellen Gesamtrisiko können Kontrollen von Körpergewicht, Taillenumfang, Blutdruck, Glucosestoffwechsel (Verarbeitung des Blutzuckers) und Lipidprofil (Gesamtheit der Blutfettwerte) sinnvoll sein. Schichtarbeit ist dabei als zusätzlicher Risikofaktor in die Gesamtbewertung einzubeziehen, ersetzt jedoch keine indikationsgerechte kardiometabolische Risikostratifizierung (ärztliche Einteilung des individuellen Herz-Kreislauf- und Stoffwechselrisikos).

Fazit

Die zentrale ernährungsmedizinische Herausforderung der Schichtarbeit ist die zeitliche Fehlanpassung zwischen Nahrungsaufnahme, Schlaf-Wach-Rhythmus und innerer Uhr. Die beste verfügbare Evidenz unterstützt, den überwiegenden Teil der Tagesenergie während der biologischen Tages- und frühen Abendphase aufzunehmen und große, energiedichte Mahlzeiten während der Nacht zu vermeiden.

Bei nächtlichem Hunger oder hoher körperlicher Belastung ist eine kleinere, geplante und nährstoffreiche Mahlzeit sinnvoller als unkontrolliertes Snacken. Eine vollständige nächtliche Nahrungskarenz (Verzicht auf Nahrungsaufnahme) und zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme sind keine allgemeingültigen Standardempfehlungen, können jedoch in geeigneten Fällen individualisiert eingesetzt werden.

Mikronährstoffsupplemente sollten gezielt bei nachgewiesener Unterversorgung, erhöhtem Bedarf oder einer anerkannten medizinischen Indikation eingesetzt werden. Insbesondere bei Vitamin D ist das Risiko niedriger Serumkonzentrationen bei Schichtarbeit erhöht, ohne dass daraus eine pauschale Screening- oder Hochdosis-Supplementierungsempfehlung folgt.

Literatur

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  2. Cho HA, Lee DW, Yang M et al.: Comparing the Health Impacts of Fixed Night and Rotating Shift Work: An Umbrella Review of Meta-Analyses. J Sleep Res. 2026;35(2):e70172. doi:10.1111/jsr.70172
  3. Sooriyaarachchi P, Jayawardena R, Pavey T, King NA: Shift work and the risk for metabolic syndrome among healthcare workers: A systematic review and meta-analysis. Obes Rev. 2022;23(10):e13489. doi:10.1111/obr.13489
  4. Gao Y, Gan T, Jiang L et al.: Association between shift work and risk of type 2 diabetes mellitus: a systematic review and dose-response meta-analysis of observational studies. Chronobiol Int. 2020;37(1):29-46. doi:10.1080/07420528.2019.1683570
  5. Erdem JS, Das MK, De Ryck E et al.: Night shift work and indicators of cardiovascular risk: A systematic review and meta-analysis. Environ Res. 2025;276:121503. doi:10.1016/j.envres.2025.121503
  6. Chellappa SL, Qian J, Vujovic N et al.: Daytime eating prevents internal circadian misalignment and glucose intolerance in night work. Sci Adv. 2021;7(49):eabg9910. doi:10.1126/sciadv.abg9910
  7. Chellappa SL, Gao L, Scheer FAJL: Daytime eating during simulated night work mitigates changes in cardiovascular risk factors: secondary analyses of a randomized controlled trial. Nat Commun. 2025;16:3186. doi:10.1038/s41467-025-57846-y
  8. Koh JYJ, Tan CYH, Li M, Liu MH, Chew HSJ: The Effectiveness of Time-Restricted Eating as an Intermittent Fasting Approach on Shift Workers’ Glucose Metabolism: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients. 2025;17(10):1689. doi:10.3390/nu17101689
  9. Manoogian ENC, Zadourian A, Lo HC et al.: Feasibility of time-restricted eating and impacts on cardiometabolic health in 24-h shift workers: The Healthy Heroes randomized control trial. Cell Metab. 2022;34(10):1442-1456.e7. doi:10.1016/j.cmet.2022.08.018
  10. Martelli M, Salvio G, Santarelli L, Bracci M: Shift Work and Serum Vitamin D Levels: A Systematic Review and Meta-Analysis. Int J Environ Res Public Health. 2022;19(15):8919. doi:10.3390/ijerph19158919
  11. Gardiner C, Weakley J, Burke LM et al.: The effect of caffeine on subsequent sleep: A systematic review and meta-analysis. Sleep Med Rev. 2023;69:101764. doi:10.1016/j.smrv.2023.101764
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  13. International Agency for Research on Cancer: Night Shift Work. IARC Monographs on the Identification of Carcinogenic Hazards to Humans. Volume 124. Lyon: International Agency for Research on Cancer; 2020. Monographie

Leitlinien

  1. Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin und beteiligte Fachgesellschaften: S2k-Leitlinie Gesundheitliche Aspekte und Gestaltung von Nacht- und Schichtarbeit. AWMF-Registernummer 002-030. Stand 01/2026, gültig bis 30.01.2031. AWMF-Registernummer 002-030
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Gut essen und trinken – die DGE-Empfehlungen. Bonn; 2024. Website
  3. Demay MB, Pittas AG, Bikle DD et al.: Vitamin D for the Prevention of Disease: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2024;109(8):1907-1947. doi:10.1210/clinem/dgae290