Oxidativer Stress (inkl. nitrosativer Stress) – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Beurteilung von Allgemeinzustand (allgemeinem körperlichen Zustand) und Ernährungszustand (Zustand der Ernährung) sowie Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, Körpergewicht, Körpergröße und Body-Mass-Index (BMI); des Weiteren:
- Messung des Taillenumfangs zur Erfassung einer abdominellen Adipositas (Fettleibigkeit im Bauchbereich)
- Standardisierte Blutdruckmessung nach mindestens 5 Minuten Ruhe in sitzender Position mit angepasster Oberarmmanschette
- Beurteilung von Pulsfrequenz (Anzahl der Pulsschläge pro Minute) und -rhythmus
- Haut und Schleimhäute – Inspektion hinsichtlich Zeichen zugrunde liegender metabolischer (stoffwechselbedingter), inflammatorischer (entzündlicher), vaskulärer (die Blutgefäße betreffender) bzw. systemischer (den gesamten Körper betreffender) Erkrankungen
- Kardiovaskuläre Untersuchung (Untersuchung von Herz und Kreislauf) – Auskultation (Abhören) des Herzens sowie Beurteilung der peripheren Pulse (Pulse an Armen und Beinen), der peripheren Perfusion (Durchblutung der äußeren Körperbereiche) und des Vorliegens von Ödemen (Wassereinlagerungen)
- Untersuchung der Lunge – Inspektion und Auskultation, insbesondere bei Rauchern sowie bei anamnestischen (aus der Krankengeschichte hervorgehenden) Hinweisen auf eine chronische pulmonale Erkrankung (lang andauernde Lungenerkrankung)
- Untersuchung des Abdomens (Bauches) – Inspektion, Auskultation, Perkussion (Abklopfen) und Palpation (Abtasten), insbesondere Beurteilung von Leber- und Milzgröße
- Neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems) – orientierende Prüfung von Bewusstseinslage, Motorik (Bewegungsfunktion), Sensibilität (Empfindungsvermögen), Reflexstatus (Ausprägung der Reflexe) und Koordination (Zusammenspiel der Bewegungen) bei entsprechender klinischer Symptomatik (Beschwerden und Krankheitszeichen)
- Gezielte körperliche Untersuchung entsprechend der vermuteten Grunderkrankung bzw. Exposition (Einwirkung) – insbesondere bei:
- Adipositas bzw. metabolischem Syndrom (Zusammentreffen mehrerer Stoffwechselrisikofaktoren)
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- arterieller Hypertonie (Bluthochdruck) und kardiovaskulären Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
- chronisch-inflammatorischen bzw. autoimmunologischen Erkrankungen (Erkrankungen durch fehlgeleitete Abwehrreaktionen des Immunsystems)
- akuten bzw. chronischen Infektionen
- chronischen pulmonalen Erkrankungen bzw. Tabakrauchexposition (Einwirkung von Tabakrauch)
- Leber- und Nierenerkrankungen
- neurologischen bzw. neurodegenerativen Erkrankungen (Erkrankungen mit fortschreitendem Verlust von Nervenzellen)
- Exposition gegenüber ionisierender Strahlung (energiereicher Strahlung), Umwelttoxinen (Umweltgiften) bzw. anderen prooxidativen Noxen (schädigenden Einflüssen, die Oxidationsprozesse fördern)
Beachte: Oxidativer Stress (Schädigung durch ein Übermaß reaktiver Sauerstoffverbindungen) und nitrosativer Stress (Schädigung durch ein Übermaß reaktiver Stickstoffverbindungen) sind biochemische (chemische Vorgänge im Organismus betreffende) bzw. pathophysiologische (krankhafte Funktionsabläufe betreffende) Zustände und keine anhand der körperlichen Untersuchung eigenständig diagnostizierbaren Krankheitsbilder. Es existieren keine spezifischen oder pathognomonischen (krankheitsbeweisenden) körperlichen Befunde, anhand derer auf oxidativen bzw. nitrosativen Stress geschlossen werden kann. Die körperliche Untersuchung dient deshalb primär der Erfassung möglicher Grunderkrankungen, Risikofaktoren, Expositionen und Organmanifestationen (Organbeteiligungen). Der Nachweis bzw. die Quantifizierung (mengenmäßige Bestimmung) eines oxidativen oder nitrosativen Stresses ist durch die körperliche Untersuchung nicht möglich. Auch für die laborchemische Bestimmung (Bestimmung durch Laboruntersuchungen) besteht bislang keine allgemein anerkannte und standardisierte Routinediagnostik anhand eines einzelnen Redox-Biomarkers.
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.