Ovarialzysten und weitere gutartige Neubildungen des Ovars – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Beschwerden lindern und Komplikationen rechtzeitig erkennen.
  • Unnötige Eingriffe bei eindeutig benign (gutartig) erscheinenden Ovarialzysten (Eierstockzysten) vermeiden.
  • Bei suspekten Befunden eine zeitnahe gynäkologische beziehungsweise gynäkoonkologische (auf Krebserkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane spezialisierte) Abklärung sicherstellen.

Therapieempfehlungen

Die meisten kleinen, einfachen Ovarialzysten vor der Menopause (Wechseljahre) sind benigne und bedürfen keiner medikamentösen oder operativen Behandlung. Eine einfache, asymptomatische (beschwerdefreie) Zyste unter 5 cm erfordert in der Regel keine Verlaufskontrolle. Bei 5 bis 7 cm wird eine sonographische Kontrolle (Ultraschallkontrolle) angeboten; bei mehr als 7 cm kommen eine weiterführende Bildgebung und gegebenenfalls eine Operation in Betracht. Eine vermutete funktionelle Zyste (durch den normalen Eierstockzyklus entstandene Zyste) bildet sich häufig innerhalb von zwei bis drei Zyklen zurück. Persistenz (Fortbestehen) oder Wachstum erfordern eine erneute diagnostische Einordnung [2, LL2].

Auch nach der Menopause bedeutet eine einfache Zyste nicht automatisch eine Operationsindikation: Eine asymptomatische, einseitige, einkammerige Zyste bis 3 cm benötigt nach der RCOG-Leitlinie keine routinemäßige Verlaufskontrolle. Bei mehr als 3 bis einschließlich 5 cm und normalem CA-125 ist unter den genannten Voraussetzungen eine konservative Betreuung mit erneuter Beurteilung nach vier bis sechs Monaten möglich. Die Entscheidung richtet sich nach Morphologie, Beschwerden, Risikoprofil und Präferenz der Patientin [LL3].

Die transvaginale Sonographie (Ultraschalluntersuchung über die Scheide) ist die erste apparative Untersuchung bei Verdacht auf eine ovarielle Raumforderung (auffällige Gewebeveränderung am Eierstock). Strukturierte sonographische Kriterien unterstützen die Risikoeinschätzung, ermöglichen aber keinen ausnahmslos sicheren Ausschluss einer Malignität (Bösartigkeit). Suspekte Morphologie, Aszites (Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle), Wachstum oder ein anderweitig erhöhtes Malignitätsrisiko erfordern eine entsprechend zügige Abklärung. Die Pharmakotherapie darf diese Abklärung nicht verzögern [LL1].

Kombinierte orale Kontrazeptiva beschleunigen die Rückbildung einer bereits bestehenden funktionellen Ovarialzyste nicht und sollen zu diesem Zweck nicht verordnet werden. Dies gilt auch für nach Ovulationsinduktion (medikamentöser Auslösung eines Eisprungs) aufgetretene funktionelle Zysten. Eine Ovulationssuppression (Unterdrückung des Eisprungs) kann bei anderweitig gewünschter Kontrazeption das Auftreten weiterer funktioneller Zysten vermindern; dies ist von der Behandlung einer vorhandenen Zyste zu trennen [1, 2, LL2].

Bei gesichertem Endometriom (Endometriosezyste des Eierstocks) gelten die Empfehlungen zur Endometriose (Vorkommen gebärmutterschleimhautähnlichen Gewebes außerhalb der Gebärmutter). Eine längerfristige hormonelle Behandlung kann insbesondere der Schmerzkontrolle und der Rezidivprophylaxe (Vorbeugung eines erneuten Auftretens) dienen. Für die Rezidivprophylaxe bevorzugt die S2k-Leitlinie eine Gestagenmonotherapie; kombinierte hormonelle Kontrazeptiva kommen bei fehlenden Kontraindikationen (Gegenanzeigen) ebenfalls infrage. Kinderwunsch, ovarielle Reserve (verbleibender Eizellvorrat) und die diagnostische Sicherheit des Befundes sind vor der Therapieentscheidung zu berücksichtigen [LL4].

Nichtsteroidale Antirheumatika

Wirkstoff Dosierung Besonderheiten
Ibuprofen Erwachsene: 200 bis 400 mg oral bei Bedarf; mindestens 6 Stunden Abstand; ohne individuelle ärztliche Anordnung höchstens 1.200 mg täglich. Kurzzeitige symptomatische Behandlung. Die niedrigste wirksame Dosis für die kürzest nötige Dauer verwenden [FI1].
  • Wirkweise: Hemmung der Prostaglandinsynthese mit analgetischer und antiphlogistischer Wirkung; keine Beschleunigung der Zystenrückbildung.
  • Indikationen: Leichte bis mäßige Schmerzen bei bereits eingeordneter Ovarialzyste, sofern keine akute Komplikation vermutet wird.
  • Kontraindikationen: Insbesondere aktive gastrointestinale Blutung (Blutung im Magen-Darm-Trakt) oder Ulzeration (Geschwürbildung), schwere Niereninsuffizienz (stark eingeschränkte Nierenfunktion), relevante Analgetikaüberempfindlichkeit (Überempfindlichkeit gegen Schmerzmittel) und drittes Schwangerschaftstrimenon. Weitere Risiken und Wechselwirkungen sind gemäß Fachinformation zu prüfen [FI1].
  • Nebenwirkungen: Insbesondere gastrointestinale Beschwerden und Blutungen, Nierenfunktionsstörungen und Überempfindlichkeitsreaktionen; bei höheren Dosen erhöhtes kardiovaskuläres Risiko [FI1].

Weitere nichtopioide Analgetika

Wirkstoff Dosierung Besonderheiten
Paracetamol Erwachsene: 500 bis 1.000 mg oral bei Bedarf, frühestens nach 6 Stunden erneut; körpergewichtsbezogene Höchstdosis und Präparateinformation beachten. Alternative, wenn ein nichtsteroidales Antirheumatikum ungeeignet ist. Bei Lebererkrankung, Untergewicht, Mangelernährung oder regelmäßigem Alkoholkonsum ist eine Dosisanpassung beziehungsweise Begrenzung erforderlich [FI2].
  • Wirkweise: Analgetische Wirkung ohne klinisch relevante Rückbildungswirkung auf die Zyste.
  • Indikationen: Leichte bis mäßige Schmerzen, insbesondere bei Gegenanzeigen gegen nichtsteroidale Antirheumatika.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; bei Leberfunktionsstörung (eingeschränkter Leberfunktion) und weiteren Risikokonstellationen sind die Vorgaben der Fachinformation zu beachten [FI2].
  • Nebenwirkungen: Bei Überdosierung schwere Leberschädigung; selten Überempfindlichkeitsreaktionen. Paracetamolhaltige Kombinationspräparate sind bei der Gesamtdosis mitzuzählen [FI2].

Kombinierte hormonelle Kontrazeptiva

Wirkstoff Dosierung Besonderheiten
Ethinylestradiol/Levonorgestrel Beispielpräparat mit 30 µg Ethinylestradiol und 150 µg Levonorgestrel: eine Tablette täglich an 21 aufeinanderfolgenden Tagen, danach 7 Tage Einnahmepause; Anwendung gemäß jeweiliger Fachinformation. Bei Kontrazeptionswunsch und gegebenenfalls wiederholt auftretenden funktionellen Zysten erwägbar. Keine Therapie zur Rückbildung einer bestehenden funktionellen Zyste. Bei Endometriose nach individueller Abwägung auch zur längerfristigen Rezidivprophylaxe von Endometriomen möglich [1, 2, LL4, FI3].
  • Wirkweise: Ovulationshemmung; dadurch kann die Neubildung funktioneller Zysten vermindert werden. Eine bestehende Zyste bildet sich darunter nicht schneller zurück [2, LL2].
  • Indikationen: Primär Kontrazeption; eine mögliche Verringerung weiterer funktioneller Zysten ist ein zusätzlicher Gesichtspunkt. Bei Endometriose kann eine längerfristige hormonelle Behandlung zur Rezidivprophylaxe eines Endometrioms erwogen werden [LL4].
  • Kontraindikationen: Insbesondere bestehende oder vorausgegangene venöse Thromboembolie (Gefäßverschluss durch ein verschlepptes Blutgerinnsel), relevante arterielle Gefäßerkrankung (Erkrankung der Schlagadern), Migräne mit Aura (Migräne mit vorübergehenden Seh- oder Empfindungsstörungen), bestimmte schwere Lebererkrankungen und weitere in der jeweiligen Fachinformation aufgeführte Konstellationen. Das individuelle Thromboserisiko ist vor Verordnung zu prüfen [FI3].
  • Nebenwirkungen: Unter anderem Übelkeit, Brustspannen, Kopfschmerzen und Blutungsstörungen; erhöhtes Risiko venöser Thromboembolien [FI3].

Gestagene bei Endometriomen

Wirkstoff Dosierung Besonderheiten
Dienogest 2 mg oral einmal täglich kontinuierlich, ohne Einnahmepause. Zur Behandlung der Endometriose zugelassen; bei gesichertem Endometriom insbesondere zur Behandlung endometrioseassoziierter Beschwerden und längerfristigen Rezidivprophylaxe nach individueller Entscheidung. Das Präparat ist nicht als Kontrazeptivum zugelassen; bei Verhütungsbedarf eine nicht hormonelle Methode wählen. Keine Behandlung funktioneller Zysten oder unklarer suspekter Adnexbefunde [LL4, FI4].
  • Wirkweise: Gestagenwirkung mit Suppression endometrioseassoziierter Aktivität und Beschwerden; keine verlässliche medikamentöse Beseitigung eines bestehenden Endometrioms [LL4, FI4].
  • Indikationen: Endometriosebezogene Beschwerden und, nach individueller Abwägung, längerfristige Rezidivprophylaxe von Endometriomen. Bei aktuellem Kinderwunsch ist das Therapieziel gesondert festzulegen [LL4].
  • Kontraindikationen: Unter anderem bestehende venöse Thromboembolie, vorausgegangene oder bestehende arterielle Gefäßerkrankung, schwere Lebererkrankung, sexualhormonabhängige maligne Tumoren (bösartige Geschwülste, deren Wachstum durch Geschlechtshormone beeinflusst wird) und ungeklärte vaginale Blutungen [FI4].
  • Nebenwirkungen: Insbesondere Veränderungen des Blutungsmusters, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen und Akne. Bei Jugendlichen und erhöhtem Osteoporoserisiko (Risiko für Knochenschwund) ist die mögliche Abnahme der Knochendichte zu berücksichtigen [FI4].

Beachte

  • Akute Warnzeichen: Plötzlich einsetzender starker einseitiger Unterbauchschmerz, Übelkeit oder Erbrechen, Kreislaufinstabilität, Peritonismus (Zeichen einer Bauchfellreizung) oder Fieber erfordern eine umgehende Abklärung, insbesondere im Hinblick auf Adnextorsion (Verdrehung von Eierstock oder Eileiter), Zystenruptur (Platzen einer Zyste) mit Blutung, Infektion und Extrauteringravidität (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter). Eine rein analgetische Behandlung ist hier nicht ausreichend.
  • Malignitätsverdacht: Ein komplexer oder wachsender Befund, solide beziehungsweise papilläre Anteile, Aszites oder eine auffällige Risikokonstellation erfordern eine gezielte weiterführende Diagnostik. Ein unauffälliger oder auffälliger CA-125-Wert allein entscheidet nicht über Benignität oder Malignität [LL1, LL3].
  • Abgrenzung: Endometriome, Dermoidzysten (Zysten mit verschiedenen Gewebearten) und andere persistierende Adnexraumforderungen (auffällige Gewebeveränderungen an Eierstock oder Eileiter) sind keine funktionellen Zysten. Ihre Behandlung richtet sich nach der gesicherten beziehungsweise wahrscheinlichen Diagnose [LL2, LL4].

Literatur

  1. Grimes DA, Jones LB, Lopez LM, Schulz KF: Oral contraceptives for functional ovarian cysts. Cochrane Database Syst Rev. 2011;(9):CD006134. doi: 10.1002/14651858.CD006134.pub4.
  2. Grimes DA, Jones LB, Lopez LM, Schulz KF: Oral contraceptives for functional ovarian cysts. Cochrane Database Syst Rev. 2014;(4):CD006134. doi: 10.1002/14651858.CD006134.pub5.

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren. (AWMF-Registernummer: 032-035OL), Version 6.1, Januar 2026. Langfassung [LL1].
  2. Royal College of Obstetricians and Gynaecologists: Management of Suspected Ovarian Masses in Premenopausal Women. Green-top Guideline No. 62, Dezember 2011. Leitlinie [LL2].
  3. Royal College of Obstetricians and Gynaecologists: The Management of Ovarian Cysts in Postmenopausal Women. Green-top Guideline No. 34, Juli 2016, aktualisiert Dezember 2025. Leitlinie [LL3].
  4. S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Endometriose. (AWMF-Registernummer: 015-045), Version 5.1, März 2025. Langfassung [LL4].

Fachinformationen

  1. Aktren Forte 400 mg Filmtabletten, Wirkstoff Ibuprofen. Fachinformation [FI1].
  2. Paracetamol dura 500 mg Tabletten, Wirkstoff Paracetamol. Fachinformation [FI2].
  3. Levomin 30, Wirkstoffe Ethinylestradiol und Levonorgestrel. Fachinformation [FI3].
  4. Visanne 2 mg Tabletten, Wirkstoff Dienogest. Fachinformation [FI4].