Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Initialtherapie
Parodontitis

Entsprechend den S3-Leitlinien der European Federation of Periodontology (EFP) zur Behandlung der Parodontitis-Stadien I bis III [S3-Leitlinie] kann die systematische Parodontaltherapie in folgende vier grundlegende Behandlungsphasen unterteilt werden:

  1. Stufe: Risikoevaluierung und Hygienisierungsphase mit supragingivaler Depuration (Säuberung der Zahnoberfläche von Belägen und Zahnstein; Glätten der Wurzeloberfläche und Planieren von Füllungsrändern),
  2. Stufe: subgingivales Scaling (s. u.) und Wurzelglättung, ggf. mit adjuvanten antimikrobiellen Maßnahmen,
  3. Stufe: parodontalchirurgische Therapie (s. u. "Operative Therapie" oder nichtchirurgische Reinstrumentierung,
  4. Stufe: unterstützenden Parodontitistherapie (UPT; Synonyme: Unterstützende parodontale Therapie; Parodontale Erhaltungstherapie; PET) 

Erster Schritt der zahnärztlichen Behandlung ist die Initialtherapie, die unter anderem eine Intensivierung der Mundhygiene und Zahnstein- und Plaqueentfernung beinhaltet. Außerdem wird der Betroffene dazu ermutigt, mit dem Rauchen aufzuhören.

Die Initialtherapie besteht aus:

  • Risikoevaluierung
    • Mundhygienestatus
    • Entzündungsgrad
    • Aufnahme des Attachmentstatus, d. h. Feststellung von:
      • Sondierungstiefen als Distanz zwischen der marginalen Gingiva (Zahnfleisch) und dem Taschenboden
      • Rezessionen (sichtbarer Rückgang des Zahnfleisches um einen Zahn) als Abstand zwischen der Schmelz-Zement-Grenze bzw. bei überkronten Zähnen der Restaurationsrand und der marginalen Gingiva 
  • Mundhygieneschulung inkl. Schulung – zur Reduktion der gingivalen Entzündung
    • mechanische Plaquekontrolle – dazu zählen Zahnpasta und ihre Bestandteile
    • Zahnbürstentechnik
    • Interdentalraumhygiene (Zahnzwischenraumhygiene)
  • Professionelle Zahnreinigung (PZR), d. h. professionelle mechanische Plaqueentfernung – u. a. mit Pulver-Wasserstrahl-Gerät mit Pulvern auf Glycin- oder Erythritolbasis; dieses ermöglicht ein wirksames Biofilmmanagement
  • Subgingivales Debridement (Beseitigung aller Anlagerungen an die Zahnhartsubstanz) [S3-Leitlinie]  als zentraler Behandlungsschritt der Parodontaltherapie
    • Supra- und subgingivale Wurzeloberflächenbearbeitung (Supra- und subgingivales Scaling) – zur Entfernung von Belägen über und auch unter dem Zahnfleischrand
    • Subgingivale Kürettage – zur Entfernung von Belägen oder Konkrementen unter dem Zahnfleischrand
    • Wurzelglättung (Root Planing) – Das Beseitigen des Biofilms und supra- und subgingivalen Zahnsteins bezeichnet man als Scaling. Danach verbliebene Zahnsteinpartikel und Rauhigkeiten werden beim sogenannten Root Planing (Wurzelglättung) eingeebnet.
    • Die Durchführung der subgingivalen Instrumentierung kann mittels Erbium-YAG-Laser erwogen werden.
    • Zum Zeitpunkt der subgingivalen Instrumentierung sollte keine adjuvante subgingivale Anwendung von Chlorhexidin (0,12 %) oder PVP-Jod-Spüllösung, Chlorhexidin-Gel oder Chlorhexidin-Chips erfolgen.
    • Beachte: Das subgingivale Débridement ("Wundtoilette") ist erst ab einer Taschensondierungstiefe von > 3 mm indiziert.

Nach drei Monaten erfolgt eine Reevaluation (erneute Bewertung des Befunden bzw. der Situation im Verlauf der Erkrankung). Dann ggf. subgingivales Reinstrumentieren (s. o.) oder parodontalchirurgische Therapie (s. u. "Operative Therapie"). Unabhängig vom weiteren Vorgehen muss der Patient angehalten werden, alle individuellen Risikofaktoren zu eliminieren (s. u. Prävention). 

Beachte: Das Ergebnis einer aufwendigen Parodontitistherapie lässt sich nur dann dauerhaft stabilisieren, wenn sich der Patient im Anschluss langfristig dem Programm einer unterstützenden Parodontitistherapie (UPT; Synonyme: Unterstützende parodontale Therapie; Parodontale Erhaltungstherapie; PET) unterzieht. Zur UPT s. u. "Weitere Therapie".

Ziel der Parodontitistherapie, Kategorie „A“ [1]

Keine Resttaschen > 5 mm
Kein Pusaustritt (Austritt von Eiter)
Gelegentliches Bluten bei Sondierung (< 25 %)
Niedriger Plaquebefall (< 20 %)
Geringfügige Beeinträchtigung der Ästhetik
Schmerzfreiheit
Befriedigend der Funktion

Literatur

  1. Mombelli A, Décaillet F, Almaghlouth A, Wick P, Cionca N: Efficient, minimally invasive periodontal therapy. An evidence- based treatment concept (in German). Schweiz Monatsschr Zahnmed 2011;121:145-151

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Subgingivale Instrumentierung. (AWMF-Registernummer: 083 - 030), Oktober 2019 Kurzfassung Langfassung
  2. S3-Leitlinie: Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III - Die deutsche Implementierung der S3-Leitlinie „Treatment of Stage I–III Periodontitis“ der European Federation of Periodontology (EFP). (AWMF-Registernummer: 083 - 043), Dezember 2020 Langfassung
     
Wir helfen Ihnen in jeder Lebenslage
Die auf unserer Homepage für Sie bereitgestellten Gesundheits- und Medizininformationen ersetzen nicht die professionelle Beratung oder Behandlung durch einen approbierten Arzt.
DocMedicus Suche

 
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
ArztOnline.jpg
 
DocMedicus                          
Gesundheitsportal

Unsere Partner DocMedicus Verlag