Operative Therapie
Diabetische Retinopathie

1. Ordnung [1]

  • Panretinale Lasertherapie (Koagulation der gesamten Retina (Netzhaut) mit Ausnahme der Makula/Stelle des schärfsten Sehens); Indikationen:
    • proliferative diabetische Retinopathie (PDR):
      • soll eine panretinale Lasertherapie erfolgen
    • nicht-proliferative diabetische Retinopathie (NPDR):
      • bei einer milden oder mäßigen NPDR soll keine panretinale Lasertherapie angeboten werden
      • bei einer schweren NPDR kann bei bestimmten Risikopatienten eine panretinale Laserkoagulation erwogen werden
  • Vitrektomie (Glaskörperentfernung; soll angeboten werden):
    • bei nicht resorbierender Glaskörperblutung oder
    • bei drohender oder vorhandener traktiver ("zugbedingter") zentraler Netzhautablösung (Ablatio retinae)
    Mögliche Komplikationen: Netzhautablösung nach der Operation (kann auch durch den fortgeschrittenen Diabetes mellitus bedingt sein); Nachblutungen in den Glaskörper Raum (kann zu erheblicher Sehminderung führen; Katarakt (grauer Star; Linsentrübung) im Zeitraum von 5 Jahren bei 8 von 10 Patienten
  • Fokale Lasertherapie (kann angeboten werden); Indikationen:
    • Vorliegen eines den Visus (Sehstärke) bedrohenden klinisch signifikanten diabetischen Makulaödems (Ansammlung extrazellulärer Flüssigkeit (Ödem) im Bereich des Gelben Flecks (Macula lutea) des menschlichen Auges) ohne Foveabeteiligung (Fovea: Zentrum des Gelben Flecks gelegene Einsenkung)

Weitere Hinweise

  • Beachte: Gemäß einer randomisierten Studie muss ein Makulaödem nicht mittels Laserkoagulation oder Injektion von Anti-VEGF-Medikamenten behandelt werden, solange es nicht zu einer Verschlechterung des Visus gekommen ist. In der Multicenterstudie nahmen 702 Patienten mit diabetischem Makulaödem (Ansammlung extrazellulärer Flüssigkeit (Ödem) im Bereich des Gelben Flecks (Macula lutea)) und einem Visus von 20/25 oder besser Teil. Die Patienten wurden per Los drei Behandlungsstrategien zugeordnet: erste Gruppe erhielt alle 4 Wochen eine intraokular Injektion mit Aflibercept, die zweite Gruppe erhielt eine Laserkoagulation und die dritte Gruppe diente als Kontrollgruppe. Nach 2-jähriger Studiendauer stellte sich folgendes Ergebnis dar: der primäre Endpunkt eine Verschlechterung des Visus, trat in allen drei Gruppen gleich häufig auf.
    Fazit: Ein sofortiger Anti-VEGF-Behandlung hat die Patienten möglicherweise vor Komplikationen geschützt (z. B. Augenverlust durch Endophthalmitis). Des Weiteren sei erwähnt, dass es unter der Aflibercept-Behandlung häufiger zu einem Anstieg des Augeninnendrucks kam als im Vergleich zur Kontrollgruppe (8 versus 3 %) [4].
  • Bei milden Schäden an der Retina (Netzhaut) im frühen Stadium soll keine Laserbehandlung durchgeführt werden [3].
  • Eine randomisierte klinische Studie konnte zeigen, dass im Vergleich mit einer panretinalen Laserkoagulation (s. o.) der Nutzen einer intravitrealen ("in den Glaskörper hinein") Injektion des VEGF-Inhibitors Ranibizumab bei der proliferativen diabe­tischen Retinopathie mindestens vergleichbar oder sogar höher sein könnte [2].

Literatur

  1. S3-Leitlinie: Nationale VersorgungsLeitlinie Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes. (AWMF-Registernummer: nvl-001b), September 2015 Kurzfassung Langfassung
  2. Writing Committee for the Diabetic Retinopathy Clinical Research Network: Panretinal Photocoagulation vs Intravitreous Ranibizumab for Proliferative Diabetic Retinopathy. A Randomized Clinical Trial. JAMA. Published online November 13, 2015. doi:10.1001/jama.2015.15217
  3. PatientenLeitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie. Diabetes. Schäden an der Netzhaut: Vorbeugen und behandeln. 2. Auflage, 2016 Version 2
  4. Baker CW et al.: Effect of Initial Management With Aflibercept vs Laser Photocoagulation vs Observation on Vision Loss Among Patients With Diabetic Macular Edema Involving the Center of the Macula and Good Visual Acuity A Randomized Clinical Trial JAMA. Published online April 29, 2019. doi:10.1001/jama.2019.5790

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Nationale VersorgungsLeitlinie Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes. (AWMF-Registernummer: nvl-001b), September 2015 Kurzfassung Langfassung
  2. PatientenLeitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie. Diabetes. Schäden an der Netzhaut: Vorbeugen und behandeln. 2. Auflage, 2016 Version 2

     
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