In-vitro-Fertilisation (IVF)

Die In-vitro-Fertilisation (IVF; lat. „Befruchtung im Glas“) ist eine Methode zur künstlichen Befruchtung. 

Voraussetzungen für die Verwendung der Methode: Der Zustand der Eileiter muss bekannt sein (Laparoskopie). Eine IVF-Behandlung ist nur dann angezeigt, wenn eine Schädigung der Tuben (Eileiter) nicht operativ behoben werden kann.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Tubare Sterilität (Transportstörung) – derzeit nur noch circa 50 % der Fälle einer durchgeführten In-vitro-Fertilisation!
    • Zustand nach Tubenamputation (Eileiterentfernung)
    • anders nicht behandelbarer Tubenverschluss (auch nicht mikrochirurgisch)
    • anders nicht behandelbarer tubarer Funktionsverlust, auch bei Endometriose
  • Immunologisch bedingter Sterilität (Spermatozoen-Antikörper)
  • Zustand z. B. nach erfolglosen Inseminationen
  • Idiopathische (unerklärbare) Sterilität, d. h. alle diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten (Zustand nach erfolglosen Inseminationen) der Sterilitätsbehandlung sind ausgeschöpft, einschließlich einer psychologischen Untersuchung.
  • Subfertilität des Mannes, sofern Behandlungsversuche mit intrauteriner oder intratubarer Insemination keinen Erfolg versprechen oder erfolglos geblieben sind.

Das Verfahren

Bei einer In-vitro-Fertilisation werden der Frau, nach vorangegangener Follikelreifungstherapie (Hormontherapie: ovarielle Hyperstimulation), die zur Reifung mehrerer Eizellen führen soll, die Eizellen unter Ultraschallsicht – per Vaginalsonographie – aus den Eierstöcken (Ovarien) durch eine Punktion durch die Scheidenwand entnommen. Die Eizellentnahme wird auch als Follikelpunktion bezeichnet. Die Dauer beträgt circa 5-10 Minuten.
Die Eizellen werden anschließend außerhalb des Körpers mit den zuvor aufbereiteten Spermien – nach Spermapräparation – in einem Inkubationssystem – auch Retorte genannt – befruchtet.

Beachte: Frauen, die einen körperlich schwer belastenden Beruf ausübten, hatten nach ovarieller Stimulation signifikant weniger Eizellen (um 1,0) beziehungsweise weniger reife Oozyten (um 1,4) [2].

Vorkernstadium
Nach circa 18 Stunden wird die Befruchtung der Eizellen kontrolliert. Eine befruchtete Eizelle erkennt man an den zwei Vorkernen, die dem genetischen Material von Spermium (Samenzelle) und Oocyte (Eizelle) entsprechen. Man spricht in diesem Stadium vom sogenannten “Vorkernstadium”. Zu diesem Zeitpunkt werden die Eizellen ausgesucht, die später in die Gebärmutter zurückgegeben werden sollen. Nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz ist es nicht erlaubt, mehr als drei Embryonen weiter zu kultivieren oder zurückzugeben. Die anderen Eizellen werden deshalb entweder verworfen oder eingefroren.

Vierzeller
Etwas mehr als 48 Stunden nach der Eizell-Punktion werden die Embryonen üblicherweise in die Gebärmutterhöhle zurückgegeben (Transfer). Zu diesem Zeitpunkt haben sie sich bereits geteilt und liegen im 4-8-Zellstadium vor.

Im Falle des Blastozystentransfer werden die Embryonen zu einem späteren Zeitpunkt – zum Beispiel am 5. oder 6. Tag nach der Eizellentnahme – in die Gebärmutter zurückgegeben.

Hinweis: Es ist noch fraglich, ob es eine generelle Überlegenheit des Blastozytentransfers gibt.

Schwangerschaftsraten

  • Die Schwangerschaftsrate in Deutschland lag pro Embryotransfer 2016 bei 33,8 % nach IVF und bei 31,8 % nach ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion) [6].
  • Nach dem 35. Lebensjahr kommt es bei IVF zu einem stetigen Absinken der Schwangerschaftsrate von 24,1 % pro Embryotransfer mit 40 Jahren auf 14,6 % mit 43 Jahren [6].
  • 35. Lebensjahr: ein Jahr nach Beginn der IVF-Behandlung waren 39,8 % der Frauen schwanger; bei den Frauen, die abgewartet hatten, betrug der Anteil nur 26,1 % [9].
  • Nach einer IVF-Behandlung werden ca. 65 % der Frauen innerhalb von 3 Jahren Mutter.
  • Nach einer IVF/ICSI-Behandlung besteht das Risiko einer erhöhten Frühgeburtenrate10,1 % versus 5,5 % bei Schwangerschaft auf natürlichem Weg [3].

Mögliche Folgeerkrankungen

  • Frauen, die mithilfe einer In-vitro-Fertilisation (IFV) schwanger werden, haben ein mehr als doppeltes Risiko für schwere Schwangerschaftskomplikationen [7]. Mögliche Ursachen sind, dass diese Frauen im Durchschnitt älter sind und deshalb häufiger Fettleibigkeit häufiger eine Hypertonie und ein Typ-2-Diabetes haben.
  • Frauen, die sich erfolglos einer ovariellen Hyperstimulation zur Erzielung einer Schwangerschaft unterzogen hatten, erkrankten in den Folgejahren häufiger an einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) (Rate Ratio 2,25; 2,06-2,4) oder an einem Apoplex (Schlaganfall) (Rate Ratio 1,33; 1,22-1,46) als Frauen mit erfolgreicher Fruchtbarkeitstherapie [1].
  • Eine bevölkerungsgestützte Kohortenstudie bei der mehr als 105.000 Patientinnen mindestens zehn Jahre lang nachverfolgt werden konnten, zeigte dass signifikant mehr Ovarialkarzinome (Eierstockkrebs; 405 versus 291), sowohl invasive (264 versus 188) als auch Borderline-Fälle (141 versus 103), auftraten, was 3,4 bzw. 1,7 zusätzlichen Fällen pro 100.000 Personenjahren entspricht. Das erhöhte Risiko für Ovarialkarzinome war auf Frauen mit Endometriose (Vorkommen von Endometrium (Gebärmutterschleimhaut) extrauterin (außerhalb der Gebärmutterhöhle)) oder wenigen Geburten beschränkt. Des Weiteren entwickelten die Patienten der IVF-Gruppe signifikant häufiger In-situ-Mammakarzinome (Brustkrebs-Frühform) als die Allgemeinbevölkerung ohne IVF (291 versus 253; 1,7 Fälle mehr pro 100.000 Personenjahren). Das Risiko für In-situ-Mammakarzinome war abhängig von der Zahl der verabreichten Hormonzyklen [4].
  • Kinder, die mittels IVF gezeugt wurden, wiesen in einer Beobachtungsstudie bereits als Jugendliche Funktionsstörungen der Arterien auf, die als Vorläufer von atherosklerotischen Gefäßschäden betrachtet werden und die langfristig das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen könnten. Es konnte gezeigt werden, dass die flussvermittelte Vasodilatation (engl. flow-mediated dilation, FMD) der Arteria brachialis, ein Test der Endothelfunktion, gegenüber einer Kontrollgruppe von 57 natürlich gezeugten Kindern um 25 % vermindert war. Des Weiteren war die Intima-Media-Dicke der Arteria carotis erhöht. im Alter von knapp 17 Jahren ließen sich im ambulanten Blutdruck-Monitoring (ABDM; engl. ambulatory blood pressure monitoring, ABPM) leicht erhöhte Werte finden: 8 der 52 IVF/ICSI-Kinder, aber nur 1 der 43 Kinder der Kontrollgruppe erfüllten die Kriterien der arteriellen Hypertonie (Blutdruck über 130/80 mmHg und/oder über der 95. Perzentile) [5].
  • Eine IVF-Behandlung geht mit einem 5-fach erhöhten Risiko für eine postpartale Kardiomyopathie (PPCM, engl. Peripartum cardiomyopathy) einher. Die klinische Symptomatik ist schwer von normalen Schwangerschaftsbeschwerden zu unterscheiden: Müdigkeit, Dyspnoe (Kurzatmigkeit), Nykturie (nächtliches Wasserlassen). Die Autoren vermuten gemeinsame Risikofaktoren, sodass IVF-behandelte Patienten öfter an PPCM erkranken [8].

Bitte beachten Sie!

Die körperliche und psychische Gesundheit von Mann und Frau sowie eine gesunde Lebensweise sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kinderwunschbehandlung.

Vor dem Beginn therapeutischer Maßnahmen sollten Sie in jedem Fall soweit möglich Ihre individuellen Risikofaktoren reduzieren!

Lassen Sie deshalb vor Beginn einer fortpflanzungsmedizinischen Maßnahme (z. B. IUI, IVF etc.) einen Gesundheitscheck und eine Ernährungsanalyse zur Optimierung Ihrer persönlichen Fertilität (Fruchtbarkeit) durchführen.

Literatur

  1. Udell JA et al.: Failure of fertility therapy and subsequent adverse cardiovascular events. CMAJ 2017 March 13;189:E391-7. doi: 10.1503/cmaj.160744
  2. Mínguez-Alarcón L Et al.: Occupational factors and markers of ovarian reserve and response among women at a fertility centre. Occup Environ Med Published Online First: 06 February 2017. doi: 10.1136/oemed-2016-103953
  3. Cavoretto P et al.: IVF/ICSI treatment and the risk of spontaneous preterm birth in singleton pregnancies: a meta-analysis of cohort studies. Ultrasound Obstet Gynecol. Accepted Author Manuscript. doi:10.1002/uog.18930
  4. Williams CL et al.: Risks of ovarian, breast, and corpus uteri cancer in women treated with assisted reproductive technology in Great Britain, 1991-2010: data linkage study including 2.2 million person years of observation. BMJ 2018; 362: k2644. doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.k2644
  5. Meister TA et al.: Association of Assisted Reproductive Technologies With Arterial Hypertension During Adolescence. Journal of the American College of Cardiology Volume 72, Issue 11, 11 September 2018, Pages 1267-1274 https://doi.org/10.1016/j.jacc.2018.06.060
  6. Deutsches IVF Register (2017) Jahrbuch 2016. J Reproduktionsmed Endokrinol 14:275-305
  7. Dayan N et al.: Infertility treatment and risk of severe maternal morbidity: a propensity score–matched cohort study. CMAJ February 04, 2019 191 (5) E118-E127; doi: https://doi.org/10.1503/cmaj.181124
  8. Hilfiker-Kleiner D et al.: Patients with peripartum cardiomyopathy display a high incidence of subfertility and fertility treatments. Vorgestellt beim Kongress Heart Failure 2019 der European Society of Cardiology (ESC), 25. – 28. Mai 2019, Athen
  9. van Eekelen R et al.: IVF for unexplained subfertility; whom should we treat? Hum Reprod 2019 Jun 13. pii: dez072

     
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