Einleitung
Morbus Crohn

Beachte: Bei Kindern und Jugendlichen besteht ein erhöhtes Risiko für psychosoziale Probleme und psychiatrische Erkrankung.

Der Morbus Crohn (MC; Synonyme: Colitis granulomatosa; Colitis regionalis; Crohn's Disease; Enteritis regionalis; Enteritis regionalis Crohn; Enterocolitis regionalis; Ileitis regionalis Crohn; Ileitis terminalis; Sklerosierende chronische Enteritis; Terminale Ileumentzündung; engl. inflammatory bowel diseases; ICD-10 K50.-: Crohn-Krankheit [Enteritis regionalis] [Morbus Crohn]) ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung. Sie kann den gesamten Gastrointestinaltrakt (Magen-Darm-Trakt; von der Mundhöhle bis zum After) befallen.

Charakteristisch ist das diskontinuierliche Ausbreitungsmuster, d. h. der segmentale (abschnittsweise) Befall der Darmschleimhaut von terminalem Ileum (letzter Teil des Dünndarms, der in den Dickdarm übergeht) und Kolon (Dickdarm). Das bedeutet, das mehrere Darmabschnitte befallen sein können, die durch gesunde Abschnitte voneinander getrennt sind.

Prädilektionsstelle (bevorzugte Körperregion) ist mit 87 % das terminale Ileum sowie in 69 % der Fälle das Kolon. Seltener sind Ösophagus (Speiseröhre (ca. 0,5 %)), Magen (ca. 6 %), Duodenum (Zwölffingerdarm) (ca. 4,5 %), vordere Abschnitte des Dünndarms (ca. 3 %) und Rektum (Mastdarm) (ca. 21 % der Fälle) erkrankt.

Geschlechterverhältnis: Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen.

Häufigkeitsgipfel: Die Erkrankung tritt vorwiegend zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr auf.
19 % aller an M. Crohn-Erkrankten sind unter 20 Jahre alt, vereinzelt beginnt die Erkrankung im Säuglingsalter [2].

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) liegt bei 100-200 Einwohner pro 100.000 Einwohner.

Die Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) beträgt ca. 5-10 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr (in Deutschland). In den Industrieländern nimmt die Zahl der Erkrankungen stetig zu.
Insgesamt leiden etwa 320.000 Deutsche an den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (engl. inflammatory bowel diseases) Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Verlauf und Prognose: Die Erkrankung verläuft schubweise. Bestehen die Krankheitssymptome länger als 6 Monate, bezeichnet man den Verlauf als chronisch aktiv.
Zur Beurteilung des Krankheitsverlaufes werden sogenannte Aktivitätsindizes (z. B. CDAI = Crohn´s Disease Activity Index) herangezogen.
Die Prognose ist ungünstig, je jünger der Betroffene bei Krankheitsbeginn ist, falls ein perianaler ("um den Anus (After) herum") Befall vorliegt, der erste Schub schwer ist und mit einem Gewichtsverlust > 5 % einhergeht und/oder bei Steroidpflichtigkeit (Corticosteroide, z. B. Cortison).

Der Morbus Crohn tritt rezidivierend (wiederkehrend) auf. Die Rezidivrate liegt nach einem Jahr bei 30 % und nach zwei Jahren bei 70 %.

Innerhalb von 15 Jahren Krankheitsdauer wird in 70 % der Fälle eine Operation, bedingt durch Komplikationen, erforderlich. Da häufig wiederholte chirurgische Eingriffe erforderlich sind, sollten diese minimalinvasiv sein und darmerhaltende Techniken bevorzugt werden.

Die Rezidivrate ist unabhängig vom chirurgischen Verfahren. Bevorzugt wird eine eingeschränkte Resektion, bei der die am stärksten erkrankten Darmanteile entfernt werden, und alternativ eine Strikturoplastik, d. h. Erweiterung einer Striktur am Dünndarm, durchgeführt. Die Strikturoplastik erhält den Dünndarm und vermeidet ein Kurzdarmsyndrom (Malabsorption /schlechte Aufnahme von Mikro- und Makronährstoffen).

Eine Heilung der Erkrankung ist bislang nicht möglich.

Nach einem Krankheitsverlauf von mehr als zehn Jahren liegt bei Morbus Crohn-Patienten ein erhöhtes Risiko vor, am Kolonkarzinom (Darmkrebs) zu erkranken. Dabei ist das Risiko höher an einem Dünndarmkarzinom (Dünndarmkrebs) zu erkranken als an einem Kolonkarzinom (Dickdarmkarzinom).

In einer populationsbasierte Kohortenstudie wurde eine wechselseitige Assoziation zwischen Morbus Crohn und neoplastischen Läsionen der Cervix uteri (Dysplasien/Vorstufe eines malignen Tumors (Präkanzerose); Cervixkarzinom/bösartige Neubildung im Bereich der Cervix uteri (Gebärmutterhals)) festgestellt [1].
Bei Patienten mit Morbus Crohn ist zudem mit einer um 26 Prozent erhöhten Parkinsoninzidenz zu rechnen [3]

Beachte: Bei Kindern und Jugendlichen besteht ein erhöhtes Risiko für psychosoziale Probleme und psychiatrische Erkrankung.

Literatur

  1. Rungoe C, Simonsen J, Riis L, Frisch M, Langholz E, Jess T. Inflammatory Bowel Disease and Cervical Neoplasia: A population-based nationwide cohort study. Clin Gastroenterol Hepatol. 2014 Jul 30. pii: S1542-3565(14)01081-7. doi: 10.1016/j.cgh.2014.07.036.
  2. Loftus CG, Loftus EV, Jr., Harmsen WS et al.: Update on the incidence and prevalence of Crohn's disease and ulcerative colitis in Olmsted County, Minnesota, 1940-2000. Inflamm Bowel Dis 2007; 13: 254-261
  3. Peter I et al.: Anti-Tumor Necrosis Factor Therapy and Incidence of Parkinson Disease Among Patients With Inflammatory Bowel Disease. JAMA Neurol. Published online April 23, 2018. doi:10.1001/jamaneurol.2018.0605

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Diagnostik und Therapie des M. Crohn. (AWMF-Registernummer: 021-004), Januar  2014 Langfassung

     
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