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Folgeerkrankungen
Colitis ulcerosa

Folgeerkrankungen und Komplikationen der Colitis ulcerosa sind

  • Toxisches Megakolon – durch Toxine bedingte Lähmung und massive Weitstellung des Dickdarms, welche mit Erbrechen, klinischen Zeichen des Schocks und Sepsis (Blutvergiftung) einhergeht
  • Perforation – Durchbrechen – des Darmes
  • Ausgeprägte anale Blutungen
  • Kolorektales KarzinomDarmkrebs – nach mehr als zehnjährigem Krankheitsverlauf ist das Risiko für kolorektale Karzinome erhöht und bei ausgedehnter Colitis ulcerosa sogar 15-fach erhöht.

Weitere Folgen sind

Enterales Eiweißverlustsyndrom

Die Beeinträchtigung der Darmschleimhaut führt zu einem vermehrten intestinalen Eiweißverlust, da der Austritt von Plasmaproteinen durch die Darmschleimhaut ins Darminnere die Syntheserate der Eiweiße überschreitet. Die Abnahme der zirkulierenden Plasmaeiweiße geht meist mit einer schwer wiegenden Mangelversorgung mit Protein einher [4.1.].

Der krankhafte Eiweißverlust kann durch eine gleichzeitig hohe Fettzufuhr über die Nahrung gefördert werden. Bei der Resorption langkettiger Fettsäuren wird der Lymphdruck gesteigert und es treten hohe Mengen an Lymphflüssigkeit ins Darminnere über. Infolge einer erhöhten Lymphkonzentrationen kommt es zu einem hohen enteralen Eiweißverlust und schließlich zu einer Abnahme der Plasmaproteine [4.1.].
Der erhöhte intestinale Eiweißverlust führt letztlich zur einer Verringerung des onkotischen Drucks und somit - je nach Ausmaß der verminderten Konzentration der Plasmaproteine – Hypoproteinämie
zur Ausbildung von Ödemen [4.1.].

Unzureichende Deckung des Energie- und Vitalstoffbedarfs

Bei der ulzerierenden Colitis kommt es vor allem durch eine einseitige und falsch ausgerichtete Ernährung, Störungen der Resorptionsfunktion sowie hohe Nähr- und Vitalstoff-Verluste über den Stuhl zu einer allgemeinen Mangelernährung [1].
Insbesondere weisen Patienten erhöhte Defizite an Protein – aufgrund des enteralen Eiweißverlustsyndroms und der Hypalbulinämie – und dem Spurenelement Eisen auf. Eisenmangelzustände – Eisenmangelanämien – sind wegen der stärkeren Blutungsneigung bei Colitis-Patienten wesentlich häufiger anzutreffen als bei Morbus Crohn-Kranken. Je nach Ausmaß gehen die blutigen Durchfälle mit hohen Eisen-Verlusten einher [1].

Die Mangelversorgung an Energie und wichtigen Nähr- und Vitalstoffen bei Colitis ulcerosa-Patienten ist häufig Folge

  • Ungenügender Zufuhr mit der Nahrung – Appetitmangel
  • Einseitiger Ernährung – erhöhter Gebrauch von raffinierten Kohlenhydraten, wie weißer Zucker, Weißmehlprodukte; geringer Ballaststoffverzehr; hoher Konsum chemisch aufbereiteter Speisefette
  • Wenig abwechslungsreicher Ernährung mit Defiziten an Energie, Nähr- und Vitalstoffen – aus Angst vor Unverträglichkeiten mit darauf folgender Symptomatik – unter anderem Schmerzen, Erbrechen, Diarrhoen
  • Eingeschränkter Diätempfehlungen
  • Nahrungsmittelintoleranzen, die mit Störungen der Nähr- und Vitalstoffresorption einhergehen
  • Einer gestörten Resorption beziehungsweise einer verminderten Resorptionsfläche – neben ausgedehntem Bakterienbefall im Darminneren auch nach Resektion von Teilen des Dickdarms
  • Eines Gallensäureverlustes
  • Einer erhöhten Ausscheidung mit dem Stuhl – chologene Diarrhoe (chologener Fettstuhl) –, die zu hohen Verlusten von Nähr- und Vitalstoffen führt
  • Eines vermehrten intestinalen Eiweißverlustes – enterales Eiweißverlustsyndrom
  • Gravierender Störungen im Eiweißstoffwechsel mit Verminderung des Gesamteiweißes im Blut – Hypalbuminämie – wird der Normalwert von Albumin im Blut von 3,6-5,0 g/dl unterschritten, vermindert sich der onkotische Druck und es kommt zur Ödembildung; zudem wird die Transportkapazität des Blutes aufgrund des Mangels an Transportplasmaproteinen, wie Transferrin, reduziert, wodurch der Organismus nur unzureichend mit lebenswichtigen Vitalstoffen versorgt werden kann
  • Einer negativen Stickstoffbilanz infolge des Proteinmangels im Körper – körpereigenes proteinreiches Gewebe, wie das Muskelgewebe, wird verstärkt abgebaut und der dabei anfallende Stickstoff ausgeschieden, so dass mehr Stickstoff ausgeschieden als aufgenommen wird
  • Enteraler Fisteln, Abszesse, Strikturen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Eines erhöhten Energiebedarfs bei Operationen, infektiösen Komplikationen sowie Blutvergiftung [1]

Konsequenzen der Mangelversorgung an Energie und wichtigen Nähr- und Vitalstoffen

Wird der über der Norm liegende Bedarf an Energie, essentiellen Nähr- und Vitalstoffen nicht ausreichend gedeckt, so kann das Körpergewicht rasch bis hin zum Untergewicht sinken. Der mangelhafte Ernährungszustand ist neben dem Untergewicht durch eine negative Stickstoffbilanz und einen verminderten Serumalbuminwert gekennzeichnet. Weisen Colitis-Kranke zudem sehr niedrige Serumkonzentrationen von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen auf, leiden Betroffene unter spezifischen Mangelsymptomen – häufig Blutbildstörungen, Anämie, Verlust von Mineralstoffen aus den Knochen mit hohem Osteoporose-Risiko, verminderte Leistungsfähigkeit sowie Ermüdungserscheinungen [3]. Besonders werden die Organe aufgrund der ungenügenden Versorgung in ihrer Funktion erheblich beeinträchtigt. Die Immunreaktion wird herabgesetzt – durch verminderten antioxidativen Schutz – und der bereits durch die Krankheit geschwächte Körper ist anfälliger für Infektionen [1].
Die Mangelernährung wirkt sich sowohl auf das Befinden der Patienten als auch auf den Krankheitsverlauf negativ aus.

Patienten mit Colitis ulcerosa haben einen erhöhten Bedarf an

  • Vitamin A, D, E, K
  • Beta-Carotin
  • Vitamin C
  • Vitamin B2, B3, B6, B9, B12
  • Calcium
  • Magnesium
  • Phosphor
  • Kalium
  • Natriumchlorid
  • Eisen
  • Kupfer
  • Mangan
  • Molybdän
  • Selen
  • Zink
  • Essentielle Fettsäuren, wie Omega-3- und -6-Fettsäure
  • Protein und wichtigen Aminosäuren
  • Sekundären Pflanzenstoffe, wie Carotinoide, Sulfide, Saponine, Phenolsäuren, Sulfide und Flavonoide
  • Ballaststoffen
  • Wasser [5.4.]



Literatur

  1. Biesalski, H. K., Fürst, P., Kasper, H., Kluthe, R., Pölert, W.,
    Puchstein, Ch., Stähelin, H., B.
    Ernährungsmedizin. Kapitel 27, 342-374
    Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1999
  2. Heepe, F.
    Diätetische Indikationen. Kapitel 4, 529-543
    Springer- Verlag Berlin Heidelberg; 1998
  3. Huth, K., Kluthe, R.
    Lehrbuch der Ernährungstherapie. Kapitel 11, 13, 275-277
    Georg Thieme Verlag Stuttgart New York, 1995
  4. Kasper, H.
    Ernährungsmedizin und Diätetik. Kapitel 1, 76-85 (4.1.), 3, 162-211 (4.2.)
    Urban & Fischer Verlag; München/Jena 2000
  5. Schmidt, Dr. med. Edmund, Schmidt, Nathalie
    Leitfaden Mikronährstoffe. Kapitel 1, 48-86 (5.1.), 2, 96-228 (5.2.),
    230-312 (5.3.), 318-339 (5.4.) f, 7, 640-649 (5.5.)
    Urban & Fischer Verlag; München, Februar 2004
  6. Verband für Ernährung und Diätetik (VFED) e.V.
    Praxis der Diätetik und Ernährungsberatung. Kapitel 3, 374-389
    Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG

     
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