Ursachen
Migräne

Pathogenese (Krankheitsentstehung)

Was genau die Migräne verursacht, ist noch nicht genau bekannt. Es gibt jedoch sowohl gesicherte Hinweise wie auch Annahmen, wodurch eine Migräne bedingt ist.

Zwei Hauptfaktoren werden für Migräneattacken verantwortlich gemacht: genetische Ursachen und der Einfluss von Umweltfaktoren.

Eine spezielle Form der Migräne, die familiär auftritt, wird über ein bereits entschlüsseltes Gen vererbt. Was die genetischen Einflüsse auf die Erkrankung angeht sind die Wissenschaftler relativ sicher. Die genetische Ursache erklärt auch, warum die Erkrankung nicht heilbar ist. Lediglich die Symptome können behandelt werden. Es ist jedoch nicht möglich, die Ursache auszuschalten.

Während eines Anfalls sind sowohl die Blut- als auch die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn vermindert.

Man geht davon aus, dass ein bestimmtes Hirnareal – Hirnstamm und Mittelhirn – während eines Anfalls Äste des Trigeminus-Nerven aktiviert. Dieser Nerv führt im Bereich der Blutgefäße der Hirnhaut und am Nervengewebe zur Freisetzung von vasoaktiven Neurotransmittern (Botenstoffe, die den Gefäßtonus beeinflussen) mit konsekutiver neurogener Entzündung der Dura (= schmerzhafte Entzündung der äußersten Hirnhaut). 

Meist wissen die Betroffenen, welche Faktoren bei ihnen einen Anfall auslösen. Etwa 90 % aller Migräne-Patienten haben Triggerfaktoren.

Die Pathogenese der chronischen Migräne lässt sich auf dauerhafte entzündliche Prozesse im Periost (Knochenhaut; d.h. Nervenendigungen und Blutgefäße des Periosts) zurückzuführen. Dieses ist der erste Hinweis für eine lokal umschriebene extrakranielle Ursache einer Migräne [5].

Triggerfaktoren

Triggerfaktoren, die bei Migränepatienten einen Anfall auslösen können, sind u. a.:

  • Selten bestimmte Nahrungsmittel (z. B. Schokolade, Eiscreme, Käse)
  • Ein hoher Kochsalzkonsum in Kombination mit dem Verzehr von Fleischwaren kann Migräne auslösen. Der Wirkmechanismus ist aber noch nicht bekannt [3].
  • Schwankungen des Koffeinspiegels bei Patienten, die regelmäßig Kaffee trinken
  • Täglicher Kaugummi-Konsum (1-6 /die) [2]
  • Alkohol (insbesondere Rotwein), Nikotin
  • Hormonelle Schwankungen bei Frauen während des Zyklus – wie beispielsweise prämenstrueller Abfall des 17-Beta-Östradiol-Serumspiegels
  • Ein veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Stress, emotionale Belastungen

In extrem seltenen Fällen kann ein ischämischer Apoplex eine Migräneattacke triggern.

Ätiologie (Ursachen) 

Folgende Risikofaktoren sind bei der Migräne von Bedeutung

Biographische Ursachen

  • Genetische Belastung
    • Genetisches Risiko abhängig von Genpolymorphismen:
      • Gene/SNPs (Einzelnukleotid-Polymorphismus; engl.: single nucleotide polymorphism):
        • Gene: LRP1, PRDM16, TRPM8
        • SNP: rs13208321 in einer intergenischen Region
          • Allel-Konstellation: AG (1,18-fach)
          • Allel-Konstellation: AA (1,4-fach)
        • SNP: rs2561899 im Gen PRDM16
          • Allel-Konstellation: AG (1,1-fach)
          • Allel-Konstellation: GG (1,2-fach)
        • SNP: rs11172113 im Gen LRP1
          • Allel-Konstellation: CT (0,9-fach)
          • Allel-Konstellation: CC (0,8-fach)
        • SNP: rs10166942 im Gen TRPM8
          • Allel-Konstellation: CT (0,85-fach)
          • Allel-Konstellation: CC (0,7-fach)
  • Hormonelle Faktoren – Hormonschwankungen bei Frauen; häufig zu Beginn der Menstruationsblutung (prämenstrueller Abfall des 17-Beta-Östradiol-Serumspiegels)

Verhaltensbedingte Ursachen

  • Ernährung
    • Fett – Eine geringe Fettaufnahme wirkt sich im Vergleich zu einer Ernährung mit gemäßigtem Fettgehalt positiv auf die Anzahl sowie die Heftigkeit der Migräneattacken aus [4].
    • Käse, vor allem dessen Bestandteil Tyramin
    • Schokolade, vor allem der Bestandteil Phenylethylamin
    • Hunger
    • Nahrungskarenz
    • Mikronährstoffmangel (Vitalstoffe) – siehe Prävention mit Mikronährstoffen
  • Genussmittelkonsum
    • Alkohol, vor allem Rotwein (besonders die Bestandteile Tyramin und Sulfite)
    • Kaffee
    • Tabak (Rauchen)
  • Psycho-soziale Situation
    • Angst
    • Stress
    • Entlastung nach Stresssituationen
    • plötzliche Entspannung (Sonntagsmigräne)
  • Änderung der Schlafgewohnheiten (bzw. Wechsel des Schlaf-Wachrhythmus) sowie Schlafmangel
  • Übergewicht (BMI ≥ 25; Adipositas) Risikofaktor für die Entwicklung einer chronischen Migräne [1]: Es besteht ein fast linearer Zusammenhang zwischen dem Körpergewicht und der Schwere einer chronischer Migräne: Übergewichtige sind nicht häufiger von Migräne als Schlanke betroffen, aber mit steigendem BMI (Körpermassen-Index) werden die Attacken schwerer und erfolgen häufiger. Bei Normalgewichtigen (BMI 18,5 bis 24,9) berichteten 4 % über 10 bis 15 Kopfschmerztage pro Monat, bei Adipösen (BMI 30 bis 35) lag die Rate bei 14 %, bei einem BMI über 35 betrug sie 20 %.

Krankheitsbedingte Ursachen

  • Hypoglykämie (Unterzuckerung)

Medikamente

  • Einnahme von Hormonpräparaten bei Frauen zur Empfängnisverhütung oder in der Menopause (Wechseljahre)
  • Fenfluramin (Appetitzügler)
  • Reserpin – Antisympathikotonikum; Medikament, welches die Synthese oder Freisetzung von Noradrenalin hemmt; sie werden in der Behandlung der Hypertonie (Bluthochdruck) eingesetzt; haben aber relativ viele Nebenwirkungen, weshalb sie nicht Medikamente der ersten Wahl sind
  • Weitere Medikamente: siehe dazu unter "Arzneimittelnebenwirkungen" unter "Kopfschmerzen durch Medikamente"

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Flackerlicht
  • Lärm
  • Aufenthalt in großer Höhe
  • Wettereinflüsse, vor allem Kälte; ebenfalls Föhn
  • Rauch

Literatur

  1. Bigal ME, Lipton RB: Obesity is a risk factor for transformed migraine but not chronic tension-type headache. Neurology 2006;67:252-257
  2. Watemberg N et al.: The Influence of Excessive Chewing Gum Use on Headache Frequency and Severity Among Adolescents. Pediatr Neurol 2013, online 4. November; doi: 10.1016/j.pediatrneurol.2013.08.015
  3. Kasper, H: Ernährungsmedizin und Diätetik.11. Auflage, Urban & Fischer, München, 2009
  4. Ferrara LA, et al.: Low-lipid diet reduces frequency and severity of acute migraine attacks. Nutrition, Metabolism & Cardiovascular Diseases, 09. Jan 2015
  5. Perry CJ, Blake P, Buettner C et al.: Upregulation of inflammatory gene transcripts in periosteum of chronic migraineurs: Implications for extracranial origin of headache. Ann Neurol 2016 Jun;79(6):1000-13. doi: 10.1002/ana.24665. Epub 2016 May 5.
     
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