Einleitung
Migräne

Migräne (Synonyme: Hemicranie; Hemikranie; ICD-10 G43.-: Migräne) ist durch anfallsartige, pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet.

Die Internationale Kopfschmerz-Gesellschaft klassifiziert die Migräne wie folgt:

  1. Migräne ohne Aura
  2. Migräne mit Aura
  3. Ophtalmoplegische Migräne – einseitige Migräne mit reversibler (sich zurückbildender) Lähmung eines oder mehrerer Hirnnerven, die die Augenmuskeln versorgen
  4. Retinale Migräne – Sehstörungen bis hin zur vorübergehenden Erblindung auf einem Auge
  5. Periodische Symptome in der Kindheit als mögliche Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer Migräne
  6. Migränekomplikationen Status migraenosus, d. h. Anfall länger als 72 Stunden; migränöser Infarkt, d. h. Aura-Symptome über 7 Tage, die von einem Schlaganfall (Apoplex) begleitet sein können
  7. Migräneartige Störungen, die nicht die obigen Kriterien erfüllen

Aura ist der medizinische Begriff für Erscheinungen, die einer Migräne vorangehen. Dazu zählen unter anderem Sehstörungen (grelles Licht; zentrales Flimmerskotom), Sensibilitätsstörungen, Paresen (unvollständige Lähmungen) oder Aphasie (Sprachstörungen). Die Symptome entstehen meist innerhalb von weniger Minuten und verändern sich in den folgenden 10-60 Minuten (siehe dazu auch unter "Klassifikation").

Eine Migräne wird als episodische Migräne bezeichnet, wenn diese an 15 Tagen in einem Monat auftritt. Von einer chronischen Migräne spricht man, wenn diese mindestens 3 Monate mit mindestens 15 Kopfschmerztage pro Monat besteht und davon mehr als 8 die Diagnosekriterien der Migräne erfüllen.

Geschlechterverhältnis: Männer zu Frauen beträgt 1 : 3 (in der Altersgruppe 35-45 Jahre); vor der Pubertät sind Jungen und Mädchen gleich häufig betroffen.

Häufigkeitsgipfel: Die Erkrankung tritt vorwiegend im Alter zwischen 35 und 45 Jahren auf (bei Frauen). Beginn der Erkrankung zwischen dem 10.-20. Lebensjahr.
Beachte: Jenseits des 60. Lebensjahrs ist die Erstmanifestation einer Migräne eine Rarität [3].

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) liegt für Frauen bei 12-14 % und für Männer bei 6-8 %. Die Lebenszeitprävalenz (Krankheitshäufigkeit auf die gesamte Lebenszeit bezogen) liegt für Frauen bei 25 % und für Männer bei 8 % (in Deutschland). Etwa 3,7 Millionen Frauen und 2 Millionen Männer leiden in Deutschland an Migräne. Auch Kinder können betroffen sein. Ca. 4-5 % der Kinder vor der Pubertät leiden an dieser Art von Kopfschmerzen.
Die Prävalenz der chronischen Migräne liegt bei 1,0-1,5 %, wobei bei etwa der Hälfte der Betroffenen zusätzlich eine Medikamentenüberbrauch (Medication Overuse Headache; MOH) existiert [2].

Verlauf und Prognose: Ein Migräneanfall kündigt sich bei vielen Patienten durch Vorboten bzw. typische Symptome vorher an. Erste Hinweise können schon bis zu zwei Tage vor einer Attacke auftreten, andere treten erst ein bis zwei Stunden vorher auf.
Die Migräne tritt in ca. 60 % der Fälle einseitig auf (Hemikranie) und in ca. 40 % der Fälle generalisiert. Die Attacken dauern 4-72 Stunden.
Wenn ein Migräneanfall länger als 72 Stunden andauert, spricht man von einem Status migraenosus.
Es gibt zwei Formen der Migräne: Migräne mit und ohne Aura. Eine Migräne mit Aura (Synonyme: klassische Migräne, ophthalmische Migräne, Migraine accompagné) tritt in ca. 10-15 % der Fälle auf. Sie tritt meistens halbseitig auf und geht im Regelfall mit einer Photo- und Phonophobie (Licht- und Lärmscheu) einher. Dabei treten visuelle Störungen (Lichtblitze, Zickzack-Sehen, Skotome (Ausfall/Abschwächung eines Teiles des Gesichtsfeldes) und/oder sensible Störungen und/oder Sprachstörungen vor den Kopfschmerzen auf. Diese Symptome sind komplett reversibel (bilden sich zurück). In seltenen Fällen treten die Auren auch ohne anschließende Schmerzphase auf. 

Körperliche Aktivitäten verstärken die Kopfschmerzen und das begleitende Auftreten von Nausea (Übelkeit) und Emesis (Erbrechen).

Komorbiditäten (Begleiterkrankungen): Migräne ist mit einem erhöhten Risiko für Harnsteine assoziiert (verbunden) [1].

Literatur

  1. Tsai MJ, Chen YT, Ou SM, Shin CJ, Peng KP, Tang CH, Wang SJ: Increased risk of urinary calculi in patients with migraine: A nationwide cohort study. Cephalalgia. 2014 Oct 15. pii: 0333102414553825.
  2. Schwedt TJ. Chronic migraine. BMJ. 2014; 348: g1416
  3. Pfaffenrath V, Fendrich K, Vennemann M, Meisinger C, Ladwig KH, Evers S, et al. Regional variations in the prevalence of migraine and tension-type headache applying the new IHS criteria: the German DMKG Headache Study. Cephalalgia. 2009;29(1):48-57

Leitlinien

  1. DGS - PraxisLeitlinien Schmerzmedizin. PraxisLeitlinie Primäre Kopfschmerzerkrankungen v2.0 2015 http://dgschmerzmedizin.de/praxisleitlinien/Primaere_Kopfschmerzerkrankungen.pdf
  2. Kropp P et al.: Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen zur Behandlung der Migräne Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Relaxation therapy and cognitive behavioural therapy for treatment of migraine Nervenheilkunde 2016; 35: 502-515 eingegangen am: 10. April 2016 angenommen am: 21. April 2016

     
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