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Schlauchmagen-Operation

Bei der Schlauchmagen-Operation (Synonyme: Sleeve-Gastrektomie, engl. Sleeve Gastrectomy; SG) handelt es um ein operatives Verfahren der Adipositas-Chirurgie.

Die Schlauchmagen-Operation kann bei einer Adipositas ab einem BMI ≥ 35 kg/m2 mit einer oder mehreren Adipositas-assoziierten Begleiterkrankungen angeboten werden, wenn die konservative Therapie erschöpft ist.

Im Gegensatz zu weiteren bariatrischen Verfahren (Adipositas-Chirurgie) wie dem Magenband lässt sich mit Hilfe der Schlauchmagen-Operation eine größere Gewichtsreduktion erzielen. Die Schlauchmagen-Operation stellt im Gegensatz zur Magenbandoperation eine irreversible Veränderung dar. Gegebenenfalls ist der Effekt der Operation nicht ausreichend, sodass ein ergänzendes Bypass-Verfahren erforderlich werden kann. Inwieweit mit der Schlauchmagen-Operation auch langfristig eine Gewichtsreduktion erfolgreich aufrechterhalten werden kann, muss abgewartet werden.

Indikationen (Anwendungsgebiete) für die Adipositaschirurgie [gemäß S3-Leitlinie: Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen, s. u.]

  • Bei Patienten mit einem BMI ≥ 40 kg/m2 ohne Begleiterkrankungen und ohne Kontraindikationen ist nach Erschöpfung der konservativen Therapie nach umfassender Aufklärung eine adipositaschirurgische Operation indiziert.
  • Patienten mit einem BMI ≥ 35 kg/m2 mit einer oder mehreren Adipositas-assoziierten Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2,  Herzinsuffizienz, Hyperlipidämie, arterieller Hypertonus, koronare Herzerkrankung (KHK), Nephropathie, Obstruktives Schlafapnoesyndrom (OSAS), Adipositas-Hypoventilationssyndrom, Pickwick Syndrom, nicht alkoholische Fettleber (NAFLD) oder nicht alkoholische Fettleberhepatitis (NASH), Pseudotumor cerebri, Gastroösophageale Refluxerkrankung (GERD), Asthma bronchiale, chronisch venöse Insuffizienz (CVI), Harninkontinenz, immobilisierende Gelenkerkrankung, Einschränkungen der Fertilität oder polyzystisches Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom) sollte eine adipositaschirurgische Operation angeboten werden, wenn die konservative Therapie erschöpft ist.
  • Unter bestimmten Umständen kann eine Primärindikation zu einem adipositaschirurgischen Eingriff gestellt werden, ohne dass vorher ein konservativer Therapieversuch erfolgte. Die Primärindikation kann gestellt werden, wenn eine der folgenden Bedingungen gegeben ist: bei Patienten
    • mit einem BMI ≥ 50 kg/m2.
    • bei denen ein konservativer Therapieversuch durch das multidisziplinäre Team als nicht erfolgsversprechend bzw. aussichtslos eingestuft wurde.
    • mit besonderer Schwere von Begleit- und Folgeerkrankungen, die keinen Aufschub eines operativen Eingriffs erlauben.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Instabile psychopathologische Zustände
  • Unbehandelte Bulimia nervosa
  • Aktive Substanzabhängigkeit
  • Schlechter Allgemeinzustand
  • Fehlende Indikation − sollte die Adipositas durch eine Erkrankung (z. B. Hypothyreose, Conn-Syndrom (primärer Hyperaldosteronismus, PH), Morbus Cushing, Phäochromozytom) hervorgerufen werden

Vor der Operation

  • Erkennung vorliegender Begleiterkrankungen − vor der Operation ist neben einer Anamnese auch eine ausführliche Diagnostik notwendig, um unter anderem das Operationsrisiko und den späteren Erfolg der Operation einschätzen zu können. Als diagnostische Maßnahmen zur Beurteilung eines Diabetes mellitus sollten unter anderem der Nüchtern-Blutzucker und eine HbA1c-Messung erfolgen. Außerdem muss auf Grund des hohen Risikos für Begleiterkrankungen eine Erkennung von einem Schlafapnoesyndrom, einer Hypoventilation (unzureichende Atmung), einer pulmonalarteriellen Hypertonie (erhöhter Blutdruck der Lungengefäße), einer koronaren Herzerkrankung (KHK) und eines Cor pulmonale (Herzerkrankung als Folge einer Lungenerkrankung) durchgeführt werden.
  • Medikamentöse Voreinstellung − um das Komplikationsrisiko soweit wie möglich zu reduzieren, müssen vorliegende Erkrankungen in der Regel vor dem Eingriff medikamentös optimal eingestellt werden. Weiterhin ist es unabdingbar, dass auch der Gastrointestinaltrakt (Magen-Darm-Trakt) einer ausführlichen Untersuchung unterzogen wird. Diese dient unter anderem der Diagnose einer gastroösophagealen Refluxerkrankung (Sodbrennen) oder eines Magenulkus (Magengeschwür). In solchen Fällen ist eine präoperative Therapie beispielsweise mit Protonenpumpeninhibitoren (PPI; Säureblocker) notwendig.

Das Operationsverfahren

Bei der Schlauchmagenbildung handelt es sich um ein restriktives Verfahren, welches zusätzlich die Magensäureproduktion reduziert. Des Weiteren führt die Schlauchmagen-Operation zur Senkung des Ghrelinspiegels (appetitanregendes Hormon aus der Magenschleimhaut), sodass das Hungergefühl signifikant vermindert werden kann. Im Rahmen der Operation werden Fundus und Corpus (der größte Teil des Magens) entfernt, sodass als Restmagen lediglich der Antrumbereich erhalten bleibt. Durch den Eingriff wird das Magenvolumen um ungefähr 90 % reduziert. Trotz des großen Resektionsvolumens wird der Eingriff im Regelfall minimalinvasiv durchgeführt, was sowohl das kosmetische Ergebnis verbessert als auch das Risiko von Wundheilungsstörungen reduziert.

Da es sich bei der Schlauchmagen-Operation um ein relativ neues bariatrisches Verfahren handelt, sind die Langzeitergebnisse noch nicht ausreichend beurteilbar, weshalb das Verfahren insbesondere bei jungen Menschen momentan noch kritisch betrachtet werden sollte.

Nach der Operation

Im Anschluss an die Operation müssen Kontrollen zum Ausschluss von Komplikationen und zur Funktion des Gastrointestinaltraktes gemacht werden. Im Anschluss an den Eingriff werden die operierten Patienten auf eine "Intermediate Care"-Station verlegt, sodass eine optimale Betreuung gewährleistet werden kann. Bereits frühzeitig, gegebenenfalls am ersten postoperativen Tag, sollte eine vorsichtige Mobilisierung des Patienten erfolgen. Am zweiten postoperativen Tag sollte eine Gastrographinschluck durchgeführt werden, um mögliche Insuffizienzen oder Stenosen nachweisen zu können. Ein langsamer und schonender Kostaufbau über mehrere Wochen ist anzustreben.

Mögliche Komplikationen bzw. Folgeerkrankungen

  • Stenosen − bei Schlauchmagen-Operationen besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für Magenstenosen (0,7-4,0 %) [1] im Vergleich zu anderen bariatrischen Verfahren.
  • Lumenerweiterung − analog zu einer möglichen Stenosen ist auch das Risiko für eine deutlich Weitung des Lumens (Öffnung des Hohlorgans) höher als bei weiteren Verfahren der Adipositas-Chirurgie.
  • Klammernahtinsuffizienz – insbesondere wenn der Eingriff überdurchschnittlich lange gedauert hatte (OR 1,04 für jede Verlängerung der Operationsdauer um zehn Minuten) [8]
  • Lungenembolie − das Risiko für eine Lungenembolie unterscheidet sich bei den einzelnen Verfahren der Adipositaschirurgie nicht wesentlich.
  • Magenulzera die Entwicklung eines Ulkus (Geschwür) im Magen ist bei der Schlauchmagenoperation deutlich geringer als beispielsweise bei einem Roux-en-Y-Magenbypass.
  • Thrombosen und Wundheilungsstörungen − wie bei jeder Bauchoperation besteht das Risiko für primär postoperative Komplikationen wie Thrombosen und Wundheilungsstörungen.
  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (Synonyme: GÖRK; Gastro-oesophageal reflux disease (GORD)) – häufige Reflux (lat. refluere = zurückfließen) von saurem Magensaft und anderen Mageninhalten in den Ösophagus (Speiseröhre)  (> 40 % der Fälle) [9]

Literatur

  1. Keuthage W: Bariatrische Operationen bei Adipositas und Typ-2-Diabetes. Diabetes aktuell. 2010. 8:124-130
  2. Hüttl TP, Kramer KM, Wood H: Bariatrische Chirurgie. Diabetologe. 2010. 8:637-646 Georg Thieme Verlag
  3. Hüttl TP, Lang RA: Chirurgische Therapiekonzepte der morbiden Adipositas. intensiv. 2009. 17:228-233
  4. Runkel N, Colombo-Benkmann M, Hüttl TP, Tigges H, Mann O, Sauerland S: Clinical practice guideline: Bariatric surgery. Dtsch Arztebl Int. 2011. 108:341-346
  5. Weiner RA: Operative Therapie der Adipositas. Gastroenterologe. 2010. 5:222-231. doi: 10.1055/s-0034-1377691
  6. Miller K, Hell E: Malabsorptionsmethoden in der bariatrischen Chirurgie. Zentralbl Chir. 2002. 127:1044-1048
  7. Wolf A: Handbuch Essstörungen und Adipositas. Springer Verlag 2008
  8. Stroh C et al.: Results of More Than 11,800 Sleeve Gastrectomies: Data Analysis of the German Bariatric Surgery Registry. Ann Surg 2015; online 31. Dezember. doi: 10.1097/SLA.0000000000001559
  9. Mandeville Y et al.: Moderating the Enthusiasm of Sleeve Gastrectomy: Up to Fifty Percent of Reflux Symptoms After Ten Years in a Consecutive Series of One Hundred Laparoscopic Sleeve Gastrectomies. Obes Surg. 2017 Jul;27(7):1797-1803. doi: 10.1007/s11695-017-2567-z

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Prävention und Therapie der Adipositas. (AWMF-Registernummer: 050-001), April 2014 Langfassung
  2. S3-Leitlinie: Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen. (AWMF-Registernummer: 088-001), Februar 2018 Langfassung
  3. S3-Leitlinie: Therapie und Prävention der Adipositas im Kindes- und Jugendalter. (AWMF-Registernummer: 050-002), August 2019 Langfassung
     
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