Einleitung
Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)

Bei der Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung) (Synonyme: Nierenbeckeninfektion; Nierenbeckeninfektion, akut; PN; Pyelitis, akute; ICD-10 N10: Akute tubulointerstitielle Nephritis) handelt es sich um eine eitrige Infektion des Nierenbeckens mit Beteiligung des Nierenparenchyms (Nierengewebes).

Bei einer Pyelonephritis spricht man auch von einer oberen Harnwegsinfektion (HWI).

Die Pyelonephritis gehört zu den häufigen Infektionskrankheiten und wird in den meisten Fällen durch Escherichia coli (gramnegative Stäbchen aus der Darmflora) verursacht. Auch Kokken (grampositiv), Proteus und Klebsiella können zu einer Pyelonephritis führen.  

Man unterscheidet die folgenden Formen der Pyelonephritis (PN):

  • akute Pyelonephritis (aPN)
  • chronische Pyelonephritis (cPN) – chronische schubweise verlaufende entzündliche Nierenparenchymdestruktion (Zerstörung des Nierengewebes); eine genaue Definition der cPN existiert nicht

Geschlechterverhältnis: Männer zu Frauen beträgt 1 : 2. Da Frauen eine kürzere Urethra (Harnröhre) haben, begünstigt dieses das Aufsteigen von Bakterien in die Harnblase und von dort in das Nierenbecken.

Häufigkeitsgipfel: Die Erkrankung tritt häufig bei älteren Männern mit einer benignen Prostatahyperplasie (BPH, gutartige Prostatavergrößerung) auf. Durch die vergrößerte Prostata verbleibt nach dem Wasserlassen Restharn in der Blase, der den Keimen eine gute Wachstumsmöglichkeit bietet.
Bei Kindern treten in den ersten 6 Lebensjahren akute Harnwegsinfektionen (HWI) bei ca. 7 % der Mädchen und 2 % der Jungen auf [2]. Des Weiteren tritt eine Pyelonephritis bei 1-2 % der Schwangerschaften auf.

Epidemiologische Untersuchungen in Holland geben in der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen eine 1-Jahres-Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) für eine Pyelonephritis von 1,19 pro 1.000 Patientinnen an [1].

Die Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) bei Frauen beträgt ca. 2,5 Erkrankungen pro 1.000 Frauen pro Jahr und bei Männern ca. 1 Erkrankung pro 1.000 Männer pro Jahr (in Deutschland).

Verlauf und Prognose: Die akute unkomplizierte Pyelonephritis (AUP) zählt zu den unkomplizierten Harnwegsinfekten (HWI). Ein Harnwegsinfekt wird als unkompliziert klassifiziert, wenn keine funktionellen oder anatomischen Anomalien im Harntrakt, keine Nierenfunktionsstörungen und keine Begleiterkrankungen vorliegen, die den HWI begünstigen. Die AUP wird von hohem Fieber, starken Flankenschmerzen (Schmerzen in der Seite) und Nausea (Übelkeit) begleitet. Sie heilt unter Antibiotikatherapie folgenlos aus. Die Pyelonephritis kann rezidivierend (wiederkehrend) auftreten. Bei Auftreten einer Urosepsis (nierenbedingter Blutvergiftung) ist die Erkrankung auch heute noch trotz moderner antibiotischer Therapie potentiell lebensbedrohlich. Selten geht eine akute Pyelonephritis in eine chronische Form über.

Literatur

  1. van der Linden MW, Westert GP, de Bakker DH, Schellevis FG. NIVEL in 004Tweede Nationale Studie naar ziekten en verrichtingen in dehuisartspraktijk. Klachten en aandoeningen in de bevolking en in de huisartspraktijk. Utrecht/Bilthoven: NIVEL/RIVM, 2004
  2. S3-Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie und Management unkomplizierter bakterieller ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. (AWMF-Registernummer: 043-044), Juni 2010 Kurzfassung Langfassung

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie und Management unkomplizierter bakterieller ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. (AWMF-Registernummer: 043-044), Juni 2010 Kurzfassung Langfassung

     
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